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Zwischen Daseinsanalyse und Gottesfrage: Martin Heidegger trifft Edith Stein
[12.02.2026]Zur Tagung „Mensch – Natur – göttliches Sein” kamen Gäste aus Forschung und Studium zusammen. Als Hagener Privatdozent richtete Dr. Marcus Knaup die gut besuchte Veranstaltung aus.
Foto: Dr. Uli Kirsch
Am 31. Januar 2026 fand an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i. Br. die philosophische Tagung Mensch – Natur – göttliches Sein. Eine philosophische Spurensuche mit Martin Heidegger und Edith Stein statt, die sich der Analyse ausgewählter Aspekte im Denken Martin Heideggers und Edith Steins widmete. Die Veranstaltung wurde von PD Dr. Marcus Knaup (Hagen / Freiburg) gemeinsam mit Prof. Dr. Regine Kather (Freiburg) organisiert und richtete sich an ein breites Publikum aus Studierenden, Forscherinnen und Forschern sowie an philosophisch Interessierte aus der Region und darüber hinaus.
Ursprünglich war geplant, die Tagung im „Liefmannhaus“ der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Freiburger Stadtteil Wiehre, unweit der ehemaligen Wohnungen Husserls und Steins, durchzuführen. Aufgrund des unerwartet hohen Interesses und der begrenzten Raumkapazität des Liefmannhauses musste der Veranstaltungsort kurzfristig in das „Haus zur lieben Hand“ in Freiburg verlegt werden.
Insgesamt nahmen etwa 75 Personen an der Tagung teil. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich aus solchen zusammen, die den gesamten Tag über anwesend waren, sowie aus solchen, die nur zu einzelnen Vorträgen kamen. Der Vormittag begann mit einer Einführung in die vielschichtige Personbegriffsbestimmung bei Edith Stein, gefolgt von einem Vortrag über die strukturellen Beziehungen von Mensch, Natur und Gott bei beiden Autoren. Eine weitere Sitzung behandelte die Bedeutung von Transzendenz im Denken Heideggers und Steins. Der Nachmittag setzte diesen reflexiven Faden fort, indem er die Position Edith Steins zu endlichem und ewigem Sein vertiefte und die spezifische Antwort Steins auf Heideggers fundamentalontologische Fragestellungen herausarbeitete. Darüber hinaus wurde Heideggers Gottesbegriff im Spätwerk thematisiert, bevor in einem abschließenden Vortrag die Bedeutung der Tagungsthemen im digitalen Zeitalter reflektiert wurde.
Ökologischer, anthropologischer und spiritueller Anschluss
In den referierten Beiträgen zeigte sich deutlich, dass Heideggers und Steins Denken unterschiedliche methodische und systematische Akzentuierungen aufweist, die jedoch – in produktiver Weise – miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Heidegger konzentriert sich auf die Fundamentalontologie des Daseins und die kritische Analyse des Verhältnisses von Mensch und Welt, insbesondere in seiner Kritik an einer ausschließlich instrumentellen Naturauffassung. Stein hingegen führt die phänomenologische Analyse zu einer personal-ontologischen Gestalt weiter, in der die Person als Leib-Seele-Einheit relational verstanden wird und in ihrer Offenheit für Transzendenz reflektiert wird. Diese Gegenüberstellung strukturierte die methodischen und begrifflichen Impulse der Veranstaltung.
Während der Tagung wurde deutlich, dass die gemeinsame Fragestellung nach der relationalen Ordnung von Mensch, Natur und göttlichem Sein nicht nur historiographisch-exegetisch, sondern auch gegenwartsbezogen fruchtbar ist. Zahlreiche Diskussionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer konzentrierten sich auf Anschlussfähigkeiten der dargebotenen Analysen im Hinblick auf zeitgenössische ökologische, anthropologische und spirituelle Diskurse.
FernUni-Studierende begeistert
„Als Studierende im Masterstudium Philosophie an der FernUniversität in Hagen war das Thema der Tagung mit seinen philosophischen Grundfragen nach ‚Mensch, Natur und göttlichem Sein für mich sehr wertvoll und anregend. Was das Philosophieren von Heidegger und Stein in ihren unterschiedlichen Denkwegen verbindet, ist, wie ein Referent es am Schluss fasste, dass beide uns Heutigen eine Tiefendimension des Menschen ‚zumuten‘ und in unserem digitalen Zeitalter erneut die Sinndimension beleben können“, so Elisa Ruschmann. Die Begeisterung teilt auch ihr Kommilitone Arnold Uebelhart, der ebenfalls Philosophie in Hagen studiert und derzeit an einer Masterarbeit über Edith Stein arbeitet. Besonders gefreut hat ihn, auf der Tagung Autorinnen und Autoren zu treffen, die er bisher nur aus Büchern kannte.
„Es hat sich gelohnt“
Insgesamt hat die Tagung gezeigt, dass sowohl Heideggers fundamentalontologische Reflexionen als auch Steins phänomenologisch-ontologische Anthropologie weiterhin relevante Ansatzpunkte bieten, um die Relation von Mensch, Natur und transzendentaler Dimension zu hinterfragen. Die Veranstaltung trug dazu bei, diese klassischen Positionen in einen produktiven Diskurs zu überführen und ihre Aktualitätsbezüge zu problematisieren, ohne dabei hermetisch in historischen Debatten stehen zu bleiben. „Es hat sich gelohnt“, so Michael Willers, der mit Freude Philosophie studiert. Im zurückliegenden Wintersemester hat er bei den beiden Organisatoren ein Seminar besucht, das für Studierende aus Freiburg und Hagen geöffnet war, und dort ein Referat zu Heidegger gehalten. Nun sei er neugierig gewesen, was Edith Stein zu sagen habe. „Ich konnte wertvolle Aspekte und Erkenntnisse für mich gewinnen“, so Willers. „Das freut uns natürlich“, so Regine Kather. „Und ich darf schon verraten, dass es einen Tagungsband geben wird, der im Verlag Königshausen & Neumann erscheinen wird“, wie Marcus Knaup ergänzt.