Reihe »Recht und Rhetorik«

An dieser Stelle finden Sie Informationen über die von der Lehrstuhlinhaberin herausgegebenen Schriftenreihe.

Vorwort

Nach einer Weile der Entfremdung kommen sich Recht und Rhetorik wieder näher. Sie besinnen sich ihrer fachlichen Gemeinsamkeiten und des langen Wegs gemeinsamer Geschichte, den sie seit der Antike zurückgelegt haben.

Ihre Allianz beginnt als disziplinäre Einheit im 5. Jh. v. Chr. auf Sizilien. Dort wirkt der Redner KORAX, der als Begründer der Rhetorik gilt. Er ist wohl der erste, der das Reden gegen Entgelt lehrt und außerdem über seine Einsichten Bücher verfasst. Seine Kenntnisse schöpft er aus eigener politischer und forensischer Erfahrung. Zu seiner Zeit erlebt Syrakus eine Phase der Demokratisierung, welche die öffentliche Rhetorik entfacht. Zugleich versuchen Bürger, die Tyrannenvergangenheit durch Restitutionsprozesse um die Rückgabe unrechtmäßig enteigneter Immobilen zu bewältigen. Angesichts dieser Umstände wird begreiflich, dass das Redeschema, das KORAX entwirft, für die prozessuale Verhandlung eines Rechtsanspruchs taugt und die Struktur einer Gerichtsrede zeigt (UEDING): Einleitung (prooemium) – Tatsachen (narratio) – Begründung (argumentatio) – Exkurs – Epilog.

Das Redemodell des KORAX bewährt sich. Es wird – als ein, wenn man so möchte, professionell entwickeltes Strategie , Gliederungs- und Präsentationskonzept – zu einem bis heute weltweit genutzten Erfolgsmuster und zugleich zum Grundschema zweier großer Lehrfächer: der Rhetorik und des Rechts.

Weiterlesen …


Die einzelnen Bände der Reihe

Band 1: Ottmar Ballweg, Analytische Rhetorik. Rhetorik, Recht und Philosophie; hrsg. v. Katharina Gräfin von Schlieffen

Cover
Ottmar Ballweg, Analytische Rhetorik. Rhetorik, Recht und Philosophie; hrsg. v. Katharina Gräfin von Schlieffen

Klappentext: Die analytischen Schriften Ottmar Ballwegs entwerfen eine Rhetorik des Rechts und der menschlichen Angelegenheiten. Ballwegs Denken zeigt, wie als Antwort auf die Erfahrung bestimmter Situationen und dadurch geprägter Meinungen scheinbare Wahrheiten – Wahrscheinlichkeiten – formuliert werden. So sind auch die Sätze des Rechts (dogmatisierte) Meinungen, und eben keine Wahrheiten, allenfalls Ausdruck von Klugheit (Jurisprudentia), aber nicht von Wissenschaft; sie erwachsen aus der Erfahrung einer immer nur zeitbezogenen Stellungnahme zu situativen Problemen.

Den Band über die Seiten des Verlages kaufen. (ISBN 978-3-631-58639-6)

Band 2: Markus Solbach, Politischer Druck und richterliche Argumentation. Eine rechtsrhetorische Analyse von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts

Illustration
Markus Solbach, Politischer Druck und richterliche Argumentation. Eine rechtsrhetorische Analyse von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts

Klappentext: Juristische Methodenlehre beschränkt sich – weitgehend unter Ausblendung der Urteilsrealität – zumeist auf das Aufstellen abstrakter rationaler Postulate und ignoriert die alte aristotelische Erkenntnis, dass sich Argumentation in prudentiellen Disziplinen an den ganzen Menschen, also auch an Haltungen und Gefühle richtet. Diese Untersuchung vergleicht je zwei unter politischem Druck ergangene und politisch unauffällige Entscheidungen und analysiert diese sowohl auf den Einsatz von Argumenten als auch auf die Verwendung rhetorischer Figuren, um so die tatsächliche Überzeugungsarbeit des Bundesverfassungsgerichts offenzulegen. Die Ergebnisse sollen auch Anstöße geben zu einer neuen, praxisorientierten Methodendiskussion.

Den Band über die Seiten des Verlages kaufen. (ISBN 978-3-631-38527-2)

Band 3: Agnes Flottmann, Topik und Rhetorische Rechtstheorie. Eine Untersuchung zu Rezeption und Relevanz der Rechtstheorie Theodor Viehwegs

Cover
Agnes Flottmann, Topik und Rhetorische Rechtstheorie. Eine Untersuchung zu Rezeption und Relevanz der Rechtstheorie Theodor Viehwegs

Klappentext: Im Jahre 1953 erschien die Abhandlung »Topik und Jurisprudenz« von Theodor Viehweg. Danach bildet die Topik als eine von der Rhetorik entwickelte Technik des Problemdenkens ein konstitutives Element des juristischen Denkens. Diese These war in den 50er- und 60er-Jahren Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. Dann wurde sie weitgehend für erledigt erklärt. Indes lässt sich zeigen, dass die Rezeption Viehwegs und der Verlauf der Debatte von Fehldeutungen und Missverständnissen bestimmt wurden, die sich teilweise bis heute fortgesetzt haben. Recht verstanden kommt dem Ansatz Viehwegs und der durch ihn begründeten Rhetorischen Rechtstheorie noch immer eine eigenständige Berechtigung zu.

Den Band über die Seiten des Verlages kaufen. (ISBN 978-3-631-59746-0)

Band 4: Frank Puchert, Entscheidungsfaktoren in der öffentlichen Verwaltung am Beispiel der Windenergie im Landkreis Aurich

Cover
Frank Puchert, Entscheidungsfaktoren in der öffentlichen Verwaltung am Beispiel der Windenergie im Landkreis Aurich

Klappentext: Das Stromeinspeisungsgesetz von 1990 hatte einen Windkraft-Boom ausgelöst. Anfang der 1990er Jahre entstanden so hunderte von Windenergieanlagen entlang der deutschen Küste. Diese Windkonverter waren jedoch nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes aus dem Jahr 1994 überwiegend zu Unrecht genehmigt worden. Der Gesetzgeber reagierte und nahm mit der Baurechtsnovelle von 1998 Windenergieanlagen in den Katalog privilegierter Außenbereichsvorhaben auf. Die Vielzahl von Streitverfahren im Landkreis Aurich belegt jedoch, dass die Rechtslage bis heute unsicher geblieben ist. Eine über mehr als anderthalb Jahrzehnte kritische Verwaltungspraxis wirft Fragen auf. Diese Arbeit befasst sich daher mit den Entscheidungsfaktoren in der öffentlichen Verwaltung. Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Maßgaben wird der Einfluss politischer als auch menschlich-emotionaler Gesichtspunkte untersucht.

Den Band über die Seiten des Verlages kaufen. (ISBN 978-3-631-60012-2)

Illustration
Lewis Atholl Johnston, Die rhetorische Architektur erstinstanzlicher Strafentscheidungen

Klappentext: Das Buch betont die Bedeutung der Rhetorik für die Rechtsprechung und zeigt auf, dass sich die in juristischen Entscheidungen verwendete Argumentationsweise enthymematisch, also mittels rhetorischer Schlüsse vollzieht. Früheren Studien zufolge sind in zahlreichen verfassungs- und verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen neben dem den Verstand ansprechenden Logos das emotive Pathos und das sozialcharakterliche Ethos vorhanden. Der Autor unterzieht amtsgerichtliche Strafentscheidungen einer rhetorischen Analyse, um aufzudecken, dass auch Strafrichter alle Wirkmittel der Rhetorik kunstvoll einzusetzen verstehen. Er kategorisiert und visualisiert die Argumentation der Entscheidungen und untersucht das Verhältnis von Logos und Pathos, um zu ermitteln, ob sich zuvor beobachtete Zusammenhänge zwischen diesen beiden rhetorischen Aspekten auch für die Strafgerichtsbarkeit bestätigen lassen.

Illustration
Christian Nierhauve, Rechtsklugheit

Klappentext: Rechtsklugheit – Jurisprudenz – ist nicht Rechtswissenschaft. Die Rechtsklugheit ist die menschliche Fähigkeit, in einer kontingenten Praxis situationsangemessene Entscheidungen zu treffen; verstanden als eine habitualisierte Denk- und Handlungsweise vom begründenden Reden und begründeten Entscheiden. Idealvorstellungen von Rechtswissenschaft, Rechtslogik, Rechtsrationalität und Rechtsmethodik dominieren in der Gegenwart das rechtstheoretische Angebot der Selbstbeschreibungsmuster. Der vorwissenschaftliche Begriff Rechtsklugheit hingegen findet kein theoretisches Interesse. Angeregt durch die Vorarbeiten aus der sogenannten Rhetorischen Rechtstheorie schlägt der Verfasser die Rechtsklugheit im Reflexionsrahmen von praktischer Philosophie, Topik und Rhetorik als Bezeichnung für eine juridische Denk- und Handlungsweise vor.

Weitere Informationen

Schriften