Projekt

Trans* und Medizin – Zur Bedeutung habitueller Dispositionen und impliziter Deutungen von Professionellen für die Behandlung von transidenten Kindern und Jugendlichen

Projektleitung:
Franziska Krüger
Status:
laufend

Gegenstand meiner fallrekonstruktiven Studie sind Entscheidungsprozesse und damit zusammenhängende Deutungen und Begründungen von medizinischen und therapeutischen Behandelnden von Kindern und Jugendlichen mit geschlechtsinkongruentem Erleben.

Die zentrale Fragestellung ist, wie die auf das Feld der Transgendermedizin spezialisierten Professionellen aus der Medizin und der Psychologie das Phänomen der Transidentität bei Minderjährigen mit noch nicht abgeschlossener psychosexueller Identitätsentwicklung deuten und wie sich dies in dem Behandlungs- und Diagnoseprozess materialisiert. Die Analyse basiert auf der Annahme, dass Diagnose und praktische Intervention der Professionellen nicht unabhängig zu verstehen und zu erklären sind von Deutungen, die den Zusammenhang von Sexualität, Fortpflanzung und Geschlecht betreffen, als auch von habituellen Prägungen, weshalb neben den Interviewprotokollen auch Genogramme und objektive Daten zur beruflichen Sozialisation zentrale Datensorten im Prozess der Fallrekonstruktion(en) sind.

Im Zuge steigender Zahlen von Kindern und Jugendlichen mit geschlechtsinkongruentem Erleben, die eine Lösung des Handlungsproblems, welchem Geschlecht gehöre ich an, in der ärztlichen bzw. therapeutischen Konsultation zu erlangen hoffen, wächst die Bedeutung der Transgendermedizin als gesellschaftliche Arena, in der Fragen zur Ausbildung und Wahrung der Geschlechtsidentität verhandelt werden. Soziologisch zentral ist, die Strukturen zu identifizieren, die sich in den Entscheidungen der Behandelnden als Deutungs- und Legitimationsmuster materialisieren, getragen von dem gesellschaftlichen Auftrag, durch stellvertretende Krisenbewältigung die leibliche und psychosoziale Integrität ihrer Patient:innen aufrechtzuerhalten und zu gewährleisten.