Im vierten Teil unserer Themenreihe zur Barrierefreiheit widmen wir uns einem Thema, das für viele auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber entscheidend für die Zugänglichkeit und Nutzerfreundlichkeit von Webseiten ist: inhaltstragende Überschriften und sprechende Linktexte.
Überschriften: Orientierung statt Floskeln
Überschriften sind weit mehr als bloße Dekoration oder freundliche Begrüßung. Sie strukturieren Inhalte und geben Nutzenden Orientierung. Überschriften wie „Herzlich willkommen“ mögen höflich wirken, bieten aber keinerlei Hinweis darauf, was im folgenden Abschnitt zu erwarten ist. Viel hilfreicher sind Überschriften, die den Inhalt klar und präzise ankündigen, zum Beispiel: „Studienstart: Alles Wichtige für Erstsemester“ oder „Barrierefreie Prüfungen an der FernUni Hagen“.
So wird die Navigation auf der Seite für alle Nutzenden erleichtert und auch Suchmaschinen können die Inhalte gezielter aus der Seitenstruktur ableiten.
Sprechende Links mit Aussagekraft
Auch bei Links ist Klarheit entscheidend. Ein Linktext wie „hier“ oder „weitere Informationen finden Sie hier“ bietet keine Orientierung. Besonders blinde Menschen, die sich per Tastatur von Link zu Link bewegen, können auf diese Weise nicht erkennen, wohin ein Link führt.
Deshalb sollten Sie das Ziel des Links direkt im Linktext beschreiben, zum Beispiel Campusplan (PDF 187 KB) oder Formular Erfassungsbogen (DOCX 32 KB) . Auf diese Weise wird unmittelbar deutlich, was die Nutzenden hinter dem jeweiligen Link erwartet.
Achten Sie darauf, dass Ihre Links immer sprechend sind, das bedeutet, dass bereits im Linktext klar wird, wohin der Link führt und was dort zu erwarten ist. Für Nutzende von Screenreadern ist das besonders wichtig: Diese lassen sich häufig alle Links einer Seite vorlesen, um gezielt einen bestimmten auszuwählen.
Ein praktisches Beispiel aus dem Alltag

Stellen Sie sich einmal vor, Sie suchen in einem Supermarkt eine Dose Champignons. Was würde geschehen, wenn alle Dosen im Regal – egal, ob Erbsen, Mais oder solche mit Champignons – nur mit dem Wörtchen „Hier“ gekennzeichnet wären? Sie müssten jede Dose einzeln öffnen, um zu prüfen, was sich darin befindet. Das wäre mühsam und zeitraubend.
Würde auf der Dose stattdessen „Champignons“ stehen, wüssten Sie sofort, was Sie erwartet. Noch besser wären zusätzliche Angaben wie „in Scheiben“ oder „Ganze Köpfe“, je nachdem, was Sie für Ihr Rezept benötigen. Optimal wäre es, wenn auch das „Abtropfgewicht“ angegeben wäre. So könnten Sie schon beim Einkauf abschätzen, ob die Menge für Ihr Gericht ausreicht.
Anwendung auf Webseiteninhalte
Ähnlich verhält es sich im Web: Auch hier stellen Sie sich als Nutzende bestimmte Fragen, um gezielt ans Ziel zu kommen:
- Was suche ich? (z. B. für die Suchmaschinenoptimierung relevant)
- Wie heißt es? (Thema oder Produkt)
- In welcher Form steht es mir zur Verfügung? (HTML-Seite, PDF, ZIP-Datei etc.)
- Wie groß ist es, wenn ich es benötige? (Angabe in KB, MB, GB).
Je genauer und aussagekräftiger Linktexte diese Fragen beantworten, desto leichter finden Sie als (Nutzende) das Gesuchte und können besser einschätzen, was Sie erwartet. Aussagekräftige Beschriftungen auf Webseiten sind also genauso wichtig wie klare Etiketten im Supermarktregal – sie optimieren die Orientierung, sparen Zeit und sorgen für ein positives Nutzungserlebnis.
Hilfreiche Webseiten
Interne Links
- Infoseite der FernUni zur barrierefreien Linkgestaltung
- Infoseiten der FernUni über die richtige Vergabe von Links
Externe Links
- Webseite zu den Prüfschritten von Dokumententiteln
- Webseite zu den Prüfschritten zur konsistenten Bezeichnung
- Webseite zu den Prüfschritten zu aussagekräftigen Überschriften und Beschriftungen
- Webseite der Beratungsstelle Barrierefreiheit zu barrierefreien Links und Linktexte
- Webseite von Maria Horschig zum Thema „Warum der hier-Link falsch ist“
