Innovative Lehrprojekte – Interview mit Dr. Laura Werner

In der Reihe „Innovative Lehrprojekte“ stellen wir die Projekte vor, die im Rahmen der Zertifikatsprogramme HD-NRW und E-Teaching-Zertifikat entstanden sind. Dr. Laura Werner hat elektronische Einsendeaufgaben in Moodle im Modul „International Trade and Economic Development“ eingeführt und uns hierzu unsere Fragen beantwortet.

Portrait Laura Werner
Portrait Dr. Laura Werner (Foto: FernUniversität)

Wie bist du auf die Idee zu deinem Projekt gekommen?

Wir diskutieren in unserem Lehrstuhlteam regelmäßig, wie wir unsere Lehre verbessern können. Da wir unseren Studierenden nur selten in Präsenz begegnen, bieten sich vor allem digitale Werkzeuge an. Deshalb haben wir uns gerne dem Pilotprojekt zur Digitalisierung der Einsendeaufgaben der Fakultät Wirtschaftswissenschaft angeschlossen. Aus lehrstuhlinternen, organisatorischen Gründen wurden zuerst die Module „Grundlagen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen“ und „Angewandte Ökonometrie“ in das Projekt aufgenommen. Da ich von Anfang an davon überzeugt war, dass das Projekt eine gute Sache ist, habe ich an den Informationsveranstaltungen diesbezüglich teilgenommen und so kam mir die Idee, die Umstellung des Moduls „International Trade and Economic Development“ zu meinem persönlichen Lehrprojekt zu machen.

Welche Überlegungen lagen der Umsetzung des Projekts zugrunde?

Eine grundsätzliche Überlegung war, wie man die Vorteile eines Tests in Moodle nutzen kann, ohne  gleichzeitig die Vorteile des bisherigen Aufgabenformats aufzugeben. Vor dem Projekt wurden die Einsendeaufgaben per Post eingereicht und zentral gesammelt. Durch die Verzögerungen, die der Postversand, insbesondere aus dem Ausland, mit sich bringen kann, standen oft nur wenige Tage für die Korrektur der ersten Einsendeaufgaben zur Verfügung. Der Einsatz eines Moodle-Tests kann dieses Problem beheben. Die Studierenden lösen die Aufgaben in Moodle und bekommen so, direkt nach Ablauf der Frist ein objektives Ergebnis. Der Aufwand verschiebt sich für mich in diesem Fall weg von der Korrektur und hin zur Erstellung der Aufgaben. Moodle bietet eine Vielzahl an verschiedenen Fragetypen an, in die ich mich einarbeiten musste. Bisher hatten wir überwiegend klausurähnliche Aufgaben eingesetzt und per Hand korrigiert. Auf diese Weise haben die Studierenden ein gutes Feedback erhalten, wie die Klausuraufgaben ungefähr aussehen könnten, wie sie formuliert sind und wie ihre Lösungen bewertet werden. Um dies nicht aufzugeben, habe ich mich entschieden, nur die ersten Einsendeaufgaben als Moodle-Test zu gestalten und die zweiten Einsendeaufgaben weiterhin mit klausurähnlichen Aufgaben auszustatten und per Hand zu korrigieren. Im Unterschied zu vorher erfolgt die Aufgabenstellung, Abgabe und Rückgabe nun aber auch per Moodle.

Welche Herausforderungen sind dir während der Planung und der Durchführung begegnet?

Zuerst einmal musste ich mich in das Themengebiet „Multiple-Choice-Aufgaben“ einarbeiten. Dabei haben mir die Fortbildungen „Gute Frage – gute Antwort“ und „E-Assessment“, die ich im Rahmen des Zertifikatsprogramms besucht habe, geholfen. Als nächstes ging es darum, welche Möglichkeiten Moodle bietet und wie sich die verschiedenen Fragetypen umsetzen lassen. Dabei ist bei einer Frage ein Problem aufgetreten, sodass ich die Bewertung dieser Frage im Nachhinein anpassen musste. Moodle ist in dieser Hinsicht aber sehr flexibel und einfach zu handhaben. Um so ein Problem für die Zukunft auszuschließen, habe ich mir Hilfe geholt und alle Fragen Probe lesen lassen.

Im Unterschied zu der vorherigen Praxis wurden die zweiten Einsendeaufgaben nicht per Post eingereicht, sondern als PDF-Datei hochgeladen. Um Papier zu sparen, habe ich die Abgaben am Rechner kontrolliert und kommentiert. Dies war mühsamer als die Korrektur auf Papier, weil ich im Homeoffice nicht einmal die Musterlösung ausgedruckt neben mich legen konnte und nur den kleinen Laptop-Bildschirm zur Verfügung hatte. Teilweise haben die Studierenden ihre Lösungen handschriftlich verfasst und dann abfotografiert. Je nach Winkel des Fotos waren diese Abgaben nur schwer lesbar. Auch die Internetverbindung im Homeoffice in Kombination mit großen PDF-Dateien, angereichert mit Bildern und Anmerkungen, hat den Prozess verlangsamt.

Wie war die Reaktion der Studierenden?

Es haben überdurchschnittlich viele Studierende an den ersten Einsendeaufgaben, die als Moodle-Test gestaltet waren, teilgenommen. Die abgegebene Anzahl der zweiten Einsendeaufgaben fiel geringer aus, lag aber im Durchschnitt. Deshalb ziehe ich das Fazit, dass die neuen, digitalen Einsendeaufgaben gut angenommen worden sind.

An der Evaluation haben leider nur wenige Studierende teilgenommen. Alle haben die Einsendeaufgaben als gute Möglichkeit für die Klausurvorbereitung gelobt, obwohl nicht alle mit dem Mix aus Moodle-Test und klausurähnlichen Aufgaben zufrieden waren. Teilweise gab es das Problem, dass die Einsendeaufgaben nicht als solche erkannt wurden. Dies könnte an dem Begriff „Homework-assignments“ liegen, der in Moodle gebraucht wird, da es sich um ein englischsprachiges Modul handelt. Deshalb wurde für das aktuelle Semester neben der Verlinkung, die das Prüfungsamt auf die Moodle-Seite eingerichtet hat, ein zusätzlicher Hinweis im Moodle-Forum erstellt.

Was planst du noch für die Zukunft im Zusammenhang mit dem Projekt?

Im Zuge des Projekts wurde eine umfangreiche Fragensammlung erstellt, die über 150 Fragen umfasst. Diese Fragen können genutzt werden, um in den zukünftigen Semestern immer neue Einsendeaufgaben zu kreieren. Für das aktuelle Sommersemester wurde diese Möglichkeit zum Beispiel bereits genutzt. Darüber hinaus kann die Fragensammlung stetig erweitert werden.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.