Aktuelles – Meldungen aus dem Institut
Fotografie Forum Ruhr: Eröffnung, Vortrag und Buchvorstellung, Schwerte, 21.3.2026
- Samstag, 21.3.2026
- Eisenindustriestr. 4, 58239 Schwerte
Am 21. März 2026 findet die Eröffnung sowie ein Vortrag und eine Buchvorstellung statt.
- 18:00 Uhr: Eröffnung
- 19:00 Uhr: Vortrag und Buchvorstellung von Andreas Jorn: (Un)Seen
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Infos finden Sie auf der Website des FFR.
Doktorand*innenkolloquium des Instituts für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft, Hagen und online, 26.2.2026
Donnerstag, 26.2.2026, 10:00 bis ca. 17:00 Uhr
Geb. 3, Raum H004
FernUniversität in Hagen, Universitätsstr. 11, 58097 Hagen
Die Veranstaltung findet vor Ort in Hagen und per Zoom statt. Zur Anmeldung schicken Sie bitte eine E-Mail an leyla.pektas.
Diegetische Nobilitierung: das kritische Potential von ästhetischen Texten der Gegenwart – literatur-/medienwissenschaftliche und literatur-/mediendidaktische Perspektiven, Münster und online, 9.-11.3.2026
Tagung
Veranstaltet von Katja Kauer (Hagen) und Sebastian Bernhardt (Münster)
Literarische Texte und Medien konstruieren fiktionale Weltmodelle, denen jeweils spezifische Normen und Werte eingeschrieben sind (vgl. dazu Bernhardt 2019). Entsprechend kann ein literarischer Text auch als Dokument gelesen werden, in das sich bestimmte gesellschaftliche, ideologische, juristische oder wissenschaftliche Diskurse einschreiben. Wünsch weist allerdings schon früh darauf hin, dass es einer Verengung des Blicks auf Literatur gleichkomme, sie ausschließlich als eine Art der Verdopplung realer Diskurse zu lesen (vgl. Wünsch 1975: 308). Der Versuch, Literatur im Sinne einer Widerspiegelung aktueller gesellschaftlicher Debatten zu verstehen, stellt eine Verengung dar, weil Literatur auch Gegendiskurse entwerfen oder theoretische Diskussionen in einem von der Last der Realität befreiten Raum der Fantasie führen kann (vgl. ebd.). Literatur, so konturieren jüngst Huemer und Nagy, konstruiert ihre Welten bisweilen auch unabhängig von der Realität, bietet entsprechend Möglichkeiten, in andere, alternative Welten einzutauchen (vgl. Huemer/Nagy 2025).
Literatur hat auf diese Weise die Möglichkeit, vermeintliche Selbstverständlichkeiten ihrem Automatismus zu entreißen (vgl. dazu Eke 2014; jüngst ausführlich Kißling/Tönsing 2024). Ein literarischer Text kann also in Teilen Regeln entwerfen, die asymmetrisch zur extrafiktionalen Welt sind. Der Text muss dafür nicht einmal aktiv politisch konzipiert sein, bezugnehmend auf einen politischen Diskurs beworben werden oder mit einem solchen Label versehen sein.
Sogar ein Text, der auf den ersten Blick nichts mit der aktuellen Gesellschaft zu tun hat und eine fantastische Welt entwirft, die erst in mehreren tausend Jahren situiert ist, kann doch wiederum Mechanismen von In- und Exklusion reproduzieren, binäre Ordnungen oder gesellschaftliche Strukturierungsmechanismen perpetuieren, affirmieren oder aber subvertieren. Das gilt für die Kinder- und Jugendliteratur (KJL) ebenso wie für die Allgemeinliteratur.
KJL-Forschung, Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik nehmen sich der Betrachtung der impliziten Wertungen von Literatur seit einigen Jahren an und betrachten Texte und Medien in Bezug auf Fragen des Rassismus (vgl. etwa Kißling 2020), von Gender und Genderreflexionen (vgl. etwa die Beiträge in Willms 2022) oder allgemein Machtaffirmation und Machtsubversion in kulturwissenschaftlicher Kontextualisierung (vgl. die Beiträge in Esau et al. 2024). Mit dieser Fokussierung gesellschaftlicher Machtdiskurse, Differenzkategorien und der Frage nach den implizierten Wertungen geht auch eine immer stärkere Theorieaufladung einher: Die Auseinandersetzungen mit literarästhetischen Texten erweisen sich als sehr voraussetzungsreich und werden in Debatten zu Subjektpositionierungen, Diskurshoheiten und Dekonstruktionspraxen eingebettet.
Wenn Fragen der Affirmation binärer Ordnungen grundsätzlich und immer wieder erst durch eine intensive theoretische Aushandlung kontextualisiert werden müssen, besteht die Gefahr, das Eigentliche eines literarischen Textes zu verfehlen und sich im eigenen Theoriegebäude zu verfangen.
Wenn in einem Roman, sei es ein Kinderbuch, sei es ein kanonisierter Text, ein prekär lebendes Subjekt mit einer in wohlhabenden Verhältnissen lebenden Figur in Kontakt tritt, ist es leicht, die Bewertung „anti-klassistisch“ aufzurufen, so als würde einen Klassengegensatz zu thematisieren ein Äquivalent zum Anti-Klassismus darstellen. Doch nicht bloß die Existenz dieser Figuren oder die Darstellung von Prekarität macht etwas zu einem anti-klassistischen Kunstwerk. Vielmehr basiert die Zuordnung als anti-klassistisch auf einem Urteil aus der extradiegetischen Realität. Wenn nämlich im Handlungsverlauf erkennbar wird, dass sich die beiden Figuren weder moralisch noch sozial wirklich in anderen Klassen bewegen, weil der Text verdeutlicht, dass vielleicht sogar die als sozial weniger abgesichert figurierte Figur innerhalb der Handlung der anderen überlegen ist oder mehr Agency als die sozial privilegierte Figur aufweist, hätten wir einen durch den Text produzierten Anti-Klassismus, der sich diegetisch etabliert. Analog dazu wäre auch eine Figur, die gleichgeschlechtlich liebt oder eine nicht binäre Geschlechtsidentität aufweist, nicht schon der Ausweis für die diegetische Queerness eines Textes; ein genuin queerer Sinngehalt entstünde allerdings dadurch, dass die Kategorisierung von „queer“ vs. „straight/normal“ auch, oder gerade, von den normalisiert geltenden Figuren im Handlungsverlauf nicht eingelöst wird und sich die Identitäten als gesellschaftlich produziert erweisen (vgl. Kauer 2019; 2024).
Analysen sollten niemals zu schematisch sein, sondern achtsam gegenüber ihrem eigenen Habitus bleiben. Der für diese Tagung postulierte Ansatz vermeidet eine angestrengte Politisierung zugunsten von Lektüren, deren soziale oder politische Sprengkraft keineswegs minimiert, nur diegetisch gerechtfertigt sein sollte.
Uns geht es im Rahmen der Tagung darum, den Blick direkt auf diegetische Aushandlungsprozesse zu lenken, eine Erstbegegnung zu vollziehen, auf deren Basis dann im Nachgang eine theoretische Kontextualisierung erfolgt.
Das bezieht sich etwa auf
- Intersektionalität
- Age
- Ableismus
- Diversity
- Geschlechtliche Vielfalt
- Sexuelle Identität
- Rassismus
- Kulturelle Phänomene
- Ökologie und Ökonomiekritik
Anmeldung
Schreiben Sie bitte bis zum 1.3.2026 unter Angabe von Name und E-Mail-Adresse an katja-luzia-jelka.kauer. Der Veranstaltungslink wird Ihnen zugeschickt. Falls Sie in Präsenz teilnehmen wollen, geben Sie dies bitte in Ihrer E-Mail an. Auch hierfür werden Ihnen alle Informationen zugesendet.
Montag, 9.3.2026
- 16 bis 17 Uhr
Begrüßung: Wie wir lesen können/sollen/müssen: Wider das Denken in Schubladen - 17 bis 18.30 Uhr
Erste Sektion: Für ein besseres Verständnis der Texte: Theorie und Praxis- Michael Hofmann: Diegetischer Aktivismus. Zum Verhältnis von Narratologie, Dominanzkritik und Literaturdidaktik im Kontext von Shida Bazyars Roman Drei Kameradinnen (2021)
- Nadine Bieker: Wer darf ‚Ich‘ sagen? Zwischen hegemonialer Abhängigkeit und einer neuen Konstruktion von Identität: erzählt, aber nicht erzählend
- 19 Uhr Abendessen
Dienstag, 10.3.2026
- Zweite Sektion: Diegetische Aushandlungsprozesse
- 09:30 bis 11.00 Uhr diegetische Aushandlungen von Macht
- Juliane Dube & Tim Tichy: Mehr als Repräsentation – Zur macht- und diskriminierungskritischen Analyse von Behinderung im fiktionalen Raum des Kinderbuchs
- Jo von Renteln: Björnstadt – Das Spiel mit (ausbleibender) diegetischer Wertung
- 11.00 bis 11.15 Kaffeepause
- 11.15 bis 13.00 Uhr Aushandlungsprozesse in der Kinder- und Jugendliteratur
- Maria Reinhardt: Male Loneliness im Waldhäuschen: Behauptete und erzählte Vielfalt im Kinderbuch Die Gurkentruppe (Niemöller/Oser 2024) – ein Blick auf Text und Kritik
- Ralph Müller: „Wörter für Sex gibt es in drei Kategorien“. Zur Konstruktion von sexuellen Wertsystemen in Eva Rottmanns Jugendbuch Fucking fucking schön
- Mittagessen
- Dritte Sektion: Wie wird erzählt?
- Gender
- 13:45 bis 15.15 Uhr
- Katja Kauer: Alles so schön queer hier: „Post-Queer“ als medienwirksame Affirmation und diegetische Negation von Heteronormativitätskritik
- Ann-Kathrin Koppenhöfer: Femizide in der Jugendliteratur – diegetische Wertungspraxis am Beispiel von Holly Jacksons A Good Girls' Guide to Murder
- 15.15 bis 15.45 Uhr Kaffeepause
- 15:45 bis 17. 15 Uhr Gender, Klasse, Herkunft
- Sven Schulte Eickholt: Krisenhafte Männlichkeit in Daniel Kehlmanns Du hättest gehen sollen und Juli Zehs Neujahr
- Ines Heiser: (Anti-)Klassismus für die Masse? Millionärserzählungen als aktueller populärkultureller Trend
- 17.15 bis 17.30 Uhr Kaffeepause
- 17.30 bis 19 Uhr: Erzählfiguren und Stimmen
- Sarah Reuss: Die Interferenz von Erzähler- und Figurentext in Fatma Aydemirs Dschinns
- Johanna Käsmann: Weibliche Wut orchestrieren. Zu Mareike Fallwickls Roman Die Wut, die bleibt
- Abendessen
Mittwoch, 11.03.2026
- Vierte Sektion: Herrschaftsrhetoriken in Populärmedien
- 09:30-11 Uhr
- Merle Behnke: Prozedurale Herrschaftsrhetorik: Minecraft, Sandbox-Games und der Mythos des neutrales Weltmodells
- Marc Kudlowski: Brücken ins (Un-)Behagen? Gender-Flips im Medienverbund und ihre didaktischen Potenziale
- 11 bis 11.45 Kaffeepause
- 11.45 bis 13.00 Uhr Abschlussdiskussion
- 13:00 Lunch to go und Abschied
16. Studienwoche des Instituts für Literatur- und Medienwissenschaft: „Das Populäre“, 18.–22.05.2026
FernUniversität in Hagen
Die Vorsilbe „Pop-“ stammt von dem lateinischen Wort populus, was auf Deutsch zumeist durch „Volk“ übersetzt wird. Sie findet sich in vielen Worten wieder, die uns mehr oder weniger geläufig sind: Popmusik, der Popper, Populärwissenschaft, Popularphilosophie, Popliteratur, Papalapop, Popecke (Rocktheater Nachtschicht), oder eben einfach nur Pop. Populär heißt, was vielen, womöglich den Meisten gefällt oder gefallen soll. Populär kann womöglich genannt werden, was die Effekte beherrscht und darin die Affekte regiert. Somit kann das Populäre einerseits als demokratische Tugend, andererseits aber auch als Ärgernis gelten. In ihm scheint die Idee einer ästhetischen Integration der Gemeinschaft auf, die sich auf gemeinsam geschätzte Werke und Werte bezöge. Nicht selten befürchtet man aber, dass die Meisten das Beste nicht zu schätzen wissen: Im Populären drohe so das Flache oder allzu Eingängige. Demokratie wiederum ist nur gut, wenn sich der Demos artikuliert; als heikel, nämlich populistisch, gilt dagegen die Stimme des Pöbels. Versteht man dagegen das Populäre als Gegenbegriff, womöglich als Antidot zum Elitären, wird man rasch feststellen, dass die Distinktionskämpfe nirgends heftiger toben als in der sogenannten Popkultur. Letztere wiederum wird von jener Wissenschaft als Gegenstand anerkannt, die wir heute Kulturwissenschaft nennen.
Vieles spricht dafür, dass die Karriere des Populären in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einsetzt. Die damalige Modegattung schlechthin, das bürgerliche Trauerspiel, formatiert die klassische Tragödie um, indem seine Poetik auf eine breitenwirksame Regie der kollektiven Affekte zielt. Zeitgleich tritt eine zuvor wenig gut beleumundete, weil populäre literarische Gattung ihre Laufbahn zur Leitgattung an, der Roman. Gleichzeitig treten in aufklärerischer Absicht Popularphilosophen auf den Plan, die den „gemeinfaßlichen Vortrag“ pflegten, die aber bei großen der Zunft, beispielsweise Hegel, als eklektizistisch gelten.
Der Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaft eröffnet sich ein weites Feld der Fragen und Probleme. Welche populären Genres, Medien und Formate gibt es und worin unterscheiden sie sich von Genres (Medien, Formaten …) des Populären? Wodurch unterscheidet sich das Populäre vom Kanonischen? Meint Pop immer das Populäre? Worüber denkt ein Poptheoretiker nach? Kann man sich über Pop lustig machen? Wie steht es um den von Moritz Baßler wieder ins Gespräch gebrachten Midcult als Prätention auf Anspruch im Seichten? Was hat der Plattenspieler mit all dem zu tun?
Informationen zur Anmeldung und weitere Hinweise erhalten Sie in Kürze im Portal der 16. Studienwoche.
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