16. Studienwoche Literatur- und Medienwissenschaft: „Das Populäre“ vom 18.–21. Mai 2026

Zum Thema „Das Populäre“

Die Vorsilbe „Pop-“ stammt von dem lateinischen Wort populus, was auf Deutsch zumeist durch „Volk“ übersetzt wird. Sie findet sich in vielen Worten wieder, die uns mehr oder weniger geläufig sind: Popmusik, der Popper, Populärwissenschaft, Popularphilosophie, Popliteratur, Papalapop, Popecke (Rocktheater Nachtschicht), oder eben einfach nur Pop. Populär heißt, was vielen, womöglich den Meisten gefällt oder gefallen soll. Populär kann womöglich genannt werden, was die Effekte beherrscht und darin die Affekte regiert. Somit kann das Populäre einerseits als demokratische Tugend, andererseits aber auch als Ärgernis gelten. In ihm scheint die Idee einer ästhetischen Integration der Gemeinschaft auf, die sich auf gemeinsam geschätzte Werke und Werte bezöge. Nicht selten befürchtet man aber, dass die Meisten das Beste nicht zu schätzen wissen: Im Populären drohe so das Flache oder allzu Eingängige. Demokratie wiederum ist nur gut, wenn sich der Demos artikuliert; als heikel, nämlich populistisch, gilt dagegen die Stimme des Pöbels. Versteht man dagegen das Populäre als Gegenbegriff, womöglich als Antidot zum Elitären, wird man rasch feststellen, dass die Distinktionskämpfe nirgends heftiger toben als in der sogenannten Popkultur. Letztere wiederum wird von jener Wissenschaft als Gegenstand anerkannt, die wir heute Kulturwissenschaft nennen.

Vieles spricht dafür, dass die Karriere des Populären in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einsetzt. Die damalige Modegattung schlechthin, das bürgerliche Trauerspiel, formatiert die klassische Tragödie um, indem seine Poetik auf eine breitenwirksame Regie der kollektiven Affekte zielt. Zeitgleich tritt eine zuvor wenig gut beleumundete, weil populäre literarische Gattung ihre Laufbahn zur Leitgattung an, der Roman. Gleichzeitig treten in aufklärerischer Absicht Popularphilosophen auf den Plan, die den „gemeinfaßlichen Vortrag“ pflegten, die aber bei großen der Zunft, beispielsweise Hegel, als eklektizistisch gelten.

Der Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaft eröffnet sich ein weites Feld der Fragen und Probleme. Welche populären Genres, Medien und Formate gibt es und worin unterscheiden sie sich von Genres (Medien, Formaten …) des Populären? Wodurch unterscheidet sich das Populäre vom Kanonischen? Meint Pop immer das Populäre? Worüber denkt ein Poptheoretiker nach? Kann man sich über Pop lustig machen? Wie steht es um den von Moritz Baßler wieder ins Gespräch gebrachten Midcult als Prätention auf Anspruch im Seichten? Was hat der Plattenspieler mit all dem zu tun?

Informationen zur Anmeldung und weitere Hinweise erhalten Sie hier in Kürze.

  • N.N.

    Montag, 18. Mai 2026, 14:15–15:45 Uhr; Gebäude 2, Universitätsstr. 33, EG, Raum 1–3

    Details folgen.


    Wann und warum das Theater populär wurde

    Prof. Dr. Uwe Steiner

    Dienstag, 19. Mai 2026, 14:1515:45 Uhr; Gebäude 2, Universitätsstr. 33, EG, Raum 1–3

    Vieles spricht dafür, dass die ästhetische Karriere des Populären in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einsetzt. Die damalige Modegattung schlechthin, das bürgerliche Trauerspiel, formatiert die klassische Tragödie um, indem seine Poetik auf eine Regie der kollektiven Affekte zielt. Das geht einher mit einer Neukonzeption der Schauspielkunst, die auf „lebensnahe“, proto-realistische Darstellungsformen setzt. Und durch die Umcodierung der tragischen Funktion: an die Stelle der Ständeklausel tritt, was man „Geschlechterklausel“ nennen könnte. Das Populäre liegt hier nicht zuletzt in der intendierten Breitenwirkung auf einen noch zu konstituierenden populos begründet, so nicht zuletzt in der Nationaltheater-Idee. Wer die Effekte beherrscht, regiert die Affekte. Und die Affekte mobilisiert man jetzt durch ästhetische Verfahren der Identifikation, die sich selbst eine moralische Dimension zuerkennen. Zeitgleich tritt eine zuvor wenig gut beleumundete, weil populäre literarische Gattung ihre Laufbahn zur Leitgattung an, der Roman. Wie verhält er sich zum Theater? Konkurrieren die Gattungen, und, wenn ja, spielt ihre spezifische Medialität dabei eine Rolle?


    Populäre Gewalt. Überlegungen zu Laserparks und Arena-Subjekten

    Prof. Dr. Peter Risthaus

    Mittwoch, 20. Mai 2026, 14:1515:45 Uhr; Gebäude 2, Universitätsstr. 33, EG, Raum 1–3

    Gewalt ist populär, keine Frage. Jochen Distelmeyer fragt in einem Popsong aus dem Jahr 2009: „Wohin mit dem Hass?“ Ist das Musikvideo dazu nicht barer Aufruf zur Gewalt und brennen nicht deshalb ‚wirklich‘ die Autos ‚der Reichen‘? Wäre ein Popsong dafür ein ausreichender Anlass, gar eine Legitimation? Distelmeyers Frage lässt sich problemlos verlängern: Wohin mit der Gewalt? Denn Gewalt gibt es überall und viel mehr als man bewältigen kann. Die Stiftung von Kultur, so zumindest die unheimliche These des Soziologen Wolfgang Sofsky, verdanke sich gar der Gewalt. Demnach hat die Entstehung von Kultur immer mit ihrer Einhegung zu tun. Und was wäre da besser geeignet als jene Institution, die auch als die bürgerliche schlechthin bezeichnet worden ist, der Park. Denn jener trägt in seiner mittelateinischen Semantik (parricus) bereits einen bestimmten Anspruch, nämlich das „Gehege“ schlechthin zu sein. Wenn der Mensch des Menschen Wolf ist, welches Gehege wäre von Nöten, damit er sich nicht auffrisst? Beruhigt uns da ein Werbesatz der Hollywoodmaschine, der uns bereits 1975 in Aussicht stelle: „In nicht allzu ferner Zukunft wird es keine Kriege mehr geben. Aber dann gibt es ROLLERBALL.“

  • Foto: Baßle
    Dienstag, 19. Mai 2026, 18:00 Uhr; Gebäude 2, Universitätsstr. 33, EG, Raum 1–3

    „...dass die Versprechen wahr werden können“. Zum Erbe des emphatischen Pop in der Gegenwartsliteratur

    Keynote von Prof. Dr. Moritz Baßler (Universität Münster)

    Bassler_Britney Madonna

  • Das Experimentallabor Pop & Mittelalter wird ausgerichtet von Hon.-Prof. Dr. Martin Kiel. Es umfasst eine Abendveranstaltung am Montag, den 18. Mai 2026 und eine begleitende interaktive Ausstellung im ICH (Immersive Collaboration Hub) der FernUniversität.

    Montag, 18. Mai 2026, 18:00–20:00 Uhr; Gebäude 6, Universitätsstr. 23, ICH

    Pop & Mittelalter – Experimente und textliche Miniaturen zur Gegenwärtigkeit einer Epochenfiktion

    Hon.-Prof. Dr. Martin Kiel

    Was haben der Roman Air (2025) von Christian Kracht, der Synthesizer EP-1320 (2024) von Teenage Engineering und die Modekollektion Afterworld (2021) von Balenciaga gemeinsam? Sie alle nutzen Elemente aus einer Zeit, die wir landläufig als Mittelalter bezeichnen. Man könnte also auch fragen, wie gegenwärtig das Mittelalter ist, und warum ist es so gegenwärtig? Ein kurzer Impulsvortrag wird die Optionen einer möglichen experimentellen Philologie in diesem Feld aufzeigen. Eine kleine interaktive Ausstellung überführt die zuvor entwickelten Perspektiven unter anderem in autofiktionale Schreibanlässe, die sodann in einer vertiefende Forschungsfrage münden könnten.

    Die Montagsveranstaltung „Pop & Mittelalter – Experimente und textliche Miniaturen zur Gegenwärtigkeit einer Epochenfiktion“ ist einführender Teil des Experimentallabors Pop & Mittelalter. Die Anmeldungszahl ist auf 50 Personen begrenzt. Teilnehmer*innen der Studienwoche steht die interaktive Ausstellung im Hagener ICH die gesamte Woche über offen. Die Teilnahme an der Einführungsveranstaltung ist nicht verpflichtend; eine Ausstellungswebsite informiert über Stationen und Nutzungsszenarien. Ein fakultatives gemeinsames Frühstück am Donnerstag, den 21. Mai 2026 bietet Raum für die individuellen Schreibprodukte und Forschungsfragen (Mensa, 08:30–09:30 Uhr).

  • Mittwoch, 21. Mai 2026, 18:00 Uhr; Gebäude 2, Universitätsstr. 33, EG, Raum 1–3

    Details folgen.

  • Leitung: Dr. Jessica Güsken

    Termine: Montag, 18. Mai bis Donnerstag, 21. Mai 2026, jeweils von 9:45–11:15 Uhr

    Raum: Gebäude 3, Universitätsstr. 11, Raum D 005

    Seit einigen Jahren erfährt Nature Writing eine neue Aufmerksamkeit: Es gibt Nature Writing Festivals, sehr erfolgreiche Verlagsreihen und steigende Verkaufszahlen, den Deutschen Preis für Nature Writing, sogar eigens auf das Genre spezialisierte Buchhandlungen, allerorten Lesungen, und viele Medienberichte. Dabei sind die Schönheit der Natur und ihre Fragilität oder Erhabenheit schon seit Jahrhunderten Gegenstände der Literatur, in Prosa sowie Lyrik. In Zeiten von Klimawandel und Artenschwund erfährt das literarische Nachdenken über Natur und unser Verhältnis zu ihr nicht nur neues Interesse, sondern bildet auch neue Formen aus und erzählt unerhörte Geschichten. Das Seminar widmet sich der Frage nach der Popularität des Nature Writing mit einem Blick auf das aktuelle Buchmarkt- und Festivalgeschehen um das Genre, und erkundet in ausgewählten Texten seine Traditionen sowie seine Aktualität.

    Anfragen zu der Veranstaltung richten Sie bitte an jessica.guesken.

  • Leitung: Dr. Vanessa Höving

    Termine: Montag, 18. Mai bis Donnerstag, 21. Mai 2026, jeweils von 9:45–11:15 Uhr

    Raum: Gebäude 3, Universitätsstr. 11, Raum D 006

    Wut ist eine schillernde Emotion. Sie ist potenziell destruktiv wie konstruktiv, agiert im Einzelnen oder im Kollektiv, als Zerstörerin oder als Motor für Transformation und Zukunft. Das Seminar beschäftigt sich mit dem ebenso populären wie komplexen Phänomen weiblicher Wut. Anhand ausgewählter Texte von den 1960ern bis zur Gegenwart wird es um Stimmen und Verkörperungen weiblicher Wut, um das Verhältnis von Wut, Schreiben und Ästhetik, um individuelle und kollektive Agentialität und politisch-soziale Möglichkeitsräume gehen. Besprochen werden unter anderem Valerie Solanas S.C.U.M. Manifesto (1967) und Fatma Aydemirs Ellbogen (2017).

    Anfragen zu der Veranstaltung richten Sie bitte an: vanessa.hoeving.

  • Leitung: M.A. Linda Göttner

    Termine: Montag, 18. Mai bis Donnerstag, 21. Mai 2026, jeweils von 11:45–13:15 Uhr

    Raum: Gebäude 3, Universitätsstr. 11, Raum D 005

    Pop-Romane haben den Ruf, einen Zeitgeist einzufangen, eine Gegenwartsdiagnose gesellschaftlicher Trends im Hinblick auf Stil- und Wahrnehmungsmodi zu stellen – Stichworte: Mode, Marken, Milieu, Social Media-Generation. Anhand der beiden Romane Allegro Pastell (2021) von Leif Randt und Drifter (2023) von Ulrike Sterblich diskutieren wir im Seminar aktuelle Ästhetiken der Popliteratur, die literarische Ausgestaltung von Stilgemeinschaften und einer spätkapitalistischen Konsumästhetik. Aufbauend auf theoretischen Überlegungen soll herausgearbeitet werden, welche Schreibweisen und Textverfahren die Popliteratur der 2020er Jahre prägen und auf welchen Vorgänger*innen sie aufbauen. Neben der textnahen Lektüre geraten dabei auch Publikationsformen und performative Akte der Autor*innen in den Blick.

    Obligatorisch vorzubereiten sind folgende Primärtexte:

    • Leif Randt: Allegro Pastell (2021)
    • Ulrike Sterblich: Drifter (2023)

    Es empfiehlt sich vorab ein Blick in:

    • Charis Goer, Stefan Greif, Christoph Jacke (Hrsg.): Texte zur Theorie des Pop. Textsammlung; Analyse; Erläuterungen (2013)

    Anfragen zu dieser Veranstaltung richten Sie bitte an linda.goettner.

  • Leitung: Dr. Mirna Zeman

    Termine: Montag, 18. Mai bis Donnerstag, 21. Mai 2026, jeweils von 11:45–13:15 Uhr

    Raum: Gebäude 3, Universitätsstr. 11, Raum D 006

    Aktuell werden wir mit Meldungen über so genannte „Hypes“ um Produkte und Artefakte jeglicher Art regelrecht überhäuft. Gemeldet wurden u.a. diverse Hypes um KI, ein Hype um Dubai-Schokolade, Erotikromane und die Labubu-Pupe hatte jeweils ihren eigenen Hype... Der Sprachgebrauch in der Presse suggeriert, dass Hypes „ansteckend“ wirken und die Massen in den Zustand kollektiver „Manie“ versetzen können. Die Begriffe wie „Twilightmania“, „Retromanie“, „Zombie-Epidemie“, „Harry-Potter-Fieber“ sind Beispiele dafür. Die Diagnosen „Hypes“ und „Manien“ haben Konjunktur und dennoch ist anscheinend vollkommen unklar, was damit gemeint ist. Im Seminar nehmen wir das Phänomenzunächst einmal näher und im Zusammenhang mit dem Phänomen „Pop“ unter die Lupe. Wir wenden uns den Zusammenhängen zwischen Hypes und dem Populären. Dabei geraten u.a. die Fragen nach Zeitregimes, medienkritischen Ansteckungssymboliken und kulturkritischen Abwertungen in den Blick. Handelt es sich bei Hypes bloß um viel Lärm um nichts oder eher um einen Mechanismus, der für womöglich für alles Populäre konstitutiv sein könnte? Sind Hypes immer „Eintagsfliegen“ oder gibt es auch Hypes, die dauern? Und was hat es mit den angeblich hype-induzierten „Epidemien“ der Massen an sich?

    Anfragen zu dieser Veranstaltung richten Sie bitte an: mirna.zeman.

  • Leitung: Dr. Wim Peeters

    Termine: Montag, 18. Mai bis Donnerstag, 21. Mai 2026, jeweils von 11:45–13:15 Uhr

    Raum: Gebäude 3, Universitätsstr. 11, Ellipse 2

    Folgende Bücher werden wir behandeln:

    • 1913 Bernhard Kellermann: Der Tunnel
    • 1922 Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings. Tuiavii aus Tiavea. Herausgegeben von Erich Scheurmann
    • 1932 Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen
    • 1939 Karl Aloys Schenziger: Metall. Roman des technischen Jahrhunderts

    Anfragen zu dieser Veranstaltung richten Sie bitte an wim.peeters.

Anmeldung

In Kürze finden Sie hier die Möglichkeit zur Anmeldung.

Hinweis zur Absolvent*innen-Ehrung

Im Rahmen der 16. Studienwoche Literatur- und Medienwissenschaft vom 18.–21. Mai 2026 findet keine Veranstaltung zur Absolvent*innen-Ehrung statt. Diese wird voraussichtlich im September 2026 online erfolgen. Weitere Informationen dazu erhalten Sie in Kürze.

Hinweise zu Unterkunftsmöglichkeiten

Bitte reservieren Sie sich rechtzeitig eine Unterkunft in Hagen oder der Umgebung. Hinweisen möchten wir Sie auf die Bildungsherberge der Studierendenschaft der FernUniversität und die Hotelliste des Regionalzentrums Hagen. Weitere Unterkünfte finden Sie auf den Seiten des Tourismusamtes Hagen.

Bitte informieren Sie sich über die früheren Studienwochen in unserem Web-Archiv.

Vanessa Höving | 03.02.2026