Präsenzveranstaltung +online Veranstaltung

Thema:
New World, New Love: Beziehungskulturen und die Ausstellung des „Anderseins“ als feministische, post-queere neoliberale, Strategie am Beispiel Literatur und Medien
Veranstaltungstyp:
Eine Sitzung in Präsenz, zwei Sitzungen online. KEIN HYPRIDRAUM !
Semester:
Wintersemester 2025/26
Zielgruppe:
MA NdL: Modul 26305/MANDL 5; sowie alle Interessierten aus des BA KuWi und des MA NDL.
Adresse:
am 19.03.26 finden das Seminar im Gebäude 8, Raum B 121 statt.
Termin:
19.03.2026 bis
30.03.2026
Zeitraum:
Donnerstag, den 19. März von 13.00 bis 19.00 Uhr (mit Pausen) Hagen
Donnerstag, den 26. März von 14.00 bis 17.30 Uhr (mit Pausen) nur online!
Montag, den 30. März von 14.00 bis 17.30 (mit Pausen) nur online!
Leitung:
PD Dr. Katja Kauer
Anmeldefrist:
01.03.2026
Auskunft erteilt:
PD Dr. Katja Kauer
E-Mail: katja-luzia-jelka.kauer
Hinweis:
Veranstaltung wird nicht als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt.

New World, New Love: Beziehungskulturen und die Ausstellung des „Anderseins“ als feministische, post-queere neoliberale, Strategie am Beispiel Literatur und Medien

Was bedeutet es, dass Gefühle wie Liebe, Hass und Begierde gesellschaftlich und ökonomisch produziert und standardisiert werden? Ist nicht der Individualismus eine hochgepriesene Besonderheit der spätmodernen Gegenwart? Sind Emotionen nicht eine letzte Instanz, die sich den Marktprozessen widersetzt?

Die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz würde dieser Aussage vehement widersprechen. Emotionen, seien sie politischer, familiärer oder sexueller Natur, sind kein Ausdruck eines authentischen Selbst, sondern vielmehr eine Säule der Unterwerfung unter soziale Strukturen. In diesem Seminar würde ich noch weiter gehen als der soziologische Befund es tut; auch das, was sich als queerer, romantischer, feministischer Widerstand gegen gesellschaftliche Erwartungen verstanden wissen will, entpuppt sich häufig als standardisiert. Glauben wir, dass Vernunftehen im 19. Jahrhundert das Höchstmaß an sozialer Anpassung darstellen, sind oft die über Datings-Apps generierten Beziehungskulturen der Gegenwart, gerade wenn wir sie im Rahmen einer liberalen Sexualkultur verorten, von noch viel stärkerer Unterwerfung kennzeichnet als die altbackenen Beziehungsformen.

Wie wichtig ist für Beziehungen Klassendenken? Die marxistisch-feministische Theorie der zweiten Welle der Frauenbewegung zog eine Parallele zwischen der Ausbeutung von Frauen in einer sexistischen Gesellschaft und der Ausbeutung von Arbeiter*innen in einer kapitalistischen Gesellschaft: Im Kapitalismus arbeiten viele, doch nur wenige schöpfen die Gewinne und profitieren; in sexistisch geprägten Gesellschaften bieten Frauen ihren Körper auf dem „sexuellen Markt“ an, und nur einige bestimmen, welche Körper es wert sind, geehrt, geliebt und begehrt zu werden. Diese Auffassung greift wohl gegenwärtig zu kurz. Weder gibt es wie früher Heiratsverbote zwischen Angehörigen unterschiedlicher Klassen noch sind es immer nur Frauen, die sich anbieten, ja der Klassenbegriff selbst schein überholt. Unser Klassensystem ist nicht mehr traditioneller Art und die Bewertung von Körpern wird zunehmend genderindifferenter. Tatsächlich, in der heutigen Gesellschaft gründet sich Erfolg nicht nur auf materiellen Vermögenswerten, sondern eher auf dem eigenen Selbstoptimierungspotential, das durch Ableismus, Lookismus und Ageismus mitbestimmt ist –und nicht nur Frauen betrifft, aber neue „Klassen“ bestimmt. Die hierarchischen Blickformationen und die Struktur dieser Sichtbarkeit schaffen erneut ein Klassensystem unter den Bedingungen eines „sexuellen Marktes“. Das klingt vielleicht recht abstrakt und marxistisch, ist aber in den heutigen Medien alltäglich. Wer seine Sichtbarkeit auf digitalen Plattformen zu erhöhen vermag, spielt in einer anderen Liga als die/derjenige, die/der nur analog oder überhaupt nicht öffentlich wahrgenommen wird. Erhöhte Sichtbarkeit generiert einen höheren Marktwert.

Wir werden dies anhand literarischer und anderer medialer Beispiele untersuchen. Die Texte werden teilweise zur Verfügung gestellt. Das Seminar basiert auf Gender- und Queer-Studien, feministischen Sichtweisen und soziologischen Untersuchungen, aber es ist nicht zwingend erforderlich, bereits mit dieser Forschung vertraut zu sein.

Allerdings sollten Sie offen dafür sein, eine kritische Perspektive auf sogenannte New World, New Love, die Beziehungskulturen der Gegenwart zu entwickeln.

Texte

Als Vorbereitung für die Präsenzveranstaltung schauen Sie den Film „Saltburn“, der als der kontroverseste Film des Jahres 2023 verhandelt wurde. Zum Ausgangspunkt unserer Diskussionen wird nicht die drastische Darstellung von Körpern und Praktiken, wohl aber die Verwurzelung der Filmerzählung in einer Emotionskutur, die queer erscheint und in standardisierten Vorstellungen von Erfolg, Aufstieg und Romantik werden.

Nicht verpflichtende Lektüren sind:

Eva Illouz: Warum Liebe endet, 2018

Sarah Kuttner: Mama und Sam, Roman 2025

Leif Randt: "Let's Talk About Feelings" , Roman 2025

Kim de l'Horizon: Blutbuch, Roman 2022

Blanka Lipińska: 365 Tage, Roman Teil 1, 2020

Kerstin Grether: Zuckerbabys, 2004

Thomas Mann: Die Betrogene, Kurzroman, 1953

Elfriede Jelinek: Die Liebhaberinnen, Roman, 1975

Irmgard Keun: Gilgi – eine von uns , Roman 1931

Katherine Mansfield: Glück, Kurzgeschichte, 1918

Eduart von Keyserling: Die Verlobung, Kurzgeschichte, 1907

Helene Böhlau: Halbtier, Roman 1899

Es wäre hilfreich, wenn Sie zumindest eines dieser Bücher bzw. Kurzgeschichten vorbreitend auf das Seminar lesen könnten, so dass Sie einen Einblick bekommen, wie unterschiedlich Emotionen und Individualität in den Texten gefasst sind, wie konstant dennoch bestimmte Paradigmen sind.

Die erste Sitzung gliedert sich einen vorlesungsartigen Teil, in dem ich in die Theorie einführe und auf oben genannte Texte Bezug nehme, in einem Diskussionsteil und dann in gemeinsame Arbeit am Beispiel „Saltburn“

Untersuchte Gegenstände dieses Seminars sind Filme, Musikvideo, literarische Texte.

Für weitere Informationen: katja-luzia-jelka.kauer

Beachten Sie bitte, dass die drei Sitzungen zusammen gehören und auf einander aufbauend sind!!!

Online-Anmeldung

Bitte füllen Sie das Formular vollständig aus. Eine Bestätigung über Ihre Teilnahme bekommen Sie nach dem Anmeldeschluss.

Ich melde mich für: Präsenzveranstaltung +online Veranstaltung New World, New Love: Beziehungskulturen und die Ausstellung des „Anderseins“ als feministische, post-queere neoliberale, Strategie am Beispiel Literatur und Medien (19.03.2026 bis 30.03.2026 ) verbindlich an.

Kontaktinformationen
Frau Herr ohne
/