Interview zum Hagener Raserfall: Prof. Isfen über das Urteil

Das Urteil im Hagener Raserfall ist gefallen. Beide Angeklagten haben Freiheitsstrafen erhalten. FernUni-Professor Osman Isfen hat die Verhandlung mit Beiträgen in seinem Blog begleitet.


Prof. Osman Isfen am Rednerpult
Prof. Osman Isfen hat den Hagener Raserfall mit Einträgen in seinem Blog begleitet. (Foto: FernUniversität, Martin von Hadel)

Das Urteil im Hagener Raser-Prozess vor dem Landgericht Hagen ist gefallen. Der 46-jährige Skoda-Fahrer erhält eine Haftstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung aussgesetzt ist. Der 34-jährige Fahrer eines Audis muss ins Gefängnis: ein Jahr und zehn Monate lautet das Urteil. Prof. Osman Isfen, Rechtswissenschaftler an der FernUniversität in Hagen, war im Gerichtssaal dabei. Der Leiter des Lehrgebiets Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht hat alle Verhandlungstage mit Beiträgen in seinem strafrechtlichen Blog begleitet.

Wie ordnen Sie das Urteil ein?

Die Kammer hat eine erwartungsgemäße Entscheidung gefällt. Es sind keine Überraschungen erkennbar. Dass der Fall in Hagen anders liegen würde als in Berlin, Köln oder kürzlich in Mönchengladbach hatte sich schon am ersten Verhandlungstag angedeutet. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Wir müssen jetzt abwarten, wie der Bundesgerichtshof über diesen Fall entscheidet.

Welche Eindrücke haben Sie im Prozess gewonnen?

Es war ein sachlicher Prozess, den die Beteiligten geführt haben. In Erinnerung werden in jedem Falle die emotionalen Momente bleiben, als die Geschädigten und Ersthelfer von ihren Erlebnissen und Eindrücken berichtet haben.

Hintergrund: Prof. Dr. Osman Isfen hat den Raser-Prozess im Gerichtssaal verfolgt. Der Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht hat die Hauptverhandlung gegen die beiden Angeklagten mit einem Monitoring wissenschaftlich begleitet und nach jedem der fünf Verhandlungstage einen Beitrag in sein strafrechtliches Blog eingestellt.

Wie groß war der öffentliche Druck im Hagener Raser-Prozess?

Einen großen Druck der Öffentlichkeit auf die Prozessbeteiligten habe ich nicht erkennen können, obwohl das mediale Interesse durchaus vorhanden war. Das Gericht hat sich davon nicht leiten lassen. Auch die übrigen Beteiligten haben es während der Verhandlungstage nicht darauf angelegt, ihrer Position besonderen Nachdruck durch Heranziehung außergerichtlicher Momente zu verleihen.

Während des Prozesses hat der Bundestag entschieden, illegale Autorennen künftig härter zu bestrafen. Was bringt diese Entscheidung des Gesetzgebers?

An sich ist es begrüßenswert, dass der Gesetzgeber auf diesem Gebiet tätig wurde. Allerdings weist das Gesetz nicht unerhebliche Schwachstellen auf. Es ist quasi mit heißen Nadeln kurz vor Ende der Legislaturperiode gestrickt worden. Das ist bedauerlich.

Carolin Annemüller | 04.07.2017