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Das aktuelle Programm der „Lüdenscheider Gespräche“ 2019

Das aktuelle Programm (PDF 620 KB)

Programmänderung: Flyer für Veranstaltung im Juni 2019 (PDF 230 KB)

Alle Veranstaltungen finden im Kulturhaus Lüdenscheid statt, Freiherr-vom-Stein-Straße 9, 58511 Lüdenscheid.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Kontakt: Eva Engelhardt, Tel: 02331 9874010
Email: igb@fernuni-hagen.de

Aktuelle Veranstaltung

"Vergegenständlichte Erinnerung". Die deutsche Einheit und die Folgen für die Erinnerungskultur - eine persönliche Bilanz nach 25 Jahren

Vortrag von Prof. Dr. Günter Morsch, Historiker, ehem. Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen

Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Kruse, FernUniversität in Hagen

Mittwoch, 22. Mai 2019, 18:00 Uhr

Im Gepäck des schweren DDR-Erbes, das durch den Beitrittsvertrag 1989/90 in die neue, wiedervereinigte Bundesrepublik übernommen wurde, befanden sich auch die drei großen Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen. Vor allem die KZ Gedenkstätte auf dem Ettersberg bei Weimar sowie die Gedenkstätte am Rande der Bundeshauptstadt in Oranienburg rückten wegen ihrer zweifachen Vergangenheit als Konzentrations- und sowjetische Speziallager in den Fokus eines teilweise heftig und polemisch ausgetragenen erinnerungspolitischen Diskurses. Diese auf höchster politischer Ebene geführte Debatte über die Zukunft des Gedenkens trug letztlich dazu bei, dass sich die bundesdeutsche Erinnerungskultur grundlegend veränderte. Gedenkstätten rückten vom Rand ins Zentrum der Gesellschaft. Dabei spielten die verschiedenen Einrichtungen im Land Brandenburg, wo im Januar 1993 erstmals in der Bundesrepublik eine selbständige öffentlich-rechtliche Gedenkstättenstiftung gegründet wurde, in mehrfacher Hinsicht eine Vorreiterrolle.

Günter Morsch begleitete diesen grundlegenden Wandel bundesdeutscher Erinnerungskultur als Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen sowie als Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten von Beginn an. In zahlreichen Publikationen hat er die entscheidenden Wegmarken dieses mehr als 25-jährigen Prozesses der Neukonzeption und Neugestaltung der Gedenkstätten kommentiert und dargestellt, zuletzt in einem umfangreichen Band über die Vielzahl der Baumaßnahmen der Stiftung zur Sanierung, Sicherung und Umgestaltung der ehemaligen Mahn- und Gedenkstätten der DDR.

Günter Morsch, geboren 1952, hat an der TU sowie der FU Berlin Neuere Geschichte, Psychologie und Philosophie studiert und wurde 1988 promoviert. Im Januar 1993 begann er seine Tätigkeit als Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen; 1997 wurden ihm zusätzlich die Aufgaben des Vorstands und Direktors der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten übertragen, zu der außer in Sachsenhausen und in Below weitere Einrichtungen in Ravensbrück, Brandenburg/Havel und Potsdam-Leistikowstraße gehören. Im Juni 2018 trat er in den Ruhestand.


Weitere geplante Veranstaltungen

Jetzt - nach so viel´ Jahren

Filmvorführung und anschließende Diskussion mit dem Regisseur Pavel Schnabel, Frankfurt am Main

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Mittwoch, 05. Juni 2019, 18:00 Uhr

Bis 1923 war das idyllische Rhina in Oberhessen ein Ort, in dem mehr als die Hälfte der Dorfbewohner jüdisch waren. Lange Zeit wurde es "Klein-Jerusalem" genannt. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde diese alte jüdische Gemeinde zugrunde gerichtet und die Juden in Konzentrationslager deportiert. In Rhina blieb von ihnen nicht mehr als ein verwüsteter Friedhof zurück. Befragt nach den früheren Nachbarn, erzählen die Rhinaer vom friedlichen Miteinander damals. Aber die wenigen überlebenden Juden, die in New York City wohnen, erinnern sich auch an ganz andere Ereignisse. Höhepunkt des Films ist eine emotionale Konfrontation: Die Rhinaer sehen ihre ehemaligen Nachbarn auf der Leinwand wieder.

Ein Dokumentarfilm von Pavel Schnabel und Harald Lüders über die Verdrängung der Nazi-Vergangenheit und das Überdauern der nationalsozialistischen Ideologie im Alltag eines oberhessischen Dorfes im Jahr 1981. 2018 wurde der Film digital restauriert. Die aktuellen Ereignisse in Chemnitz und Köthen lassen einen erschüttert feststellen, dass der Film – auch 37 Jahre nach seiner Entstehung – an der Aktualität kaum eingebüßt hat.

Prädikat "besonders wertvoll" (FBW) 1981; "Adolf-Grimme-Preis mit Gold" 1982; "Film des Monats" - epd; "Sesterce d'Argent" - Int. Filmfestival Nyon 1982; "Silver Plaque" - Film Festival Chicago 1982; "Special Merit" der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, Hollywood 1983.

Hessischer Rundfunk & Pavel Schnabel Filmproduktion © 1981

Digitalisiert und restauriert von Pavel Schnabel Filmproduktion © 2018 mit Unterstützung von Filmförderungsanstalt Berlin

Der Filmemacher Pavel Schnabel, geboren 1946, studierte an der Film- und Fernsehakademie in Prag (FAMU). Er verließ die Tschechoslowakei 1968 nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Armeen, lebt und arbeitet seitdem als freiberuflicher Regisseur und Kameramann in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Vorführung des Films "Waldheims Walzer. Ein Film über Lüge und Wahrheit" wird auf 2020 verschoben.


Schneiden, Kleben und Skizzieren - Theodor Fontanes Notizbücher und die Entstehung der "Wanderungen durch die Mark Brandenburg"

Vortrag von Dr. Gabriele Radecke, Göttingen

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Mittwoch, 04. September 2019. 18:00 Uhr

Theodor Fontane, der große realistische Erzähler des 19. Jahrhunderts, war bis ins hohe Alter ein Reisender. Seine Notizbücher, die zu den letzten noch unveröffentlichten Konvoluten aus seinem Nachlass gehören, waren ihm dabei unverzichtbare Begleiter. Häufig notierte Fontane darin schon unterwegs seine ersten Eindrücke. Das bezeugen insbesondere die Notizen zu den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, an denen er mehr als 30 Jahre lang kontinuierlich gearbeitet hat. Gabriele Radecke, eine der renommiertesten Fontane-Forscherinnen, bereitet zurzeit gemeinsam mit ihrem Team an der Universität Göttingen diese Notizbücher für eine digitale Internetedition vor. In ihrem Vortrag stellt sie Fontanes Arbeitsweise sowie die Entstehung der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ exemplarisch vor. Abbildungen seiner Handschriften gewähren Einblicke in die vielfältige Textproduktion Fontanes.

Dr. Gabriele Radecke, Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen. Herausgeberin der Großen Brandenburger Ausgabe der Werke Theodor Fontanes und der digitalen Edition von Fontanes Notizbüchern. 2017 wurde sie mit dem Preis des Stiftungsrats der Universität Göttingen für ihr Engagement in der Vermittlung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit ausgezeichnet. Sie ist Sprecherin des wissenschaftlichen Beirats „fontane.200“.


"Jüdische Greifer" im Dienst der Gestapo 1943-45

23. Oktober 2019

Dr. Doris Tausendfreund, Berlin

Mauerfall und Wende als biographischer Umbruch

06. November 2019, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch und Frank Hager M.A., FernUniversität in Hagen


Archiv

ROTE RÄTE. Die bayrische Revolution aus der Sicht von Augenzeugen

Dokumentarfilm von Klaus Stanjek, Cinetarium Babelsberg

Einführung: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

Mittwoch, 03. April 2019, 18:00 Uhr

„In dieser Revolutionszeit … wie das in Bayern damals gewesen ist - wurde in einigen Monaten viel mehr gemacht als sonst in Jahren“, sagt der Revolutionstheoretiker Augustin Souchy über die Jahre 1918/19. Zwischen 40.000 und 60.000 Menschen demonstrierten am 7. November 1918 auf der Münchner Theresienwiese für Frieden. Die erste deutsche Demokratie währte nur kurz – kehrte aber bald wieder. Hundert Jahre später halten die Stadt München, ihre Bürgerinnen und Bürger Rückschau auf historische Ereignisse und Umbrüche in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg - vielleicht gerade weil sie derzeit besonders heftig spüren, wie Demokratie als Form menschlichen Zusammenlebens immer wieder hinterfragt und herausgefordert wird.

Der Film „Rote Räte – Von den Anfängen der Demokratie in Deutschland“ gründet auf Gesprächen und begleiteten Spaziergängen mit den Zeitzeugen Josef Auernhammer, Johann Haberl, Wilhelm Hagen, Karl Paintner, Otto von Ramdohr und Augustin Souchy in den Jahren 1979 bis 1980. Margot Fuchs gehörte zur Gruppe derer, die damals diese Interviews führte. Etwa 40 Stunden Ton- und 8 Stunden Videomaterial überdauern 30 Jahre als stumme Sachkultur. Zum Jubiläum 2018/19 hat der Filmemacher Klaus Stanjek sie wiederentdeckt.

Im aktuellen „Lüdenscheider Gespräch“ zeigen wir den Film von Klaus Stanjek (Klaus Stanjek, Filmproduktion Babelsberg, (https://rote-räte.de) [externer Link]. Die Historikerin Dr. Margot Fuchs, München gibt einen Werkstattbericht aus der Frühzeit der Oral History in Deutschland und beantwortet Fragen des Publikums.

Margot Fuchs, Dr. phil. studierte Geschichte in York (GB) und München. Sie war Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Museum München bis 1997 und Leiterin des Historischen Archivs der TU München bis 2014. Seit 2014 arbeitet sie als freie Autorin, archivfachliche Beraterin, und in der Recherche und wissenschaftlichen Begleitung von Dokumentarfilmen.


Cornelia Schmalz-Jacobsen: Eine Jugend zwischen NS-Widerstand und Befreiung

Mittwoch, 20. März 2019, 18:00 Uhr

Moderiertes Gespräch mit Cornelia Schmalz-Jacobsen, Politikerin

Moderation: Prof. Dr. Ewald Grothe, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Archiv des Liberalismus, Gummersbach

Cornelia Schmalz-Jacobsen hat zwei autobiographische Bücher über ihre Jugend im Nationalsozialismus verfasst. In ihrem Buch „Zwei Bäume in Jerusalem“ schreibt sie „über den selbstverständlichen Widerstand“ ihrer Eltern, die sich für verfolgte Juden einsetzten und später dafür in der Gedenkstätte Yad Vashem geehrt wurden. In „Russensommer“ berichtet sie über die Kinderlandverschickung an die Ostsee, die Begegnung mit russischen Soldaten und das Kriegsende. Die Autorin hat als Zeitzeugin Antisemitismus und Krieg erlebt, als Politikerin und langjährige stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ setzt sie sich bis heute für Humanität und Rechtsstaatlichkeit ein.

Cornelia Schmalz-Jacobsen (Jg. 1934) hat ein Gesangs- und Sprachenstudium absolviert und als Journalistin gearbeitet. Sie gehörte über ein Jahrzehnt dem Stadtrat von München an, war Senatorin für Jugend und Familie des Landes Berlin, von 1988 bis 1991 Generalsekretärin und von 1995 bis 1998 stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP. Von 1991 bis 1998 war sie Ausländerbeauftragte der Bundesregierung und gehörte von 1985 bis 2004 dem Deutschen Bundestag an.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach statt.


„Weltordnung ohne den Westen? Europa zwischen Russland, China und Amerika“

Mittwoch, 13. Februar 2019, 18:00 Uhr

Vortrag von Gernot Erler, Politiker

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Die Jahrzehnte gültige Weltordnung ist erschüttert. Neue globale Machtverhältnisse entstehen. Drei große Player treffen dabei auf eine Europäische Union in der Krise: Russland, China und Amerika. Nationale Interessensbekundungen und Abschottungsbestrebungen haben Konjunktur. Das neue Wettrüsten ist keine Drohung mehr, sondern bereits eine Realität.

Welche Optionen hat Europa in dieser Situation? Welchen Einfluss hat Deutschland? Wie sind europäische Werte noch durchsetzbar? Gibt es die Chance einer zukunftsfähigen „Neuen Weltordnung“?

Gernot Erler war dreißig Jahre lang von 1987 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD), davon elf Jahre Stellvertretender Fraktionsvorsitzender, zuständig für Außen,- Sicherheits, - Entwicklungs,- und Menschenrechtspolitik. 2005 bis 2009 war er Staatsminister im Auswärtigen Amt. 2003 bis 2006 und 2014 bis 2017 nahm er das Amt eines Russlandbeauftragten der Bundesregierung wahr und 2015 bis 2017 war er Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).


„Schuld, die nicht vergeht. Den letzten NS-Verbrechern auf der Spur“

Mittwoch, 16. Januar 2019, 18:00 Uhr

Vortrag von Kurt Schrimm, Oberstaatsanwalt a.D.

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

»Gerechtigkeit gibt es nicht - wir können nur versuchen, noch so viele wie möglich zu kriegen.«

Ohne sie wäre das Vernichtungssystem nicht möglich gewesen: die KZ-Aufseher, Wachleute, Buchhalter, Helfer — die kleinen Rädchen im großen Mordgetriebe.
Ohne ihn wären sie nie zur Verantwortung gezogen worden: Kurt Schrimm, Staatsanwalt und langjähriger Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen. Sein halbes Leben hat er der Aufgabe gewidmet, NS-Verbrecher wie Josef Schwammberger, Alfons Götzfrid oder John Demjanjuk vor Gericht zu bringen.
Im „Lüdenscheider Gespräch“ schildert Kurt Schrimm die schwierige Suche nach den Tätern und erzählt von den bewegenden Begegnungen mit KZ-Überlebenden, die er als Zeugen befragt hat.

Kurt Schrimm, geboren 1949 in Stuttgart, studierte Rechtswissenschaften und war seit 1979 im Justizdienst des Landes tätig, zunächst als Staatsanwalt in Stuttgart. Ab 1982 war er im Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart für Verfahren wegen Mordes im Zusammenhang mit nationalsozialistischen Gewaltverbrechen zuständig. Ende September 2000 wurde ihm die Leitung der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg übertragen. Kurt Schrimm, inzwischen im Ruhestand, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er wurde mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.


Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Was auf dem Spiel steht

Donnerstag, 25. Januar 2018, 18:00 Uhr

Moderiertes Gespräch mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesministerin der Justiz a.D.

Moderation: Prof. Dr. Ewald Grothe (Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Archiv des Liberalismus, Gummersbach)

Der 14. Dezember 1995 stellt sich für Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Rückblick als tiefer Einschnitt in ihrer politischen Karriere dar. Als an diesem Tag das Ergebnis des Mitgliederentscheids der FDP zum ‚Großen Lauschangriff‘ bekannt gegeben wurde, in dem sich die Mehrheit der Parteimitglieder für das Abhören in Wohnungen aussprach, ließ die damalige Justizministerin umgehend eine Pressekonferenz in ihrem Ministerium einberufen, um ihren Rücktritt anzukündigen.

Bis dahin hatte die gebürtige Mindenerin eine außergewöhnliche politische Laufbahn absolviert. Seit 1978 Mitglied der FDP, wurde sie 1990 in den ersten gesamtdeutschen Bundestag gewählt, dem sie bis 2013 angehörte. 1992 bis 1996 war sie Bundesjustizministerin im Kabinett von Helmut Kohl und von 2009 bis 2013 nochmals im gleichen Amt tätig.

Ihre gesamte Biographie ist auch nach eigenem Bekunden ganz „selbstverständlich politisch“ geprägt, insbesondere von dem streitbaren Engagement für Privatsphäre und bürgerliche Freiheit im liberalen Rechtsstaat. Diese Kernthemen ihrer politischen Agenda sieht sie, nicht zuletzt im Spannungsfeld terroristischer Bedrohung und umfassender Digitalisierung, heute mehr denn je gefährdet. Vor diesem Hintergrund werden an diesem Abend sowohl biographische Aspekte als auch die Forderung nach einem lebendigen Verfassungspatriotismus diskutiert werden.

„Haltung ist Stärke. Was auf dem Spiel steht“ lautet ihre 2017 erschienene Veröffentlichung, die an diesem Abend vorgestellt wird.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach statt.


Trug und Schein: Ein Briefwechsel. Eine kritische Begegnung mit dem Alltag des zweiten Weltkriegs

Mittwoch, 14. Februar 2018, 18:00 Uhr

Vortrag von Dr. Christine Hartig, Historikerin (Stuttgart)

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

Eine umfangreiche Sammlung an Briefen von zwei „ganz normalen Deutschen“ aus der Zeit des Nationalsozialismus ist die Grundlage einer interdisziplinären, intermedialen und ‚crowdsourced‘-basierten kritischen Auseinandersetzung mit dem Alltag während des „ Dritten Reichs“ und im Zweiten Weltkrieg. Das Projekt „Trug & Schein“ erlaubt Einblicke in die Umgangsweisen von Hilde Laube und Roland Nordhoff (Pseudonyme) mit der neuen Macht. Beide haben zur Gestaltung „der Verhältnisse“ beigetragen, die nationalsozialistischen Siege bejubelt und Angebote wie Zumutungen des NS in ihren Briefen diskutiert. Auf dem Blog trugundschein.org werden die Briefe des jungen Paares in chronologischer Folge 75 Jahre nach dem Versenden veröffentlicht. Der Vortrag soll zur Diskussion darüber einladen, wie die Geschichte des Nationalsozialismus vor dem Hintergrund des Verlustes von ZeitzeugInnen auf differenzierte und innovative Weise vermittelt werden kann.

Die Historikerin Christine Hartig ist am Institut für die Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung tätig und assoziiertes Mitglied des Institutes für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte des Nationalsozialismus, die deutsch-jüdische Geschichte sowie die Medizingeschichte.


'Die erfrorenen Flügel der Schwalbe'. Ein Tagebuch zum Prager Frühling und den Folgen der Intervention (1968-1970) - mit einer Nachbetrachtung vom Mai 1990.

Mittwoch, 14. März 2018, 18 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Hartmut Zwahr, Historiker, Leipzig

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

Als Teilnehmer der Sommerhochschule der Prager Karlsuniversität hatte Hartmut Zwahr zu Beginn der sechziger Jahre eine europäische Stadt erlebt, die sich von der geschlossenen Gesellschaft der DDR deutlich abhob. Zum Wesen des dort beginnenden „politischen Frühlings“ gehörte die Suche nach einem neuen Typ des Sozialismus, nach Demokratie, Rechtstaatlichkeit und ökonomischer Freiheit. Dies alles wie auch das erzwungene Ende des reformkommunistischen Projekts hinterließen in der DDR einen starken Eindruck. So fühlte sich der nach Leipzig zurückgekehrte angehende Sozialhistoriker dazu veranlasst, ein Tagebuch zu verfassen, das die Stimmung und Orientierungsnot der damaligen Zeit zwischen März 1968 und April 1970 widerspiegelt. Die Niederlage lähmte; je länger sie andauerte, umso schlimmer die Anpassung. Sie endete für Hartmut Zwahr seit Anfang Oktober 1989 in offener Ablehnung und intensiver kritischer Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit. Dies dokumentieren die Bücher Herr und Knecht. Figurenpaare in der Geschichte sowie Ende einer Selbstzerstörung. Leipzig und die Revolution in der DDR. Zwahrs Tagebuch wurde dem Universitätsarchiv Leipzig im Frühjahr 1990 übergeben und unter dem Titel Die erfrorenen Flügel der Schwalbe im Jahr 2007 im Dietz-Verlag Bonn veröffentlicht.

Hartmut Zwahr, Jahrgang 1936, war bis 2001 Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig und ist Mitautor der fünfbändigen Geschichte der Universität Leipzig.


Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte.

Mittwoch, 25. April 2018, 18:00 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Bernward Dörner, Historiker, Berlin

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

Veranstalter: Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen in Kooperation mit den Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid e.V.

„Davon haben wir nichts gewusst!“, hieß es nach dem Ende des NS-Regimes. Nur wenige Deutsche gaben zu, von der Ermordung der Juden erfahren zu haben. Der Verdacht, dass es sich um eine Schutzbehauptung handeln könnte, lag von Anfang an nahe. Den wissenschaftlichen Nachweis über die Wahrnehmung des Genozids an den Juden zu erbringen, ist indes schwierig: Ein Großteil der belastenden Akten ist gezielt vernichtet worden. Die meisten Deutschen verdrängten oder verleugneten ihr Wissen. Doch zeitgenössische Akten (geheime Lageberichte, Strafverfahren, Tagebücher, Hitler-Reden etc.) entlarven jahrzehntelang gepflegte Lebenslügen.

Bernward Dörner, Jahrgang 1956, hat nach einem Studium der Geschichte und Germanistik über die Unterdrückung von kritischen Äußerungen durch das das NS- „Heimtücke-Gesetz“ promoviert. Bei seinen Archivrecherchen stieß er damals auf aktenkundig gewordene Äußerungen von ganz normalen Deutschen über die Ermordung der Juden. Seine Habilitationsschrift über die gesellschaftliche Wahrnehmung des Genozids mündete in sein Buch „Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte“. Bernward Dörner ist apl. Professor für Neuere Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin.


Protest und Revolte in West-Berlin 1964/69. Betrachtungen aus der Perspektive des Zeitzeugen und Wissenschaftlers.

Gespräch mit Prof. Dr. Peter Brandt, (FernUniversität Hagen)

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch und Edgar Liebmann M.A. (beide FernUniversität Hagen)

Mittwoch, 16. Mai 2018, 18:00 Uhr

Peter Brandt, Jg. 1948, erlebte die unruhigen Zeiten der West-Berliner Innenpolitik zwischen Anti-Tschombé-Demonstration (12/1964) und „Schlacht am Tegeler Weg“ (11/1968) als Schüler und angehender Student bzw. als Mitglied der linkssozialistischen „Falken“ und als Mitbegründer einer trotzkistischen Organisation. Mit seiner Beteiligung an Protestaktionen der Außerparlamentarischen Opposition gegen den Vietnamkrieg der USA, die Notstandsgesetze und den Springer-Verlag stellte er sich auch gegen die Politik Willy Brandts, Berlins Regierendem Bürgermeister (1957-1966) bzw. Außenminister der ersten „Großen Koalition“ (1966-1969). Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erregte Peter Brandts vorübergehende Festnahme und Verurteilung durch das Amtsgericht Tiergarten im Juni 1968 wegen der Beteiligung an unerlaubten Demonstrationen.

Der Hochschullehrer und Historiker Peter Brandt, der zwischen 1990 und 2014 das Lehrgebiet „Neuere Deutsche und Europäische Geschichte“ der FernUniversität in Hagen leitete, ist in einer doppelten Funktion zu Gast: als Zeitzeuge und als Wissenschaftler, der sich in Essays, Aufsätzen und Interviews kritisch mit „1968“ als einer die Bundesrepublik nachhaltig prägenden Epoche auseinandergesetzt hat.

Als Moderatoren (und Gesprächspartner) beteiligen sich die Historiker Arthur Schlegelmilch (Jahrgang 1958) und Edgar Liebmann (Jahrgang 1970).

Pressebericht der FernUni: Gegen Vater und Partei? Zwischen Studentenbewegung und traditionellem Sozialismus


„Als moderne Nomadin um die Welt – Mein Leben bei den Vereinten Nationen“

Lesung und Gespräch mit Dr. Kerstin Leitner, Berlin

Moderation: Dr. Almut Leh, FernUniversität Hagen

Mittwoch, 6. Juni 2018, 18:00 Uhr

30 Jahre arbeitete Kerstin Leitner bei den Vereinten Nationen. Nachdem 1973 die beiden deutschen Staaten der Weltorganisation beigetreten waren, gehörte sie zu den ersten Deutschen, die in den Dienst der internationalen Organisation eintraten. 1945 in Jena/Thüringen geboren, verbrachte sie einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend in Düsseldorf. Sie studierte Geschichte und Politologie in Frankfurt/M., Freiburg/Br. und in Berlin (West). Sie promovierte 1975 mit einer Arbeit über das post-koloniale Kenia und ging kurz darauf zu UNDP, dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, für das sie in Afrika, den arabischen Ländern, China und New York arbeitete. Kerstin Leitner gibt Einblicke, wie die Vereinten Nationen auf globale Veränderungen in ihrer Entwicklungskooperation reagierten. Im Laufe ihrer Tätigkeit bei der UNDP und der WHO (Weltgesundheitsorganisation) bereiste sie über 120 Länder. Ihre Karriere bei den Vereinten Nationen brachte sie weit über die mittlere Führungsebene hinaus - damals keine Selbstverständlichkeit für Frauen.

Seit ihrer Pensionierung 2005 lehrt sie an der FU Berlin und an der Universität Potsdam zu internationaler Politik, der politischen Lage in China und der Bedeutung der Vereinten Nationen.


Albert Speer. Eine Deutsche Karriere

Mittwoch, 12. September 2018, 18:00 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Magnus Brechtken, Historiker, München

Mit seiner 2017 erschienenen Biographie über Albert Speer unternimmt Magnus Brechtken, stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München, den Versuch, dem „Mythos Speer“ auf den Grund zu gehen. Publizistisches Gewinnstreben, das dankbare Interesse einer nach Selbstentschuldung strebenden deutschen Nachkriegsöffentlichkeit und, nicht zuletzt, Speers selbst konstruierte „Lüge von der aufrichtigen Reue“ waren die Mosaiksteine eines weichgezeichneten Bildes vom Architekten und Rüstungsminister Speer, das den aus den Akten rekonstruierten Tatsachen in keiner Weise entspricht. Brechtken fügt diese Versatzstücke zu einer biographischen Studie, die keinen Zweifel daran lässt, dass Albert Speer einer der führenden und in der letzten Kriegsphase auch treibenden Kräfte des NS-Regimes war.

Speer war seit 1931 Mitglied der NSDAP und später keineswegs nur Hitlers Architekt, sondern sein enger Vertrauter und, besonders schwerwiegend, Rüstungsminister im totalen Krieg – mit weitreichenden Kompetenzen und umfassendem Wissen über die Abgründe der NS-Verbrechen, insbesondere des Einsatzes von Zwangsarbeitern in der Rüstungsindustrie. Brechtken dokumentiert präzise, wie engmaschig Speer mit dem inneren Führungszirkel der Nationalsozialisten, in erster Linie mit Goebbels und Himmler, zusammenarbeitete und seine Initiativen bis in die letzten Kriegstage mit diesen abstimmte. Umso mehr muss im Rückblick befremden, was nach den Kriegsverbrecherprozessen, schon in der 20-jährigen Spandauer Haftzeit Speers begann: Die Entstehung der „Legende vom guten Nazi“.

Magnus Brechtken, geboren 1964, studierte Geschichte, Politische Wissenschaften und Philosophie. Er ist stellvertretender Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte und außerplanmäßiger Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.


Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit.

Mittwoch, den 24. Oktober 2018, 18:00 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, Münster

Für die gut 1000 Seiten starke Biographie der Habsburger Kaiserin Maria Theresia erhielt Barbara Stollberg-Rilinger 2017 den Preis der Leipziger Buchmesse für das beste Sachbuch. Gründlich korrigiert sie das lange vorherrschende Bild der liebenden Ehefrau und Landesmutter. Dabei versteht sie es, Leben und Wirken der Kaiserin als Schlüssel zur Darstellung der Gegensätze der damaligen Zeit zu nutzen. Von der von Zeitgenossen und von konservativ orientierten Historikern des 19. Jahrhunderts verehrten „Märchenkönigin“ wird man nach der Lektüre in vielfacher Hinsicht Abschied nehmen müssen. Als Spezialistin für das 18. Jahrhundert verdichtet Stollberg-Rilinger die in der biographischen Analyse zu Tage tretenden Widersprüche zu einem beeindruckenden Porträt. So bedeutete beispielsweise „die Tatsache, dass Maria Theresia eine Frau war, für ihre Regentschaft Fluch und Segen zugleich“. Von Beginn an musste sie um die Legitimität ihrer Regentschaft kämpfen und konnte in den Erbfolgekriegen nicht, etwa wie ihr preußischer Gegenspieler Friedrich der Große, die Feldherrenrolle selbst wahrnehmen. Gerade dieser scheinbare Nachteil ließ ihre „überraschende Wehrhaftigkeit“ auf die Dauer als umso bewundernswerter erscheinen.

Barbara Stollberg-Rilinger, geboren 1955, studierte Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Seit 1997 ist sie Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.


Kommissar Rath und Babylon Berlin

Mittwoch, den 21. November 2018, 18:00 Uhr

Moderiertes Gespräch mit Volker Kutscher, Autor, Köln

Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Kruse, FernUniversität in Hagen

Volker Kutschers Romanfigur Gereon Rath ist Kult: Der aus dem katholischen Köln stammende, im pulsierenden Berlin der späten 1920er und frühen 1930er Jahre ermittelnde Kriminalkommissar ist nicht nur der Held einer erfolgreichen Buchreihe, sondern inzwischen auch einer hochgelobten, von Tom Tykwer verfilmten Fernsehserie. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Nationalsozialismus führt Kutscher seinen Helden durch die Verlockungen und Abgründe der ultramodernen Metropole und zugleich durch die Widersprüche seiner eigenen Persönlichkeit, die ihn immer wieder an die Grenze zwischen Legalität und Illegalität führen, mehr oder weniger gemeinsam mit seiner Kollegin, Geliebten und späteren Frau Charlotte Ritter, die die neuen Möglichkeiten zu leben versucht, von denen junge Frauen in der Weimarer Demokratie profitieren konnten.

Im Gespräch mit dem FernUni-Historiker und Krimifan Prof. Wolfgang Kruse wird Volker Kutscher über die historischen Zusammenhänge und ihre literarische Gestaltung, über das Verhältnis von Fiktion und Realität, Roman und Film, über seine persönlichen Zugänge zum Thema und nicht zuletzt über die Zukunft von Gereon Rath und Charly Ritter Auskunft geben.

Volker Kutscher, geboren 1962, studierte Germanistik, Philosophie und Geschichtswissenschaft an den Universitäten in Wuppertal und Köln. Er ist Journalist und Schriftsteller.


10.05.2019
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Institut für Geschichte und Biographie, 58097 Hagen, E-Mail: igb@fernuni-hagen.de