Georgien in Antike und Mittelalter: Resilienz und Ambition im Land des Goldes (Vorbereitungsseminar)

Thema:
Georgien in Antike und Mittelalter: Resilienz und Ambition im Land des Goldes (Vorbereitungsseminar)
Veranstaltungstyp:
Vorbereitungsseminar zur Exkursion
Semester:
Wintersemester 2026/27
Zielgruppe:
Alle Geschichtsstudierenden der Studiengänge BA KW und MA GeEu
Ort:
Hagen/ Online
Adresse:
Campus Hagen
FernUniversität in Hagen
Gebäude 11, D 1005 (1. OG)
Universitätsstr. 37
und bei Bedarf Online über Zoom
Termin:
26.02.2027 bis
27.02.2027
Zeitraum:
Jeweils 10 - 18 Uhr

Leitung:
Dr. Daniel Syrbe
Anmeldefrist:
15.10.2026 - 14.01.2027
Anmeldung:
Diese Online-Anmeldung ist zugleich die verbindliche Anmeldung zur Exkursion nach Georgien, es ist keine erneute Anmeldung erforderlich.
Auskunft erteilt:
Dr. Daniel Syrbe
E-Mail: daniel.syrbe
Hinweis:
Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.

Die Exkursion selbst ist vom 3. bis 8. Mai 2027 geplant.

Georgien in Antike und Mittelalter: Resilienz und Ambition im Land des Goldes

Das heutige Georgien, das Gebiet im Südwesten des Kaukasus, ist in der Antike ein vielschichtiger Kulturraum, zu dem im Westen, dem Schwarzen Meer zugewandt, das Land Kolchis gehört, in das die mythischen Argonauten mit ihrem Anführer Iason aus Griechenland kamen, um das Goldene Vlies zu stehlen. Im Osten des heutigen Georgien formierte sich im Zuge der Diadochenkriege nach dem Tod des Makedonenkönigs Alexander III. (den Sie wohl als „den Großen“ kennen) gegen Ende des 4. Jh. v. Chr. unter der Dynastie der Parnawasiden das Land Iberien, das, nach wechselvoller Geschichte, im frühen 4. Jh. n. Chr. zu einem der ersten christlichen Reiche Eurasiens wurde, als König Mirian III. im Jahr 337 das Christentum zur offiziellen „Staatsreligion“ erklärte — gut ein halbes Jahrhundert vor dem Edikt „cunctos populos“ des römischen Kaisers Theodosius I. Mit der islamischen Expansion des 7. Jh. setze in der Region zunächst ein politischer Fragmentierungsprozess ein, aus dem dann im 10. Jh. das Königreich Georgien als eine wichtige Regionalmacht hervorging. Das anbrechende sogenannte „Goldene Zeitalter“ Georgiens, das man gemeinhin mit der Herrschaft Davids IV. „des Erbauers“ (1089—1125) beginnen lässt, ist von Konflikten mit den benachbarten Herrschaftsbildungen der Armenier, Seldschuken und Byzantiner, territorialer Expansion, aber auch kultureller und wirtschaftlicher Blüte geprägt, letzteres ganz besonders unter der Herrschaft der politisch geschickt agierenden Königin Tamar (1184—1213). All dies endete recht abrupt, als in den 1220er Jahren die Mongolen die Gebiete südlich des Kaukasus erreichten und Georgien 1243 unter ihre Oberhoheit brachten.

Aufgrund seiner geostrategischen Lage zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus, aber auch wegen der hier zu findenden natürlichen Ressourcen, bildete der Raum des heuten Georgien seit der Bronzezeit und durch die Antike hindurch bis ins Mittelalter eine wichtige Kontaktzone, in die die imperialen Mächte der griechisch-römischen, der iranischen und der islamischen Welt sowie der Eurasischen Steppe ausstrahlten. Dennoch gelang es den Herrschern in der Region, sich über Jahrhunderte gegenüber den Imperien der Römer und Byzantiner, der Parther und Sasaniden sowie später gegen wechselnde islamische Kalifate und ephemere Mächte der Eurasischen Steppe zu behaupten. Es entwickelte sich eine eigene Kultur, deren sagenhafter Reichtum nicht nur im Mythos vom Goldenen Vlies einen Reflex fand, sondern in der vor allem lokale Ausdrucksformen griechische, römische, iranische und islamische Elemente aufnahmen. In der Spätantike entwickelte sich seit dem frühen 4. Jh. eine nach moderner Terminologie „orthodoxe“ Kirche, für die die Heilige Nino (immer noch) von zentraler Bedeutung ist und die regionale Identitätsbildungsprozesse erheblich beeinflusste, auch und ganz besonders in Abgrenzung zu den Kirchen im byzantinischen Kleinasien, Syrien und in Armenien. Nicht zuletzt entstand in Georgien eine Schriftkultur mit eigener Alphabetschrift und eigenen literarischen Traditionen.

Dieses Land wollen wir uns in einer gut einwöchigen Exkursion erschließen. Geplant sind zwei Standorte, zum einen Kutaissi im antiken Kolchis bzw., wie die Region in der Spätantike heißt, Lazika, zum anderen Tiflis im historischen Iberien. Die An- und Abreise dorthin/von dort ist selbständig zu organisieren. Näheres zu Reiseplan und zu erwartenden Kosten geben wir über die Moodle-Plattform zur Exkursion bekannt!

Für die Teilnahme an der Exkursion ist das (hybride) Vorbereitungsseminar verpflichtend zu absolvieren. Die Anmeldung zum Seminar schalten wir Mitte September frei. Mit der Anmeldung zum Seminar melden Sie sich gleichzeitig zur Exkursion an (um Verbindlichkeit herzustellen, ist bis Ende des Jahres eine erste Anzahlung der Reisekosten zu leisten).

Bitte beachten Sie, dass laut Informationen des Auswärtigen Amtes erstens bei Einreise eine Auslandskrankenversicherungspflicht gilt und zweitens Ihr Reisepass 6 Monate über das Ausreisedatum hinaus gültig sein muss (für Informationen siehe: https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/georgien-node/georgiensicherheit-201918?isLocal=false&isPreview=false 6 — Stand September 2026).

Achtung! Aus organisatorischen Gründen gilt eine Teilnahmebeschränkung, im Fall starker Nachfrage müssen wir eine Auswahl aus den eingegangenen Anmeldungen treffen.

Von allen Teilnehmenden wird die Übernahme eines inhaltlichen Beitrags zum Seminar bzw. zur Exkursion erwartet; eine Themenliste finden Sie nach Anmeldeschluss auf der erwähnten Moodle-Plattform.

Wie immer können Sie im Rahmen des Seminars und/oder der Exkursion Prüfungsleistungen absolvieren; insbesondere im Fall von angestrebten Portfolioprüfungen nehmen Sie bitte frühzeitig Kontakt auf!

Literatur zum Einstieg:

  • Maisuradze, Giorgi/Schollmeyer, Patrick: Medusa Heimat. Georgien in der Antike, (Zaberns Bildbände zur Archäologie), Darmstadt: WBG/Philipp von Zabern 2018 (= erster, farbenfroher Einstieg insbesondere zur Antike in Georgien).
  • Fähnrich, Heinz: Geschichte Georgiens, (Handbuch der Orientalist VIII, 21), Leiden: Brill 2010 (= Überblicksdarstellung von der Frühgeschichte bis in die Gegenwart).