Preeti Arun Schneidereit, M.A.

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Lebenslauf

Preeti Schneidereit studierte an der FernUniversität in Hagen Bildungswissenschaften (B.A.) mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung und Soziologie (M.A.) mit dem inhaltlichen Schwerpunkt Distinktionsreproduktion in der Lebensphase Jugend. Sie arbeitet seit 2005 in der Erwachsenenbildung und seit 2024 als Lehrbeauftragte im Lehrgebiet Ernsting-Stiftungsprofessur für Mikrosoziologie am Institut für Soziologie der FernUniversität in Hagen.

Forschungsinteressen

  • soziale Ungleichheitsforschung
  • Rekonstruktive Sozialforschung
  • Jugendkultur
  • Habitus und Herkunftseffekte

Vorstellung des Dissertationsthemas

Die indische Familie der Gegenwart

Was mich, die selbst aus einer indischen Familie stammt, aber schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt, an der indischen Familie fasziniert und so auch mit veranlasst hat, sie zum Gegenstand meines Erkenntnisinteresses zu machen, ist, dass sie es über Jahrtausende geschafft hat, Traditionen beizubehalten. Dazu zählt die Einhaltung der Kastenendogamie, die Aufrechterhaltung des Patriarchats, verbunden mit der geringen Stellung der Frau, mit Folgen für moderne Paar- und Familienbildungsprozesse im heutigen Indien, als auch die enge Verkopplung von Familie und Verwandtschaft als auch die Geltung von Solidaritäten und Verpflichtungen, die unabhängig vom Alter, Wohnort, Bildungs- oder finanziellen Status Einfluss auf die Gestaltung der privaten Lebensformen haben, ganz unabhängig von den individuellen Bedürfnissen, Interessen und Wünschen der einzelnen.

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Im Zentrum meines Forschungsprojektes steht die analyseleitende Frage: Wie werden Familien- und Verwandtschaftsstrukturen unter den Bedingungen einer wachsenden Wohlstandsgesellschaft gestaltet und was folgt daraus für die Familienbildungsprozesse? Einige knappe Ausführungen, warum es aus der heutigen Sicht interessant ist, angeleitet von dieser Frage, Entwicklungsprozesse der indischen Familie auch vor dem Hintergrund zu erschließen, dass bedingt durch ihre Strukturmerkmale die für jede Familie typischen Handlungsprobleme in andere, von der Kernfamilie verschiedene, Lösungen münden (müssen):

Wenn Paare heute heiraten, dann erwarten die Herkunftsfamilien, dass das erste Kind – gewünscht und ersehnt ist in der Regel ein Junge – innerhalb des ersten Jahres nach der Heirat geboren wird, zumindest innerhalb dieser Frist gezeugt wird. Wenn diese Erwartung nicht erfüllt werden kann, dann wurden in der Vergangenheit traditionelle Methoden angewendet, um den Prozess der Nachwuchszeugung in Gang zu bringen, beispielsweise die Einnahme bestimmter Kräutermischungen, die Einhaltung von Fastenzeiten oder man setzte auf die Praxis des Pilgerns als auch auf spezielle religiöse, rituelle Zeremonien. Auch heute noch haben diese Methoden an ihrer Geltungskraft nichts verloren, bleibt das gewünschte Kind aus. Die bisher kinderlosen Paare und ihre Eltern müssen sich der Verwandtschaft gegenüber dafür rechtfertigen, ihre Pflicht der Nachwuchszeugung nicht erfüllt zu haben.

Ich beobachte, dass diese traditionellen Methoden weiterhin angewendet werden. Neu, im Vergleich zum letzten Jahrhundert ist z. B. aber, dass jetzt reproduktionsmedizinische Techniken genutzt werden, um ein Kind zu bekommen. Die zahlreichen Kinderwunschkliniken, die in Indien in den letzten Jahren entstanden sind, verweisen auf das Phänomen, demographische Entwicklungsprozesse nicht den Paaren allein zu überlassen. Nur sind es in Indien nicht die Paare selbst, sondern – was auf ein Strukturmerkmal der indischen Familie hindeutet – verstärkt auch ihre Herkunftsfamilien, die Eltern, Schwiegereltern und andere Verwandte, die das noch kinderlose Paar drängen, die modernen Medizintechniken zu nutzen, um den Prozess der Familiengründung zu beschleunigen.

Des Weiteren, ein Punkt, der nicht unwesentlich ist, wenn es um die Bedingungen geht, die indische Paare vorfinden und die nicht folgenlos im Hinblick auf Familienbildungs- und -gestaltungsprozesse sind: Seit der Unabhängigkeit Indiens (1947) haben Frauen Zugang zur Bildung und qualifizieren sich, um am Erwerbsleben teilzunehmen. Von den Familien höhergebildeter Männer werden höhergebildete Frauen für die Heirat präferiert. Gerade im urbanen Raum steigert der zusätzliche Verdienst durch die Erwerbstätigkeit der Frau die finanziellen Möglichkeiten der Familie. Nicht so ohne Weiteres damit vereinbar ist, dass bei arrangierten Heiraten, auch heute noch der Normalfall in Indien, nicht in Frage gestellt wird, dass die Herkunftsfamilie des Ehemanns von den Frauen erwartet, ihre Karriere zugunsten der Familiengründung aufzugeben. Das stellt die (jungen) Familien vor Handlungsproblematiken, die es im ‚alten‘ Indien nicht gab, und zu Lösungen drängen, die allerdings auf der Grundlage von Strukturentwicklungen im Bereich der Familie gefunden werden müssen, die ganz andere sind als die der Kernfamilie.

10.06.2026