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Profil

Der Arbeitsbereich der Ernsting’s family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften befasst sich mit den „kleinen sozialen Einheiten“ wie Paar- und Familienbeziehungen, Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen, Interaktionen in professionellen Interaktionszusammenhängen, sozialen Kleingruppen allgemein oder dem Individuum. Die soziologische Perspektive, aus der Sozialbeziehungen ganz unterschiedlichen Typs untersucht werden, ist eine mikrosoziologische. Dabei ist die Annahme leitend, dass das, was in Interaktionen in unserem alltäglichen wie außeralltäglichem Handeln in verschiedensten Situationen geschieht, alles andere als zufällig ist. Vielmehr lässt sich dabei eine Fülle von Strukturen ausmachen, die wir teils vorfinden, teils durch unser Handeln in Interaktionen erst erzeugen. Eine Kernaufgabe mikrosoziologischer Forschung ist es, die Prozesse der Strukturbildung in Interaktionen zu rekonstruieren.

Die Schwerpunkte in der Forschung liegen im Bereich der Paar- und Familienbildung. Programmatisch geht es vor allem darum, anhand empirischer Studien die Entwicklung theoretischer Konzepte zur Bestimmung dieses Beziehungstyps voranzutreiben. Dabei ist die Überlegung leitend, dass eine solche Forschung immer auch Biografie-, Milieu- und Sozialisationsforschung ist. Zentrale Forschungsfragen sind zum Beispiel: Welche Herausforderungen und Folgen haben veränderte Erwartungen/Ansprüche an Elternschaft und Partnerschaft für die innerfamiliale Praxis? Wie können in so komplexen, vom kernfamilialen Modell abweichenden Familienformen wie der Stiefelternfamilie, der Pflegeelternfamilie, der Ein-Eltern-Familie, der Adoptions- und der gleichgeschlechtlichen Paarfamilie günstige Entwicklungsbedingungen für das Aufwachsen von Kindern erzeugt werden? Wie können es Menschen angesichts des rasanten Wandels ihrer Arbeits- und Lebenswelten schaffen, ihre soziale Einbindung in Familie, Partnerschaft oder Freundschaft aufrecht zu erhalten? Werden Menschen durch den Wandel überfordert, welche Kompetenzen (Resilienzen) haben sie und welche Bedingungen sind günstige Voraussetzungen, um mit neuen Konfliktlagen umzugehen?

Der methodische Schwerpunkt liegt bei den qualitativen Forschungsverfahren, die in der Lage sind, zwei Komponenten des Prozesses der Konstruktion sozialer Wirklichkeit zu erfassen: die Objektivität sozialer Strukturen einerseits und die Sinnhaftigkeit interaktiven Reagierens auf und das Erzeugen dieser Strukturen andererseits. Dabei geht es im forschungspraktischen Vorgehen immer um zweierlei. Zum einen darum, mithilfe der entsprechenden qualitativen Methode und deren Verfahrensschritten, Strukturgesetzlichkeiten, d. h. den inneren Zusammenhang eines jeden Phänomens über Konzeptbildungen aus dem Material heraus zu erschließen. Zweitens geht es darum, die Analyse immer im Dienste der Entwicklung eines allgemeinen Aussagenzusammenhangs zu betreiben. Durchgeführt werden die Analysen im Anschluss an die Theoriegebäude des Strukturalismus, des Symbolischen Interaktionismus bzw. Pragmatismus sowie der phänomenologisch fundierten Sozialtheorie. Verschiedene Datentypen (Interviews, objektive Daten, Familien- und Paargespräche, Genogramme, Beobachtungsprotokolle, Sitzordnungen, Fotos, Tagebücher, Briefe, Akten, Dokumente) werden mit Hilfe des methodischen Zugangs der fallrekonstruktiven Familienforschung (Hildenbrand) und unter Anwendung der Grounded Theory (Glaser/Strauss) und der Methode der Objektiven Hermeneutik (Oevermann) rekonstruiert. Der Schwerpunkt in der Methodenforschung liegt im Bereich der Weiterentwicklung der fallrekonstruktiven Forschung unter Einbezug unterschiedlicher Datentypen.

Der Arbeitsbereich beteiligt sich an Weiterbildungsveranstaltungen und Workshops im sozialen Dienstleistungsbereich sowie an der Beratung klientenorientierter Berufe. Es ist uns ein Anliegen, allgemeines soziologisches Wissen in Zusammenhang mit einem fallorientierten Erkennen zu vermitteln, um auf diesem Wege die professionelle Kompetenz der Fachkräfte zu erhalten und zu stärken.

Des Weiteren gestaltet der Arbeitsbereich die BürgerUniversität in Coesfeld. Es handelt sich hier um einen Ort, in dem soziologisches Deutungswissen und soziologischer Sachverstand an Bürgerinnen und Bürger in einem diskursiven und oftmals meinungsbildenden Rahmen in Form von Vorträgen und Seminaren vermittelt werden. Ganz im Sinne einer public sociology geht es darum, zwischen fachlichem und allgemeinem Soziologisieren zu vermitteln und die Kluft zwischen beiden zu verringern.

27.11.2015
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Institut für Soziologie, 58084 Hagen