Neuerscheinungen aus dem Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft

Auf dieser Seite weisen wir auf Neuerscheinungen hin, die von Mitgliedern des Instituts für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft stammen oder an denen sie beteiligt sind. Die jüngst erschienene Publikation steht dabei immer an erster Stelle.



Idylle. Eine medienästhetische Untersuchung des materialen Topos in Literatur, Film und Fernsehen.

von Nils Jablonski, Stuttgart: J.B. Metzler 2019.

Die Monographie liegt als eBook sowie als Softcover-Ausgabe vor. Studierende der FernUniversität in Hagen können über die Universitätsbibliothek sowie über die Verlagsseite kostenlos auf die digitale Version als pdf-Dokument zugreifen.

Ankündigungstext des Verlags:

Die Idylle steht im Spannungsfeld von Kitsch und Katastrophe, das Nils Jablonski durch medienkomparatistische close readings literarischer, filmischer und televisiver Texte untersucht. In der Perspektive einer materialen Topik wird das vielfältige Verkommen der Idylle anhand ihrer Poetizität, Medialität und Serialität analysiert – beginnend bei den Anfängen in der Antike, über die Popularisierung der Idylle im 18. Jahrhundert bis zu gegenwärtigen Filmen und TV-Serien. Die herausgearbeitete Spezifik idyllischer poiesis kennzeichnet zudem die richtungsweisenden Reflexionen zur Idylle um 1800. Mit kritischem Bezug auf die idyllischen Verfahren der Überlagerung, Idealisierung und Beschränkung bei Jean-Jacques Rousseau, Friedrich Schiller und Jean Paul wird die enge gattungstheoretische Bestimmung der Idylle revidiert, um den kulturkonstitutiven Aspekt des materialen Topos strukturell zu erfassen.

Verlagslink: https://www.springer.com/de/book/9783476049360

Weitere Informationen zur Idylle finden sich auf der Mitarbeiterseite von Nils Jablonski.



Doppel-Themenheft über „Handgreifliche Beispiele“ der z.B. Zeitschrift zum Beispiel

Hrsg. von Jessica Güsken und Peter Risthaus. Münster: MV Wissenschaft, 2019.

Das Themenheft umfasst zwei Ausgaben, die beide sowohl als Print on Demand erworben werden können, als auch online kostenfrei als PDF zugänglich sind:

  • z.B., Nr. 2: Themenheft Hangreifliche Beispiele: Erste Lieferung. 126 Seiten, 4 Abbildungen.
  • z.B., Nr. 3: Themenheft Hangreifliche Beispiele: Zweite Lieferung. 194 Seiten, 14 Abbildungen.

Ankündigungstext zur „Ersten Lieferung“:

Dieses Themenheft, dem mit der nächsten z.B.-Ausgabe eine Fortsetzung folgt, beschäftigt sich mit handgreiflichen Beispielen. Mit handgreiflichen Beispielen sind solche gemeint, in denen Berühren und berührbare Dinge die Hauptrolle spielen und wo von ‚reiner Theorie‘ zur tangiblen, körperlich-praktischen Erfahrung übergegangen werden soll: Solche Beispiele haben Aufforderungscharakter und versprechen häufig eine Evidenz, die der Text allein offenkundig nicht liefern kann. Die Beiträge beider Themenhefte sind Ergebnisse der internationalen Fachtagung „Tangibilität. Handgreifliche Beispiele ästhetischen Wissens“, die im Juli 2017 an der Ruhr-Universität Bochum und an der FernUniversität in Hagen stattgefunden hat. Die Tagung widmete sich in grundsätzlicher Weise dem Substitutionsverhältnis von Seh- und Tastsinn sowie den Beispielen, durch die es ebenso entworfen wie auch vermittelt wird: Sie greifen letztlich selbst in das Verhältnis zwischen Rhetorik, Ästhetik und Epistemologie ein, indem sie nicht nur etwas veranschaulichen und evident machen, sondern zum Praktisch-Werden, zur Handgreiflichkeit auffordern. Die nun in der ersten Lieferung des Doppelthemenhefts versammelten Beiträge beschäftigen sich zunächst schwerpunktmäßig mit handgreiflichen Beispielen, die in Erkenntnistheorie, Phänomenologie, Sinnesphysiologie und Ästhetik kursieren. Die Beiträge von Rüdiger Campe und Thomas Bedorf werden im nächsten Heft fortgesetzt.

Link zum Heft (PDF): https://ub-deposit.fernuni-hagen.de/receive/mir_mods_00001495

Verlagslink: https://readbox-unipress-bookstore.de/sachgebiete/sonstiges-nachschlagewerke/4806/z.b.-zeitschrift-zum-beispiel?c=3

Ankündigungstext zur „Zweiten Lieferung“:

Das Verhältnis zwischen Seh- und Tastsinn ist prekär. Das wird vielleicht ganz besonders in einer Zeit offenbar, in der sich das Verhältnis der Sinne durch digitale Medien umstellt, denn Hand und Finger (digitus) sind hier nicht nur symbolisch auf Benutzeroberflächen im Spiel. Aber schon die Moderne des 20. Jahrhunderts sah sich bekanntlich mit Erfahrungen konfrontiert, die in der Theorie mit dem berühmten haptisch-taktilen Schlagwort des Schocks begriffen werden: Das gilt für die massenhafte Reizüberflutung in der Großstadt ebenso, wie für die neuen Medien Fotografie und Film, die nicht mehr kontemplative, sondern grundlegend andere Wahrnehmungsweisen verlangen. So hat Walter Benjamin nicht nur eine eigentümlich taktile Qualität des Films in seiner revolverhaften Bilderfolge bemerkt, sondern am Beispiel der handlichen Kodak ‚Schnappschuss‘-Kamera auch die quasi arbeitsteilige Entkopplung von Auge und Hand reflektiert, die aus der fotografischen Praxis resultiert und zur Geste avanciert: Das Knipsen wird dabei zum Paradigma technischer Reproduzierbarkeit, eines abrupten Handgebrauchs, an dem sich auch das Schlag- und Schockartige moderner Arbeitswelt exemplifizieren lässt. Diesem und vielen weiteren handgreiflichen Beispielen geht nun die „Zweite Lieferung“ unseres Themenhefts nach, unter anderem mit Beiträgen zu Beispielen aus den Diskursen der Kulturtheorie, der Technikphilosophie sowie auch der Psychoanalyse: so etwa zu Martin Heideggers Sputnik, Paul Válerys Händen oder Jaques Lacans Borromäischem Knoten. Diese zweite knüpft also an die „Erste Lieferung“ unseres Themenhefts an, deren Beiträge sich schwerpunktmäßig mit handgreiflichen Beispielen in Texten der Erkenntnistheorie, Phänomenologie, Sinnesphysiologie und Ästhetik beschäftigten. Darüber hinaus werden im vorliegenden Heft auch die Fortsetzungen der Beiträge von Rüdiger Campe (nun zu implikativ handgreiflichen Beispielen sowie damit verbundenen operativen Experimentalpraktiken bei Ernst Mach) und Thomas Bedorf (der die Geschichte des Beispiels des Händedrucks in der Phänomenologie nun von Maurice Merleau-Ponty bis Jaques Derrida weitererzählt) geliefert.

Link zum Heft (PDF): https://ub-deposit.fernuni-hagen.de/receive/mir_mods_00001512

Verlagslink: https://readbox-unipress-bookstore.de/sachgebiete/sprach-und-literaturwissenschaft/4853/zb-zeitschrift-zum-beispiel-nr.-3?c=3



Hans-Jürgen Schrader: Literatur und Sprache des Pietismus. Ausgewählte Studien

Mit einem Geleitwort von Bischöfin Petra Bosse-Huber. Hrsg. von Markus Matthias und Ulf-Michael Schneider. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2019 (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 63). 832 Seiten.

Die Wirkungen des Pietismus als der wichtigsten Reformbewegung des deutschen Protestantismus, der im 17. und 18. Jahrhundert die Mehrheit der Bevölkerung erfasst hat, auf die deutschsprachige Literatur zwischen Sturm und Drang und Romantik sind in Umrissen erforscht und bekannt. Sie erklären grundlegende Unterschiede gegenüber den europäischen Nachbarkulturen, die spezifische Eigenart der deutschen Aufklärung, erste Anstöße zu konfessioneller Toleranz, auch gegenüber den Juden, Traditionen empfindsamer Innigkeit, Herzenssprache und inspirativ-ekstatischer Poetologie. Gegenüber den theologischen sind aber literaturwissenschaftliche Zugriffe auf das pietistische Schrifttum selbst, auf die pietistische Lyrik, die Lebenszeugnisse, Bibelübersetzungen, auf die pietistische Sondersprache und ihre Argumente, noch rar.

Eine Auswahl einschlägiger Pilotstudien des auf diesem Feld mannigfach hervorgetretenen Genfer Germanisten aus den letzten 30 Jahren, von dreien seiner vormals Göttinger Schüler neu vorgelegt, soll dazu dienen, dieses Defizit zu verringern. Das Verhältnis zur Aufklärung wird neu vermessen, Gedichte so eigengeprägter Autoren wie Hoburg, Haug, Rock, Zinzendorf und Tersteegen lassen erkennen, dass stärkste literarische Anregungen vom radikalen Flügel des Pietismus und seinen hermetischen Traditionen ausgehen. Charakteristische Gattungen, Denkvorgaben und Sprachprägungen werden analysiert, christlich-jüdische und deutsch-amerikanische Interaktionen reflektiert, und der Blick wird gelenkt auf oft übersehene literaturgeschichtliche Zusammenhänge.

  • Petra Bosse-Huber ist Vizepräsidentin und Bischöfin des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Leiterin der Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit.
  • Dr. Markus Matthias ist Professor für Theologie und Geschichte Luthers und des Luthertums an der Protestantisch Theologischen Universität Amsterdam-Groningen.
  • Dr. Ulf-Michael Schneider ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft der FernUniversität in Hagen.

Verlagsseite mit Leseprobe (PDF, 417 KB) (darin Inhaltsverzeichnis, Geleitwort und Einleitung der Herausgeber)



Konformieren. Festschrift für Michael Niehaus.

Hrsg. von Jessica Güsken, Christian Lück, Wim Peeters und Peter Risthaus. Heidelberg: Synchron. Wissenschaftsverlag der Autoren, 2019. 430 Seiten, 24 Illustrationen.

Der Band versammelt Beiträge von Weggefährten, Kolleginnen und Kollegen und aus dem Schülerkreis zu Ehren des 60. Geburtstages von Michael Niehaus.

Ankündigungstext:

Mit etwas konform zu gehen meint: Verhaltensweisen oder Argumenten zuzustimmen, ihnen beizupflichten, sich bedingungslos an vorgegebene Regeln zu halten. Der konformistische Typus schlechthin ist der Jasager. Er schließt sich Aussagen oder Umgangsformen an, fügt sich überall geschmeidig ein, geht bei allem mit, häufig ganz passiv, automatisiert und reaktiv nickt er einfach alles ab oder winkt es durch. Auf der anderen Seite stehen das protestierende „Nein!“ und die Mächte der Negativität, die Nonkonkonformisten und Außenseiter. Sie bejahen die Anpassungslosigkeit, bleiben sich darin treu. Mit dem Ausdruck konformieren sollen beide Seiten zugleich beleuchtet werden: Wer gibt überhaupt jene Formen vor, bei denen man mitgehen muss? Zweifelsohne sind es primär Institutionen, also jene Einrichtungen, die menschliche Lebensformen erst ermöglichen. Man bekommt eine Lebensbahn verordnet, die für Bildung genauso vorsorgt wie für Berufe oder die Bestattung. Auch für den Fall, dass von dieser Bahn abgewichen wird, sei es durch Verbrechen oder Streik, warten bereits allerlei Gesetze oder Regelungen. Wer aber nicht Zuviel konformiert werden möchte, wird Alternativen suchen müssen. Sie lassen sich hier finden: in der Literatur und im Film genauso wie in der Theorie und an den Grenzen der Maschine.

Inhaltsverzeichnis (PDF 48 KB)



Als Band 2 der Reihe „Hagener Beiträge zur Literatur- und Medienwisssenschaft“ ist die erste Nummer der Online-Zeitschrift „z.B. Zeitschrift zum Beispiel“, hrsg. von Jessica Güsken, Christian Lück, Michael Niehaus und Peter Risthaus erschienen. Sie finden sie im Portal "deposit_hagen" der Universitätsbilbiothek Hagen.

Ankündigungstext:

„Diese neue Zeitschrift soll dem Beispiel gewidmet sein – genauer: dem Beispielgebrauch. Wir benötigen und gebrauchen Beispiele. Das gilt – sobald wir etwas explizieren, veranschaulichen oder begründen wollen – für unseren alltäglichen Sprachgebrauch, für das Sprechen innerhalb von Institutionen und für wissenschaftliche Diskurse aller Disziplinen. Niemand kann bezweifeln, dass der Beispielgebrauch in all diesen Bereichen ein würdiger Gegenstand des Nachdenkens ist. Er hat eine überragende praktische Bedeutung. Wie viele Beispiele wandern durch die Grammatiken und Schulbücher, durch Einführungen in die Logik oder anderswo, ohne eigens als solche ›bemerkt‹ zu werden? Sie versehen dort stumm ihren Dienst, um dafür zu sorgen, dass überhaupt etwas gelernt werden kann. Die Beispiele aus dieser vermeintlichen Stummheit herauszuheben, sie alle zu sammeln und zum Sprechen zu bringen, ist das Begehren von Beispielforschern. Die in dieser ersten Nummer der Zeitschrift z.B. versammelten Beiträge sollen eine Vorstellung davon vermitteln.“



Michael Niehaus: Was ist ein Format?

Hannover: Wehrhahn Verlag 2017.

Wir alle führen das Wort Format ständig im Munde und wissen ganz gut, was wir von Fall zu Fall darunter zu verstehen haben. Aber gerade der reibungslose Gebrauch dieses Wortes bedarf der Klärung. Die längste Zeit hat man unter einem Format vor allem das Verhältnis von Länge zu Breite eines rechteckigen Gegenstandes verstanden. Erst in den letzten fünfzig Jahren hat sich seine Verwendung im Zuge der Ausbreitung der digitalen Medien auf zahlreiche andere Bereiche ausgedehnt – als ein terminus technicus der Alltagssprache. Dieser Allgegenwart des Formatbegriffs steht ein weitgehender Mangel an theoretischer Reflexion gegenüber. Über das Format gibt es bislang wenig zu lesen.

Das Buch Was ist ein Format? – der erste Band der neuen Reihe Kleine Formate – entwickelt die Umrisse einer allgemeinen Theorie des Formats entlang seiner vielfältigen Anwendungsfelder. Ausgehend von der Feststellung, dass kein Medium ohne Formatierung auskommt, wird das Format als formale Institution gefasst. Zugleich wird die Karriere dieses Begriffs seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nachgezeichnet: Wie wird der Formatbegriff verwendet, was leistet er und wofür ist er ein Symptom? Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Verhältnis von Format und Programm, Format und Genre sowie von Format und Serialität. Am Ende wird erklärt, warum weniger das Medium als vielmehr das Format die Botschaft ist, die es zu analysieren gilt.


E.T.A. Hoffmann: Meister Floh. Ein Mährchen in sieben Abentheuern zweier Freunde (1822)

mehr Infos

Mit Kommentaren von Michael Niehaus und Thomas Vormbaum. Berlin / Boston: de Gruyter 2018 (Juristische Zeitgeschichte. Ant. 6: Recht in der Kunst - Kunst im Recht, Bd. 50)

​„Meister Floh“ ist das letzte Werk des Schriftstellers, Komponisten und Kammergerichtsrates Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Fast ein Jahrhundert lang war es nur in unvollständiger Gestalt erhältlich. Erst 1906 wurden die fehlenden Teile veröffentlicht. Und gerade sie sind es, die für den Juristen und Rechtshistoriker von besonderem Interesse sind – nicht nur, weil sie ein beredter Reflex der zeitgenössischen Demagogenverfolgungen sind, sondern auch, weil sie zeigen, wie problematische Seiten des Strafverfahrens, wenn sie schon nicht "zeitlos" sind, sich doch bis heute "forterben". In der Frage, ob die damals unterdrückten Passagen des Werkes – die sog. "Knarrpanti-Episode" – organische Bestandteile des Ganzen oder entbehrliche Versatzstücke sind, treffen sich die Interessen der juristischen Zeitgeschichte und der Literaturwissenschaft. Beide Disziplinen stellen jedoch auch eigenständige Fragen, wie die beiden hier versammelten Kommentare deutlich machen.


Fernweh nach der Romantik. Begriff - Diskurs - Phänomen

mehr Infos

Hrsg. von Irmtraud Hnilica, Malte Kleinwort und Patrick Ramponi. Freiburg i. Br.: Rombach 2017 (= Rombach litterae, Bd. 222).

Fernweh gehört zu jenen schillernden Wörtern des Deutschen, die kaum in andere Sprachen übersetzbar sind. Als Schlagwort der Alltagskommunikation ist es intuitiv verständlich und in hohem Maße anschlussfähig, aber semantisch unscharf. Weder als Begriff noch als Diskurselement oder als mediales Phänomen ist Fernweh bislang systematisch und historisch untersucht worden. Diesem Desiderat begegnet der vorliegende Sammelband mit literatur-, film- und kulturwissenschaftlichen Beiträgen, deren Untersuchungsergebnisse vielfach quer zu einem alltäglichen Vorverständnis des Fernwehs stehen. Sie zeigen: Fernweh ist Bestandteil einer seit der Romantik virulenten literarischen Gefühlskommunikation, deren emphatische Topoi wie Sehnsucht, Wander- und Reiselust durch die nachromantischen literarischen und künstlerischen Fernweh-Figurationen nachhaltig in Bewegung geraten sind. Im Fernweh der sich globalisierenden Moderne offenbaren sich so unterschiedliche psychopolitische Triebdynamiken wie etwa die Topophilie des Kolonialismus und Exotismus oder das transgressive Begehren zwischen Heimat und Ferne oder zwischen Sexualität und Tod.


Populäre Piraten. Vermessung eines Feldes

mehr Infos

Hrsg. von Irmtraud Hnilica und Marcel Lepper. Berlin: Kulturverlag Kadmos 2017 (= Kaleidogramme, Bd. 124).

Piraterie rückt auf die Agenda der Debatten um internationale Sicherheit und Datenverkehr. Völkerrechtlich, urheberrechtlich gilt der Pirat als prekäre Figur, »the enemy of all«.
Der Sammelband greift die ökonomischen, rechtsgeschichtlichen Anregungen auf, rückt die Debatte um die Figur des Piraten aber in genrespezifische Fragestellungen ein, indem er die narrativen und ikonographischen Muster der Piratenliteratur in den Mittelpunkt stellt. Wie wird der Pirat, der in der politischen Theorie als hostishumani generis, »Feind aller« gilt, in der Populärkultur zum Freund vieler? Wie entsteht das Piratengenre, wie gestalten sich dessen Zyklen?
Kombiniert werden kulturwissenschaftlich informierte Detaillektüren von Piratentexten mit einer diachronen Vermessung des populären Piratengenres seit dem späten 17. Jahrhundert, Verfahren des close reading und des distant reading. So geraten auch Textkorpora in den Blick, die erst in Ansätzen bibliographisch erfasst, allenfalls aus der Perspektive der Sozialgeschichte der Literatur und der Trivialliteraturforschung kursorisch gesichtet wurden. Die Frage nach den Bedingungen und Modi der Popularität ermöglicht, das Genre in seinen Verzweigungen bis in die Gegenwart in Film, Comic, Mode und bildende Kunst hinein zu verfolgen. Literatur- und kulturwissenschaftliche Ansätze werden am Material mit Konzepten u.a. aus Filmwissenschaft und Gender Studies zum Abgleich gebracht.


Thomas Fehling: Öffentlichkeit als Partner? Das Online-Projekt 'Morgen mehr' von Tilman Rammstedt

mehr Infos

Münster: MV Wissenschaft 2017 (Hagener Beiträge zur Literatur- und Medienwisssenschaft, Bd. 1)

Drei Monate schrieb der Schriftsteller Tilman Rammstedt unter der Schirmherrschaft seines Verlages und im Angesicht einer digitalen Öffentlichkeit an seinem neuen Roman Morgen mehr. Im Kontext des Projektes wurde die Zukunft des Schreibens und Lesens genauso diskutiert wie zukünftige Formen der Literaturvermittlung. Über jeden innovativen Ansatz hinweg zielte das Schreibprojekt vor allen Dingen auf mediale Resonanz. Dieses Buch rekonstruiert zum einen das strategische Ringen der Beteiligten um öffentliches Interesse. Es beleuchtet zum anderen die Rolle von Aufmerksamkeit als wertschöpfende Größe und verdeutlicht, auf welche Weise sie den jeweiligen Akteuren des Literaturbetriebs dienlich ist.

Der Band eröffnet die Reihe "Hagener Beiträge zur Literatur- und Medienwisssenschaft".


W.G. Sebald-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung

mehr Infos

Hrsg. von Claudia Öhlschläger und Michael Niehaus. Heidelberg : J.B. Metzler Verlag in Springer-Verlag GmbH - J.B. Metzler 2017.

​Trotz seines schmalen Œuvres wurde kein deutschsprachiger Autor der Gegenwartsliteratur international so intensiv und kontrovers diskutiert wie W.G. Sebald, der fünfzehn Jahre nach seinem Tod bereits zum kanonischen Autor geworden ist. Die Beiträge namhafter Sebald-Forscher erschließen in diesem Handbuch die verschiedenen Facetten und Ebenen des gesamten literarischen und essayistischen Werks. Sebalds Themen (Trauma und Erinnerung, die Naturgeschichte der Zerstörung, Holocaust, Heimat) werden ebenso beleuchtet wie die Merkmale seines Schreibens (Intertextualität, Bastelei, Verbindung von Text und Bild, Stil), seine Leitmotive (Melancholie, Reisen) sowie die Präsenz anderer Medien und Künste (Photographie, Malerei, Architektur) in seinen Texten. Eigene Teile sind den für Sebald wichtigsten Referenzautoren und der nationalen und internationalen Rezeption gewidmet.

Webredaktion | 27.08.2019