Lüdenscheider Gespräche

Foto: Nikolaus Urban
Marcus Weidner

Aktuelle Veranstaltung:

Die Toten von Meschede. Rekonstruktion, Strafverfolgung und Erinnerungskultur eines Kriegsverbrechens

Vortrag: Dr. Marcus Weidner, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte /Dr. Manuel Zeiler, LWL-Archäologie für Westfalen

Moderation: Dr. Dietmar Simon, Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid e.V.

Mittwoch, 18.03.2026, 18:00 Uhr

Kulturhaus Lüdenscheid und im Livestream

In Kooperation mit dem Geschichtlichen Forum des Geschichts- und Heimatvereins Lüdenscheid e.V.

Flyer mit Zoom-Link (PDF 1 MB)


Seit 1993 gibt es die „Lüdenscheider Gespräche“, eine Veranstaltungsreihe des Instituts für Geschichte und Biographie, bei der die subjektive, lebensgeschichtliche Perspektive auf Geschichte im Mittelpunkt steht. Die Referenten haben oft selbst „Geschichte gemacht“ und treten als Zeitzeugen auf. Oder Sie haben sich als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Biographinnen und Biographen, Publizistinnen und Publizisten oder Filmemacherinnen und Filmemacher mit ausgewählten Persönlichkeiten der Geschichte näher befasst bzw. sich mit dem Schicksal bestimmter Personengruppen auseinandergesetzt. Das Angebot reicht vom Kolloquium für wissenschaftlich Interessierte über Veranstaltungen mit Zeitzeugen bis hin zu Filmvorführungen und Vorträgen bekannter Persönlichkeiten. Nach den Vorträgen oder Gesprächen hat das Publikum die Gelegenheit, sich zu beteiligen.

Viele „Lüdenscheider Gespräche“ wurden und werden aufgezeichnet und sind jederzeit in der Mediathek abrufbar.

zur Mediathek

Zur Zeit veranstalten wir hybrid, also live im Kulturhaus und gleichzeitig digital in Zoom. Die aktuellen Zugangsdaten finden sie oben auf dieser Seite. Es ist keine vorherige Anmeldung erforderlich.

Wenn Sie in den Post- bzw. E-Mailverteiler für das Programm der „Lüdenscheider Gespräche“ aufgenommen werden möchten, schreiben Sie uns an
E-Mail: igb


Programm für 2026

  • Vortrag: Prof. Dr. Jeannette van Laak, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

    Moderation: Dr. Almut Leh, FernUniversität in Hagen

    Termin: 21. Januar 2025, 18:00 Uhr

    Ort: Kulturhaus Lüdenscheid und in Zoom

    Pressebericht (PDF 100 KB)

    Als Jüdin und Kommunistin von den Nationalsozialisten verjagt und
    aus Deutschland vertrieben, gelangte die jüdisch-deutsche
    Grafikerin Lea Grundig (1906-1977) 1940 auf abenteuerlichen
    Wegen nach Palästina. Als eine der ersten hat sie die Berichte über
    den Judenmord in eine Bildsprache übersetzt, lange bevor es
    Fotografie über die befreiten NS-Lager gab. Außerdem hat sie
    mehr als 20 hebräische Kinder- und Jugendbücher illustriert. Für
    viele ihrer jüdischen Freunde überraschend emigrierte sie 1948
    erneut und kehrte ins Land der Täter zurück. Seit 1949 lebte sie
    wieder in ihrer Geburtsstadt Dresden und wurde dort Professorin
    für Grafik an der Hochschule für Bildende Künste. Als
    Westemigrantin begegneten ihr viele SED-Funktionäre kritisch, bis
    es ihr schließlich mit „Gesichte und Geschichte“ gelang, sich als
    treue Kommunistin in die Memoirenliteratur der DDR
    einzuschreiben ohne ihr jüdische Herkunft zu verleugnen.
    Jeannette van Laak spürt in einer reich bebilderten Biografie den
    Lebenswegen Lea Grundigs nach, wobei sie einen Schwerpunkt auf die
    Jahre zwischen 1938 und 1958 legt. Sie erzählt von Grundigs
    Vertreibung aus Deutschland, ihrem Leben in Palästina und in der
    frühen DDR. Sie berichtet von Aufbrüchen und von Ankünften, von
    Verlusten wie auch Gewinnen der Migration. Scheinbar eindeutige
    Begriffe wie Flucht, Emigration und Exil werden dabei hinterfragt. So
    entsteht das Porträt einer umstrittenen, eigensinnigen und sensiblen
    Künstlerin als einer modernen, unbehausten Frau des 20. Jahrhunderts.

    Jeannette van Laak hat Geschichte, Germanistik und Philosophie
    studiert und lehrt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und
    an der Universität Leipzig Geschichtsdidaktik und Public History.

    • Vortrag: Dr. Marcus Weidner, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte /Dr. Manuel Zeiler, LWL-Archäologie für Westfalen
    • Moderation: Dr. Dietmar Simon, Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid e.V.
    • Termin: 18.03.2026, 18:00 Uhr
    • Ort: Kulturhaus Lüdenscheid und in Zoom
    • in Kooperation mit dem Geschichtlichen Forum des Geschichts- und Heimatvereins Lüdenscheid e.V.

    Zwischen dem 21. und 23. März 1945 - kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs - verübten Angehörige der "Division zur Vergeltung" zwischen Warstein und Meschede im Sauerland eines der größten Kriegsendphaseverbrechen in Deutschland außerhalb von Konzentrationslagern und Gefängnissen. Hans Kammler, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, ließ an drei Stellen im Arnsberger Wald 208 polnische und russische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ermorden.

    Obwohl das Verbrechen seit 1945 bekannt ist, beschäftigt sich die historische Forschung erst seit wenigen Jahren eingehend mit dem Massaker. Der Historiker Marcus Weidner hat die Hintergründe und das Ereignis sowie die justizielle Aufarbeitung und das Gedenken an diesen Massenmord erforscht. Archäologe Manuel Zeiler hat die drei Erschießungsorte samt Friedhöfen archäologisch untersucht. Dabei wurden zahlreiche Funde - Täterwerkzeuge ebenso wie Habseligkeiten der Opfer - geborgen, die die letzten Stunden im Leben der Ermordeten bezeugen und Aufschlüsse über den Ablauf der grausamen Taten geben.

    Marcus Weidner ist Historiker. seit 2002 ist er Wissenschaftlicher Referent am LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Münster. Schwerpunkte seiner Forschung sind NS-Geschichte und Kriegsverbrechen, Erinnerungskultur, Adel, Digital Humanities, KI und Geschichte.

    Manuel Zeiler ist Archäologe. Seit 2012 ist er Wissenschaftlicher Referent in der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen und dort unter anderem mit der Montanarchäologie und der Betreuung lizensierter Metallsondengehenden betraut.

    Veröffentlichung: Marcus Weidner: Die Toten von Meschede. Ein Kriegsendphaseverbrechen im März 1945: Rekonstruktion, Strafverfolgung, Erinnerungskultur, Forschungen zur Regionalgeschichte, Bd. 91. Paderborn 2025


    • Lesung und Gespräch mit dem Autor und Politikwissenschaftler PD Dr. Jens Hacke, Hamburg

    • Moderation: Prof. Dr. Ewald Grothe, Bergische Universität Wuppertal

    • Termin: 29. April 2026, 18:00 Uhr

    • Ort: Kulturhaus Lüdenscheid und Zoom

    In „Erinnerungen. Mein Leben in der Politik“ erzählt der 2023 verstorbene Wolfgang Schäuble von mehr als 50 Jahren deutscher und europäischer Politik. Als Bundesminister, Parteivorsitzender der CDU, Bundestagspräsident und leidenschaftlicher Parlamentarier hat Schäuble das politische Geschehen der Bundesrepublik geprägt und die verborgenen Mechanismen des politischen Betriebs aus nächster Nähe beobachtet. Die Autobiografie, an der Jens Hacke gemeinsam mit Hilmar Sack als Mitautoren gewirkt haben, erzählt sein einzigartiges politisches Leben von seinen parlamentarischen Lehrjahren in den 1970er Jahren, von der Zeit als engster Weggefährte Helmut Kohls, als Architekt des Einigungsvertrages über das Attentat und das Drama der Spendenaffäre bis hin zum unglaublichen Comeback als Minister während Angela Merkels Kanzlerschaft – als Erfinder der „schwarzen Null“, als Akteur in Euro- und Griechenlandkrise, der gleichzeitig einer der einflussreichsten Parteipolitiker in der Geschichte der Bundesrepublik blieb.

    Jens Hacke, Historiker und Politikwissenschaftler, hat als Vertretungsprofessor Politische Theorie und Ideengeschichte in Berlin, Hamburg, Halle, Greifswald und München gelehrt. Aktuell forscht er über „Vordenker der liberalen Moderne“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Zu seinen Veröffentlichungen zählen: Philosophie der Bürgerlichkeit (2006), Existenzkrise der Demokratie (2018) und Liberale Demokratie in schwierigen Zeiten (2021).

    Ewald Grothe, Historiker und Hochschullehrer, ist seit 2009 außerplanmäßiger Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal. Seit 2011 leitet er das Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach. Sein letztes Buch trägt den Titel: Freiheitliche Ideen. Der schwierige Weg zur liberalen Demokratie (2023).

    • Lesung und Gespräch mit dem Autor Volker Kutscher, Köln/Berlin
    • Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Kruse
    • Termin: 24. Juni 2026, 18:00 Uhr
    • Ort: Kulturhaus Lüdenscheid und in Zoom

    Mit Kommissar Gereon Rath hat Volker Kutscher eine der eindrucksvollsten Figuren der deutschsprachigen Kriminalliteratur geschaffen. In zehn Romanen führt er seinen Kölner Ermittler durch das Berlin der späten Weimarer Republik bis in die dunklen Jahre des Nationalsozialismus.

    Kutscher spannt den Bogen von 1929 im Auftaktband „Der nasse Fisch” (2007) bis ins Jahr 1938 im 2024 erschienenen Abschlussband „Rath“. Unter dem Titel „Babylon Berlin“ wurde die Reihe mit großem Erfolg für das Fernsehen adaptiert. 2017 erschien die erste, 2021 die vierte und letzte Staffel.

    Im „Lüdenscheider Gespräch“ blickt Volker Kutscher auf seine Krimi-Reihe und die von ihm geschaffene Romanfigur Gereon Rath zurück. Einbezogen wird dabei der 2025 unter dem Titel „Westend“ erschienene, als Interview mit einem Historiker gestaltete Lebensrückblick des Rentners Gereon Rath, in dem auch die weitere Entwicklung der Hauptfiguren des Rath-Universum in Nationalsozialismus und Nachkriegszeit aufscheint.

    Volker Kutscher spricht mit dem Historiker Wolfgang Kruse über das, was die Romane auszeichnet, die Verbindung von Zeitgeschichte, Spannung und großer Erzählkunst.

    Volker Kutscher arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte als Zeitungsredakteur und Drehbuchautor und lebt als freier Autor in Köln und Berlin. Mit dem Roman „Der nasse Fisch“, dem Auftakt der Romanreihe um Gereon Rath, gelang ihm 2008 auf Anhieb ein großer Erfolg.

    Wolfgang Kruse war lange Jahre als Hochschullehrer am Historischen Institut der FernUniversität in Hagen tätig. Neben der Weimarer Republik sind die Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeit der Erste Weltkrieg, die Französische Revolution und die Geschichte der Sozialdemokratie.

 
04.03.2026