Aktuelles


Artikel in Sonderheft zu Ehren von Robert Hare

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Italien, der Schweiz, Schweden und Norwegen hat Professor Mokros einen Artikel über Psychopathieforschung in Europa veröffentlicht. Der Artikel ist Teil eines Sonderhefts des Journal of Psychopathology and Behavioral Assessment zu Ehren von Robert D. Hare. Robert Hare ist ein kanadischer Psychologe. Er wurde 1934 geboren, ist Emeritus der University of British Columbia, Vancouver, und ist der Nestor der Psychopathieforschung. Die Datenbank Scopus weist für ihn mehr als 170 Fachveröffentlichungen aus, die mehr als 20 000-mal zitiert worden sind, davon am häufigsten eine Übersichtsarbeit aus dem Jahre 2008 aus dem Annual Review of Clinical Psychology: Psychopathy as a clinical and empirical construct

(30.04.2026)


Out now in Open Access - Scoping Review zu Missbrauchsvorwürfen in familienrechtlichen Verfahren

Screenshot Journal Homepage Foto: Jonas Schemmel

In Kooperation mit Kolleginnen von der Psychologischen Hochschule Berlin und der Universität Basel ist "Child Sexual Abuse Allegations in Child Custody, Child Visitation, and Child Protection Proceedings: A Scoping Review" in der renommierten Zeitschrift Trauma, Violence and Abuse mit Dr. Jonas Schemmel als Erstautor erschienen.

Hier geht es direkt zum Open-Access Artikel.

In dem Artikel wurden Ergebnisse von 47 eigens ausgewählten wissenschaftlichen Publikationen zusammengefasst, um den aktuellen Forschungsstand zu sexuellen Missbrauchsvorwürfen in familienrechtlichen Verfahren abzubilden. Es zeigte sich, dass die allermeisten Untersuchungen aus Nordamerika und Australien stammen; Studien aus Europa oder nicht-westlichem Kulturkreis fehlen fast vollständig. Aus Deutschland fand sich nur eine Studie.

Insgesamt scheinen Missbrauchsvorwürfe eine Seltenheit in familienrechtlichen Verfahren und im Kinderschutz zu sein. Solche Vorwürfe zu substantiieren stößt auf ähnliche Schwierigkeiten wie z.B. im Strafrecht, da körperliche Spuren häufig fehlen und die Aussage des betroffenen Kindes ausschlaggebend ist. Die Substantiierungsraten liegen mit um die 43% ähnlich wie in anderen Rechtsbereichen auch; in der Gesamtschau erscheinen sie auch dann nicht auffällig, wenn Missbrauchsvorwürfe in Sorgerechtsverfahren erhoben werden. Auch wenn Anschuldigungen nicht bestätigt werden, scheinen sie in der Regel nicht gezielt, sondern in guter Absicht erhoben zu werden. Missbrauchsvorwürfe können auch dann zu eingeschränktem oder ausgesetztem Kontakt eines Kindes zur beschuldigten Person führen, wenn sie nicht bestätigt wurden.

Künftige Forschung sollte sich stärker auf europäische und nicht-westliche Kontexte beziehen, die genauen Entscheidungsprozesse von Familiengerichten analysieren und relevante Faktoren berücksichtigen, wie ob die Vorwürfe erst im Laufe eines Verfahrens auftreten.

Das Review wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes mit Förderung der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM) erstellt.

(13.04.2026)


Kriminologisches Kolloquium

Als Gast des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) hat Professor Mokros einen Vortrag über sogenannte rituelle Gewalt gehalten: "Mechanismen eines Mythos: Rituelle Gewalt, Persönlichkeitsspaltung und psychische Kontrolle". In der Hybrid-Veranstaltung waren neben etwa 25 Anwesenden im KFN mehr als 300 Zuhörerinnen und Zuhörer zugeschaltet.

Der Begriff "rituelle sexuelle Gewalt" soll Formen von organisiertem sexuellem Missbrauch bezeichnen, der von massiver Gewalt, unbekannten Täternetzwerken und psychischer Kontrolle über die Opfer geprägt sei. Diese psychische Kontrolle ("Mind Control") soll die Blockade von Erinnerungen, die fortgesetzte Lenkung des Opferverhaltens oder gar eine planvolle Persönlichkeitsspaltung umfassen. Den eindringlichen Schilderungen selbst bekundeter Opfer steht ein Fehlen kriminalistischer Beweise gegenüber. Im Nachgang zur Satanic Panic der 1980er Jahre ist davon auszugehen, dass die einschlägigen Berichte vielmehr die Folge von Suggestion und Scheinerinnerungen sind.

Im Vortrag wurde die psychologische Implausibilität von sogenannter "Mind Control" dargelegt, aber auch auf den Beratungsbedarf der selbst bekundeten Opfer hingewiesen. Daraus ergeben sich Implikationen für die Ausbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie für die psychologische Beratung.

(03.03.2026)


ZEIT-Interview über Psychopathie im Arbeitsleben

Professor Mokros erläutert im Gespräch mit der Redakteurin Marie Rövekamp, was es mit dem Phänomen auf sich hat, warum nicht jeder unsympathische Kollege ein Psychopath ist und welche empirischen Erkenntnisse belastbar sind. https://www.zeit.de/arbeit/2026-02/psychopathen-psychologie-andreas-mokros-chef-manipulation

(20.02.2026)


Den Jingle-Jangle-Dschungel roden

Der Artikel von Christian Blötner et al. (2025) über die Verzichtbarkeit von Charaktersadismus als Konzept trifft auf reges Interesse: 2024 vorab veröffentlicht, ist der Aufsatz 2025 regulär erschienen - und bis dato bereits mehr als 2000-mal aufgerufen worden.
"Measures of Subclinical Psychopathy and Everyday Sadism are Still Redundant: A Conceptual Replication and Extension of Blötner and Mokros (2023)" doi:10.1111/jopy.12996