Dr. Suphot Manalapanacharoen

Lebenslauf

(geb. 1960) war vom 1.4.2010 bis zum 31.3.2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Forschungsprojekt: Selbstbehauptung und Modernisierung mit Zeremoniell und Ehrenzeichen. Zur Rezeption europäischer Orden Politik der Ordensverleihung in Siam zwischen 1851 und 1910.

Er studierte Musikwissenschaft, Sinologie und Volkswirtschaftslehre und promovierte 2000 an der Universität Freiburg über Geschichte der deutsch-thailändischen Musikbeziehungen.

Von 2002 bis 2003 lehrte er an der Music Faculty an der Silpakorn University Bangkok

Von 2005 bis 2007 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter des DFG Projekts Briefwechsel zwischen König Chulalongkorn und seinem späteren Erziehungsminister Phraya Wisut Suriyasak in den Jahren 1895 bis 1899. Historisch-kritische Edition nebst deutscher Übersetzung und Kommentar.

Nach dem Abschluss seines Promotionsverfahrens weiterte er seine Forschungen aus auf den Bereich der Geschichte der kulturellen und politischen Kontakte Siams in der Phase der europäischen Dominanz. Seine Untersuchung über den Aneignungsprozess der westlichen Kultur in Thailand basiert schwerpunktmäßig auf historischen Quellen aus Thailand. Somit will er diese Transformation aus der einheimischen Perspektive darstellen.

Forschungsprojekt "Selbstbehauptung mit Zeremoniell und Ehrenzeichen"

Das Vorhaben wurde von der DFG von 2010 bis 2013 finanziell gefördert. Mittlerweile ist es abgeschlossen, und die Ergebnisse liegen publiziert vor. Folgendes Fazit lässt sich ziehen:

Orden und Zeremoniell waren und sind wichtige Bestandteile symbolischer Politik eines Herrschaftssystems, nicht nur im Westen, sondern auch in Asien. Sie gehören zur politischen und sozialen Ordnung einer Gesellschaft und dienen der Selbstdarstellung des Herrschers. Durch die öffentlich inszenierte Belohnung wird eine Herrschaft legitimiert und bekräftigt. Orden und Zeremoniell sind also Rituale der Macht, welche im Laufe der Zeit stets verändert wurden. Auch in Siam (Thailand seit 1939) erfuhren solche Rituale der Macht eine fortwährende Transformation. Die schlagartige Änderung der Situation in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts infolge der weltweiten europäischen Dominanz stellte für Siam nicht nur eine Bedrohung dar, sondern gab dem Land auch den Antrieb zu einer umfassenden Reform und Umgestaltung des Staatswesens. Die Orden in Siam entstanden in diesem Zusammenhang und waren somit ein Teil des Modernisierungsprogramms.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass die siamesischen Orden die typischen Merkmale aufweisen, die auftreten, wenn fremde Einflüsse zum eigenen Vorteil genutzt werden: Die Übernahme der europäischen Moderne zielte einerseits auf die Machterhaltung im Inneren, andererseits auf die Zugehörigkeit zur westlich-europäischen Staatenwelt. Die Modernisierung des siamesischen Auszeichnungswesens stand im Spannungsfeld zwischen Aneignung fremder Einflüsse und Selbstbehauptung. Die Integration der europäischen Orden ging parallel mit der Modernisierung des Staatswesens Siams einher; sie erfolgte in mehreren Stadien, den Schüben der kolonialen Ausbreitung entsprechend. Die Einführung der Orden in Siam wurde in den Prozess der Herausbildung des modernen Nationalstaats eingebettet. Die Untersuchung konnte im Detail nachzeichnen, wie facettenreich sich das Ordenswesen in Siam nach und nach gestaltete und in welchen unterschiedlichen Kontexten es betrachtet werden kann und muss.

Zu den zentralen Ergebnissen der Untersuchung gehört die Erkenntnis, dass mit Hilfe einer durchdachten, selektiven, Elemente der europäischen Moderne und siamesische Traditionen verbindenden symbolischen Politik tatsächlich eine erfolgreiche Selbstbehauptung gelang. Sie demonstrierte sichtbar nach außen eine erfolgreiche Modernisierung. Mit Hilfe der Strategien der Ordensgestaltung und –verleihung gelang es, Reputation und Ansehen des Landes in der westlichen Welt so zu verbessern, dass es zu Akzeptanz und Kooperation wichtiger europäischer Akteure kam. Als Folge der symbolischen Politik entwickelte sich eine siamesisch-europäische Interaktion, die im Laufe der Zeit vielschichtiger wurde. Siam und Europa wechselten die Rolle des Empfängers und Initiators kontinuierlich. Zunächst sorgten europäische Orden für Aufstiegschancen siamesischer Persönlichkeiten in westlichen Ländern, danach boten die siamesischen Orden westlichen, rangniederen Beamten und Kleinbürgern bessere Karrierechancen in Europa; nicht zuletzt unterstützten die siamesischen Orden auch europäische Monarchen.

Die Modernisierung und Selbstbehauptung Siams am Beispiel der Orden können nicht nur als ein weiterer „Sonderweg“ bezeichnet werden, sondern zeigen auch, aus globaler Sicht, die Vielfalt von Modernisierungsprozessen auf.

Veröffentlichungen

2002

Die Geschichte deutsch-thailändischer Musikbeziehungen, phil. Diss., Frankfurt a. M. 2002

2003

The National Hymns of Thailand, in: Journal of European Studies, hrsg. v. Chulalongkorn University, Bangkok, vol. 10, no. 2 (July-December 2003), S. 133-191

2005

König Chulalongkorn und die Stadt Berlin: in: „… Macht und Anteil an der Weltherrschaft. Berlin und der deutsche Kolonialismus, hrsg. v. Ulrich van der Heyden und Joachim Zeller, Münster 2005

2007

Rezension zu Sven Trakulhun, Siam und Europa. Das Königreich Ayuthhaya in westlichen Berichten, Hannover-Laatzen 2006, in: Periplus, 2007 (=Jahrbuch für außereuropäische Geschichte, hrsg. v. Christoph Marx, 17), S. 270-273

2009

König Chulalongkorn zu Gast bei König Edward VII. 1907 und eine Begegnung mit Sir Charles Hardinge, dem britischen Permanent Unterstaatssekretär für auswärtigen Angelegenheiten sowie ein wiederholter Fall der Ordensverleihung(im Thailändischen), in: Saitharnhaengkuamkid III (Festschrift zum 80. Geburtstag von Ajarn Thanpuying Warunyupa Snidvongse na Ayudhya), hrsg. v. Wudichai Mulasil, Bangkok 2009, S. 207-258

2010

Übersetzungsprojekt des Werkes Ost-Asien 1860-1862 in Briefen des Grafen Fritz zu Eulenburg aus dem Deutschen ins Thailändische. Eine kritische Edition mit Kommentaren und einem Abgleich mit dem thailändischen historischen Quellen (Druck in Vorbereitung)

2017 Selbstbehauptung und Modernisierung mit Zeremoniell und symbolischer Politik. Zur Rezeption europäischer Orden und zu Strategien der Ordensverleihung in Siam. Konflikte und Kultur - Historische Perspektiven, Bd. 33. Konstanz, München 2017
2019

Die zweite Europareise Königs Chulalongkorn, der wiederholte Eklat der Ordensverleihung und die gescheiterte Bemühung Königs Edward VII. um „The new Entente Cordiale with Siam“. Eine Perspektive aus Siam. Heidelberg 2019 (online abrufbar unter URL: https://fid4sa-repository.ub.uni-heidelberg.de/4180/ oder unter dieser DOI: 10.11588/xarep.00004180)

2021 Die deutsche Community in Siam zwischen 1850 und 1917. Eine Geschichte von Transkulturation und Integration. Heidelberg 2021 (online abrufbar unter URL: https://crossasia-repository.ub.uni-heidelberg.de/4543 oder unter dieser DOI https://doi.org/10.11588/xarep.00004543
14.03.2022