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Aktuelles - September 2017

Spannende „Trends der Informationsgesellschaft“

Alle Lebensbereiche werden von der Digitalisierung beeinflusst, sie verändert die Gesellschaft massiv. Um „Trends der Informationsgesellschaft“ ging es bei einem Kolloquium, das aus Anlass des 75. Geburtstages von Prof. Dr. Firoz Kaderali in der Evangelischen Tagungsstätte Haus Villigst in Schwerte stattfand. Experten berichteten über aktuelle Stände und über Entwicklungen in Mobilfunk, Produktion, Medizin, Algorithmen und IT-Sicherheit: Wie können Computersysteme das menschliche Verhalten immer mehr analysieren und beeinflussen? Wie ist es um die Sicherheit in der Informationstechnik bestellt ist? waren zwei der zentralen Fragen. Prof. Kaderali leitete von 1986 bis 2007 das Lehrgebiet Kommunikationssysteme an der FernUniversität in Hagen, er gilt als einer der Pioniere im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien.

Zunächst befasste sich Dr. Hans Bruch in seinem Grußwort mit den Merkmalen einer „Informationsgesellschaft“. Immer mehr Menschen beschaffen, bewerten, bearbeiten, speichern und verteilen Informationen. Diese können prinzipiell immer und überall genutzt werden. Die Bedeutung moderner IuK-Technologien habe heute dazu geführt, dass ein Großteil der Industrieproduktion und insbesondere der Export Deutschlands von ihr abhängig sind. Bruch, der auch durch das Kolloquium führte, leitete bis 2008 das Referat „Informations- und Kommunikationstechnologien“ im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium und in der NRW-Staatskanzlei.

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Die Veranstaltungsthemen interessierten Weggefährten, Kollegen, ehemalige Mitarbeiterinnern und Mitarbeiter sowie auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger.

FernUni-Altrektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer ging auf die vielfältigen Verdienste von Firoz Kaderali ein. Über mehr als vier Jahrzehnte habe er erfolgreich auf diesen Gebieten geforscht und entwickelt. Auch heute wirke er – „wie dieses Kolloquium zeigt“ – sowohl direkt als auch über seine Schüler, Kollegen und sogar über seine Familie positiv auf die Weiterentwicklung der Informationsgesellschaft ein.

Zu der Veranstaltung waren zahlreiche Weggefährten und Mitarbeitende gekommen, Vorträge hielten vor allem ehemalige Doktoranden und der Sohn Kaderalis:

  • Prof. Dr. Werner Poguntke, FH Südwestfalen (Hagen): „Algorithmen für alles“
  • Prof. Dr. Lars Kaderali, Institut für Bioinformatik (Greifswald): „Individuelle maßgeschneiderte Medizin der Zukunft“
  • Dr. Christoph Bach, Bereichsleiter Network Products, Ericsson GmbH (Düsseldorf): „Die Zukunft des Mobilfunks“
  • Prof. Dr. Michael Schäfer, Hochschule Ruhr West (Bottrop): „3D-Druck heute und morgen“
  • Dipl.-Ing. Alex Didier Essoh, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (Bonn): „IT-Grundschutz heute und morgen“

Hinweis: Alle Vorträge wurden gestreamt, sie werden über die Homepages von Prof. Firoz Kaderali und der Ev. Akademie Villigst erreichbar sein.

Für Helmut Hoyer steht sein ehemaliger Kollege im früheren Fachbereich Elektrotechnik der FernUniversität für Kommunikationssysteme, -netze und ihre Protokolle, für Datenschutz und Datensicherheit, aber auch für den Einsatz dieser Technologien und der Neuen Medien in der Lehre. In mehrfacher Hinsicht habe Kaderali Neuland betreten. Als er 1986 Professor für Kommunikationssysteme in Hagen wurde, war er als Visionär und Pionier gefragt – bei der Erforschung und Entwicklung von IuK-Technologien ebenso wie bei Aufbau und Weiterentwicklung der deutschlandweit einzigartigen Universität. Hoyer: „In beiden Bereichen hat er Bedeutendes geleistet.“

Fakultätspreis Mathematik und Informatik (M+I)

Der Fakultät Mathematik und Informatik ist Firoz Kalderali weiter eng verbunden. Seit 2012 vergibt sie jährlich den von ihm gestifteten Fakultätspreis, der mit 5.000 Euro dotiert ist. Zu seinem 75. Geburtstag am 8. September hat Kaderali der Fakultät für den Preis den Rest seiner Drittmittel zur Verfügung gestellt. Wenn diese erschöpft sind, wird Prof. Dr.-Ing. Bernd Krämer ihn mit seinen Drittmitteln weiter finanzieren.

Datenschutz und -sicherheit 1986 noch kein Thema

Hoyer „beamte“ das Auditorium zurück ins Jahr 1986: „Damals freute man sich in deutschen Haushalten, dass es bis zu 10 Meter lange Anschlusskabel für die Telefonapparate zu kaufen gibt, mit deren Hilfe man nun beim Telefonieren durch die Wohnung laufen kann… Bildschirmtext, kurz Btx – ein Vorläufer des Internet über das Fernsehen – war drei Jahre alt und niemand wollte ihn haben… Microsoft entwickelte Windows 1.0.“ Das Motorola DynaTAC 8000x von 1983 war die „Mutter“ aller Mobiltelefone: ein Kilogramm schwer, 40 Zentimeter lang, 4.000 US-Dollar teuer. Datenschutz und -sicherheit waren noch kein Thema für die Öffentlichkeit.

„Als Firoz Kaderali 2007 in den Ruhestand ging, stellte Apple sein iPhone vor, konnten wir uns alle ein Leben ohne Mobiltelefon, ohne E-Mail und Internet nicht mehr vorstellen“, so Hoyer weiter. Die FernUni-Studierenden konnten nun über das Netz auf Literatur zugreifen, sich mit Unterstützung interaktiver Elemente zur Animation und Simulation Lerninhalte erarbeiten, Newsgroups nutzen, mit Lehrenden und anderen Studierenden chatten. Sie steuerten Laborexperimente über das Netz und ließen sich per Videokonferenz prüfen. Die FernUniversität war integraler Bestandteil des Bildungssystems und auf dem Weg zur studierendenstärksten deutschen Universität.

Zu all diesen Entwicklungen hat Prof. Kaderali beigetragen. Er war Leiter der Projektträgerschaft TELETECH NRW, Mitglied der ISDN-Forschungskommission des Landes NRW, Mitglied der Steuerungsgruppe der Landesinitiative media NRW, Sprecher des Forschungsverbundes Datensicherheit NRW sowie Vorsitzender des Beirates der Gesellschaft für IT-Sicherheit in Bochum. Er initiierte und leitete das Forschungsinstitut für Telekommunikation (FTK) in Dortmund, ein An-Institut der FernUniversität. Nicht zu vergessen sind auch seine innovativen Arbeiten im Rahmen der Digitalisierung und Virtualisierung des Lehrbetriebes der FernUniversität („Lernraum Virtuelle Universität“, LVU). Das von ihm verantwortete Projekt „ET-Online“ legte weltweit die Grundlagen für netzgestützte Studiengänge mit.

Gerd Dapprich | 14.09.2017
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