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Archiv „Deutsches Gedächtnis“

Interview mit Reinhard Florian am 23.4.2005

Das „Deutsche Gedächtnis“ ist das Archiv des Instituts für Geschichte und Biographie. Hier werden Zeitzeugen­interviews archiviert, die seit den frühen 1980er Jahren im Rahmen von zeit­geschichtlichen Forschungs­projekten des Instituts und seiner Vorläuferprojekte geführt wurden. Hinzu kommen biographische Interviews aus Forschungen Dritter unterschiedlicher Disziplinen, die ihre Sammlungen dem Archiv zur weiteren wissenschaft­lichen Nutzung überlassen haben. Neben Interviews werden auch schriftliche Erinnerungs­zeugnisse archiviert wie Auto­biographien, Familien­chroniken, Tagebücher und Brief­sammlungen.

Inhalt


Online-Archiv „Deutsches Gedächtnis“

Das Online-Archiv „Deutsches Gedächtnis“ bietet Zugang zu einer Auswahl von Zeitzeugeninterviews aus dem Archiv „Deutsches Gedächtnis“. Die aktuell im Online-Archiv verfügbaren Interviews stammen aus dem Projekt „Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930-1960“.
Interviews aus weiteren Projekten des Instituts für Geschichte und Biographie sind in Vorbereitung, so dass das Online-Archiv ständig erweitert wird.

Das Online-Archiv „Deutsches Gedächtnis“ ist eine Kooperation des Instituts für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen mit dem Center für Digitale Systeme (CeDiS) [externer Link] der Freien Universität Berlin.
Sein Aufbau wurde gefördert durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen in der Programmlinie „Infrastrukturelle Förderung für die GGW in NRW“.

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes müssen Sie zur Benutzung des Online-Archivs angemeldet sein und die Nutzungsbedingungen sowie die Datenschutzbestimmungen anerkennen.

>> zum Online-Archiv (Zugang zum Online-Archiv in Kürze)

Zeitzeugeninterviews

Bei den im „Deutschen Gedächtnis“ archivierten Interviews handelt es sich in aller Regel um narrative lebensgeschichtliche Interviews. Das bedeutet, dass den Befragten breiter Raum für eigene Erzählungen gegeben wurde und die Gespräche nicht auf das jeweilige Forschungsthema beschränkt sind, sondern die gesamte Lebensgeschichte des Befragten umfassen. Die Interviews bieten deshalb auch über den Entstehungskontext hinaus Ansatzpunkte und Material für weitere Auswertungen. Hinzu kommt, dass zu bestimmten Themen, z.B. zum Nationalsozialismus und zum Zweiten Weltkrieg, heute kaum noch Zeitzeugen leben, so dass die archivierten Interviews als Zugang zur Erfahrungsgeschichte dieser Zeit immer wichtiger werden.

Interviews aus Forschungsprojekten des Instituts für Geschichte und Biographie

Das „Deutsche Gedächtnis“ ist entstanden als Archiv der Forschungsdaten des Instituts für Geschichte und Biographie. Rund zwei Drittel aller Interviews im „Deutschen Gedächtnis“ stammen deshalb aus Forschungsprojekten, die seit den frühen 1980er Jahren am Institut für Geschichte und Biographie bzw. Vorläuferprojekten durchgeführt wurden.
Die institutseigenen Interviews wurden vorwiegend nach Richtlinien von Alexander von Plato [pdf] geführt.

Interviews aus externen Forschungsprojekten

Rund ein Drittel aller Interviews wurden dem Archiv „Deutsches Gedächtnis“ von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen überlassen, die nach Abschluss ihrer eigenen Forschungen die von ihnen erhobenen Interviews für weitere Forschungen zur Verfügung stellen wollen und so den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis nachkommen.

Beispielhaft sind einige Interviewbestände [pdf] aus externen Forschungsprojekten aufgeführt.

Interviews in Zahlen

Zurzeit werden etwa 2.700 lebensgeschichtliche Interviews mit Männern und Frauen aus Ost- und Westdeutschland archiviert, davon etwa 500 als Videointerviews. Die ältesten Interviews wurden Anfang der 1980er Jahre geführt.

Die Interviews bilden ein breites Spektrum unterschiedlicher Personengruppen aus inzwischen vier Jahrzenten ab. Schwerpunkte sind Interviews mit Betriebsräten, Gewerkschaftern und Gewerkschafterinnen, mit Flüchtlingen und Menschen mit traumatischen Erfahrungen wie KZ- oder Lagerhaft und/oder Zwangsarbeit, nationalsozialistische oder stalinistische Verfolgung, Verschleppung u.a.

Den größten Einzelbestand bilden 600 Interviews des Projektes „Dokumentation der Lebensgeschichten ehemaliger Zwangs- und Sklavenarbeiter“, die im Auftrag der Stiftung EVZ [externer Link] in 28 Ländern geführt wurden. Diese Interviews sind im Online-Archiv „Zwangsarbeit 1939 bis 1945“ [externer Link], betrieben vom Center für Digitale Systeme (CeDiS) [externer Link], zugänglich.

Regionale Schwerpunkte sind Nordrhein-Westfalen mit besonderer Betonung des Ruhrgebiets und die DDR bzw. die neuen Bundesländer. Neben den Interviews mit ehemaligen Zwangs- und Sklavenarbeitern stammen weitere 150 Interviews aus anderen Ländern.

Der weitaus größte Teil der Interviewten ist vor 1933 geboren, die jüngsten Befragten sind Jahrgang 1980. Von 1.550 Interviews (Interviews mit Angabe des Geburtsjahres und ohne den Bestand „Zwangsarbeit“) sind rund 350 Befragte vor dem Ersten Weltkrieg geboren, gut 900 zwischen 1915 und 1933, 160 zwischen 1934 und 1945. Die Jahrgänge 1946 bis 1980 sind mit etwa 150 Interviews vertreten, darunter 60 Interviews mit Angehörigen der Jahrgänge zwischen 1960 und 1980. Deutlich überrepräsentiert mit einem Verhältnis von 3:2 sind Männer gegenüber Frauen. Rund 60 Interviews sind Paar- oder Gruppengespräche.

Mit gut 500 Videointerviews sind rund zwanzig Prozent aller Interviews nicht nur auf Tonband, sondern per Kamera (Video, DV oder Beta) aufgezeichnet. Die Hälfte aller Ton- und Videointerviews sind zurzeit digitalisiert. Rund zwei Drittel aller Interviews sind transkribiert, einige allerdings nur teilweise wörtlich, in anderen Teilen zusammenfassend.

Autobiographische Texte

Tagebuch

Das „Deutsche Gedächtnis“ versteht sich als Archiv für subjektive Erinnerungszeugnisse aller Art und archiviert neben lebensgeschichtlichen Interviews auch Tagebücher, (Auto-)Biographien, Briefsammlungen und zum Teil auch Fotos. Zum Teil handelt es sich um zusätzliche Dokumente zu einzelnen Interviews, in der Mehrzahl wurden die Dokumente dem Archiv von den Autobiographen als Vorlass oder von deren Nachfahren übergeben. Rund 1.000 solcher schriftlichen bestände sind aktuell im „Deutschen Gedächtnis“ archiviert. Zum Teil handelt es sich um Originale, zum Teil um Kopien der Dokumente. Zunehmend werden auch die Textquellen in elektronischer Form (Scans oder Textdateien) archiviert.


Ein Auszug aus den Kurzbeschreibungen [pdf] schriftlicher Dokumente im elektronischen Findbuch vermittelt einen Eindruck von der Vielfalt dieser im „Deutschen Gedächtnis“ archivierten Quellen.

Beispiele:

Das Kempowski-Archiv im Archiv „Deutsches Gedächtnis“

Das von dem Schriftsteller Walter Kempowski angelegte „Archiv für unpublizierte Autobiographien“ ist mit über 8.000 biographischen Dokumenten die wohl größte Sammlung unveröffentlichter Autobiographien in Deutschland. Die mit dem Tod von Kempowski abgeschlossene Sammlung ist heute Teil des Kempowski Archivs [externer Link].

Durch eine mehrjährige Kooperation zwischen Walter Kempowski und der FernUniversität in Hagen Anfang der 1990er Jahre konnte im Institut für Geschichte und Biographie eine Nebenstelle des „Archivs für unpublizierte Autobiographien“ aufgebaut werden, in der gut dreihundert Dokumente dieser Sammlung unter dem Namen „Kempowski Archiv“ einer weiteren wissenschaftlichen Nutzung zur Verfügung gestellt werden.

Mehr zu Walter Kempowski, seiner Sammlungstätigkeit und dem Kempowski-Archiv im „Deutschen Gedächtnis“ [pdf].

Das Roeßler-Archiv

Das Roeßler-Archiv ist eine Sammlung von rund 76.000 Schulaufsätzen, die das Pädagogenehepaar Wilhelm und Elfriede Roeßler in den 1950er Jahren mit Unterstützung der Schulämter und Kultusministerien im gesamten Bundesgebiet schreiben ließ. Schüler und Schülerinnen aller Altersstufen und Schultypen wurden aufgefordert, innerhalb des Deutschunterrichtes unbenotete Erlebnis- und Besinnungsaufsätze zu bestimmten Themen zu schreiben, wie Familie und deren Umwelt, Verhältnis zum eigenen Körper, Verhalten gegenüber Erwachsenen und untereinander, Einstellung zu Schule, Beruf, Freizeit und verschiedenen Aspekten des öffentlichen Lebens sowie Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit.

Eine erste Auswertung auf Basis von 20.000 Aufsätzen veröffentlichte Wilhelm Roeßler 1957 unter dem Titel „Jugend im Erziehungsfeld“. Das Ehepaar Roeßler überließ seine umfangreiche Sammlung Ende der 1980er Jahre der FernUniversität. Die Aufsätze sind heute als „Roeßler-Archiv“ im Archiv „Deutsches Gedächtnis“ zugänglich.

Informationen zur Archivnutzung

Die im Archiv „Deutsches Gedächtnis“ archivierten Interviews und Dokumente können, sofern keine Einschränkungen vorliegen, für Forschung, Lehre und Bildung genutzt werden.

Wenn Sie schriftliche oder bildliche „Erinnerungszeugnisse“ besitzen oder im Rahmen eigener Forschungen biographische Interviews geführt haben, die Sie dem "Deutschen Gedächtnis" überlassen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns aus.

Rechercheanfragen

Rechercheanfragen nehmen wir gerne per E-Mail oder auf dem Postweg entgegen. Bitte schicken Sie uns dafür eine kurze Beschreibung Ihres Forschungs- oder Projektvorhabens damit wir eine Vorrecherche für Sie durchführen können. Wir setzen uns dann sobald als möglich mit Ihnen in Verbindung und teilen Ihnen das Ergebnis der Vorrecherche mit, so dass Sie entscheiden können, ob Sie die Dokumente einsehen wollen. Eine selbständige Recherche in unseren Beständen ist aus Datenschutzgründen nicht möglich.

Nutzung vor Ort

Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Interviewpartner und Autobiographen ist die Einsicht in die Dokumente nur vor Ort möglich. Für einen Archivbesuch vereinbaren wir gerne mit Ihnen einen Termin. Die Nutzung der Dokumente unterliegt der Nutzungsordnung. [Link zum Dokument „Nutzungsordnung“ (wird nachgeliefert)].

Kontakt

Archivleitung: Dr. Almut Leh

Institut für Geschichte und Biographie
Fernuniversität in Hagen
Feithstr. 152
58097 Hagen
Germany
Tel.: +49 2331 987-4008

E-mail: almut.leh@fernuni-hagen.de

12.01.2016
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Institut für Geschichte und Biographie, 58097 Hagen, E-Mail: igb@fernuni-hagen.de