Frauenherrschaften: Adelige Frauen als Netzwerkerinnen und Kulturübersetzerinnen in und um Alteuropa
- Thema:
- Frauenherrschaften: Adelige Frauen als Netzwerkerinnen und Kulturübersetzerinnen in und um Alteuropa
- Veranstaltungstyp:
- Onlineveranstaltung
- Semester:
- Wintersemester 2026/27
- Zielgruppe:
-
BA KuWi:
Modul 25203/G3;
Modul 25204/G4;
Modul 25307/W GEN;
MA GeEu:
Modul 26204/IV;
Modul 26205/V;
Modul 26206/VI;
Weitere Interessierte auf Anfrage
- Ort:
- Online
- Adresse:
-
Zoom
- Termin:
- 14.10.2026
bis
16.02.2027 - Zeitraum:
- 14.10/ 21.10/ 4.11./ 18.11./ 2.12.2026/ 16.2.2027
jeweils von 18 - 21 Uhr
(von den sechs regulären Terminen müssen Sie bei mindestens vier anwesend sein, damit Ihnen eine Seminarveranstaltung im Sinne der Studienordnung bescheinigt werden kann) - Leitung:
- Prof. Dr. Felicitas Schmieder
- Anmeldefrist:
- 14.07.2026 - 13.09.2026
- Anmeldung:
- Online-Anmeldung - nach Freischaltung unten möglich
- Auskunft erteilt:
-
Christiane Eilers B.A., Sekretariat Schmieder
E-Mail: sekretariat.schmieder
Telefon: +49 2331 987-4752 - Hinweis:
- Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.
Frauenherrschaften:
Adelige Frauen waren – obgleich nicht „gleichberechtigt“ in irgendeinem modernen Sinne – trotz des über die Zeiten wachsenden genealogischen Fokus auf die männliche, die agnatische Abstammungslinie, in Alteuropa ihrer hohen politischen und gesellschaftlichen Bedeutung wegen geschätzt und wurden zu Herrscherinnen erzogen – sie spielten eine ganz entscheidende Rolle, auch wenn Lehen, Fürstentümer etc. offenbar grundsätzlich nur von Männern innegehabt werden konnten. Die Frauen brachten das Gewicht ihrer eigenen Herkunftsfamilie ein, das größer sein konnte als das ihres Mannes, sie waren wichtigste Beraterinnen ihrer Männer, Mütter und Erzieherinnen zukünftiger Fürsten und Lehnsträger – und oft genug Regenrinnen für ihre unmündigen, vaterlosen Söhne. Adelige Frauen waren also nicht nur Töchter, Ehefrauen, ggf. Witwen, Mütter, sie waren Stellvertreterinnen, Regentinnen, sie führten den adeligen Haushalt, sie waren lange Zeit die erste Anlaufstelle für Bitten an den Herrscher. Sie waren zuständig für die Familie, Vorfahren wie Nachkommen, deren Erinnerung (memoria) sie wachhielten; sie waren schließlich als Äbtissinnen Herrinnen, oft sogar Reichsfürstinnen eigenen Rechts. Die Personen, mit denen man über die weibliche Linie verwandt war, ergänzten die Agnaten zum weiten Netz der cognatischen Verwandtschaft: Man musste nicht nur wissen, mit wem man nach allen Seiten verwandt war, weil kirchenrechtliche Bestimmungen das Heiraten beschränkten und man ja heiratete, um legitimen Nachwuchs zu haben. Man wollte auch nach außen heiraten, um Besitz hinzuzugewinnen, den Einfluss, das Prestige und möglichst den Rang des eigenen Hauses (der Sippe, des Clans …) zu mehren. Man warf, um im Bild zu bleiben, das Netz möglichst weit aus. Fast immer waren es dann die Frauen, die oft weite Entfernungen zu überwinden hatten, im direkten physischen Sinne ebenso wie im kulturellen: Eine neue Sprache, neue Gesetze und Gebräuche, neue Verbindungen mussten dann erlernt werden. Hin und wieder wechselten auch Männer den Hof, das Land, die Familie, wenn es eine „Erbtochter“ zu heiraten gab.
Das online-Seminar ist nicht teilnahmebeschränkt; wenn Sie Ideen für Referate haben, die Sie gerne in eine Prüfungsleistung (Portfolio) umsetzen wollen, bringen Sie sie gerne frühzeitig ein.
Zur Vorbereitung empfohlene Literatur:
Cremer, Annette C./ Baumann, Anette/ Bender, Eva (Hg.), Prinzessinnen unterwegs. Reisen fürstlicher Frauen in der Frühen Neuzeit, Berlin 2018 (bibliothek altes Reich. 22) = online in UB Hagen
Keller, Katrin, Die Kaiserin: Reich, Ritual und Dynastie, Wien u.a. 2021 = online in UB Hagen
Pauly, Michel (Hg.), Die Erbtochter, der fremde Fürst und das Land. Die Ehe Johanns des Blinden und Elisabeths von Böhmen in vergleichender europäischer Perspektive, Luxemburg 2013 (Publications du CLUDEM. 38)
Rogge, Jörg (Hg.), Fürstin und Fürst: Familienbeziehungen und Handlungsmöglichkeiten von hochadeligen Frauen im Mittelalter, Ostfildern 2004 = https://digi.ub.uni- heidelberg.de/diglit/mf15