ONLINE-Seminar

Thema:
Erbe, retro, Denkmalsturz. Koloniale Materialität in nachkolonialer Zeit (u. a. Indien, Lateinamerika, Algerien, Namibia)

- Umstellung von präsenz in REIN DIGITAL -
Adressatenkreis:
BA KuWi: Modul G4; MA EuMo: Modul 6G; MA GeEu: Modul I; Modul II; Modul III; Modul IV; Modul IX; Modul X;
offen für alle Geschichtsstudierenden
Ort:
Online über Zoom
Adresse:
Änderung: Das Seminar findet rein digital statt.
Termin:
20.08.2021 bis
21.08.2021
Zeitraum:
Freitag, 20.08.2021, 09:00 bis 18:00 Uhr,
Samstag, 21.08.2021, 09:00 bis 18:00 Uhr
Leitung:
Dr. Fabian Fechner
Dr. Corinna Gramatke, Düsseldorf
Anmeldefrist:
09.07.2021
Anmeldung:
ONLINE-Anmeldung s. unten
Auskunft erteilt:
E-Mail: Dr. Fabian Fechner , Telefon: +49 2331 987 - 2124
E-Mail: Karin Gockel , Telefon: +49 2331 987 - 2122

Umstellung von präsenz in REIN DIGITAL.

Stürzende Kolumbusdenkmäler, „#RhodesMustFall“ in Südafrika, entfernte Denkmäler der deutschen Kolonialzeit in Namibia… die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass koloniale Symbolik auch noch Jahrzehnte nach der Kolonialzeit radikal geändert wird.

Ein Umsturz in der Politik bedeutet oft einen Bruch in der Welt der Symbole: Denkmäler werden gestürzt, Nationalsymbole geändert, neue Bildwelten geschaffen. Dies ist insbesondere bei der Unabhängigkeit von Kolonialgebieten der Fall. Doch können koloniale Denkmäler und Gebäude mit einigem Abstand auch wieder als schützenswertes, nationales Kulturerbe empfunden und touristisch vermarktet werden: Verwaltungsgebäude, Kirchen und Heiligenstatuen der Kolonialzeit werden unter Denkmalschutz gestellt und Teil einer offiziellen Bilderwelt. In einigen Fällen werden koloniale Gebäude mit reichlich kreativer Freiheit neu (wieder)geschaffen, ein Vorgang, der mit Schlagworten wie „Fake Heritage“ oder „Retroland“ kritisiert wurde – doch legt gerade dieser Vorgang die Auswirkungen auf die Identitätsbildung offen. Der Bandbreite von Bewahren, Zerstören und Neuschöpfen widmet sich das Seminar.

Anhand des spanischen Kolonialreichs werden wir vorbereitend untersuchen, wie in transkulturellen Aushandlungsprozessen europäische Vorlagen umgedeutet wurden: Anhand des spanischen Kolonialreichs werden wir untersuchen, wie der heilige Santiago als „Maurentöter“ (matamoros) zum „Indiotöter“ (mataindios) wurde und wie indigene Materialien in christlichen Kunstwerken verwendet wurden. Anhand einer neuen Bilderwelt um 1800 wird deutlich, wie sich auch symbolisch ein neues Nationalgefühl in den jungen Republiken Lateinamerikas bildete. Ein weiterer Fokus wird auf der transkulturellen Übersetzung durch Kunstobjekte liegen, die für die Evangelisierung der eroberten Völker Amerikas eingesetzt wurden; außerem auf der Ästhetisierung des Fremden, bei der nicht nur fremde Formen, sondern auch unbekannte oder ungewohnte Materialien und Techniken zum Einsatz kamen.

Von diesen Beobachtungen ausgehend wenden wir uns dem Phänomen des Denkmalsturzes zu, vor allem im britischen und französischen Kolonialreich. In Südafrika, Algerien, Indien und anderen ehemaligen Kolonien spielte der Denkmalsturz eine zentrale Rolle. Außerdem wurden subversive Gegendenkmäler errichtet, um die Ikonen der Kolonialzeit zu „neutralisieren“. Dabei soll deutlich werden, wie die symbolisch aufgeladenen Orte öffentlichkeitswirksam neu besetzt wurden: Beispielsweise wurde die Statue König Georgs V. am „India Gate“ in Neu Delhi entfernt und der öffentliche Raum in Algerien nach dem Unabhängigkeitskampf neu kodiert.

Literatur

Ein Beispiel für die Aufarbeitung von Denkmalstürzen in Indien ist eine Karikatur im „Punch“ 1957. Eine Statue von Königin Victoria wird in ein Denkmal auf Mahatma Gandhi „umgearbeitet“, nachdem Premierminister Jawaharlal Nehru die Entfernung kolonialer Denkmäler verfügt hatte: https://punch.photoshelter.com/image/I0000LCUXEofUKuA

Jansen, Jan C.: Erobern und Erinnern. Symbolpolitik, öffentlicher Raum und französischer Kolonialismus in Algerien 1830-1950, München 2013.

Laufer, Ulrike: Nationalgeschichte als Befreiungs-Saga. Das Independence Memorial Museum in Namibia. Ein Beispiel für die Rolle Nordkoreas als Anbieter für nationale Narrative in Afrika, in: Zeitgeschichte-online, November 2014, URL: https://zeitgeschichte-online.de/geschichtskultur/nationalgeschichte-als-befreiungs-saga-das-independence-memorial-museum-namibia

Bailey, Gauvin Alexander: Art of Colonial Latin America, New York 2005.

Miller, Kim/Brenda Schmahmann (Hg.): Public Art in South Africa. Bronze Warriors and Plastic Presidents, Bloomington 2017.

Kern, Margit/Klaus Krüger (Hg.): Transcultural Imaginations of the Sacred, München 2019.

Darlington, John: Fake Heritage. Why We Rebuild Monuments, New Haven/London 2020.

Groebner, Valentin: Retroland. Geschichtstourismus und die Sehnsucht nach dem Authentischen, Frankfurt am Main 2018.

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(20.08.2021 bis 21.08.2021 in Online über Zoom) verbindlich an.

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Karin Gockel | 13.08.2021