Das aktuelle Programm der „Lüdenscheider Gespräche“ 2021

Veranstaltungsort

Auf Grund der aktuellen Situation werden die Lüdenscheider Gespräche bis auf weiteres per ZOOM digital veranstaltet. Nach Anmeldung per E-Mail werden Ihnen die Zugangsdaten zugeschickt. Sobald es möglich ist, die Reihe wieder im Kulturhaus Lüdenscheid zu veranstalten, werden wir Sie hier informieren.

Kontakt:
Eva Engelhardt, Tel: +49 2331 9874010
E-Mail: eva.engelhardt

Aktuelle Veranstaltung


09. Juni 2021, 18:00 Uhr

„Süßes aus dem Osten! Schokolade aus Saalfeld“

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Vortrag von Dr. Karin Hartewig (Bovenden)

Moderation: Dr. Almut Leh, FernUniversität in Hagen

Online per ZOOM

Mittwoch, 09. Juni 2021, 18:00 Uhr

Dr. Karin HartewigFoto: privat

„Mauxion Schokolade“ kannte in den 1920er Jahren jedes Kind, nicht zuletzt wegen der aufsehenerregenden Werbeaktionen. Außerdem gehörten die exquisite Tafelschokoladen neben Bahlsens Butterkeks zur Bordverpflegung der ersten Lufthansa-Linienflüge mit „Tante JU“ (JU-52). Und die Schokoladenmilch to go, die auf Bahnhöfen und bei Großveranstaltungen aus der „Schoko-Fontäne“ frisch ausgeschenkt oder in Flaschen verkauft wurde, galt als allseits beliebtes Getränk.

Was machte den besonderen Erfolg des Unternehmens aus Saalfeld aus? Wie führte der Unternehmer Ernst Hüther das Unternehmen durch die Höhen und Tiefen der deutsch-deutschen Geschichte? Wie brachte es die Unternehmerfamilie fertig, der aufstrebenden Kleinstadt ihren Stempel aufzudrücken und Saalfeld in „Hüther-City“ zu verwandeln?

Der Vortrag betrachtet Stationen und Wegmarken in der Unternehmensgeschichte der Schokoladenfabrik Mauxion und ihrer Nachfolger vom Kaiserreich bis zum Aufbau Ost. Darin eingeschrieben sind die Krisen und die „guten Zeiten“ der Expansion und des unternehmerischen Erfolgs, ebenso wie die weniger glanzvollen Seiten des Opportunismus und der Kooperation aus Eigennutz, aber auch die Geschichte des sozialistischen Betriebs und des Genussmittels Schokolade. Das Familienunternehmen Mauxion ist ein sprechendes Beispiel für die deutsch-deutsche Unternehmensgeschichte im 20. Jahrhundert. Der einst namhafte Hersteller von Schokolade steht beispielhaft für die starke Tradition der Schokolade aus Mitteldeutschland, die in der Wendezeit weithin in Vergessenheit geraten ist.

Karin Hartewig, Jahrgang 1959, Dr. phil., hat Neuere und Mittelalterliche Geschichte sowie Neuere Deutsche Literatur und Deutsch als Fremdsprache in München studiert. Sie war am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und an den Universitäten in Jena und Erfurt tätig und Gastprofessorin für Kulturwissenschaften an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Sie lebt in der Nähe von Göttingen.

Karin Hartewig ist freiberufliche Historikerin und Autorin. Ihre Themen sind breit gefächert. Sie berühren sozialgeschichtliche Fragen, die Geschichte der DDR, Biografien, Fotogeschichte, die materielle Kultur der Dinge, Auftragskunst im Dritten Reich sowie Produktwerbung und Corporate Design als angewandte Kunst und die Unternehmensgeschichte in West und Ost. Zurzeit ist sie unter dem Titel „Bahlsens Welt. Kekse, Kunst, Corporate Design und Unternehmenskultur (1911-1968)“ mit einer Studie zur Bahlsen KG, Hannover befasst.

Zum Thema des Vortrags erschien: „Süßes aus dem Osten. Schokolade aus Saalfeld“. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2021. „Mauxion, Rotstern und Stollwerck. Die bewegte Geschichte der Schokoladenfabrik in Saalfeld". Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2021.

Zoom-Meeting beitreten:

https://fernuni-hagen.zoom.us/j/85410713030?pwd=SWoycEsvd3MxQ3I3T0tTM2d1UUVjQT09

Meeting-ID: 854 1071 3030

Kenncode: 91796926

Weitere geplante Veranstaltungen


Archiv 2021 - 2020

Veranstaltungen 2021

21. April 2021, 18:00 Uhr

Günter Verheugen: Europäisch, sozial, liberal – im Zweifel für die Freiheit

Moderiertes Gespräch mit Günter Verheugen, Politiker

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Moderation: Dr. Wolther von Kieseritzky, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Archiv des Liberalismus/Public History, Berlin

Mittwoch, 21. April 2021, 18:00 Uhr

Online per ZOOM

Günter VerheugenFoto: Archiv des Liberalismus, Gummersbach

Ein „geschätzter Vermittler“ titelte Die Zeit über den EU-Kommissar; „Architekt“ der Ost-Erweiterung wurde er genannt. Als Günter Verheugen 1999 nach Brüssel ging, hatte er bereits mehrere Jahrzehnte das politische Leben der Bundesrepublik mitgestaltet. Er startete bei den Jungdemokraten und der FDP, erlebte 1971 die „Freiburger Thesen“ mit dem Ziel der Demokratisierung, Mitbestimmung und Umweltpolitik. Nach dem Koalitionsbruch 1982 wechselte er zur SPD und in den Bundestag. Das Gespräch nimmt die Zeitenwende der sozialliberalen Koalition vor 50 Jahren in den Blick, fragt aber auch nach der „Neubegründung der europäischen Idee“, wie sie Verheugen bereits 2005 angemahnt hat.

Günter Verheugen, Jahrgang 1944, arbeitete nach dem Zeitungs-Volontariat und Studium der Geschichte und Politik 1969 bis 1976 bei Hans-Dietrich Genscher erst im Innen-, dann im Außenministerium. Seit 1960 FDP-Mitglied, wirkte er ab 1977 als Bundesgeschäftsführer und von 1978 bis 1982 als Generalsekretär der FDP. Von 1983 bis 1999 gehörte er als SPD-Abgeordneter dem Deutschen Bundestag und dessen Auswärtigen Ausschuss an. Die SPD-Bundestagsfraktion wählte ihn 1994 zum stellvertretenden Vorsitzenden. 1999 wurde er EU-Kommissar für Erweiterung und 2004 bis 2010 zum Vizepräsidenten der EU-Kommission, zuständig für Industriepolitik und Unternehmen.

Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach, statt.

10. März 2021, 18:00 Uhr

Ein ganz anderer Typ Unternehmen? Die Familienunternehmen Sartorius und Bahlsen im Nationalsozialismus und Nachkrieg

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Referent: Prof. Dr. Manfred Grieger, Georg-August-Universität Göttingen

Moderation: Dr. Almut Leh, FernUniversität in Hagen

Digitale Veranstaltung per ZOOM (Aufzeichnung)

Prof. Manfred GriegerFoto: Gerrit Mumme

Das Geschichtsbild von Unternehmen im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts stellt Großunternehmer wie Krupp, Flick oder Quandt in den Mittelpunkt. Bis heute prägen aber auch kleinere und mittlere Familienunternehmen die deutsche Wirtschaftsstruktur; manche sehen darin sogar einen Stabilitätsanker. Der Vortrag zeigt am Beispiel des Spezialunternehmens Sartorius und der bekannten Markenfirma Bahlsen die Reaktionen auf die wirtschaftliche Krise Anfang der 1930er-Jahre, die politischen Machtwechsel und sich eröffnenden ökonomische Möglichkeiten von Krieg und Zivilgesellschaft.

Gerade in Familienunternehmen - so die These - lassen sich die Handlungsspielräume in den durch massiven ökonomischen und politischen Anpassungsdruck gekennzeichneten Wandel zwischen den frühen 1930er- und 1950er-Jahren aufzeigen und dadurch die Beziehungen zwischen Unternehmern und der sie umgebenden Gesellschaft auf Akteursebene analysieren. Dass Familienunternehmer im Übergang von der nationalsozialistischen Diktatur zur bundesdeutschen Wohlstandsgesellschaft ihre eigenen Legenden pflegten, erweist die personale Kontinuität als Motor eines durch Vergessen, Umdeutung und Verschiebung gekennzeichneten wirtschaftlichen und mentalen Neuanfangs.

Manfred Grieger, Jahrgang 1960, Dr. phil., Historiker. Nach der Promotion an der Ruhr-Universität Bochum mit einer Arbeit über die Geschichte des Volkswagenwerks und seiner Arbeiter im Nationalsozialismus von 1998 bis 2016 war er bei der Volkswagen AG als Leiter der Historischen Kommunikation beschäftigt. Seit seinem Ausscheiden dort ist er wieder freiberuflicher Historiker und u.a. für die Stadt Gifhorn, die Tiroler Landesregierung oder die Bahlsen KG tätig. 2016 wurde Manfred Grieger zum Honorarprofessor der Georg-August-Universität bestellt, an der er seit 2007 am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte lehrt. Letzte Veröffentlichungen: Gifhorner Juden im Nationalsozialismus. Diskriminierung, Ausgrenzung, Deportation und Überleben, Gifhorn 2018; Sartorius im Nationalsozialismus. Generationswechsel im Familienunternehmen zwischen Weltwirtschaftskrise und Entnazifizierung, Göttingen 2019; Wintershall im Nationalsozialismus. Studien zur Wintershall AG zwischen Krise und Krieg, 1929-1945, Frankfurt am Main 2020 [mit Rainer Karlsch und Ingo Köhler].

3. Februar 2021, 18:00 Uhr

Kriegskinder, Generationendiskurse und imaginierte Gemeinschaften - Schulaufsätze zur Kriegs- und Nachkriegszeit aus dem Roeßler Archiv der FernUniversität in Hagen

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Referentin: Prof. Dr. Beate Müller, Newcastle University, United Kingdom

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Digitale Veranstaltung per ZOOM (Aufzeichnung)

LSG B MüllerFoto: FernUniversität in Hagen

Der Vortrag setzt sich mit der Bedeutung von kriegsbezogenen Selbstzeugnissen westdeutscher Jugendlicher aus den 1950er Jahren auseinander. Bei den Selbstzeugnissen handelt es sich um noch unveröffentlichte autobiographische Schulaufsätze aus der ganzen damaligen BRD. Sie sind das Ergebnis einer nationalen Initiative des Bonner Pädagogen Wilhelm Roeßler, bei der rund 76 000 Aufsätze zu verschiedenen Themengebieten entstanden, die heute unter dem Namen „Roeßler Archiv“ im Archiv „Deutsches Gedächtnis“ im Institut für Geschichte und Biographie der Fernuniversität Hagen liegen.

In dieser Sammlung befinden sich ca. 6. 800 Aufsätze über die Kriegserlebnisse der SchülerInnen und ihrer Familien. Die meisten dieser Texte wurden von Jugendlichen der Jahrgänge 1938 bis 1940 geschrieben, die zum Zeitpunkt der Roeßlerschen Aktion im Jahre 1956 zwischen 16 und 18 Jahren alt waren.

Die Stimmen dieser jüngsten Kriegskinder werden als Versuche innerfamiliärer Mediation und transgenerationeller Versöhnung sowie als Ausdruck weiterreichender deutscher Erinnerungskultur gelesen. Die Analyse zeigt, dass die Aufsätze sich nicht in vertrauten Opferdiskursen erschöpfen, sondern dass die SchülerInnen ihre oft traumatischen Erlebnisse dazu nutzen, positive, zukunftsorientierte Identitäten für sich selbst, ihren Jahrgang und ihre Familien zu entwerfen.

Beate Müller, Jahrgang 1963, Dr. Phil., ist Professorin für Germanistik und Kulturgeschichte an der Newcastle University in Großbritannien. Sie ist Autorin und Herausgeberin von Büchern zur Parodie und zur Zensur sowie von Studien zu Holocaustüberlebenszeugnissen aus der frühen Nachkriegszeit. Sie hat sich in den letzten Jahren vor allem mit Testimonies von deutschen und jüdischen Kriegskindern auseinandergesetzt. Zurzeit schreibt sie an einem Buch über die kriegsbezogenen Aufsätze de Roeßler Archivs.

Veranstaltungen 2020

25. November 2020, 18:00 Uhr

„Es ist das Gefühl, frei zu sein…“ Sauerländer in den USA zwischen Vormärz und Jahrhundertwende

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Referent: Dennis Möbus, FernUniversität in Hagen

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen und Prof. Dr. Ewald Grothe, Archiv des Liberalismus, Gummersbach

Online Veranstaltung über Microsoft Teams (Aufzeichnung)

Dennis-moebius-hwFoto: Hardy Welsch

Etwa fünfeinhalb Millionen Menschen wanderten im 19. Jahrhundert aus Deutschland in die USA aus. Angetrieben von beruflicher Perspektivlosigkeit, Armut, religiöser und politischer Unterdrückung oder in einigen Fällen schierer Abenteuerlust, suchten sie nach Verbesserung ihrer Lage im „Land der Freiheit“. Dennis Möbus hat sich in seinem Promotionsprojekt mit den Begriffen und Erfahrungen von Freiheit deutscher Amerikaauswanderer auseinandergesetzt und dazu deren Briefserien biographisch analysiert. Er konnte feststellen, dass verbalisierte Erfahrungen von Freiheit beinahe immer emotional aufgeladen sind. Davon ausgehend hat er sich erstmals systematisch dem sprichwörtlichen „Gefühl der Freiheit“ gewidmet, von dem in Auswandererbriefen immer wieder geschrieben wird.

Zieht man das Phänomen der Amerikaauswanderung als Untersuchungsgegenstand heran, kann ein historisch hergeleitetes Modell von Freiheit entwickelt werden. Die Selbstverortung des Individuums zwischen einer unfreien Gegenwart und einer freieren Zukunft, für die es einer Referenz bedurfte, oder dem Rückblick aus dem Zustand erfahrener Freiheit auf eine Vergangenheit in Unfreiheit, evozierte bei vielen Auswanderern ein Gefühl der Freiheit. Auch der Raum spielte beim „sich frei Fühlen“ auf mehreren Ebenen eine entscheidende Rolle: als physische Kategorie, etwa durch Landerwerb, als temporale Kategorie, etwa durch Freizeit, oder als mentale Kategorie, etwa durch geistige Entfaltung. Dabei gingen die Erfahrungen und Gefühlsausdrücke von Freiheit oft mit einer emphatischen Abgrenzung gegenüber der Unfreiheit in Deutschland – oder ganz Europa – einher. Doch nicht alle Amerikaauswanderer fanden sich mit den neuen und ungewohnten Verhältnissen zurecht. An der Freiheit konnte man auch scheitern, wie zahlreiche Biographien eindrucksvoll und wiederum in sehr emotionalen Briefen belegen. Diese Einsichten wird Dennis Möbus anhand der ihm vorliegenden Briefe von Auswanderern aus dem Sauerland darlegen.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach, statt.

Wird verschoben auf 2021: Dokumentarfilm: Brüder und Schwestern

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Filmvorführung und Diskussion mit Pavel Schnabel, Filmemacher

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Infos folgen

7. Oktober 2020

wird verschoben auf 2021: Sturmabteilung - Die Geschichte der SA

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Vortrag von Prof. Dr. Daniel Siemens, Newcastle University

Moderation: Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

LSG SiemensFoto: Kathrin Kronast

Die „Sturmabteilung“, kurz: SA, war zunächst der Ordnungsdienst der nach Ende des Ersten Weltkriegs gegründeten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Allmählich zum paramilitärischen Wehrverband ausgebaut, prägte sie mit ihren Aufmärschen und den gewalttätigen Straßenkämpfen zunehmend das Bild der Nationalsozialisten in der Weimarer Republik. Am Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei und an der Etablierung der NS-Diktatur wirkte die SA maßgeblich mit.
Mit seinem Buch Sturmabteilung. Die Geschichte der SA (2019) legt der Historiker Daniel Siemens erstmals eine Gesamtdarstellung der Geschichte der nationalsozialistischen Sturmabteilung vor, von ihren Anfängen in der Weimarer Republik und ihren Entwicklungen nach der NS-Machtübernahme bis zur politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der SA nach 1945. Siemens zeigt, dass die SA nach der Ermordung ihrer Führungsspitze im sogenannten „Röhm-Putsch” 1934 keineswegs politisch bedeutungslos wurde. Insbesondere im Zuge der deutschen Expansionspolitik ab 1937 übernahm sie neue Aufgaben bei der Formierung der „Volksgemeinschaft”. Während des Zweiten Weltkriegs nahmen Mitglieder der SA eine aktive Rolle in der nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungs­politik ein. Führende SA-Generäle waren als deutsche Gesandte am Holocaust in Südosteuropa direkt beteiligt.

Daniel Siemens, 1975 geboren, ist Professor für Europäische Geschichte an der Newcastle University und Fellow der Royal Historical Society. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Seine Studie Horst Wessel. Tod und Verklärung eines Nationalsozialisten (2009) wurde mit dem Preis Geisteswissenschaften International ausgezeichnet. Mit der vorliegenden Studie liegt seine 2017 publizierte Habilitationsschrift Stormtroopers: A New History of Hitler's Brownshirts in deutscher Übersetzung vor.

29. April 2020

fällt leider aus!

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Mittwoch, den 29. April 2020, 18:00 Uhr

Lesung und Diskussion mit: Prof. Dr. Michael Göring

Moderation: Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen und Christian Bley, Ge-denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid e.V.

LSG GöringFoto: Roman Pawlowski

„Hotel Dellbrück“ zeichnet die Geschichte einer Familie über zwei Generationen nach. Vater Sigmund Rosenbaum muss 1938 mit 15 Jahren aus seiner westfälischen Heimat fort, weil er Jude ist. Dank der Kindertransporte überlebt er den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust in England. Der Leser erlebt Sigmunds Ängste in England, seine Suche nach einer inneren Heimat, seinen Wunsch, geliebt zu werden. Göring lässt den Leser tief eindringen in die Innenwelt dieses jungen Emigranten, der viel Glück in der neuen Heimat hat, von dem allerdings erwartet wird, dass er sein Judentum preisgibt und Methodist wird.

1955 ist Sigmund zurück in Westfalen, verheiratet, und Friedemann, genannt Frido, kommt auf die Welt. Mit Frido führt der Autor den Leser in die Welt der 1970er und 80er Jahre. Auch Frido emigriert, gelangt nach Poona und schließlich nach Australien. Hier beginnt der Autor eine große Reise, die Suche nach Bindung und Heimat, eine Reise, die den Leser zu sich führt, zum Nachdenken über Identität, über Heimat, über das, was wirklich zählt. 2018 ist Frido 63 und steht vor dem Hotel Dellbrück, dem Ort, an dem sein Vater einst geboren wurde. Dies ist inzwischen ein Flüchtlingsheim. Diese Reise an den Ursprung wird für ihn zum Sprung in ein neues Leben.

11. März 2020

Konspirative Justiz als politische Strafjustiz in der DDR

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Musste leider abgesagt werden! Vortrag von Dr. André Gursky, Halle (Saale)

Mittwoch, 11. März 2020, 18:00 Uhr

Als „Schild und Schwert der SED“ übte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) maßgeblichen Einfluss auf das Justizsystem der DDR aus. In Anbetracht der Befugnisse der Geheimpolizei ist von einem System der „konspirativen Justiz“ im Sinne der verdeckten Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Justizapparat auszugehen.

Seit der deutschen Wiedervereinigung wird über diesen Sachverhalt kontrovers diskutiert. Während die etablierte Geschichtsforschung dessen rechtswidrigen und totalitären Charakter betont, handelt es sich aus Sicht ehemaliger MfS-Offiziere, darunter Mitglieder des in den 90er Jahren gegründeten Insiderkomitees zur Förderung der kritischen Aneignung der Geschichte des MfS, überwiegend um legitime Maßnahmen zum Schutz der von außen und innen bedrohten DDR.

In seinem Vortrag spricht der Referent über Dimensionen der konspirativen Justiz im SED-Staat und verdeutlicht die weltanschauliche Grundlegung der politischen Justiz im abgestimmten Handeln zwischen Geheimdienst auf der einen und von Partei-, Justiz- und Staatsfunktionären auf der anderen Seite. Noch wenige Monate vor dem Zusammenbruch der DDR formulierte der erste Chef der MfS-Bezirksverwaltung Halle, Generalleutnant Martin Weikert, in einem 1989/90 nicht vernichteten und im BStU-Bestand überlieferten Erinnerungsbericht offenherzig rückblickend:

„Wir hatten festgelegt, was herauskommen muss und das hat auch geklappt.“

12. Februar 2020

„Pragmatische Phantasie“ in der Politik – sozial, liberal und streitbar

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Mittwoch, den 12. Februar 2020, 18:00 Uhr

Ingrid Matthäus-Maier: Biographisches Gespräch

Moderation: Dr. Wolther von Kieseritzky, Archiv des Liberalismus, Potsdam

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LSG Matthäus-Maier kleinFoto: Evelin Frerk Berlin VG IMM

„Immer die Erste“, titelte DIE ZEIT über ihren Aufstieg: Ob bei der FDP und den Jungdemokraten, im Bundestag, später in der SPD oder als Bankmanagerin – Ingrid Matthäus-Maier stand meist als eine der ersten Frauen in Führungspositionen der Politik und Wirtschaft. 1982 kämpfte sie vehement – aber vergeblich – gegen das Ende der Koalition von SPD und FDP. Danach legte sie alle Ämter nieder, insbesondere auch ihr Bundestagsmandat, und wurde wieder Verwaltungsrichterin. Auf Bitten von Willy Brandt und Johannes Rau trat sie der SPD bei und war ab 1983 für die SPD im Bundestag. Das Gespräch nimmt die Zeitenwende der sozialliberalen Koalition vor 50 Jahren in den Blick und diskutiert die Herausforderungen der Gleichberechtigung sowie die Frage, welche Chancen „pragmatische Phantasie“ in der Politik besitzt.

Ingrid Matthäus-Maier (Jg. 1945) arbeitete nach dem Jurastudium als Richterin. Seit 1969 FDP-Mitglied, wurde sie 1972 Vorsitzende der Jungdemokraten, gehörte von 1978 bis 1982 dem FDP-Bundesvorstand sowie von 1976 bis 1999 (unterbrochen Ende 1982) dem Deutschen Bundestag an, dessen Finanzausschuss sie leitete. Die SPD-Bundestagsfraktion wählte sie 1988 zur stellvertretenden Vorsitzenden. 1999 wechselte sie in den Vorstand der KfW-Bankengruppe, seit 2006 als dessen Sprecherin. Sie scheut auch heute nicht klare Worte, etwa zur Trennung von Staat und Kirche, und streitet unvermindert für ihre Überzeugungen.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach, statt.

08.Januar 2020

Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie

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  • Lesung und Gespräch: Marion Brasch, Berlin
  • Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen
  • Mittwoch, 08. Januar 2020, 18:00 Uhr

Marion Braschs Roman „Ab jetzt ist Ruhe“ erzählt die Geschichte ihrer außergewöhnlichen Familie im Spannungsfeld zwischen Ost und West. Die jüdischen Eltern, die sich im Exil in London kennenlernten, gründeten die Existenz ihrer jungen Familie in Ostberlin. Der Vater wurde stellvertretender Kulturminister der DDR, die Brüder, darunter Thomas Brasch, wurden als Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler bekannt und rebellierten, während die "kleine Schwester" Versöhnung und Ausgleich suchte und oft genug damit an Grenzen stieß, auch an die eigenen.

Marion Brasch erzählt vom Leben in dieser Familie, von Revolte, dem Verlust der drei Brüder und von ihrem Weg durch Abenteuer und Wirren in die eigene Freiheit.

LSG BraschFoto: holmsohn

Marion Brasch entstammt einer Familie deutsch-österreichischer Kommunisten mit jüdischen Wurzeln. Ihr Vater Horst Brasch (1922–1989) bekleidete nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Großbritannien 1946 hohe Ämter in der Kulturpolitik der DDR, ihre Mutter Gerda Brasch (1921–1975) war Journalistin. Marion Brasch ist die Schwester der Schriftsteller Thomas Brasch (1945–2001) und Peter Brasch (1955–2001) sowie des Schauspielers Klaus Brasch (1950–1980). Die Geschichte ihrer Familie hat sie in ihrem Roman „Ab jetzt ist Ruhe“ verarbeitet, der 2012 im S. Fischer Verlag erschien.

Als gelernte Schriftsetzerin arbeitete Marion Brasch zunächst in einer Druckerei, später bei diversen Verlagen und dem Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR. Von 1987 bis 1992 war sie beim Radiosender DT64 tätig, zunächst als Musikredakteurin, später auch als Moderatorin und Autorin. Nach 1992 ging Brasch nach kurzen Stationen bei Fritz und Radio Brandenburg zum 1997 gegründeten Rundfunksender Radio Eins (RBB), für den sie seither freiberuflich arbeitet. Zudem ist sie seit Anfang der 2010er Jahre schriftstellerisch tätig.

 
28.04.2021