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Wenn Moleküle moralische Fragen aufwerfen: Chemie und Pharmazie im ethischen Diskurs
[03.11.2026]In Freiburg diskutierten Forscherinnen und Forscher ethische Fragen zum Umgang mit extrem langlebigen chemischen und pharmazeutischen Stoffen.
Foto: privat
Am 12. und 13. Oktober 2026 fand in Freiburg die interdisziplinäre Tagung „Zwischen Molekül und Moral – Ethik in Chemie und Pharmazie“ statt, die von PD Dr. Marcus Knaup (Philosophie LG II, FernUniversität in Hagen) und Prof. Dr. Michael Müller (Pharmazeutische und Medizinische Chemie, Universität Freiburg) organisiert wurde. Die Veranstaltung brachte Perspektiven aus Chemie, Pharmazie, Biologie, Philosophie sowie gesellschaftlicher Praxis zusammen, um der Frage nachzugehen, wie sich ethische Reflexion in der chemischen und pharmazeutischen Praxis über eine klassische Technikfolgenabschätzung hinaus gestalten lässt.
„Künftige Generationen können in unsere heutigen Entscheidungen natürlich nicht einwilligen.“
PD Dr. Marcus Knaup
Ein besonderer Fokus der Freiburger Tagung lag auf sogenannten PFAS, also synthetischen Chemikalien, die aufgrund ihrer attraktiven wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in vielen technischen Materialien oder aber auch Beschichtungen zum Einsatz kommen. Sie sind extrem langlebig, weshalb man sie auch als „Ewigkeitsmaterialien“ bezeichnet. Diese Stoffe können die Umwelt dauerhaft belasten und zu gesundheitlichen Problemen führen. Mit ihnen sind daher Fragen nach intergenerationeller Gerechtigkeit verbunden, nach der Legitimität von Innovation unter Bedingungen unvollständigen Wissens und nach den Grenzen regulatorischer Steuerung.
Nichtwissen berücksichtigen
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„Künftige Generationen“, so Knaup, „können in unsere heutigen Entscheidungen natürlich nicht einwilligen. Ihre Lebensbedingungen können aber durch unser Handeln und unsere Entscheidungen tiefgreifend verändert werden. Ethische Reflexion muss daher eben auch unser Nichtwissen berücksichtigen.“ Verantwortung beginne demnach nicht erst dann, wenn Schäden zutage treten würden. Bereits die Fragen, welche Stoffe wir überhaupt entwickeln und welche Zwecke wir damit verfolgen wollen, müssten in die ethische Reflexion von Anfang an einbezogen werden.
Ethik in frühem Stadium
Angeregt diskutiert wurden Fragen, wie eine Ethik der Chemie und Pharmazie, die sich noch in einem frühen Stadium ihrer wissenschaftlichen Entwicklung befindet, zu konturieren sein könnte. Disziplinäre Grenzen sind hierzu zu überschreiten, unterschiedliche Formen von Wissen miteinander in ein Gespräch zu bringen. Die Beiträge der Freiburger Tagung sollen 2027 in einer Fachzeitschrift für Chemie veröffentlicht werden, wie die beiden Organisatoren berichten.