online Veranstaltung

Thema:
Exil und Gender: Die Frauen des Heinrich-Heine-Klubs
Semester:
Wintersemester 2026/27
Zielgruppe:
Für alle Interessierten
Ort:
online
Termin:
22.10.2026 bis
14.01.2027
Zeitraum:
donnerstags, 22.10.26; 05.11.26; 19.11.26; 03.12.26; 17.12.26; 14.01.27
jeweils von 19:00–20:30 Uhr

Leitung:
Dr. (des.) Lena Hein
Anmeldefrist:
01.10.2026
Auskunft erteilt:
Dr. Lena Hein
E-Mail: lena.hein
Hinweis:
Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.

Das Seminar widmet sich den weiblichen Akteurinnen des Heinrich-Heine-Klubs in Mexiko, einem zentralen Ort deutschsprachiger Exilkultur während des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen die Autorinnen und Kulturschaffenden Anna Seghers, Cläre Quast, Lenka Reinerová und Gertrude Duby. Anhand literarischer, journalistischer und autobiographischer Texte sowie ausgewählter Archivmaterialien werden ihre Erfahrungen und Darstellungen von Exil, kultureller Begegnung und Fragen von Gender untersucht. Methodisch verbindet das Seminar Ansätze der Gender Studies mit narratologischen und diskursanalytischen Zugängen, die in den Close Readings der Seminarsitzungen erprobt und angewendet werden.

Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Exil nicht ausschließlich als Blick auf die verlorene Heimat verstanden werden kann, sondern Prozesse kultureller Begegnung und transnationaler Identitätsbildung eröffnet. Die Texte der Frauen des Heinrich-Heine-Klubs werden daher als Räume untersucht, in denen Fremdheitserfahrungen, kulturelle Hybridisierungen und neue Vorstellungen von Heimat, Zugehörigkeit und Identität literarisch gestaltet werden. Zugleich wird Gender – als historisch und kulturell konstruierte Kategorie des Wissens – mit Ansätzen der Exilstudien enggeführt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Frage, wie Frauen im Exil kulturelle und kommunikative Räume schaffen und welche ästhetischen Formen daraus hervorgehen. Die Analyse kanonischer Texte einerseits und die Erschließung weitgehend unbekannter Werke andererseits machen dieses Seminar besonders attraktiv für mögliche Forschungs- und Hausarbeitsthemen zu bislang kaum untersuchten Studienobjekten. Die Sitzung zu den Archivmaterialien soll auch in die Arbeit im Archiv als solche einführen und zugleich einen Einblick in einen möglichen zukünftigen Studien- oder Forschungsbereich geben.

Wenn Sie dieses Thema interessiert, könnte auch das Präsenzseminar in Blockform zu Anna Seghers’ Transit und der Verfilmung von Petzold für Sie in Frage kommen.

Theoretische und methodische Grundlagen

- Exilstudien

- Narratologie

- Gender Studies

- Diskursanalyse

- Autobiographisches Schreiben

- Mediale Perspektive: Exilzeitschrift als Kommunikationsformen

Es bestehen Anschlussmöglichkeiten an Modul L5, an L1 aus MANDL 3, an L2 aus L3 sowie an L1 aus L4, aber dies ist keine Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar.

Materialien, Vorbereitung und Teilnahme:

Zu den sechs Sitzungen, die im zweiwöchigen Rhythmus stattfinden werden, müssen jeweils die unten genannten Texte gelesen werden, damit wir sie im Seminar unter Anwendung der besprochenen Methoden gemeinsam untersuchen und diskutieren können. Die Materialien werden über Moodle zur Verfügung gestellt. Die Sitzungen werden aus der gemeinsamen Erschließung und Klassifizierung der stark heterogenen Texte sowie aus Diskussionsrunden zu darüber hinausgehenden Themen wie Exil und Gender, der literarischen Perspektive des ‚Anderen‘, unterschiedlichen Exilerfahrungen und weiteren Fragen bestehen.

Zeitplan Seminar:

22.10.: Historische Kontextualisierung (Exilgeneration 1933–1945, Mexiko 1940er Jahre) und theoretische Grundlage: Auszug aus dem Kapitel “Exil und Geschlechterforschung” von Marion Schmaus (etwa 12 PDF-Seiten)

05.11.: Erzählung: Anna Seghers’ Der Ausflug der toten Mädchen (etwa 30 Buchseiten)

19.11.: Novelle: Anna Seghers’ Crisanta - Mexikanische Novelle (etwa 26 Buchseiten)

03.12.: Exil, Ethnologie und Gender: Gertrude Dubys Artikel und eine Erzählung: „Frauen um Zapata“ (1945) (1,5 Seiten)

„Bauerngeneral Zapata und das neue Russland“ (1942) (1 Seite)

„Expedition zu den Lakandonen“ (1943) (1,5 Seiten)

„Aus dem Urwald in den Schiefersaal“ (1946) (1,5 Seiten)

„Wandel im Zeitraum. Bei den Lakandonen in Chiapas“ (1983) (9 Seiten)

17.12.; Roman: Lenka Reinverová: Grenze geschlossen (1958) (Auszüge: 50 Buchseiten) + „Kotige Schuhe. Erzaehlung von Lenja Reinerová“ (1943) (1 Seite)

14.01.; Widerstandskämpferin Cläre Quast: Memoiren und Essays aus dem Archiv (etwa 30 Schreibmaschinenseiten) + Ausblick auf weitere Frauen des Heinrich-Heine-Klub

Texte:

Duby, Gertrude. „Bauerngeneral Zapata und das neue Russland“. Freies Deutschland (November 1942), S. 27.

Duby, Gertrude. „Expedition zu den Lakandonen“. Freies Deutschland (Juni 1943), S. 25–26.

Duby, Gertrude. „Frauen um Zapata“. Freies Deutschland (April 1945), S. 23–24.

Duby, Gertrude. „Aus dem Urwald in den Schiefersaal“. In: Heinrich Heine-Klub (Hg.): Heines Geist in Mexico. Mexiko D.F. 1946. S. 45–46.

Duby, Gertrude. „Wandel im Zeitraum. Bei den Lakandonen in Chiapas“. INDIANA 8 (1983): S. 149–158.

Quast, Cläre. [Erinnerungen]. Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (BArch): NY 4253.

Reinerová, Lenka. Grenze geschlossen. Berlin 1958.

Reinerová, Lenka. „Kotige Schuhe“ [1942]. In: Uwe Böhmen-Naumann (Hrsg.): Lidice. Ein böhmisches Dorf. Frankfurt 1983. / „Kotige Schuhe. Erzaehlung von Lenja Reinerová“. Freies Deutschland (Juli 1943), S. 20–21.

Schmaus, Marion. „Exil und Geschlechterforschung“. In: Bettina Bannasch (Hg.): Handbuch Exilliteratur – Von Heinrich Heine bis Herta Müller. Berlin 2013, S. 121–147.

Seghers, Anna. Der Ausflug der toten Mädchen. Erzählungen. [1948]. Berlin 2005.

Seghers, Anna. Crisanta. Mexikanische Novelle [1951]. In: Dies.: Erzählungen 1950–1957. Hsrg. von Helen Fehervary und Bernhard Spies. Berlin 2009. 43–70.

Online-Anmeldung

Bitte füllen Sie das Formular vollständig aus. Eine Bestätigung über Ihre Teilnahme senden wir Ablauf der Anmeldefrist an Ihre E-Mail-Adresse.

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