Präsenzveranstaltung
- Thema:
- Anthropologie des Eros bei C. M. Wieland und J. M. R. Lenz
- Veranstaltungstyp:
- Präsenzveranstaltung
- Semester:
- Wintersemester 2026/27
- Zielgruppe:
- BA KuWi: Modul 25303/L3; und alle Interessierten.
- Ort:
- Karlsruhe
- Adresse:
- Campus Karlsruhe
- Termin:
- 29.01.2027
bis
30.01.2027 - Zeitraum:
- 29.01.2027, 16.00 Uhr - 20.00 Uhr
30.01.2027, 10.00 Uhr - 18.00 Uhr - Leitung:
- Professor Dr. Uwe Steiner
- Anmeldefrist:
- 10.01.2027
- Anmeldung:
- Bitte nutzen Sie die Online-Anmeldemaske unten.
- Auskunft erteilt:
-
Leyla Pektas
E-Mail: leyla.pektas
Telefon: +49 2331 987-4882 - Hinweis:
- Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.
In den 1770er Jahren betritt eine neue Generation lautstark die literarische Bühne. Sie nennen sich Stürmer und Dränger, und zur Vehemenz ihres Auftretens gehört, dass sie sich mit der Vätergeneration anlegt. Wenn nun Jakob Michael Reinhold Lenz den Aufklärer Christoph Martin Wieland angreift, dann steckt allerdings mehr dahinter als bloß ein Generationenkonflikt. Es handelt sich um einen Literaturstreit, in dem die ästhetischen Auseinandersetzungen auch Debatten um den Menschen darstellen: Darin bezeugen sie nichts Geringeres als eine kultur- und mentalitätsgeschichtliche Umwälzung. Die eine Frage, wieviel vom Menschen in der jeweiligen Literatur enthalten ist, wirft bald die andere auf, wieviel Literatur denn im Menschen steckt. Schon Wielands Schwärmerkritik stellt sich einer zeitgenössischen anthropologischen Erfahrung: Literatur selbst trägt dazu bei, den Menschen, sein Fühlen und sein Denken, und insbesondere seine Einbildungskraft, zu formatieren. Hinter den Masken der Schwärmerei entziffert er Triebkräfte des Eros. Warum nahm Lenz daran Anstoß? Wie agiert er inmitten einer Revolution, in der das Reden über die Gefühle auf irritierende Weise mit diesen selbst verschränkt ist? Wir können, so die These, hier das Entstehen eines neuen Moralklimas beobachten. In ihm tritt Wielands liberaler, skeptisch geprägter Anthropologie der sentimentale Rigorismus eines jugendbewegten Enthusiasten entgegen.
Auf dem Plan der Präsenzveranstaltung stehen voraussichtlich die folgenden Texte:
- Christoph Martin Wieland: Musarion oder Die Philosophie der Grazien
- Ders.: Menander und Glycerion.
- Jakob Michael Reinhold Lenz: Verteidigung des Herrn W. gegen die Wolken vom Verfasser der Wolken
- Ders.: Zerbin oder die neuere Philosophie (Erzählung)
- Ders.: Moralische Bekehrung eines Poeten
- Ders.: Der Waldbruder ein Pendant zu Werthers Leiden
Wielands Musarion liegt als Reclam-Ausgabe vor. Auch Lenz‘ Erzählung Zerbin und sein Briefroman-Fragment Der Waldbruder sind in der von F. Voit hrsg. Ausgabe der Erzählungen bei Reclam greifbar. Die anderen Texte werden zur Verfügung gestellt. Hingewiesen sei auf die von Sigrid Damm hrsg. Ausgabe der Werke und Briefe von Lenz im Insel-Verlag. Sie enthält zudem ein instruktives Nachwort.