Lehrkonzept

Stand: WS 2021/22

  • Wodurch zeichnet sich universitäre Lehre aus?

    In der hochschulpolitischen und -didaktischen Diskussion ist spätestens seit dem Bologna-Prozess häufig von Begriffen wie „Qualifikationszielen“, „Kompetenzorientierung“ und „Lernergebnissen“ die Rede. Es soll ein Paradigmenwechsel stattfinden bzw. stattgefunden haben, vom Lehren zum Lernen, von der Wissensvermittlung zum Erwerb von Kompetenzen. Während eine solche Diskussion sicherlich in mancherlei Hinsicht notwendig und sinnvoll ist, bleibt festzuhalten, dass universitäre Lehre seit jeher mehr war und ist als das Vermitteln von Wissen und Kompetenzen. Sie dient auch nicht ausschließlich dazu, mehr oder weniger kleinteilig definierte Qualifikations- und Lernziele zu erreichen. Schließlich verwenden wir bewusst nicht den Begriff „Unterricht“, wie man ihn aus der Schule kennt, sondern eben Lehre.

    Ziel universitärer Lehre – so wie sie an meinem Lehrstuhl verstanden und praktiziert wird – ist das Vermitteln und Fördern wissenschaftlicher Denkweisen in dem jeweiligen Fachgebiet. Natürlich geht es auch darum, dass man nach erfolgreichem Abschluss eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums mehr über wirtschaftliche Zusammenhänge weiß als vorher und auf diesem Gebiet mehr kann als vorher. Noch wichtiger aber ist es, dass man im Laufe des Studiums verstanden hat, wie man mit wissenschaftlichen Methoden zu neuen Erkenntnissen gelangt. Denn nur mit einem solchen Verständnis ist man in der Lage, das Gelernte auf neue Fragestellungen anzuwenden.

    Im Humboldtschen Sinne ist universitäre Lehre untrennbar mit Forschung verbunden. Im Laufe des Studiums wird man mit wichtigen Ergebnissen (finanz-)wirtschaftlicher Forschung konfrontiert. Diese Ergebnisse basieren teilweise auf abstrakten Modellen, die bewusst mitunter starke Vereinfachungen der Realität in Kauf nehmen. Insofern haben die Erkenntnisse dieser Forschung im Sinne von deren zentralen Aussagen – losgelöst von dem Weg, wie man dorthin gelangt ist – bisweilen keine unmittelbare praktische Relevanz. Wenn man aber versteht, wie die Forscher zu ihren Ergebnissen gelangt sind, auf welchen Annahmen sie aufbauen und mit welcher Erkenntnismethodik sie vorgegangen sind, dann ist man in der Lage, reale Probleme, die in ihrer jeweiligen Situation von den im Studium behandelten idealisierten Modellen abweichen, eigenständig zu analysieren und zu eigenen Antworten zu gelangen. Studieren bedeutet also mehr als „nur“ Lernen, Kompetenzen zu erwerben und Qualifikationsziele abzuhaken: Studieren heißt, sich mit Themen intensiv auseinanderzusetzen, Erkenntnisse zu hinter­fragen, Querverbindungen zwischen originär unabhängigen Fragestellungen zu sehen.

    Aus dem Gesagten ist nun allerdings keinesfalls abzuleiten, dass das primäre Ziel universitärer Lehre die Vorbereitung auf eine wissenschaftliche Karriere ist. Nur ein kleiner Bruchteil der Absolventen wird einen solchen Weg einschlagen, während die überwiegende Mehrheit im Anschluss an ein wirtschafts­wissenschaftliches Studium (Erwerbs-)Tätigkeiten in privaten oder öffentlichen Betrieben anstrebt. Das Studium soll dabei Möglichkeiten eröffnen und Tätigkeitsfelder erschließen, in denen eigenständige Lösungen für praktische Probleme gefragt sind. Hierbei helfen wissenschaftliche Denkweisen, wie sie im Studium vermittelt werden. In diesem Sinne ist eine „Praxisorientierung“ des Studiums zu verstehen: Ein Studium ist keine Berufsausbildung. Es ist nicht das Ziel universitärer Lehre, Absolventen auf eine ganz konkrete berufliche Tätigkeit vorzubereiten. Vielmehr soll ein Praxisbezug dahingehend hergestellt werden, dass die wissenschaftlichen Konzepte nicht losgelöst von jeglicher betrieblichen Realität stehen, sondern in praktischen Einsatzgebieten angewendet und reflektiert werden können.

    Ein nicht unerheblicher Teil der Studentinnen und Studenten wirtschaftswissenschaftlicher Studien­gänge wird das Studium aus einer extrinsischen Motivation heraus beginnen – um die Tür zu qualifizier­ten Beschäftigungsverhältnissen zu öffnen, für die ein erfolgreicher Studienabschluss Voraussetzung ist. Man mag mit einer alleinigen extrinsischen Motivation durchs Studium kommen; hilfreich ist es jedoch, wenn zumindest partiell etwas intrinsische Motivation und Interesse am Fach hinzukommt. Vor diesem Hintergrund ist es nicht zuletzt auch ein Anliegen universitärer Lehre, ein solches Interesse sowohl an fachlichen Inhalten als eben auch an wissenschaftlichen Denkweisen zu wecken und zu fördern. Wenn vielleicht nicht unbedingt in allen Phasen und Teilgebieten, so sollte das Studium im Idealfall nicht nur zur Erreichung von Kompetenzen und Qualifikations­zielen dienen, sondern dabei auch etwas intellek­tuellen Spaß generieren – durch Aha-Erlebnisse beim Verstehen abstrakter Zusam­men­hänge, beim Diskutieren komplizierter Fragen mit Kommilitonen oder durch die Erkenntnis, dass die erlernte Theorie doch nicht so grau ist wie von Mephisto behauptet, sondern sich „des Lebens goldenen Baums“ mehr als ebenbürtig erweisen kann.

  • Mein Lehrstuhl vertritt das Fach Bank- und Finanzwirtschaft in seiner ganzen Breite. Es lässt sich in drei große Teilgebiete gliedern: die Unternehmensfinanzierung, die Finanzintermediation sowie die Kapital­märkte. Diese Gliederung ist nicht völlig trennscharf zu sehen, denn es existieren zahlreiche Quer­verbindungen zwischen den Teildisziplinen.

    Die Finanzierung der Unternehmung (allgemeiner eines Betriebs) ist das klassische Gebiet der Finanz­wirtschaft. Ursprünglich war es die Aufgabe dieser Teildisziplin, Möglichkeiten und Varianten der Aufbringung finanzieller Mittel zu erörtern, welche den Fluss von Zahlungsströmen in einem Unter­nehmen aufrechterhalten. So beginnt auch heute noch eine Einführung in die Finanzwirtschaft typischerweise mit einer Systematisierung von Finanzierungsarten in Eigen- und Fremdfinanzierung sowie Innen- und Außenfinanzierung. Weitere traditionelle Aufgaben der Unternehmensfinanzierung sind die Finanz- und Liquiditätsplanung, letztlich die Aufrechterhaltung eines „finanziellen Gleich­gewichts“, innerhalb dessen die Unternehmung jederzeit ihren finanziellen Verpflichtungen nach­kommen kann und gleichzeitig die obersten Unternehmensziele bestmöglich erreicht werden.

    Die Aspekte der Unternehmensfinanzierung sind mittlerweile vielfältiger geworden. Fragen nach einem optimalen Finanzierungsmix umfassen die Kapitalstruktur unter Berücksichtigung von Eigen- und Fremd­kapitalkosten sowie die Ausschüttungs- und Dividendenpolitik. Auch die Thematik der Vergütung von Managern fällt in das Gebiet der Unternehmensfinanzierung. Ein weiteres wesentliches Aufgabenfeld ist die Analyse und Bewertung von Projekten. Fasst man das ganze Unternehmen als ein Projekt auf, so mündet diese Aufgabe in die Unternehmensbewertung. Schließlich lässt sich das finanzielle Risiko­management der Teildisziplin zuordnen. Hierunter fallen beispielsweise das Manage­ment von Rohstoff- und Absatzpreisrisiken oder von Wechselkursrisiken internationaler Unter­nehmen.

    Die Finanzintermediation beschäftigt sich mit Banken und anderen Finanzintermediären, die den Ab­schluss von Finanzkontrakten zwischen zwei Parteien – typischerweise Geldgeber und Geldnehmer – ermöglichen oder begünstigen. Finanzintermediäre im weiteren Sinne treten dabei lediglich als Ver­mittler zwischen den Parteien auf – hierzu gehören beispielsweise Wertpapierbörsen, Rating­agenturen oder Vermögensberater. Finanzintermediäre im engeren Sinne schließen selbst Finanz­kontrakte ab – das Hauptbeispiel hierfür sind Banken. Klassische Elemente der Bankbetriebslehre umfassen den Aufbau und die Struktur von Banken sowie die Analyse traditioneller Bankgeschäfte wie Kredite und Einlagen. Hinzu kommen organisatorische Rahmenbedingungen, insbesondere die Banken­regulierung.

    In einer modernen Sichtweise steht die Entscheidungsorientierung im Fokus: Wie können Entschei­dun­gen in einer Bank über Investitionen (beispielsweise Kreditvergaben) und Finanzierungen best­möglich getroffen werden, um die Unternehmensziele zu erreichen? Die Antwort auf diese Frage bezieht die Dimensionen Rendite und Risiko ein. Eine Entscheidungsgrundlage bieten Verfahren des Bank­controllings bzw. der Bankkalkulation einzelner Geschäfte oder größerer Einheiten. Auf der Makroebene beschäftigt sich die Banksteuerung mit Aspekten der risikoadjustierten Performance von Geschäfts­bereichen unter Berücksichtigung der Knappheit von Ressourcen, insbesondere des verfügbaren Haftungspotenzials der Bank. Von besonderer Bedeutung für das Bankmanagement ist der Umgang mit (finanziellen) Risiken. Vor dem Hintergrund des klassisch zinsrelevanten Bankgeschäfts spielt das Zins­risiko für Banken eine entscheidende Rolle; hinzu kommt im Kreditgeschäft das Ausfallrisiko von Kredit­nehmern als wesentliche Risikoart. Weitere finanzielle Risiken sind Marktpreisrisiken von Roh­stoffen, Aktien und Währungen.

    Das dritte große Teilgebiet sind die Finanz- bzw. Kapitalmärkte. Auf Kapitalmärkten werden finanzielle Güter gehandelt – häufig verbrieft als Wertpapiere. Die Theorie des Kapitalmarkts beschäftigt sich grundlegend mit dem Zustandekommen von Preisen für originäre Wertpapiere, insbesondere Aktien und Anleihen. Für Aktien als risikobehaftete Wertpapiere wird am Markt eine Risikoprämie in Form einer höheren erwarteten Rendite gezahlt – wie hoch diese Risikoprämie ist und wovon sie abhängt, sind wesentliche Themen der Kapitalmarkttheorie. Anleihen hängen unmittelbar mit Zinssätzen zusammen – aus ihren Marktpreisen ergibt sich die Zinsstrukturkurve, die einen Marktzinssatz in Abhängigkeit von der Laufzeit beschreibt. Neben den originären Wertpapieren existieren mannigfaltige so genannte derivative Finanzprodukte – Optionen, Forwards, Futures, Swaps und andere Derivate. Deren Analyse und Bewertung ist in den letzten Jahrzehnten zu einem sehr großen Forschungsfeld gewachsen, der Optionspreistheorie. Ein anderer Teilaspekt der Kapitalmarktforschung betrifft die Marktmikrostruktur und beschäftigt sich mit der Frage, wie der Preisfindungsprozess an einem Markt im Detail abläuft, wie also Preisvorstellungen von Anbietern und Nachfragern zusammengeführt werden.

    Des Weiteren ist es auch Aufgabe der Finanzwirtschaft, einzelne Kapitalmarktteilnehmer zu betrachten, zu denen neben Unternehmen und Banken auch Individuen gehören. Klassisch normativ gibt die Port­foliotheorie Empfehlungen, wie ein Anleger sein Kapital bestmöglich auf am Markt gehandelte Wert­papiere aufteilen kann. Seit einiger Zeit ist das Verhalten von Marktteilnehmern vermehrt in den Fokus der Forschung geraten, als klar wurde, dass die Annahme eines stets rational handelnden kognitiv un­begrenzten eigennutzenmaximierenden homo oeconomicus eine zu starke Vereinfachung real handeln­der Individuen darstellt. Die verhaltensorientierte Finanzwirtschaft beschreibt das Verhalten realer Marktteilnehmer und leitet Schlussfolgerungen für das Funktionieren von Kapitalmärkten ab.

    Wie eingangs erwähnt, bestehen etliche Interdependenzen zwischen den drei Teilgebieten: Unter­nehmen finanzieren sich durch Geschäfte mit Finanzintermediären (Banken) oder Investoren am Kapital­markt; Banken agieren insofern einerseits als Konkurrent zu Kapitalmärkten, andererseits nutzen sie Kapitalmärkte beispielsweise für Geschäfte zur Risikoabsicherung, usw. Zudem existieren etliche Schnittstellen zu anderen Disziplinen der Wirtschaftswissenschaften, etwa zur Personalwirtschaft (Managervergütung), zur Steuerlehre (Projektanalyse und -bewertung), zur Mikroökonomik (Markt­mikrostruktur) oder zur Geldtheorie (Theorie des Kredites). Ferner spielen Aspekte anderer Wissen­schaften eine Rolle, beispielsweise aus der Psychologie und Soziologie bei der verhaltensorientierten Finanzwirtschaft oder auch aus der Ökologie bei der Betrachtung nachhaltiger Finanzgeschäfte.

  • Wir bieten Module an, die die Breite des Fachs Bank- und Finanzwirtschaft in weiten Teilen abdecken. Hinzu kommen Seminare zu Themenschwerpunkten, die auch aktuelle Entwicklungen aufgreifen.

    Die Lehreinheit „Finanzierung“ im Modul „Investition und Finanzierung“ ist im Pflichtprogramm der wirt­schaftswissenschaftlichen Bachelorstudiengänge an der FernUniversität verortet. Er bietet eine Einfüh­rung in die Thematik mit einem Schwerpunkt auf der Unternehmensfinanzierung. Nach einer Einord­nung in die institutionellen Rahmenbedingungen eines Unternehmens erfolgt eine Systemati­sierung und Analyse der wichtigsten Finanzierungsformen. Dabei wird auf klassische Aufgaben der Unternehmens­finanzierung wie die Finanzplanung und die Cashflow-Rechnung im Rahmen der Innen­finanzierung eingegangen. Hinsichtlich der Unterscheidung von Eigen- und Fremdkapital werden Kapitalstruktur­entscheidungen und in diesem Zusammenhang der Leverage-Effekt und die Irrelevanz­hypothesen von Modigliani und Miller thematisiert. Die Lehreinheit wird abgerundet durch einen Blick auf finanzielle Märkte, deren Mikrostruktur zum Zwecke der Preisbildung, deren Effizienz im Sinne von Fama und deren Funktion zur Anlage in Wertpapieren unter Berücksichtigung der Dimensionen Rendite und Risiko.

    Das Modul „Finanzwirtschaft“ ist gegliedert in die Lehreinheiten „Kapitalmärkte“ und „Unternehmens­finanzierung“, welche sich auf die gleichnamigen Teilgebiete beziehen. Es ist im Wahlbereich der Bachelorstudiengänge angesiedelt. Die Lehreinheit zu den Kapitalmärkten beginnt klassisch mit der Sicht eines Investors und dessen optimalen Anlageentscheidungen im Lichte von Diversifikation und Portfolio­theorie. Die Annahme rationaler Marktteilnehmer, homogener Infor­mation und der Verfügbarkeit einer risikolosen Anlage führt dann über die Tobin-Separation zur grund­legenden Gleichgewichtstheorie des Kapitalmarkts, dem Capital Asset Pricing Model. Im Weiteren werden Anleihemärkte und Zinsstruktur­kurven sowie Märkte für derivative Finanzinstrumente mit einer Einführung in die Optionspreistheorie betrachtet. Die Lehreinheit zur Unternehmensfinanzierung beleuchtet zunächst Projekte in einem Unter­nehmen, deren Cashflows und Risiken. Das Preinreich-Lücke-Theorem stellt dabei einen Zusammenhang zwischen der erfolgsorientierten und der zahlungsorientierten Sichtweise her. Die Betrachtung wird fortgeführt mit einer Analyse von Kapitalkosten für Eigen- und Fremdkapitalkontrakte. Diese Über­legungen münden in Bewertungsansätze für Projekte und Unternehmen in der Modellwelt des voll­kommenen Marktes. Im Weiteren werden dessen Annahmen teilweise aufgehoben und Unvoll­kommenheiten betrachtet. Insbesondere der Wegfall der Informa­tionssymmetrie leitet über in die Theorie des Neoinstitutionalismus. Diese beleuchtet Beziehungen zwischen Kapitalgebern unter-einander sowie Kapitalgebern und Managern (jeweils Prinzipale und Agenten), zeigt Probleme asymme­trischer Information auf und bietet fallbezogene Lösungsansätze.

    Das Modul „Finanzintermediation und Bankmanagement“ besteht aus der gleichnamigen Lehreinheit und ist ebenfalls im Wahlbereich der Bachelorstudiengänge angesiedelt; zudem ist es unter gewissen Voraussetzungen auch im Masterbereich wählbar. Die Lehreinheit beginnt mit einer Einführung in die Theorie der Finanzintermediation, unterscheidet dabei Finanzintermediäre im engeren und im weiteren Sinne und diskutiert die Existenzberechtigung von Banken als typische Vertreter der ersten Gruppe vor dem Hintergrund der parallelen Existenz von Finanzmärkten. Die weitere Betrachtung fokussiert explizit auf Banken. Zunächst wird ein Einblick in das Bankcontrolling, die verursachungsgerechte innerbetriebliche Zuordnung von Kosten und Erlösen sowie die risikoadäquate Kalkulation von Konditionen im Kredit­geschäft gegeben. Im Weiteren steht das finanzielle Risikomanagement in Banken im Fokus. Nach einer theoretischen Einordnung zum Nutzen des Risikomanagements wird auf die Kategorien Markt­preis­risiko, Zinsrisiko sowie Kreditrisiko eingegangen. Dabei werden jeweils Messkonzepte (Risikomaße) sowie Steuerungsmöglichkeiten, insbesondere Instrumente zur Risikoabsicherung bzw. -reduktion, diskutiert. Mit dem so gelegten Risikoverständnis erfolgt im Weiteren eine Betrachtung der Banken­regulierung, sowohl aus einer theoretischen Perspektive als auch hinsichtlich wichtiger konkreter Regeln. Die Lehreinheit schließt ab mit einer Vorstellung und Diskussion von Konzepten zur Gesamtbank­steuerung. Hierunter sind verschiedene Heuristiken zu sehen, die unter Rendite- und Risikoabwägungen sowie Berücksichtigung des institutionellen, insbesondere regulatorischen, Umfelds sowie der Unvoll­kommenheit der Finanzmärkte Impulse für die Entwicklung einer Bank geben.

    Das Modul „Elemente der Finanzwirtschaft“ vertieft wichtige Aspekte der Finanzwirtschaft und ist wählbar in den wirtschaftswissenschaftlichen Masterstudien­gängen der FernUniversität. Die Lehreinheit „Asset Pricing“ hat die Preisbildung auf Märkten für finanzielle Güter zum Gegenstand. Ziel ist ein tieferer Einblick in Preisbildungsmechanismen und Kapitalmarktgleichgewichte. Dabei ergeben sich erwartete Renditen von Wertpapieren aus den Präferenzen der Marktteilnehmer. Grundlage hierfür ist die rationale Entscheidungstheorie. Begleitend wird in der Einheit ein Einblick in verhaltensökonomische Konzepte gegeben, insbesondere die Prospect Theory, welche begrenzt rationale Entscheider und entspreche Verhaltensanomalien berücksichtigen. Die Lehreinheit „Finanzwirtschaftliche Bewertungstheorie“ vertieft die Bewertung von finanziellen Gütern, insbesondere Zinsinstrumenten, Forwards und Futures sowie Optionen, wobei nun arbitrageorientierte Bewertungskonzepte im Fokus stehen. Derartige Konzepte bewerten finanzielle Güter vor dem Hintergrund bekannter Marktpreise für grundlegende Finanztitel. Schwerpunkt der Einheit ist die Optionspreistheorie, innerhalb derer zunächst das zentrale Prinzip der risikoneutralen Bewertung im zeitdiskreten Binomialmodell begründet wird und alsdann im zeitstetigen Modell zu den Black/Scholes-Formeln führt. Die Lehreinheit „Risikomanagement“ behandelt die Analyse finanzieller Risiken. In einem allgemeinen Teil werden zunächst Risikomaße wie der Value-at-Risk und der Expected Shortfall thematisiert. Zudem wird auf Messung und Management von Markt- und Zinsrisiken eingegangen. Der folgende spezielle Teil fokussiert auf Kreditrisiken. Neben theoretischen Ansätzen wie Unternehmenswertmodellen zur Kreditbewertung sowie Kreditportfoliomodellen werden Kreditderivate und Verbriefungen als Instrumente des Kreditrisikotransfers analysiert.

    Das Modul „Finanzmanagement mit Excel“ hat weniger die Vermittlung neuen Lehrstoffs zum Ziel als vielmehr dessen praktische Umsetzung in einem Tabellenkalkulationsprogramm. Hierzu werden ausgewählte Inhalte aufgegriffen, die zumeist aus einem der anderen Module bekannt sein sollten. Während dort behandelte Themen teilweise theoretisch bleiben mussten, stehen in diesem Modul Techniken zur Implementierung im Vordergrund. Nach einem Einstieg mit der Durchführung einer Berechnung zur persönlichen Finanzplanung bzw. Altersvorsorge werden stetige und diskrete Renditen sowie deren Verteilungsparameter aus Zeitreihen von Aktienkursen geschätzt. Auf dieser Basis kann eine Portfoliooptimierung durchgeführt werden. Aus dem Bereich des Risikomanagements werden die Techniken der historischen Simulation und der Monte-Carlo-Simulation vermittelt. Dies erfolgt im Rahmen einer Szenarioanalyse zur Beurteilung einer Investition unter Unsicherheit sowie des Weiteren zur Berechnung von Value-at-Risk und Expected Shortfall für ein Aktienportfolio. Zudem wird ein einfaches Kreditportfoliomodell implementiert. Aus dem Bereich des Zinsmanagements werden dirty price und clean price von Kuponanleihen berechnet sowie die Methodik des Bootstrapping zur Ermittlung einer Zinsstrukturkurve angewandt. Aus dem Bereich der Optionspreistheorie werden zu­nächst Bewertungsformeln für Optionspreise und deren Sensitivitäten implementiert, bevor auf die Berechnung von impliziten Volatilitäten aus Optionspreisen eingegangen wird. Des Weiteren wird auch hier ein Simulationsverfahren angewandt, das aber im Gegensatz zum Risikomanagements nicht die Bestimmung eines Risikomaßes, sondern eines Optionspreises zum Ziel hat. In einer abschließenden fakultativen Lehreinheit wird eine Einführung in die Programmiersprache Visual Basic gegeben und dabei ein Binomialmodell zur Bewertung amerikanischer Optionen implementiert.

    Neben den in jedem Semester angebotenen Modulen vertiefen unsere Seminare ausgewählte Aspekte der Bank- und Finanzwirtschaft. Beispielhafte Seminarthemen der vergangenen Semester waren Green Finance, Optionen und strukturierte Finanzprodukte, Finanzielles Risiko­management, Financial Engineering, Assetmanagement, Performancemessung von Portfolios und Investmentfonds, Bilanzielle Bewertung von Finanzinstrumenten, FinTechs und Kryptowährungen, Zinsstrukturkurven und Anleihemärkte, Kreditrisikomanagement, Volatilitäten auf Finanzmärkten sowie Behavioral Finance.

  • Die Lehre in den Modulen basiert auf den Lehrtexten. Es ist das Selbstverständnis der Fakultät, dass die Lehrtexte von den Lehrstuhlinhabern selbst geschrieben und verantwortet werden. Diese zentrale Aufgabe wird weder an Externe vergeben noch an wissenschaftliche Mitarbeiter delegiert.

    An meinem Lehrstuhl sind die Lehrtexte prinzipiell in sich abgeschlossen, d. h. ohne weiteres Material zu studieren. Dennoch wird dringend angeraten, zusätzliche Literatur zu Rate zu ziehen. In jeder Lehreinheit werden Hinweise auf Lehrbücher und weiterführende Literatur gegeben. Deren parallele Lektüre ist in der Regel dem Verständnis der Lehrinhalte sehr zuträglich, da die Inhalte mitunter etwas anders aufbereitet sind, unter einem Blickwinkel oder mit einem anderen Schwerpunkt betrachtet werden.

    Zudem ist es mit dem reinen Lesen nicht getan. Das Fach Finanzwirtschaft geht mit vielerlei Modellen, Methoden und Berechnungen einher. In den Lehrtexten werden diese Zusammenhänge sowohl abstrakt-theoretisch als auch anhand konkreter Beispiele dargestellt. Von Fall zu Fall wird dabei entweder zunächst die Theorie entwickelt und alsdann durch eine Anwendung veranschaulicht, oder aber es wird zunächst exemplarisch ein Zusammenhang motiviert und daraufhin verallgemeinert. In jedem Fall ist es für das Verständnis hilfreich, wenn nicht unumgänglich, die Beispielrechnungen selbst nachzuvollziehen. Man sollte also die Modell- oder Beispielsituation aus dem Lehrtext auf ein leeres Blatt Papier übertragen, den Lehrtext dann beiseitelegen und versuchen, die Berechnung eigenständig durch­zuführen.

    Des Weiteren gibt es zu jeder Lehreinheit Übungsaufgaben. Deren Anforderungsniveau ist heterogen: Teilweise sind sie an die Beispiele aus dem Lehrtext angelehnt, teilweise gehen sie auch darüber hinaus und verlangen Transferleistungen. Ebenso variiert der benötigte zeitliche Umfang – vereinzelt gibt es auch Rechercheaufgaben, die eine Anwendung der Lehrinhalte auf aktuelle ökonomische Gegeben­heiten verlangen, beispielsweise Unternehmensbilanzen, Aktienkurse oder Zinsstrukturkurven. Zu den Übungsaufgaben stellen wir Lösungshinweise bereit, entweder direkt im Lehrtext oder in einer Moodle-Lernumgebung.

    Zusätzlich zu den Übungsaufgaben werden am Ende eines jeden Abschnitts Kontrollfragen zum Lehrtext gestellt. Diese dienen der Selbstkontrolle: Man sollte die Fragen beantworten können, ohne im Lehrtext zurückblättern zu müssen. Die Fragen beziehen sich unmittelbar auf die Inhalte des betreffenden Abschnitts. Aus diesem Grund gibt es auch keine separaten Lösungen zu den Fragen – die Antworten finden sich im Lehrtext.

    Den Besonderheiten des Fernstudiums entsprechend sieht unser Lehrkonzept keine klassischen Vor­lesungen vor. Den Lehrtexten fehlt das gesprochene Wort. Dieses Defizit kompensieren wir durch ein Konzept des „Blended Learning“. Dies umfasst im Pflichtprogramm des Bachelorstudiums eine mentori­elle Betreuung, die primär in den Regional- und Studienzentren vor Ort, zunehmend aber auch virtuell angeboten wird.

    Das zusätzliche Betreuungsangebot des Lehrstuhls wird in einer Moodle-Lernumgebung für jedes Modul gebündelt. Hier wird jeweils ein moderiertes Diskussionsforum zur Verfügung gestellt. Zusätzlich bieten wir semesterbegleitend Online-Übungen an. Dieses Angebot wird in den kommenden Semestern sukzessive ausgeweitet. Dies erfolgt vor dem Hinter­grund des Mentorenkonzepts der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft vom Sommer 2020, das für die Wahlpflichtmodule eine Verlagerung der Betreuung von den Mentoren zu den Lehrstühlen vorsieht. Inhaltlich werden Aufgaben und/oder Beispiele aus dem Lehrtext gerechnet, wobei die Teilnehmer im Vorfeld Wün­sche hinsichtlich des zu behandeln­den Lehrstoffes angeben können. Die Übung findet etwa alle zwei bis drei Wochen an einem Abend­termin statt. Es besteht die Möglichkeit zur Interaktion, indem per Audio- und ggf. Videobeteiligung Fragen gestellt werden können.

    Eine Besonderheit stellt das Modul „Finanzmanagement mit Excel“ dar. In diesem Modul erfolgt die Vermittlung der Lehrinhalte primär durch Lehrvideos. Der Lehrtext beinhaltet die zugrunde liegende Theorie, während der eigentliche Kompetenzerwerb, also die praktische Umsetzung der Konzepte, in den Lehrvideos erfolgt.

    Neben den regulären Modulen bieten wir jedes Semester mindestens zwei Seminare an, die ausge­wählte und zum Teil aktuelle Themen der Bank- und Finanzwirtschaft vertiefend behandeln. Das grund­legende Ziel von Seminaren ist das Erlernen wissenschaftlicher Arbeitsweisen, was in der Erstellung einer Seminararbeit zum Ausdruck kommt. Dies beinhaltet zum einen handwerkliche Techniken wie das Recherchieren und Aufbereiten von Literatur und das richtige Zitieren. Zum anderen steht die eigen­ständige wissenschaftliche Leistung im Vordergrund. Dies kann die Interpretation und Einordnung der Literatur sein; in der Regel ist mindestens ein Seminar pro Semester bei uns aber auch auf eine wissenschaftspraktische Anwendung angelegt. Hierunter ist beispielsweise die Veranschaulichung eines Modells mit einem Tabellenkalkulationsprogramm oder die Analyse von Daten in einer (kleinen) empirischen Studie zu verstehen. Bei Bedarf geben wir im Rahmen der Vorbesprechung eine Einführung in das empirische Arbeiten, beispielsweise mit Übungen in Excel.

  • Wie eingangs dargelegt, ist es mein primäres Ziel, Verständnis für ökonomische Zusammenhänge, Modelle und Methoden im Lichte wissenschaftlicher Denkweisen zu generieren. Ein solches Verständnis geht über reines „Wissen“ und „Können“ hinaus: man sollte also den Lehrstoff nicht nur kennen und anwenden können, sondern auch verstehen, beispielsweise auf welchen Annahmen eine Theorie basiert, inwieweit ein Modell verallgemeinerbar oder limitiert ist, warum eine Berechnung durchführbar ist. Eine ideale Prüfung sollte diese Aspekte berücksichtigen. Nun ist dieser Anspruch im Spannungsfeld mit den Gegebenheiten der FernUniversität und einer Vielzahl an Studenten in den Modulen zu sehen. Gemäß Prüfungsordnung werden die Module über Klausuren geprüft. Als Basis für tiefergehendes Verständnis finden sich in unseren Klausuren auch reine Wissensfragen – manche grundlegenden Dinge muss man als Ökonom eben einfach wissen. Dabei legen wir keinen Wert auf Auswendiglernen von Definitionen oder detailgetreue Reproduktion von Lehrtextpassagen. Wenn man beispielsweise weiß, was ein bestimmtes Risikomaß aussagt, kann man dies auch mit eigenen Worten wiedergeben. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Klausuren sind Rechenaufgaben. Hier gilt Ähnliches: Manche Typen von Rechenaufgaben kann man prinzipiell durch Auswendiglernen von Rechenschemata lösen. Solche Aufgaben sind aber nicht geeignet, um Verständnis zu überprüfen. Sicherlich ist es hilfreich, bestimmte Rechentechniken zu verinnerlichen, und so finden sich in den meisten Klausuren ent­sprechende Aufgaben. Allerdings sind wir bestrebt, Aufgabenstellungen so zu formulieren, dass eine einfache Anwendung schematischer Rechnungen nicht immer ausreicht. Vielmehr soll ein Nachdenken über die Frage mit dem gelernten und verstandenen Lehrstoff zu einer Lösung führen – die in der Regel auch gar nicht kompliziert sein muss.

    Hieraus ergibt sich, dass eine Prüfungsvorbereitung ausschließlich auf Basis alter Klausuren wenig sinnvoll ist. Wir stellen die jeweils letzten vier Klausuren mit Lösungshinweisen in der Moodle-Lern­umgebung bereit. Damit erhält man einen Eindruck über die Art der Klausuren und Ausgestaltung von Fragen. Das alleinige Durchrechnen alter Klausuren ist aber wie dargelegt keine adäquate Prüfungs­vorbereitung. Vielmehr sollte der Lehrtext ausführlich studiert werden – wie oben skizziert unter Nach­rechnen der Beispiele, Beantwortung der Kontrollfragen und Lösen der Übungsaufgaben.