Das aktuelle Programm der „Lüdenscheider Gespräche“ 2020

11. März 2020

Konspirative Justiz als politische Strafjustiz in der DDR

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Vortrag von Dr. André Gursky, Halle (Saale)

Moderation: Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Mittwoch, 11. März 2020, 18:00 Uhr

Als „Schild und Schwert der SED“ übte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) maßgeblichen Einfluss auf das Justizsystem der DDR aus. In Anbetracht der Befugnisse der Geheimpolizei ist von einem System der „konspirativen Justiz“ im Sinne der verdeckten Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Justizapparat auszugehen.

Seit der deutschen Wiedervereinigung wird über diesen Sachverhalt kontrovers diskutiert. Während die etablierte Geschichtsforschung dessen rechtswidrigen und totalitären Charakter betont, handelt es sich aus Sicht ehemaliger MfS-Offiziere, darunter Mitglieder des in den 90er Jahren gegründeten Insiderkomitees zur Förderung der kritischen Aneignung der Geschichte des MfS, überwiegend um legitime Maßnahmen zum Schutz der von außen und innen bedrohten DDR.

In seinem Vortrag spricht der Referent über Dimensionen der konspirativen Justiz im SED-Staat und verdeutlicht die weltanschauliche Grundlegung der politischen Justiz im abgestimmten Handeln zwischen Geheimdienst auf der einen und von Partei-, Justiz- und Staatsfunktionären auf der anderen Seite. Noch wenige Monate vor dem Zusammenbruch der DDR formulierte der erste Chef der MfS-Bezirksverwaltung Halle, Generalleutnant Martin Weikert, in einem 1989/90 nicht vernichteten und im BStU-Bestand überlieferten Erinnerungsbericht offenherzig rückblickend:

„Wir hatten festgelegt, was herauskommen muss und das hat auch geklappt.“

André Gursky (Jg. 1959, geb. in Lu. Eisleben) studierte Philosophie und Geschichte an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg (Diplom 1985 über Luthers Staatsauffassungen).

Nach anschließender Parteischule und einer Eingabe an das Zentralkomitee der SED erfolgte eine Arbeitstätigkeit im Eisenhüttenwerk Thale (zuletzt in der Erwachsenenbildung) und 1989 die Zulassung als befristeter Assistent an der halleschen Universität. Im Rahmen von Forschungsarbeiten zur Reformationsgeschichte wurde der Referent Sachverständiger für die Staatsanwaltschaft Magdeburg (ZERV, Aufklärung zum Verbleib deutscher Kulturgüter im Kontext der Koko-Ermittlungen); 1992 gründete er einen Heimatverlag und war Mitherausgeber der jährlich erscheinenden Zeitschrift für Heimatforschung Sachsen-Anhalt (1992 bis 2008). Nach Eröffnung der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) war Gursky von 1996 bis 2016 deren Leiter und wirkte darüber hinaus als Sachverständiger für die Stasi-Landesbeauftragte in Sachsen-Anhalt. 2010 promovierte er an der halleschen Universität zur politischen Justiz in der DDR und war von 2010 bis 2014 Beiratsmitglied der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin (BStU). Seit 2016 ist er pädagogischer Mitarbeiter der Gedenkstätte im „Roten Ochsen“.

Veranstaltungsort Lüdenscheid

Kulturhaus Lüdenscheid
Freiherr-vom-Stein-Straße 9
58511 Lüdenscheid

Kontakt:
Eva Engelhardt, Tel: +49 2331 9874010
E-Mail: igb

Weitere geplante Veranstaltungen

29. April 2020

Hotel Dellbrück

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Mittwoch, den 29. April 2020, 18:00 Uhr

Lesung und Diskussion mit: Prof. Dr. Michael Göring

Moderation: Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen und Christian Bley, Ge-denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid e.V.

LSG GöringFoto: Roman Pawlowski

„Hotel Dellbrück“ zeichnet die Geschichte einer Familie über zwei Generationen nach. Vater Sigmund Rosenbaum muss 1938 mit 15 Jahren aus seiner westfälischen Heimat fort, weil er Jude ist. Dank der Kindertransporte überlebt er den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust in England. Der Leser erlebt Sigmunds Ängste in England, seine Suche nach einer inneren Heimat, seinen Wunsch, geliebt zu werden. Göring lässt den Leser tief eindringen in die Innenwelt dieses jungen Emigranten, der viel Glück in der neuen Heimat hat, von dem allerdings erwartet wird, dass er sein Judentum preisgibt und Methodist wird.

1955 ist Sigmund zurück in Westfalen, verheiratet, und Friedemann, genannt Frido, kommt auf die Welt. Mit Frido führt der Autor den Leser in die Welt der 1970er und 80er Jahre. Auch Frido emigriert, gelangt nach Poona und schließlich nach Australien. Hier beginnt der Autor eine große Reise, die Suche nach Bindung und Heimat, eine Reise, die den Leser zu sich führt, zum Nachdenken über Identität, über Heimat, über das, was wirklich zählt. 2018 ist Frido 63 und steht vor dem Hotel Dellbrück, dem Ort, an dem sein Vater einst geboren wurde. Dies ist inzwischen ein Flüchtlingsheim. Diese Reise an den Ursprung wird für ihn zum Sprung in ein neues Leben.

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Verein „Ge-denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid e.V.“ zum Jahrestag der Deportation der letzten Juden aus Lüdenscheid 1942 statt.

Michael Göring, 1956 geboren, studierte Anglistik, Geographie, Amerikanistik und Philosophie und promovierte 1986 im Fach englische Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2000 lehrt er zusätzlich als Honorarprofessor Stiftungswesen am Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Er ist Vorsitzender des Vorstands der ZEIT-Stiftung und war von 2014 bis 2018 Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Autor. Er ist Autor mehrerer Sachbücher und biographischer Romane, wie „Spiegelberg – Roman einer Generation“ und „Hotel Dellbrück“.

27. Mai 2020

Günter Verheugen: Biographisches Gespräch

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Mittwoch, den 27. Mai 2020, 18:00 Uhr

Günter Verheugen: Biographisches Gespräch

Moderation: Dr. Wolther von Kieseritzky, Archiv des Liberalismus, Potsdam

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Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung, Archiv des Liberalismus, Potsdam

10. Juni 2020

Die Erfahrung der Freiheit. Märkische Amerikaauswanderer und die Bürgerrechte, 1830-1880

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Referent: Dennis Möbus, FernUniversität in Hagen

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

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16. September 2020

Sartorius – eine Unternehmens- und Familiengeschichte

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Referent: Manfred Grieger

Moderation: Dr. Almut Leh, FernUniversität in Hagen

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7. Oktober 2020

Sturmabteilung - Die Geschichte der SA

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Vortrag von Prof. Dr. Daniel Siemens, Newcastle

Moderation: Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

LSG SiemensFoto: Kathrin Kronast

Die „Sturmabteilung“, kurz: SA, war zunächst der Ordnungsdienst der nach Ende des Ersten Weltkriegs gegründeten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Allmählich zum paramilitärischen Wehrverband ausgebaut, prägte sie mit ihren Aufmärschen und den gewalttätigen Straßenkämpfen zunehmend das Bild der Nationalsozialisten in der Weimarer Republik. Am Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei und an der Etablierung der NS-Diktatur wirkte die SA maßgeblich mit.
Mit seinem Buch Sturmabteilung. Die Geschichte der SA (2019) legt der Historiker Daniel Siemens erstmals eine Gesamtdarstellung der Geschichte der nationalsozialistischen Sturmabteilung vor, von ihren Anfängen in der Weimarer Republik und ihren Entwicklungen nach der NS-Machtübernahme bis zur politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der SA nach 1945. Siemens zeigt, dass die SA nach der Ermordung ihrer Führungsspitze im sogenannten „Röhm-Putsch” 1934 keineswegs politisch bedeutungslos wurde. Insbesondere im Zuge der deutschen Expansionspolitik ab 1937 übernahm sie neue Aufgaben bei der Formierung der „Volksgemeinschaft”. Während des Zweiten Weltkriegs nahmen Mitglieder der SA eine aktive Rolle in der nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungs­politik ein. Führende SA-Generäle waren als deutsche Gesandte am Holocaust in Südosteuropa direkt beteiligt.

Daniel Siemens, 1975 geboren, ist Professor für Europäische Geschichte an der Newcastle University und Fellow der Royal Historical Society. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Seine Studie Horst Wessel. Tod und Verklärung eines Nationalsozialisten (2009) wurde mit dem Preis Geisteswissenschaften International ausgezeichnet. Mit der vorliegenden Studie liegt seine 2017 publizierte Habilitationsschrift Stormtroopers: A New History of Hitler's Brownshirts in deutscher Übersetzung vor.

25. November 2020

Dokumentarfilm: Brüder und Schwestern

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Filmvorführung und Diskussion mit Pavel Schnabel, Filmemacher

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

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Archiv

Veranstaltungen 2020

12. Februar 2020

„Pragmatische Phantasie“ in der Politik – sozial, liberal und streitbar

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Mittwoch, den 12. Februar 2020, 18:00 Uhr

Ingrid Matthäus-Maier: Biographisches Gespräch

Moderation: Dr. Wolther von Kieseritzky, Archiv des Liberalismus, Potsdam

LSG Matthäus-Maier kleinFoto: Evelin Frerk Berlin VG IMM

„Immer die Erste“, titelte DIE ZEIT über ihren Aufstieg: Ob bei der FDP und den Jungdemokraten, im Bundestag, später in der SPD oder als Bankmanagerin – Ingrid Matthäus-Maier stand meist als eine der ersten Frauen in Führungspositionen der Politik und Wirtschaft. 1982 kämpfte sie vehement – aber vergeblich – gegen das Ende der Koalition von SPD und FDP. Danach legte sie alle Ämter nieder, insbesondere auch ihr Bundestagsmandat, und wurde wieder Verwaltungsrichterin. Auf Bitten von Willy Brandt und Johannes Rau trat sie der SPD bei und war ab 1983 für die SPD im Bundestag. Das Gespräch nimmt die Zeitenwende der sozialliberalen Koalition vor 50 Jahren in den Blick und diskutiert die Herausforderungen der Gleichberechtigung sowie die Frage, welche Chancen „pragmatische Phantasie“ in der Politik besitzt.

Ingrid Matthäus-Maier (Jg. 1945) arbeitete nach dem Jurastudium als Richterin. Seit 1969 FDP-Mitglied, wurde sie 1972 Vorsitzende der Jungdemokraten, gehörte von 1978 bis 1982 dem FDP-Bundesvorstand sowie von 1976 bis 1999 (unterbrochen Ende 1982) dem Deutschen Bundestag an, dessen Finanzausschuss sie leitete. Die SPD-Bundestagsfraktion wählte sie 1988 zur stellvertretenden Vorsitzenden. 1999 wechselte sie in den Vorstand der KfW-Bankengruppe, seit 2006 als dessen Sprecherin. Sie scheut auch heute nicht klare Worte, etwa zur Trennung von Staat und Kirche, und streitet unvermindert für ihre Überzeugungen.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach, statt.

08.Januar 2020

Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie

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  • Lesung und Gespräch: Marion Brasch, Berlin
  • Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen
  • Mittwoch, 08. Januar 2020, 18:00 Uhr

Marion Braschs Roman „Ab jetzt ist Ruhe“ erzählt die Geschichte ihrer außergewöhnlichen Familie im Spannungsfeld zwischen Ost und West. Die jüdischen Eltern, die sich im Exil in London kennenlernten, gründeten die Existenz ihrer jungen Familie in Ostberlin. Der Vater wurde stellvertretender Kulturminister der DDR, die Brüder, darunter Thomas Brasch, wurden als Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler bekannt und rebellierten, während die "kleine Schwester" Versöhnung und Ausgleich suchte und oft genug damit an Grenzen stieß, auch an die eigenen.

Marion Brasch erzählt vom Leben in dieser Familie, von Revolte, dem Verlust der drei Brüder und von ihrem Weg durch Abenteuer und Wirren in die eigene Freiheit.

LSG BraschFoto: holmsohn

Marion Brasch entstammt einer Familie deutsch-österreichischer Kommunisten mit jüdischen Wurzeln. Ihr Vater Horst Brasch (1922–1989) bekleidete nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Großbritannien 1946 hohe Ämter in der Kulturpolitik der DDR, ihre Mutter Gerda Brasch (1921–1975) war Journalistin. Marion Brasch ist die Schwester der Schriftsteller Thomas Brasch (1945–2001) und Peter Brasch (1955–2001) sowie des Schauspielers Klaus Brasch (1950–1980). Die Geschichte ihrer Familie hat sie in ihrem Roman „Ab jetzt ist Ruhe“ verarbeitet, der 2012 im S. Fischer Verlag erschien.

Als gelernte Schriftsetzerin arbeitete Marion Brasch zunächst in einer Druckerei, später bei diversen Verlagen und dem Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR. Von 1987 bis 1992 war sie beim Radiosender DT64 tätig, zunächst als Musikredakteurin, später auch als Moderatorin und Autorin. Nach 1992 ging Brasch nach kurzen Stationen bei Fritz und Radio Brandenburg zum 1997 gegründeten Rundfunksender Radio Eins (RBB), für den sie seither freiberuflich arbeitet. Zudem ist sie seit Anfang der 2010er Jahre schriftstellerisch tätig.

Veranstaltungen 2019

06. November 2019

Die ostdeutsche Zeitenwende als biographischer Umbruch.

Das Beispiel des Obertrikotagen-Betriebs VEB „Ernst Lück“ und seiner Mitarbeiterinnen

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06. November 2019, 17:00 Uhr

Gast: Edith Dahlke
im Gespräch mit den Historikern Angelika Wolf und Arthur Schlegelmilch (FernUniversität in Hagen)

"Wittstock verändert sich" lautete die Devise, als im Jahre 1973 der erste Film über die Frauen des neu entstehenden Obertrikotagenbetriebes "Ernst Lück" in der kleinen Stadt Wittstock im nördlichen Brandenburg gedreht wurde. Sechs weitere sollten in den nächsten 25 Jahren folgen. Drei Frauen standen dabei stellvertretend für alle im Betrieb Beschäftigten: Edith, Elsbeth und Renate. Sie erlebten den Aufbau und auch den Niedergang ihres Betriebes, der einmal die große Hoffnung einer strukturschwachen Region war, am Ende aber als unwirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß abgewickelt wurde. Für die betroffenen Frauen bedeutete dies nicht nur den Verlust des Arbeitsplatzes, sondern auch gravierende Einschnitte im sozialen und persönlichen Umfeld. Wenn sie nicht zu den Verliererinnen der „Wende“ gehören wollten, sahen sie sich gezwungen, ihr bisheriges Leben auf den Prüfstand zu stellen und nach neuen Lebensperspektiven Ausschau zu halten. Eine dieser Frauen ist Edith Dahlke, die den OTB nach zwanzigjähriger Tätigkeit im Jahr 1990 als Obermeisterin und Schichtleiterin verließ.

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Kulturhaus Lüdenscheid statt und ist eingebettet in das Programm zum Festtag des 30jährigen Wendejubiläums.

23. Oktober 2019

„Stella“ - Erzwungener Verrat. Jüdische „Greifer“ im Dienst der Gestapo 1943-1945

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  • Vortrag: Dr. Doris Tausendfreund, Berlin
  • Moderation: Dr. Almut Leh, FernUniversität in Hagen
  • Mittwoch, 23. Oktober 2019, 18:00 Uhr

Im März 1943 lebten etwa 5.000 Juden versteckt in Berlin. Zu ihnen gehörte auch Stella Kübler-Isaaksohn, geb. Goldschlag. Nach ihrer wiederholten Verhaftung durch die Gestapo versuchte sie, ihrer Deportation durch Kollaboration zu entgehen. Dabei nutzte sie ihre Zugehörigkeit zur Gruppe der Verfolgten, um andere Juden aufzuspüren und der Gestapo auszuliefern.
Sie zählte damit zu rund 25 „jüdischen Fahndern“, den sogenannten „Greifern“.
Nach Kriegsende von den Alliierten verhaftet, verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal sie zu zehn Jahren Zwangsarbeit. Nach Ableistung dieser Strafe erfolgten weitere Anklagen vor dem Landgericht Berlin. Die Presse widmete den Verfahren mit zum Teil reißerischen Berichten über den „Schrecken des Kurfürstendamms“, den „Todesengel“ oder auch das „blonde Gift“ hohe Aufmerksamkeit.
Auch in den folgenden Jahrzehnten erschienen neben Fernsehinterviews und einem Theaterstück zahlreiche Publikationen über „Stella“, zuletzt 2019 das gleichnamige Buch des Spiegel-Journalisten Takis Würger.
Im Mittelpunkt des Vortrages stehen die Rekonstruktion der historischen Ereignisse und der Umgang der Nachkriegsjustiz mit den Fahndern.

LSG TausendfreundFoto: privat

Doris Tausendfreund, geboren 1970 in Berlin, ist Historikerin und promovierte 2005 mit der Arbeit „Erzwungener Verrat. Jüdische ‚Greifer‘ im Dienst der Gestapo 1943-1945“ am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Seit 2006 arbeitet sie an der Freien Universität Berlin mit lebensgeschichtlichen Erinnerungsberichten zum Nationalsozialismus und deren digitaler Aufbereitung.

04. September 2019

Schneiden, Kleben und Skizzieren

Theodor Fontanes Notizbücher und die Entstehung der "Wanderungen durch die Mark Brandenburg"

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Vortrag von Dr. Gabriele Radecke, Göttingen
Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Mittwoch, 04. September 2019. 18:00 Uhr

LSG FontaneFoto: © gemeinfrei, Quelle: www.zeno.org
Theodor Fontane (Gemälde von Carl Breitbach, 1883)

Theodor Fontane, der große realistische Erzähler des 19. Jahrhunderts, war bis ins hohe Alter ein Reisender. Seine Notizbücher, die zu den letzten noch unveröffentlichten Konvoluten aus seinem Nachlass gehören, waren ihm dabei unverzichtbare Begleiter. Häufig notierte Fontane darin schon unterwegs seine ersten Eindrücke. Das bezeugen insbesondere die Notizen zu den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, an denen er mehr als 30 Jahre lang kontinuierlich gearbeitet hat. Gabriele Radecke, eine der renommiertesten Fontane-Forscherinnen, bereitet zurzeit gemeinsam mit ihrem Team an der Universität Göttingen diese Notizbücher für eine digitale Internetedition vor. In ihrem Vortrag stellt sie Fontanes Arbeitsweise sowie die Entstehung der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ exemplarisch vor. Abbildungen seiner Handschriften gewähren Einblicke in die vielfältige Textproduktion Fontanes.

Dr. Gabriele Radecke, Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen. Herausgeberin der Großen Brandenburger Ausgabe der Werke Theodor Fontanes und der digitalen Edition von Fontanes Notizbüchern. 2017 wurde sie mit dem Preis des Stiftungsrats der Universität Göttingen für ihr Engagement in der Vermittlung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit ausgezeichnet. Sie ist Sprecherin des wissenschaftlichen Beirats „fontane.200“.

05. Juni 2019

Jetzt - nach so viel´ Jahren

Filmvorführung und anschließende Diskussion mit dem Regisseur Pavel Schnabel, Frankfurt am Main

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Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Mittwoch, 05. Juni 2019, 18:00 Uhr

LSG SchnabelFoto: © Pawel Schnabel

Bis 1923 war das idyllische Rhina in Oberhessen ein Ort, in dem mehr als die Hälfte der Dorfbewohner jüdisch waren. Lange Zeit wurde es "Klein-Jerusalem" genannt. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde diese alte jüdische Gemeinde zugrunde gerichtet und die Juden in Konzentrationslager deportiert. In Rhina blieb von ihnen nicht mehr als ein verwüsteter Friedhof zurück. Befragt nach den früheren Nachbarn, erzählen die Rhinaer vom friedlichen Miteinander damals. Aber die wenigen überlebenden Juden, die in New York City wohnen, erinnern sich auch an ganz andere Ereignisse. Höhepunkt des Films ist eine emotionale Konfrontation: Die Rhinaer sehen ihre ehemaligen Nachbarn auf der Leinwand wieder.

Ein Dokumentarfilm von Pavel Schnabel und Harald Lüders über die Verdrängung der Nazi-Vergangenheit und das Überdauern der nationalsozialistischen Ideologie im Alltag eines oberhessischen Dorfes im Jahr 1981. 2018 wurde der Film digital restauriert. Die aktuellen Ereignisse in Chemnitz und Köthen lassen einen erschüttert feststellen, dass der Film – auch 37 Jahre nach seiner Entstehung – an der Aktualität kaum eingebüßt hat.

Prädikat "besonders wertvoll" (FBW) 1981; "Adolf-Grimme-Preis mit Gold" 1982; "Film des Monats" - epd; "Sesterce d'Argent" - Int. Filmfestival Nyon 1982; "Silver Plaque" - Film Festival Chicago 1982; "Special Merit" der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, Hollywood 1983.

Hessischer Rundfunk & Pavel Schnabel Filmproduktion © 1981

Digitalisiert und restauriert von Pavel Schnabel Filmproduktion © 2018 mit Unterstützung von Filmförderungsanstalt Berlin

Der Filmemacher Pavel Schnabel, geboren 1946, studierte an der Film- und Fernsehakademie in Prag (FAMU). Er verließ die Tschechoslowakei 1968 nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Armeen, lebt und arbeitet seitdem als freiberuflicher Regisseur und Kameramann in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Vorführung des Films "Waldheims Walzer. Ein Film über Lüge und Wahrheit" wird auf 2020 verschoben.

22. Mai 2019

"Vergegenständlichte Erinnerung". Die deutsche Einheit und die Folgen für die Erinnerungskultur

Eine persönliche Bilanz nach 25 Jahren

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Vortrag von Prof. Dr. Günter Morsch, Historiker, ehem. Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen

Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Kruse, FernUniversität in Hagen

Mittwoch, 22. Mai 2019, 18:00 Uhr

LSG MorschFoto: Günther Morsch
Krankenrevierbaracken und Wachturm A in der Gedenkstätte und dem Museum Sachsenhausen.

Im Gepäck des schweren DDR-Erbes, das durch den Beitrittsvertrag 1989/90 in die neue, wiedervereinigte Bundesrepublik übernommen wurde, befanden sich auch die drei großen Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen. Vor allem die KZ Gedenkstätte auf dem Ettersberg bei Weimar sowie die Gedenkstätte am Rande der Bundeshauptstadt in Oranienburg rückten wegen ihrer zweifachen Vergangenheit als Konzentrations- und sowjetische Speziallager in den Fokus eines teilweise heftig und polemisch ausgetragenen erinnerungspolitischen Diskurses. Diese auf höchster politischer Ebene geführte Debatte über die Zukunft des Gedenkens trug letztlich dazu bei, dass sich die bundesdeutsche Erinnerungskultur grundlegend veränderte. Gedenkstätten rückten vom Rand ins Zentrum der Gesellschaft. Dabei spielten die verschiedenen Einrichtungen im Land Brandenburg, wo im Januar 1993 erstmals in der Bundesrepublik eine selbständige öffentlich-rechtliche Gedenkstättenstiftung gegründet wurde, in mehrfacher Hinsicht eine Vorreiterrolle.

Günter Morsch begleitete diesen grundlegenden Wandel bundesdeutscher Erinnerungskultur als Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen sowie als Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten von Beginn an. In zahlreichen Publikationen hat er die entscheidenden Wegmarken dieses mehr als 25-jährigen Prozesses der Neukonzeption und Neugestaltung der Gedenkstätten kommentiert und dargestellt, zuletzt in einem umfangreichen Band über die Vielzahl der Baumaßnahmen der Stiftung zur Sanierung, Sicherung und Umgestaltung der ehemaligen Mahn- und Gedenkstätten der DDR.

Günter Morsch, geboren 1952, hat an der TU sowie der FU Berlin Neuere Geschichte, Psychologie und Philosophie studiert und wurde 1988 promoviert. Im Januar 1993 begann er seine Tätigkeit als Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen; 1997 wurden ihm zusätzlich die Aufgaben des Vorstands und Direktors der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten übertragen, zu der außer in Sachsenhausen und in Below weitere Einrichtungen in Ravensbrück, Brandenburg/Havel und Potsdam-Leistikowstraße gehören. Im Juni 2018 trat er in den Ruhestand.

03. April 2019

ROTE RÄTE. Die bayrische Revolution aus der Sicht von Augenzeugen

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Dokumentarfilm von Klaus Stanjek, Cinetarium Babelsberg
Einführung: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

Mittwoch, 03. April 2019, 18:00 Uhr

LSG Rote RäteFoto: Copyright Cinetarium Babelsberg
Foto der Münchener Revolutionäre

„In dieser Revolutionszeit … wie das in Bayern damals gewesen ist - wurde in einigen Monaten viel mehr gemacht als sonst in Jahren“, sagt der Revolutionstheoretiker Augustin Souchy über die Jahre 1918/19. Zwischen 40.000 und 60.000 Menschen demonstrierten am 7. November 1918 auf der Münchner Theresienwiese für Frieden. Die erste deutsche Demokratie währte nur kurz – kehrte aber bald wieder. Hundert Jahre später halten die Stadt München, ihre Bürgerinnen und Bürger Rückschau auf historische Ereignisse und Umbrüche in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg - vielleicht gerade weil sie derzeit besonders heftig spüren, wie Demokratie als Form menschlichen Zusammenlebens immer wieder hinterfragt und herausgefordert wird.

Der Film „Rote Räte – Von den Anfängen der Demokratie in Deutschland“ gründet auf Gesprächen und begleiteten Spaziergängen mit den Zeitzeugen Josef Auernhammer, Johann Haberl, Wilhelm Hagen, Karl Paintner, Otto von Ramdohr und Augustin Souchy in den Jahren 1979 bis 1980. Margot Fuchs gehörte zur Gruppe derer, die damals diese Interviews führte. Etwa 40 Stunden Ton- und 8 Stunden Videomaterial überdauern 30 Jahre als stumme Sachkultur. Zum Jubiläum 2018/19 hat der Filmemacher Klaus Stanjek sie wiederentdeckt.

Im aktuellen „Lüdenscheider Gespräch“ zeigen wir den Film von Klaus Stanjek (Klaus Stanjek, Filmproduktion Babelsberg, (https://rote-räte.de) [externer Link]. Die Historikerin Dr. Margot Fuchs, München gibt einen Werkstattbericht aus der Frühzeit der Oral History in Deutschland und beantwortet Fragen des Publikums.

Margot Fuchs, Dr. phil. studierte Geschichte in York (GB) und München. Sie war Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Museum München bis 1997 und Leiterin des Historischen Archivs der TU München bis 2014. Seit 2014 arbeitet sie als freie Autorin, archivfachliche Beraterin, und in der Recherche und wissenschaftlichen Begleitung von Dokumentarfilmen.

20. März 2019

Cornelia Schmalz-Jacobsen: Eine Jugend zwischen NS-Widerstand und Befreiung

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Mittwoch, 20. März 2019, 18:00 Uhr

Moderiertes Gespräch mit Cornelia Schmalz-Jacobsen, Politikerin

Moderation: Prof. Dr. Ewald Grothe, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Archiv des Liberalismus, Gummersbach

LSG Schmalz-JacobsenFoto: © Herlinde Koelbl
Cornelia Schmalz-Jacobsen

Cornelia Schmalz-Jacobsen hat zwei autobiographische Bücher über ihre Jugend im Nationalsozialismus verfasst. In ihrem Buch „Zwei Bäume in Jerusalem“ schreibt sie „über den selbstverständlichen Widerstand“ ihrer Eltern, die sich für verfolgte Juden einsetzten und später dafür in der Gedenkstätte Yad Vashem geehrt wurden. In „Russensommer“ berichtet sie über die Kinderlandverschickung an die Ostsee, die Begegnung mit russischen Soldaten und das Kriegsende. Die Autorin hat als Zeitzeugin Antisemitismus und Krieg erlebt, als Politikerin und langjährige stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ setzt sie sich bis heute für Humanität und Rechtsstaatlichkeit ein.

Cornelia Schmalz-Jacobsen (Jg. 1934) hat ein Gesangs- und Sprachenstudium absolviert und als Journalistin gearbeitet. Sie gehörte über ein Jahrzehnt dem Stadtrat von München an, war Senatorin für Jugend und Familie des Landes Berlin, von 1988 bis 1991 Generalsekretärin und von 1995 bis 1998 stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP. Von 1991 bis 1998 war sie Ausländerbeauftragte der Bundesregierung und gehörte von 1985 bis 2004 dem Deutschen Bundestag an.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach statt.

13. Februar 2019

„Weltordnung ohne den Westen? Europa zwischen Russland, China und Amerika“

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Mittwoch, 13. Februar 2019, 18:00 Uhr

Vortrag von Gernot Erler, Politiker

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

LSG ErlerFoto: © privat Erler

Die Jahrzehnte gültige Weltordnung ist erschüttert. Neue globale Machtverhältnisse entstehen. Drei große Player treffen dabei auf eine Europäische Union in der Krise: Russland, China und Amerika. Nationale Interessensbekundungen und Abschottungsbestrebungen haben Konjunktur. Das neue Wettrüsten ist keine Drohung mehr, sondern bereits eine Realität.

Welche Optionen hat Europa in dieser Situation? Welchen Einfluss hat Deutschland? Wie sind europäische Werte noch durchsetzbar? Gibt es die Chance einer zukunftsfähigen „Neuen Weltordnung“?

Gernot Erler war dreißig Jahre lang von 1987 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD), davon elf Jahre Stellvertretender Fraktionsvorsitzender, zuständig für Außen,- Sicherheits, - Entwicklungs,- und Menschenrechtspolitik. 2005 bis 2009 war er Staatsminister im Auswärtigen Amt. 2003 bis 2006 und 2014 bis 2017 nahm er das Amt eines Russlandbeauftragten der Bundesregierung wahr und 2015 bis 2017 war er Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

16. Januar 2019

„Schuld, die nicht vergeht. Den letzten NS-Verbrechern auf der Spur“

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Mittwoch, 16. Januar 2019, 18:00 Uhr

Vortrag von Kurt Schrimm, Oberstaatsanwalt a.D.

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

»Gerechtigkeit gibt es nicht - wir können nur versuchen, noch so viele wie möglich zu kriegen.«

LSG Schrimm CoverFoto: © Heyne Verlag

Ohne sie wäre das Vernichtungssystem nicht möglich gewesen: die KZ-Aufseher, Wachleute, Buchhalter, Helfer — die kleinen Rädchen im großen Mordgetriebe.
Ohne ihn wären sie nie zur Verantwortung gezogen worden: Kurt Schrimm, Staatsanwalt und langjähriger Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen. Sein halbes Leben hat er der Aufgabe gewidmet, NS-Verbrecher wie Josef Schwammberger, Alfons Götzfrid oder John Demjanjuk vor Gericht zu bringen.
Im „Lüdenscheider Gespräch“ schildert Kurt Schrimm die schwierige Suche nach den Tätern und erzählt von den bewegenden Begegnungen mit KZ-Überlebenden, die er als Zeugen befragt hat.

Kurt Schrimm, geboren 1949 in Stuttgart, studierte Rechtswissenschaften und war seit 1979 im Justizdienst des Landes tätig, zunächst als Staatsanwalt in Stuttgart. Ab 1982 war er im Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart für Verfahren wegen Mordes im Zusammenhang mit nationalsozialistischen Gewaltverbrechen zuständig. Ende September 2000 wurde ihm die Leitung der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg übertragen. Kurt Schrimm, inzwischen im Ruhestand, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er wurde mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.


Veranstaltungen 2018

25. Januar 2018

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Was auf dem Spiel steht

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Moderiertes Gespräch mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesministerin der Justiz a.D.

Moderation: Prof. Dr. Ewald Grothe (Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Archiv des Liberalismus, Gummersbach)

LSG Leutheusser-SchnarrenbergerFoto: Copyright: Tobias Koch

Der 14. Dezember 1995 stellt sich für Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Rückblick als tiefer Einschnitt in ihrer politischen Karriere dar. Als an diesem Tag das Ergebnis des Mitgliederentscheids der FDP zum ‚Großen Lauschangriff‘ bekannt gegeben wurde, in dem sich die Mehrheit der Parteimitglieder für das Abhören in Wohnungen aussprach, ließ die damalige Justizministerin umgehend eine Pressekonferenz in ihrem Ministerium einberufen, um ihren Rücktritt anzukündigen.

Bis dahin hatte die gebürtige Mindenerin eine außergewöhnliche politische Laufbahn absolviert. Seit 1978 Mitglied der FDP, wurde sie 1990 in den ersten gesamtdeutschen Bundestag gewählt, dem sie bis 2013 angehörte. 1992 bis 1996 war sie Bundesjustizministerin im Kabinett von Helmut Kohl und von 2009 bis 2013 nochmals im gleichen Amt tätig.

Ihre gesamte Biographie ist auch nach eigenem Bekunden ganz „selbstverständlich politisch“ geprägt, insbesondere von dem streitbaren Engagement für Privatsphäre und bürgerliche Freiheit im liberalen Rechtsstaat. Diese Kernthemen ihrer politischen Agenda sieht sie, nicht zuletzt im Spannungsfeld terroristischer Bedrohung und umfassender Digitalisierung, heute mehr denn je gefährdet. Vor diesem Hintergrund werden an diesem Abend sowohl biographische Aspekte als auch die Forderung nach einem lebendigen Verfassungspatriotismus diskutiert werden.

„Haltung ist Stärke. Was auf dem Spiel steht“ lautet ihre 2017 erschienene Veröffentlichung, die an diesem Abend vorgestellt wird.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach statt.

14. Februar 2018

Trug und Schein: Ein Briefwechsel. Eine kritische Begegnung mit dem Alltag des zweiten Weltkriegs

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Vortrag von Dr. Christine Hartig, Historikerin (Stuttgart)

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

LSG HartigFoto: Christine Hartig

Eine umfangreiche Sammlung an Briefen von zwei „ganz normalen Deutschen“ aus der Zeit des Nationalsozialismus ist die Grundlage einer interdisziplinären, intermedialen und ‚crowdsourced‘-basierten kritischen Auseinandersetzung mit dem Alltag während des „ Dritten Reichs“ und im Zweiten Weltkrieg. Das Projekt „Trug & Schein“ erlaubt Einblicke in die Umgangsweisen von Hilde Laube und Roland Nordhoff (Pseudonyme) mit der neuen Macht. Beide haben zur Gestaltung „der Verhältnisse“ beigetragen, die nationalsozialistischen Siege bejubelt und Angebote wie Zumutungen des NS in ihren Briefen diskutiert. Auf dem Blog trugundschein.org werden die Briefe des jungen Paares in chronologischer Folge 75 Jahre nach dem Versenden veröffentlicht. Der Vortrag soll zur Diskussion darüber einladen, wie die Geschichte des Nationalsozialismus vor dem Hintergrund des Verlustes von ZeitzeugInnen auf differenzierte und innovative Weise vermittelt werden kann.

Die Historikerin Christine Hartig ist am Institut für die Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung tätig und assoziiertes Mitglied des Institutes für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte des Nationalsozialismus, die deutsch-jüdische Geschichte sowie die Medizingeschichte.

14. März 2018

'Die erfrorenen Flügel der Schwalbe'.

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Ein Tagebuch zum Prager Frühling und den Folgen der Intervention (1968-1970) - mit einer Nachbetrachtung vom Mai 1990.

Vortrag von Prof. Dr. Hartmut Zwahr, Historiker, Leipzig

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

LSG ZwahrFoto: Dietz Verlag

Als Teilnehmer der Sommerhochschule der Prager Karlsuniversität hatte Hartmut Zwahr zu Beginn der sechziger Jahre eine europäische Stadt erlebt, die sich von der geschlossenen Gesellschaft der DDR deutlich abhob. Zum Wesen des dort beginnenden „politischen Frühlings“ gehörte die Suche nach einem neuen Typ des Sozialismus, nach Demokratie, Rechtstaatlichkeit und ökonomischer Freiheit. Dies alles wie auch das erzwungene Ende des reformkommunistischen Projekts hinterließen in der DDR einen starken Eindruck. So fühlte sich der nach Leipzig zurückgekehrte angehende Sozialhistoriker dazu veranlasst, ein Tagebuch zu verfassen, das die Stimmung und Orientierungsnot der damaligen Zeit zwischen März 1968 und April 1970 widerspiegelt. Die Niederlage lähmte; je länger sie andauerte, umso schlimmer die Anpassung. Sie endete für Hartmut Zwahr seit Anfang Oktober 1989 in offener Ablehnung und intensiver kritischer Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit. Dies dokumentieren die Bücher Herr und Knecht. Figurenpaare in der Geschichte sowie Ende einer Selbstzerstörung. Leipzig und die Revolution in der DDR. Zwahrs Tagebuch wurde dem Universitätsarchiv Leipzig im Frühjahr 1990 übergeben und unter dem Titel Die erfrorenen Flügel der Schwalbe im Jahr 2007 im Dietz-Verlag Bonn veröffentlicht.

Hartmut Zwahr, Jahrgang 1936, war bis 2001 Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig und ist Mitautor der fünfbändigen Geschichte der Universität Leipzig.

25. April 2018

Die Deutschen und der Holocaust.

Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte.

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Vortrag von Prof. Dr. Bernward Dörner, Historiker, Berlin

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

Veranstalter: Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen in Kooperation mit den Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid e.V.

„Davon haben wir nichts gewusst!“, hieß es nach dem Ende des NS-Regimes. Nur wenige Deutsche gaben zu, von der Ermordung der Juden erfahren zu haben. Der Verdacht, dass es sich um eine Schutzbehauptung handeln könnte, lag von Anfang an nahe. Den wissenschaftlichen Nachweis über die Wahrnehmung des Genozids an den Juden zu erbringen, ist indes schwierig: Ein Großteil der belastenden Akten ist gezielt vernichtet worden. Die meisten Deutschen verdrängten oder verleugneten ihr Wissen. Doch zeitgenössische Akten (geheime Lageberichte, Strafverfahren, Tagebücher, Hitler-Reden etc.) entlarven jahrzehntelang gepflegte Lebenslügen.

Bernward Dörner, Jahrgang 1956, hat nach einem Studium der Geschichte und Germanistik über die Unterdrückung von kritischen Äußerungen durch das das NS- „Heimtücke-Gesetz“ promoviert. Bei seinen Archivrecherchen stieß er damals auf aktenkundig gewordene Äußerungen von ganz normalen Deutschen über die Ermordung der Juden. Seine Habilitationsschrift über die gesellschaftliche Wahrnehmung des Genozids mündete in sein Buch „Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte“. Bernward Dörner ist apl. Professor für Neuere Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin.

16. Mai 2018

Protest und Revolte in West-Berlin 1964/69.

Betrachtungen aus der Perspektive des Zeitzeugen und Wissenschaftlers.

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Gespräch mit Prof. Dr. Peter Brandt, (FernUniversität Hagen)

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch und Edgar Liebmann M.A. (beide FernUniversität Hagen)

Mittwoch, 16. Mai 2018, 18:00 Uhr

2014 Abschiedsvorlesung Peter BrandtFoto: FernUniversität

Peter Brandt, Jg. 1948, erlebte die unruhigen Zeiten der West-Berliner Innenpolitik zwischen Anti-Tschombé-Demonstration (12/1964) und „Schlacht am Tegeler Weg“ (11/1968) als Schüler und angehender Student bzw. als Mitglied der linkssozialistischen „Falken“ und als Mitbegründer einer trotzkistischen Organisation. Mit seiner Beteiligung an Protestaktionen der Außerparlamentarischen Opposition gegen den Vietnamkrieg der USA, die Notstandsgesetze und den Springer-Verlag stellte er sich auch gegen die Politik Willy Brandts, Berlins Regierendem Bürgermeister (1957-1966) bzw. Außenminister der ersten „Großen Koalition“ (1966-1969). Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erregte Peter Brandts vorübergehende Festnahme und Verurteilung durch das Amtsgericht Tiergarten im Juni 1968 wegen der Beteiligung an unerlaubten Demonstrationen.

Der Hochschullehrer und Historiker Peter Brandt, der zwischen 1990 und 2014 das Lehrgebiet „Neuere Deutsche und Europäische Geschichte“ der FernUniversität in Hagen leitete, ist in einer doppelten Funktion zu Gast: als Zeitzeuge und als Wissenschaftler, der sich in Essays, Aufsätzen und Interviews kritisch mit „1968“ als einer die Bundesrepublik nachhaltig prägenden Epoche auseinandergesetzt hat.

Als Moderatoren (und Gesprächspartner) beteiligen sich die Historiker Arthur Schlegelmilch (Jahrgang 1958) und Edgar Liebmann (Jahrgang 1970).

Pressebericht der FernUni: Gegen Vater und Partei? Zwischen Studentenbewegung und traditionellem Sozialismus

6. Juni 2018

„Als moderne Nomadin um die Welt – Mein Leben bei den Vereinten Nationen“

Lesung und Gespräch mit Dr. Kerstin Leitner, Berlin

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Moderation: Dr. Almut Leh, FernUniversität Hagen

Mittwoch, 6. Juni 2018, 18:00 Uhr

LSG LeitnerFoto: © privat
Kerstin Leitner

30 Jahre arbeitete Kerstin Leitner bei den Vereinten Nationen. Nachdem 1973 die beiden deutschen Staaten der Weltorganisation beigetreten waren, gehörte sie zu den ersten Deutschen, die in den Dienst der internationalen Organisation eintraten. 1945 in Jena/Thüringen geboren, verbrachte sie einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend in Düsseldorf. Sie studierte Geschichte und Politologie in Frankfurt/M., Freiburg/Br. und in Berlin (West). Sie promovierte 1975 mit einer Arbeit über das post-koloniale Kenia und ging kurz darauf zu UNDP, dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, für das sie in Afrika, den arabischen Ländern, China und New York arbeitete. Kerstin Leitner gibt Einblicke, wie die Vereinten Nationen auf globale Veränderungen in ihrer Entwicklungskooperation reagierten. Im Laufe ihrer Tätigkeit bei der UNDP und der WHO (Weltgesundheitsorganisation) bereiste sie über 120 Länder. Ihre Karriere bei den Vereinten Nationen brachte sie weit über die mittlere Führungsebene hinaus - damals keine Selbstverständlichkeit für Frauen.

Seit ihrer Pensionierung 2005 lehrt sie an der FU Berlin und an der Universität Potsdam zu internationaler Politik, der politischen Lage in China und der Bedeutung der Vereinten Nationen.

12. September 2018

Albert Speer. Eine Deutsche Karriere

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Vortrag von Prof. Dr. Magnus Brechtken, Historiker, München

LSG BrechtkenFoto: © Siedler Verlag
Buchtitel: Albert Speer, eine deutsche Karriere

Mit seiner 2017 erschienenen Biographie über Albert Speer unternimmt Magnus Brechtken, stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München, den Versuch, dem „Mythos Speer“ auf den Grund zu gehen. Publizistisches Gewinnstreben, das dankbare Interesse einer nach Selbstentschuldung strebenden deutschen Nachkriegsöffentlichkeit und, nicht zuletzt, Speers selbst konstruierte „Lüge von der aufrichtigen Reue“ waren die Mosaiksteine eines weichgezeichneten Bildes vom Architekten und Rüstungsminister Speer, das den aus den Akten rekonstruierten Tatsachen in keiner Weise entspricht. Brechtken fügt diese Versatzstücke zu einer biographischen Studie, die keinen Zweifel daran lässt, dass Albert Speer einer der führenden und in der letzten Kriegsphase auch treibenden Kräfte des NS-Regimes war.

Speer war seit 1931 Mitglied der NSDAP und später keineswegs nur Hitlers Architekt, sondern sein enger Vertrauter und, besonders schwerwiegend, Rüstungsminister im totalen Krieg – mit weitreichenden Kompetenzen und umfassendem Wissen über die Abgründe der NS-Verbrechen, insbesondere des Einsatzes von Zwangsarbeitern in der Rüstungsindustrie. Brechtken dokumentiert präzise, wie engmaschig Speer mit dem inneren Führungszirkel der Nationalsozialisten, in erster Linie mit Goebbels und Himmler, zusammenarbeitete und seine Initiativen bis in die letzten Kriegstage mit diesen abstimmte. Umso mehr muss im Rückblick befremden, was nach den Kriegsverbrecherprozessen, schon in der 20-jährigen Spandauer Haftzeit Speers begann: Die Entstehung der „Legende vom guten Nazi“.

Magnus Brechtken, geboren 1964, studierte Geschichte, Politische Wissenschaften und Philosophie. Er ist stellvertretender Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte und außerplanmäßiger Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

24. Oktober 2018

Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit.

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Vortrag von Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, Münster

LSG Stollberg-RilingerFoto: © C.H. Beck Verlag
Buchtitel: Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit

Für die gut 1000 Seiten starke Biographie der Habsburger Kaiserin Maria Theresia erhielt Barbara Stollberg-Rilinger 2017 den Preis der Leipziger Buchmesse für das beste Sachbuch. Gründlich korrigiert sie das lange vorherrschende Bild der liebenden Ehefrau und Landesmutter. Dabei versteht sie es, Leben und Wirken der Kaiserin als Schlüssel zur Darstellung der Gegensätze der damaligen Zeit zu nutzen. Von der von Zeitgenossen und von konservativ orientierten Historikern des 19. Jahrhunderts verehrten „Märchenkönigin“ wird man nach der Lektüre in vielfacher Hinsicht Abschied nehmen müssen. Als Spezialistin für das 18. Jahrhundert verdichtet Stollberg-Rilinger die in der biographischen Analyse zu Tage tretenden Widersprüche zu einem beeindruckenden Porträt. So bedeutete beispielsweise „die Tatsache, dass Maria Theresia eine Frau war, für ihre Regentschaft Fluch und Segen zugleich“. Von Beginn an musste sie um die Legitimität ihrer Regentschaft kämpfen und konnte in den Erbfolgekriegen nicht, etwa wie ihr preußischer Gegenspieler Friedrich der Große, die Feldherrenrolle selbst wahrnehmen. Gerade dieser scheinbare Nachteil ließ ihre „überraschende Wehrhaftigkeit“ auf die Dauer als umso bewundernswerter erscheinen.

Barbara Stollberg-Rilinger, geboren 1955, studierte Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Seit 1997 ist sie Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

21. November 2018

Kommissar Rath und Babylon Berlin

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Moderiertes Gespräch mit Volker Kutscher, Autor, Köln

Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Kruse, FernUniversität in Hagen

LSG KutscherAbbildung: © Kiepenheuer&Witsch
Buchtitel: Der nasse Fisch

Volker Kutschers Romanfigur Gereon Rath ist Kult: Der aus dem katholischen Köln stammende, im pulsierenden Berlin der späten 1920er und frühen 1930er Jahre ermittelnde Kriminalkommissar ist nicht nur der Held einer erfolgreichen Buchreihe, sondern inzwischen auch einer hochgelobten, von Tom Tykwer verfilmten Fernsehserie. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Nationalsozialismus führt Kutscher seinen Helden durch die Verlockungen und Abgründe der ultramodernen Metropole und zugleich durch die Widersprüche seiner eigenen Persönlichkeit, die ihn immer wieder an die Grenze zwischen Legalität und Illegalität führen, mehr oder weniger gemeinsam mit seiner Kollegin, Geliebten und späteren Frau Charlotte Ritter, die die neuen Möglichkeiten zu leben versucht, von denen junge Frauen in der Weimarer Demokratie profitieren konnten.

Im Gespräch mit dem FernUni-Historiker und Krimifan Prof. Wolfgang Kruse wird Volker Kutscher über die historischen Zusammenhänge und ihre literarische Gestaltung, über das Verhältnis von Fiktion und Realität, Roman und Film, über seine persönlichen Zugänge zum Thema und nicht zuletzt über die Zukunft von Gereon Rath und Charly Ritter Auskunft geben.

Volker Kutscher, geboren 1962, studierte Germanistik, Philosophie und Geschichtswissenschaft an den Universitäten in Wuppertal und Köln. Er ist Journalist und Schriftsteller.

18.02.2020