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Der Hagener Sobibor-Prozess – Begegnungen mit dem Holocaust
[22.04.2026]In Kooperation mit dem Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen veranstalten das Stadtarchiv Hagen und der Fachbereich Museen und Archive der Stadt Hagen am 6. Mai 2026 im Auditorium des Museumsquartiers Hagen einen Informations- und Diskussionsabend über den Hagener Sobibor-Prozess 1965/66.
6. Mai 2026, 18:00 Uhr
Auditorium im Museumsquartier Hagen
Museumsplatz 1, 58095 Hagen
Das Anfang 1942 angelegte Lager im ostpolnischen Sobibor diente wie die beiden Lager Belzec und Treblinka als Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“. Bis zu seiner Schließung im Herbst 1943 wurden im Lager Sobibor nach Schätzungen zwischen 150.000 bis 250.000 Menschen ermordet.
Die juristische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Massentötungen im Vernichtungslager Sobibor fand erstmalig 1950 in Berlin und Frankfurt am Main statt. Vom 6. September 1965 bis 20. Dezember 1966 kam es vor dem Landgericht Hagen zu einem Prozess gegen 12 frühere Angehörige des Wachpersonals und der Lagerleitung. Das Hagener Verfahren wurde von den zeitgleich stattfindenden Prozessen in Frankfurt am Main (Auschwitz), München (Belzec) und Düsseldorf (Treblinka) begleitet.
Die Hagener Historikerin Dr. Eva Ochs sowie die Historiker Dr. Florian Gregor und Dr. Ralf Blank stellen kurzgefasst ihre Forschungen vor. Florian Gregor hat eine Dissertation über Franz Stangl, dem ersten Kommandanten des Vernichtungslagers Sobibor, vorgelegt. Eva Ochs untersucht die Presse- und Medienberichterstattung über den Sobibor-Prozess, der keineswegs ein „vergessener Prozess“ war. Ralf Blank verortet den Sobibor-Prozess, verschiedene Begegnungen mit dem Holocaust und die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen in die Stadt- und Landesgeschichte.
Einen größeren Raum nimmt eine gemeinsame Gesprächsrunde mit dem Hagener Rechtsanwalt Friedrich Grawert ein. Als junger Anwalt unterstützte Grawert seinen als Verteidiger im Sobibor-Prozess tätigen Vater. Dabei gewann er nicht nur Einblicke in den Prozess, sondern auch in das Verhalten der angeklagten NS-Täter. Auch danach wurde Grawert immer wieder mit NS-Prozessen konfrontiert, um etwa den früheren Rüstungsminister Albert Speer und den Raketentechniker Wernher von Braun zu befragen. Wie hat Friedrich Grawert den Prozess und die Angeklagten sowie die Zeugen und Juristen wahrgenommen und beurteilt sie aus der Distanz von 60 Jahren?
Bitte beachten Sie, dass der Zugang ins Museumsfoyer vom Museumsplatz derzeit übergangsweise gesperrt ist. Der behindertengerechte Eingang zum Foyer und Auditorium befindet sich rückseitig am Gebäude. Eine vorherige telefonische Anmeldung unter 02331 207 2740 und eine Platzreservierung ist sinnvoll.