Präsenzveranstaltung

Thema:
Feministische Ethik und Demokratie
Veranstaltungstyp:
Seminar
Semester:
Wintersemester 2026/27
Zielgruppe:
BA KuWi: Modul 25403/P3; Modul 25405/P5; MA Phil: Modul 26404/IV; Modul 26406/VI; Modul 264081/VIII; AP Phil;
Ort:
Berlin
Adresse:
Campus Berlin
Termin:
20.11.2026 bis
22.11.2026
Leitung:
Prof. Dr. Thomas Bedorf
Dr. Olga Shparaga
Auskunft erteilt:
Mona Peperkorn
E-Mail: lg.philosophie3
Hinweis:
Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.

Die feministische Ethik hat die traditionelle Moralphilosophie grundlegend herausgefordert. Ihre Kritik richtet sich insbesondere gegen das Bild eines autonomen und von sozialen Beziehungen abstrahierenden moralischen Subjekts. An dessen Stelle treten Fragen nach Verkörperung, Abhängigkeit, Fürsorge und der existenziellen Verbundenheit von Menschen. Damit wird zugleich fraglich, wie ethische Begriffe wie Autonomie, Verantwortung und Gerechtigkeit neu bestimmt werden müssen.

Das Seminar verfolgt diese Entwicklung von der feministischen Moralkritik über phänomenologische und relationale Ethiken bis zur politischen Dimension der Care-Ethik. Ausgehend von Simone de Beauvoir und Iris Marion Young wird zunächst untersucht, wie Freiheit, Subjektivität und Handlungsmöglichkeiten durch die jeweilige Situation und Verkörperung geprägt sind. Carol Gilligans Kritik an abstrakten Modellen moralischer Entwicklung führt anschließend zur feministischen Care-Ethik. Mit Elisabeth Conradi und Virginia Held wird die Frage vertieft, inwiefern Care eine eigenständige ethische Perspektive erfordert und welche Konsequenzen dies für traditionelle Vorstellungen von Autonomie, Reziprozität und Gerechtigkeit hat.

Im weiteren Verlauf wird Care ausdrücklich als gesellschaftliche und politische Praxis verstanden. Joan C. Tronto fragt danach, wie Care gesellschaftlich organisiert und gerecht verteilt werden kann. Nancy Fraser führt diese Perspektive auf die gesellschaftliche Reproduktion und die kapitalistischen Bedingungen von Sorgearbeit weiter. Den Abschluss bildet Sara Ahmeds Analyse institutioneller Macht und feministischer Beschwerdepraktiken. Damit stellt sich schließlich die Frage, wie eine demokratische Gesellschaft mit Abhängigkeit, Verletzbarkeit, Fürsorge und Konflikt umgehen kann.

Das Seminar verbindet somit vier Perspektiven: feministische Moralkritik, phänomenologische Ethik der Relationalität, feministische Care-Ethik und feministische Demokratietheorie. Im Zentrum steht die systematische Frage, wie sich der Weg vom autonomen moralischen Subjekt zum relationalen Subjekt und von der relationalen Ethik zu einer demokratischen Praxis der Fürsorge und des Widerspruchs philosophisch bestimmen lässt.

Mona Peperkorn | 25.08.2026