Kollaboration ist das neue Normal“ – die Agora [Zukunft] des Hochschulforums Digitalisierung

von Annabell Bils 

Am 15.09. war wieder Agora [Zukunft], ein Austauschformat des Hochschulforums Digitalisierung (HFD), das inzwischen zum zweiten Mal in Berlin stattfand. Das HFD versteht die Agora als Community-Prozess. Hochschulen von morgen entstehen nach diesem Selbstverständnis nur gemeinsam, und dafür braucht es Räume, in denen verschiedene Perspektiven aufeinandertreffen, Prioritäten ausgehandelt und daraus tragfähige Impulse entwickelt werden. In diesem Jahr standen vier Fokusthemen im Mittelpunkt: KI-Strategien, AI Literacy, Digitale Souveränität und innovative Lehre. Das Format lebt vom Austausch auf Augenhöhe: Hochschulleitungen, Studierende, Lehrende, Leitungen und Mitarbeitende aus Support und Rechenzentren sowie Vertreter*innen von Netzwerken, Bund und Ländern sitzen gemeinsam an einem Tisch.  

So war es auch im sogenannten Critical Transfer Lab, bei dem ich die KI-Strategie der FernUniversität vorgestellt habe. Sie war damit eines von zwei Good-Practice-Beispielen. Das Critical Transfer Lab lief so ab, dass es einen kurzen Input gab, dann diskutieren die Teilnehmenden in Kleingruppen über drei Runden (Analyse, Weiterentwicklung, Transfer). Rund 30 Personen haben mitgearbeitet und ihre Ergebnisse auf einer Take-Away-Wand festgehalten, „Kollaboration ist das neue Normal“, hieß es an diesem Tag. Für ein Format, das seinen Gegenstand nicht bloß vorstellt, sondern ihn von anderen kritisch auseinandernehmen lässt, trifft das zu. 

Pinnwand des Critical Transfer Labs zur KI-Strategie
Pinnwand des Critical Transfer Labs zur KI-Strategie

So hat die Diskussion eine unserer Gelingensbedingungen aufgegriffen und verschärft. Wir hatten Partizipation von Beginn an als tragendes Element unseres Strategieprozesses vorgestellt, und dieser Prozess selbst wurde in der Diskussion ausdrücklich gelobt. Ein Spannungsfeld wurde darin gesehen, dass Partizipation auf Dauer einerseits und verbindliche Verankerung andererseits ausgehandelt werden müssen. Partizipation lebt davon, dass das Ergebnis offen ist, Verbindlichkeit liegt in Aspekten, die nicht verhandelbar sind. Ein Vorschlag aus der Runde zeigt, wie sich das auflösen ließe, ohne eine Seite zu opfern: Maßnahmenverantwortliche benennen und die Maßnahmen regelmäßig evaluieren. Verbindlichkeit entsteht dann über Zuständigkeit und Verantwortung. 

Eine Karte trug den Begriff „psychologische Sicherheit“. Gewünscht werden klare Regelungen, was an der Hochschule mit KI erlaubt ist und was nicht. Das ist ein interessanter Widerspruch, denn unsere Strategie überlässt die Entscheidung über den KI-Einsatz in Prüfungen bewusst den Lehrenden und macht keine verbindlichen didaktischen Vorgaben. Das ist konsequent zur Freiheit in Forschung und Lehre. Für Studierende bedeutet es allerdings, dass die Regeln von Modul zu Modul unterschiedlich ausfallen können. Was aus Sicht der Lehrenden Gestaltungsspielraum ist, kann aus Sicht der Studierenden Unsicherheit sein. 

Wie halten Sie es in Ihrer Fakultät oder Ihrem Team? Über Rückmeldungen freuen wir uns, besonders zu der Frage, wo Verbindlichkeit entlastet und wo sie einengt. 



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