Forschungsprojekt zu Instrumenten in der Verbraucherpolitik gestartet

Das Projekt von Politikwissenschaftlerin Dr. Kathrin Loer wird vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung in NRW gefördert.


Portrait von Dr. Kathrin Loer
Dr. Kathrin Loer schreibt ihre Habilitation im Lehrgebiet Politikwissenschaft III von Prof. Annette Elisabeth Töller.

Das Projekt „Instrumente in der Verbraucherpolitik“ (IniVpol) ist jetzt an der FernUniversität in Hagen gestartet. Es wird mit 200.000 Euro vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung (NRW) über einen Förderzeitraum von drei Jahren bis Ende 2019 gefördert.

Politische Maßnahmen in der Verbraucherpolitik

Das Projekt ‘InivPol‘ hat einen zweistufigen Aufbau. In der ersten Phase wird eine systematische Einordnung neuer Steuerungsformen in der Verbraucherpolitik vorgenommen. Das Projekt soll zeigen, welche politischen Maßnahmen in der Verbraucherpolitik konkret ergriffen werden. „Dies können zum Beispiel Maßnahmen sein, die den einzelnen Verbraucher zum Stromsparen anhalten sollen. Ein solches Ziel kann auf sehr unterschiedliche Weise verfolgt werden“, sagt Projektleiterin Dr. Kathrin Loer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Politikwissenschaft III der FernUniversität. „Unser Projekt erstellt durch die Sammlung dieser Beispiele einen Überblick über die Verwendung sogenannter verhaltenswissenschaftlicher Instrumente in ausgewählten Ländern.“ Dabei geht es um die Frage, auf welche Weise und in welchem Umfang in der Verbraucherpolitik solche Steuerungsmaßnahmen zu beobachten sind, die durch Erkenntnisse der Verhaltenswissenschaft geprägt sind. Das Projekt betrachtet dabei verschiedene OECD-Staaten und erklärt zudem, wie die Steuerungsmaßnahmen funktionieren.

Hürden im politischen Prozess

Der zweite Projektteil widmet sich der Analyse von Anwendungsmöglichkeiten, die von der Verhaltenswissenschaft für bestimmte Politikbereiche vorgeschlagen werden. Möglicherweise rufen sie Widerstände hervor und stoßen im politischen Prozess auf nicht berücksichtigte Hürden. Insgesamt wird damit der Versuch unternommen, Voraussetzungen für den Transfer verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse in politische Strategien zu begründen.

Dr. Kathrin Loer ist Expertin für Gesundheits- und Verbraucherpolitik. Im Rahmen Ihrer Habilitation am Lehrgebiet von Prof. Annette Elisabeth Töller forscht sie zu Institutionalisierungsprozessen in den Politikfeldern Gesundheit und Verbraucher sowie zum jungen Forschungsfeld des Behavioral Policy-Making. Damit ist gemeint, dass verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse von der Politik genutzt werden. Ein Beispiel solcher verhaltenswissenschaftlicher Steuerung findet sich im sogenannten „Nudging“, das heißt dem Anstoßen von Entscheidungen auf individueller Ebene. Politisch verbinden sich mit „Nudging“ Hoffnungen auf eine bewusstere, in erster Linie gesunde und nachhaltige Lebensweise. Eine Verhaltensänderung, die anderweitig – zum Beispiel über Gesetze und Sanktionen ­­- nur schwer zu motivieren ist.

Ampelsymbol für Lebensmittel und Fahrsteige auf Bahnhöfen und Flughäfen

Steigende Fallzahlen von Adipositas- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen konfrontieren die Öffentlichkeit mit zunehmenden Gesundheitsausgaben und machen den Handlungsbedarf deutlich. So gab es bereits vor einigen Jahren den Versuch, den Verzehr besonders fett- oder salzhaltiger Lebensmittel über ein Ampelsymbol zu begrenzen. Dass dies nicht gelang, hatte nicht zuletzt politische Hintergründe. Ein hingegen seit Jahrzehnten etabliertes Mittel sind Fahrsteige in größeren Flughäfen und Bahnhöfen. Sie sollen weite Strecken verkürzen, die Gäste zum Gehen ermuntern und zugleich die Abfertigungsrate der Passagiere erhöhen. Solche Beispiele zeigen neue Wege auf, wie Bürger zu einem bestimmten Verhalten angeregt oder eben „gestupst“ werden können. Die politischen Hintergründe und Rahmenbedingungen dafür sollen im Projekt intensiv erforscht werden.

In ihrem vom Landesministerium geförderten Projekt wird Dr. Kathrin Loer bei der Untersuchung von Nudging und anderen Instrumenten in der Verbraucherpolitik von Alexander Leipold unterstützt. Er hat im vergangenen Jahr sein Master-Studium Governance an der FernUniversität mit Auszeichnung abgeschlossen und ist inzwischen Doktorand an der Leuphana Universität Lüneburg.

Carolin Annemüller | 27.01.2017