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Aktuelles - April 2017

"Von einer barrierefreien Angebotsgestaltung profitieren alle!"

Dr. Björn Fisseler und Claudia Imhoff
Claudia Imhoff, Hochschulbeauftragte für behinderte und chronisch kranke Studierende, und Dr. Björn Fisseler vom psychologischen Institut organisieren den GAAD. (Foto: FernUniversität, Pressestelle)

Claudia Imhoff, Hochschulbeauftragte für behinderte und chronisch kranke Studierende, und Dr. Björn Fisseler vom Institut für Psychologie planen gemeinsam den Global Accessibility Awareness Day (GAAD) am Donnerstag, 18. Mai, an der FernUniversität (siehe Infobox). Wir haben Ihnen vier Fragen zum Fernstudium mit gesundheitlicher Beeinträchtigung gestellt.

Wie viele Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung studieren an der FernUni?

Claudia Imhoff: Konkrete Zahlen haben wir nicht, weil bei der Einschreibung gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht angegeben werden müssen. Es gibt aber verschiedene Befragungen dazu, zum Beispiel die BEST-Studie des Deutschen Studentenwerks. Ihr Ergebnis deckt sich in etwa mit Daten, die von der FernUni im Rahmen einer Zufriedenheitsbefragung erhoben wurden. Demnach haben etwa 12 Prozent unserer Fernstudierenden eine gesundheitliche Beeinträchtigung.

Dr. Björn Fisseler: Ich führe selber auch entsprechende Befragungen durch. Da kommen Zahlen zwischen 12 und 20 Prozent heraus. Man muss sich dabei aber vor Augen führen, dass der Oberbegriff „gesundheitliche Beeinträchtigung“ nicht nur Behinderungen und chronische Krankheiten umfasst. Gesundheitliche Beeinträchtigungen nehmen einfach mit dem Alter zu. Und da wir an der FernUni im Vergleich zu Präsenzuniversitäten ältere Studierende haben, liegt die Vermutung nahe, dass hier auch deshalb der Anteil Studierender mit gesundheitlicher Beeinträchtigung größer ist.

Welche Nachteilsausgleiche gibt es, wenn jemand mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung Probleme hat, an einer Prüfung teilzunehmen?

Claudia Imhoff: Es gibt zum Beispiel gesonderte Klausurorte: Wir ermöglichen, Klausuren in den Regionalzentren zu schreiben, wenn jemand aufgrund seiner körperlichen Beeinträchtigung nicht zu einem regulären Klausurort anreisen kann oder dort, beispielsweise wegen einer Gehbehinderung, nicht zum Arbeitsplatz gelangen würde. Wir sorgen außerdem dafür, dass für die Prüfungen die nötigen Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden. Im Fall von Schreibproblemen, etwa wenn die Hände beeinträchtigt sind, kann eine Schreibzeitverlängerung gegeben oder eine Schreibassistenz gestellt werden. Zudem werden die Kursmaterialen und Klausurunterlagen bei Bedarf in Brailleschrift übertragen, sodass blinde oder sehbehinderte Studierende damit arbeiten können.

Worin können innerhalb eines Fernstudiums digitale Barrieren bestehen?

Dr. Björn Fisseler: Als FernUni haben wir ja unterschiedliche Materialien, die auch in der Regel digital vorliegen. Das heißt, die Studierenden bekommen Studienbriefe im PDF-Format zugeschickt, sie nutzen die Lernplattform Moodle oder sehen Veranstaltungsaufzeichnungen als Videos. All diese digitalen Inhalte können eben auch Barrieren darstellen, zum Beispiel für Menschen mit Sehbehinderung, wenn Alternativtexte bei Abbildungen fehlen oder sich eine Webseite nicht sauber vergrößern lässt. Es kann auch vorkommen, dass jemand, weil er gehörlos ist, nichts mit den gesprochenen Worten in einem Video anfangen kann. Das sind alles Aspekte, die man im Sinne der Barrierefreiheit berücksichtigen muss.

Inwieweit kommt die Barrierefreiheit am Ende auch allen anderen Studierenden zugute?

Dr. Björn Fisseler: Schlussendlich profitieren nicht nur Menschen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung von einer barrierefreien Angebotsgestaltung. Es ist zum Beispiel so, dass die Mehrheit der Nutzerinnen und Nutzer von Untertiteln keinerlei Behinderung haben, sondern das Angebot aus anderen Gründen benutzen. Es haben auch alle einen Vorteil davon, wenn ein PDF-Dokument barrierefrei ist, weil es dann ohne Probleme auf Tablets und Smartphones gelesen werden kann: Anders als bei einer nicht barrierefreien PDF wird hier alles beliebig skaliert und schön umgebrochen.

Benedikt Reuse | 26.04.2017
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