Präsenzseminar Sommersemester 2016

Prüfungsfächer: Allgemeine Volkswirtschaftslehre, Volkswirtschaftstheorie, Volkswirtschaftspolitik, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre
Termin: 05. und 06. August 2016, Raum F09 Gebäude TGZ/IZ Erdgeschoss
Teilnahme­voraussetzung: Bitte beachten Sie die Hinweise zur Auswahl der Seminarteilnehmer_innen der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft.

Seminar „Handel und Entwicklungsländer“

Der Schwerpunkt dieses Seminars liegt auf realwirtschaftlichen Aspekten der modernen Außenwirtschaftstheorie und -empirie. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Seminars sollen in die Lage versetzt werden, verschiedenen Aspekte zum Thema Handel mit Entwicklungsländern anhand der einschlägigen Literatur analysieren und bewerten zu können. Bei der Anmeldung sollten drei der zur Auswahl stehenden Themenblöcke angegeben werden. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars werden dann gemäß den angegebenen Präferenzen auf die folgenden fünf Themenblöcke verteilt.

Wichtige Termine im Überblick

07. Mai 2016 Einführungsveranstaltung Seminar
31. Juli 2016 Abgabe Seminararbeit vorl. Version
05. - 06. August 2016 Präsenzseminar
30. September 2016 Abgabe Seminararbeit (finale Version)

Ablauf

Bei der Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer richten wir uns nach den üblichen Auswahlkriterien der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität Hagen. Diese finden Sie unter folgendem Link.

Nach einer erfolgreichen Anmeldung informieren wir Sie umgehend über den Ausgang des Auswahlverfahrens. Sollten Sie einen Seminarplatz bekommen, teilen wir Ihnen zu diesem Zeitpunkt auch gleich das Thema Ihrer Seminararbeit mit. Wir werden versuchen Ihre Themenwünsche soweit es geht zu berücksichtigen.

Am 07.05.2016 um 14.00 Uhr wird im Raum F09 im TGZ/IZ, EG eine Einführung in Form einer Präsenzveranstaltung stattfinden. Diese Einführungsveranstaltung soll einen Überblick über die verschiedenen Themen geben und es werden zusätzliche Hinweise zu den im Seminar geforderten Leistungen gemacht. Außerdem gibt Ihnen die Einführungsveranstaltung die Möglichkeit, persönlich Fragen zu Ihrem Thema zu diskutieren. Die Teilnahme wird ausdrücklich empfohlen, ist aber nicht verpflichtend.

Die vorläufige Version der Seminararbeit muss vor dem eigentlichen Seminar eingereicht werden. Alle Seminararbeiten, die nicht bis zum 31.07.2016 am Lehrstuhl vorliegen, werden im Seminar nicht berücksichtigt. Verspätet eingereichte Arbeiten werden nach Ablauf dieser Frist nicht weiter berücksichtigt.

Das eigentliche Seminar findet am 05. und 06.08.2016 im Raum F09 im TGZ/IZ, EG statt. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen das zugeteilte Thema im Seminar präsentieren und es besteht Anwesenheitspflicht für beide Termine. Im Anschluss an die Präsentation erfolgt eine Diskussion der vorgestellten Ergebnisse.

Im Anschluss an das Seminar besteht die Möglichkeit, das Feedback in die endgültige Version der Seminararbeit einzuarbeiten. Die finale Version der Arbeit ist dem Lehrstuhl bis spätestens 30.09.2016 vorzulegen.

Hinweise für die Anfertigung der Hausarbeit

Bei der Erstellung der Seminararbeit können Sie sich nach folgenden Anweisungen richten:

Hinweise zur Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten (DOC 194 KB)

Seminarthemen zur Auswahl

Thema 1: Arbeitsmarkt- und Einkommenseffekte der Immigration

Die stetig steigende Zahl an legalen und illegalen Immigranten findet gegenwärtig massive Resonanz in den Berichterstattungen und politischen Debatten. Auf den Arbeitsmarkt bezogene Fragestellungen sind in dieser Diskussion mindestens genauso wichtig wie die wirtschaftlichen Folgen der zunehmenden Migration. Dissens herrscht vor allem über die Veränderung der Einkommensverteilung und die potenzielle Verdrängung von inländischen Arbeitsplätzen. Verursacht ein Zuwachs der Bevölkerung durch Immigration eine größere Varietät an Gütern und Dienstleistungen durch die gesteigerte nationale Nachfrage? Sind Fachkompetenzen seitens der Immigranten als Substitut oder komplementär zum hiesigen Arbeitsmarkt zu erachten? Dieser Themenblock soll die durch Immigration zu erwartenden Arbeitsmarkts- und Einkommenseffekte herausarbeiten. Hierfür soll das Ricardo-Viner Modell verwendet werden, um basierend auf den Arbeiten von Borjas (2003) und Ottaviano und Peri (2006, 2008) mögliche Arbeitsmarkteffekte der Migration quantifizieren zu können.

Literatur:

  • Ottaviano, G.I.P. und Peri, G. (2008),”Immigration and National Wages: Clarifying the Theory and the Empirics”, NBER Working Paper No. 14188
  • Borjas, G.J. (2003), “The Labor Demand Curve is Downward Sloping: Reexamining the Impact of Immigration on the Labor Market”, Quarterly Journal of Economics 118(4), S.1335-1374
  • Ottaviano, G.I.P. und Peri, G. (2006), “Rethinking the Effects of Immigration on Wages”, NBER Working Paper No. 12497

Thema 2: Green Globalization: Die Diskussion über den Einfluss der Globalisierung auf die Umwelt

Die Nutzung erneuerbarer Energien und die Reduktion von Kohlenstoffdioxidemissionen sind Kernbestandteil der globalen Herausforderungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Besonders der Antagonismus zwischen der Unvereinbarkeit der Globalisierung mit den derzeitigen Umweltstandards und dem Gegenargument, das beide Entwicklungen sich gegenseitig bereichern können, führte in der Vergangenheit zu wiederkehrenden Grundsatzdiskussionen. Gemeinhin gelten in Industrienationen rigidere Standards als in den Entwicklungsländern, was unter der Bedingung des freien Handels unterschiedliche Effekte zur Folge hat. Zwei Hypothesen versuchen die Beziehung zwischen Umwelt und Globalisierung theoretisch zu verdeutlichen. Nach Annahme der Pollution Haven Hypothese kontrahieren umweltschädliche Industrien in wohlhabenderen Nationen und expandieren in Entwicklungsländern. Im Gegensatz dazu nimmt die Antweiler – Copeland- Taylor- Heckscher –Ohlin Hypothese die konträre Position ein. Die Seminararbeit soll beide Theorien zusammenfassen und ihren jeweiligen Modellcharakter erklären. Darüber hinaus soll der Zusammenhang zwischen der Theorie und den empirischen Befunden diskutiert werden.

Literatur:

  • Antweiler, W., Copeland, B.R. und Taylor, M.S. (2001), “Is Free Trade Good for the Environment? “, America Economic Review 98(1), S.877-908
  • Levinson, A. (2009), “Technology, International Trade and Pollution from U.S. Manufacturing”, American Economic Review 99(5), S. 2177-2192
  • Levinson, A. und Taylor, S. (2008), “Unmasking the Pollution Haven Effect”, International Economic Review 49(1), S.223-258

Thema 3: Offshoring und Ungleichheit

Wenn Unternehmen Arbeitskräfte aus dem Ausland mit der Herstellung von Gütern (z.B. durch Montagearbeit) beauftragen, wird dieser Auslagerungsprozess allgemein als Offshoring bezeichnet. Besonders in den Industriesektoren, die technologisch hochwertige Güter herstellen, werden Güter sehr häufig durch den Einsatz verschiedener Komponenten hergestellt. Zum Zweck der Kostenminiemierung können die einzelnen Komponenten aus unterschiedlichen Ländern bezogen werden. Dabei wird häufig unterstellt, dass Produzenten in den entwickelten Ökonomien die Produktion besonders arbeitsintensiver Produktionsschritte in sogenannte Niedriglohnländer auslagern. Ermöglicht wird dieser Handel durch die zunehmende Fragmentierung des Produktionsprozesses. Wie kann der Zusammenhang zwischen Offshoring und Ungleichheit modelliert werden? Welche arbeitsmarktspezifischen Konsequenzen lassen sich ableiten? Profitieren die qualifizierten Arbeitskräfte vom Offshoring und wie wirkt sich Offshoring auf die weniger qualifizierten Arbeitskräfte aus? Gibt es Grund zur Sorge, dass nur die entwickelten Länder auf Kosten der niedrigqualifizierten Arbeitskräfte von Offshoring profitieren? Diese Fragen sollen Anhand der Modelle von Feenstra und Hanson (1996) sowie Grossman und Rossi-Hansberg (2008) analysiert werden. Darauf basierend sollen die Effekte des Offshorings am Beispiel der Unternehmenspolitik der Apple Aktiengesellschaft kritisch diskutiert werden.

Literatur:

  • Linden, G., Kraemer, K.L. und Dedrick, J. (2007), “Who captures value in a global innovation system? The case of Apple´s iPod”, PCIC Working Paper, Paul Merage School of Business
  • Feenstra, R.C. und Gorden H.H. (1996), „Foreign Investment, Outsourcing and Relative Wages“, in R.C. Feenstra, G.M. Grossman und D.A. Irwin (eds.), The Political Economy of Trade Policy: Papers in Honor of Jagdish Bhagwati, S. 89-127.
  • Grossman, G.M. und E. Ross Hansberg (2008), “Trading Tasks: A Simple Theory of Offshoring”, American Economic Review 98(5), S.1978-1997.

Thema 4: Sweatshops und Kinderarbeit: Die menschenrechtliche Fragestellung der Globalisierung

Verursacht die Globalisierung einen Anstieg an Kinderarbeit? Führt die Export Orientierung der Industrien, die Kinder beschäftigen, zu profitableren Geschäftsmodellen auf dem Weltmarkt? Wie können Konsumenten menschenunwürdige Arbeitsbedingungen unterbinden? Obschon Kinderarbeit viele Formen annehmen kann, von erzwungenen bis freiwilligen Gegebenheiten, stellt sich in jeder Hinsicht die Frage nach den verlorenen Bildungsperspektiven, die durch die Erwerbstätigkeit in jungen Jahren nicht wahrgenommen werden können. Kinderarbeit ist darüber hinaus sehr vielschichtig und kann von Plantagen- bis zu Montagearbeiten reichen, wodurch sich, neben den landwirtschaftlichen Aufgaben, auch eine hohe Konzentration in den so genannten Sweatshops abzeichnet. Unter dem Begriff Sweatshops werden Fabriken gefasst, welche Arbeitnehmer unter verheerenden Arbeitsbedingungen beschäftigen. Kann aufgrund der Verbreitung der Sweatshops ein Zusammenhang zwischen Globalisierung und Kinderarbeit bestehen? Die Seminararbeit soll sowohl die Ambiguität der Thematik als auch die Literatur kritisch diskutieren und analysieren. Als Referenz können die Abhandlungen von Edmonds und Pavcnik dienen.

Literatur:

  • Kaushik, B. und Pham Hoang, V. (1998), “The Economics of Child Labor“, American Economic Review 88(3), S.412-427
  • Edmonds, E.V. und Pavcnik, N. (2002), “International Trade and Child Labor: Cross Country Evidence“, Journal of International Economics 68(1), S.115-140
  • Edmonds, E.V., Pavcnik, N. und Topalova, P. (2009), “Child Labor and Schooling in a Globalizing World: Some Evidence from Urban India”, Journal of the European Economic Association 7, S. 498-507

Thema 5: NAFTA: Evaluation der Effekte von Freihandelsabkommen

Seit die NAFTA 1993 gegründet wurde, herrscht die Diskussion über die respektive Einkommensverteilung sowie die Wohlfahrtsmehrung die im Nachgang der Konstitution des Abkommens in Verbindung gebracht wurden. Die NAFTA ist als Freihandelsabkommen durch den Abbau von Handelsbeschränkungen gekennzeichnet, die für alle Mitglieder (USA, Kanada und Mexiko) gleichbedeutend gelten. Als handelsfördern werden Freihandelsabkommen insbesondere durch die Möglichkeit Effizienzgewinne sowie Reallöhne zu steigern angesehen. Im gleichen Ausmaß vermögen derartige Abkommen jedoch Drittländer auszuschließen, indem tarifäre oder nicht tarifäre Handelshemmnisse außerhalb des NAFTA Bereichs etabliert werden. Zudem können, aufgrund der Auslagerung von Produktionskapazitäten, Arbeitsplatzverluste und Verdrängungskämpfe zwischen den Mitgliedsnationen entstehen. Welchen nachweisbaren Einkommens- und Wohlfahrtseffekt hat demnach die NAFTA? Ziel dieses Themas ist es die Effekte von Freihandelsabkommen zu evaluieren, um die Ergebnisse mit der stumbling-block theory von Limao (2006) zu konfrontieren.

Literatur:

  • Romalis, J. (2007),” NAFTA’s and CUFTA’s Impact on International Trade”, The Review of Economics and Statistics 89(3), S. 416-435
  • Prina, S. (2009), “Who benefited more from NAFTA: Small or Large Farmers? Evidence from Mexico”, Working Paper, Department of Economics, Case Western Reserve University
  • Limao, N. (2006), “Preferential Trade Agreements as Stumbling Blocks for Multilateral Trade Liberalization: Evidence from the United States”, American Economic Review 93(3), S. 897-914
Jessica Gackowska | 08.04.2019