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Aktuelles - Mai 2017

Lernen während der Prüfung

Die Gäste beim Netzwerk Lehre, am Rednerpult Prof. Dr. Kubis
Beim „Netzwerk Lehre“ tauschten sich Beschäftigte aus Verwaltung, Forschung und Lehre aus. (Foto: FernUniversität, Pressestelle)

Klar ist: Auf einen Test sollte man sich ordentlich vorbereiten. Aber was macht das Gedächtnis, während man über den Klausuraufgaben „brütet“? Für Dr. Marc Jekel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrgebiet „Allgemeine Psychologie – Urteilen, Entscheiden, Handeln“ (Prof. Dr. Andreas Glöckner) und Lehrgebiet „Allgemeine Psychologie – Lernen, Motivation und Emotion“ (Prof. Dr. Robert Gaschler) an der FernUniversität in Hagen, steht fest: „Auch das Prüfen ist eine Lernerfahrung.“ Psychologischen Erkenntnissen zufolge verankern Prüfungssituationen das Wissen im Langzeitgedächtnis. Allerdings sei nicht jeder Lerneffekt positiv, gibt Dr. Jekel zu bedenken. Soll in einer Klausur etwa der falsche Satz berichtigt werden „Das Fell eines Bären ist von Natur aus lila“, stellt sich das Gehirn unweigerlich das Tier mit unnatürlicher Farbe vor. Auf diese Weise werden unerwünschte Assoziationen gebildet.

Prinzipiell gelte das für alle Aussagesätze, die in Tests auf ihre Richtigkeit zu prüfen seien, erklärt Dr. Jekel: „Eine falsche Aussage aus der Wahrnehmungspsychologie, die so in der Klausur hätte stehen können, ist zum Beispiel: ‚Stäbchen sind in der Fovea der Retina am dichtesten verteilt, während Zapfen in der Peripherie der Retina zu finden sind.‘ Es ist genau umgekehrt. Zum Verständnis des Satzes und zur Bewertung des Inhaltes ist es aber notwendig, sich für einen Moment den falschen Inhalt vorzustellen, was lerntheoretisch problematisch ist.“

Dieser Effekt ist nur einer von vielen Gesichtspunkten, die auf der letzten Veranstaltung des „Netzwerks Lehre“ an der FernUniversität zur Diskussion standen. Moderiert wurde der gedankliche Austausch vom Prorektor für Studium und Diversität Prof. Dr. Sebastian Kubis. „Es gibt eine ganze Menge rechtlicher Fragen“, urteilte der Jurist und bezog sich dabei unter anderem auf Nachteilsausgleiche oder den Datenschutz in Prüfungsverfahren.

Viele Prüfungsanmeldungen

In seinem Referat ging Dr. Jekel auch auf die enorme Teilnahme bei Prüfungen im Lehrgebiet Allgemeine Psychologie ein. Insgesamt studieren rund 77.000 Menschen an der FernUniversität, allein im Studienjahr 2014/15 gab es an den vier Fakultäten über 95.000 Klausuranmeldungen. Wie man diesen Zahlen rechtlich und organisatorisch Herr wird, erklärte Anna Lena Moritz vom Dezernat 2.4 – Hochschul-, Vertrags- und Urheberrecht. Dabei wies sie unter anderem auf die besonderen Prüfungsorte im Fernstudium hin – etwa im Ausland.

Welche neuen Gestaltungsmöglichkeiten elektronische Prüfungsverfahren bringen, zeigte Alain Michel Keller von der Bergischen Universität Wuppertal in seinem Gastvortrag auf: Videos, Programmierfenster oder andere Anwendungen lassen sich problemlos in elektronische Tests einbauen. Zum Beispiel können Studierende chemische Substanzen in einem virtuellen Labor mixen und die Reaktion in einer Computeranimation beobachten. An der Wuppertaler Hochschule wurden E-Prüfungen bereits im größeren Umfang eingeführt.

Ein Vorreiter in Sachen innovative Prüfungsformate an der FernUni ist das Lehrgebiet Algebra der Fakultät für Mathematik und Informatik, das Prof. Dr. Luise Unger leitet. Die Mathematikerin stellte ein neues Konzept vor: Die Teilnehmenden eines Moduls im Studiengang Bachelor of Science Mathematik müssen nicht mehr eigens zu Klausurorten anreisen, sondern weisen ihre Lernerfolge in „virtuellen Klassenzimmern“ nach der „Inverted-Classroom-Methode“ nach.


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Benedikt Reuse | 24.05.2017
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