Agiles Lernen im M.A. Bildung und Medien: eEducation

in Zusammenarbeit mit Christiane Wittich

Technische Voraussetzungen

Unterschiedliche Tools aus dem agilen Arbeitsumfeld (z. B. Kanban-ähnliches Board von Meistertask), Moodle sowie weitere kollaborative Tools eigener Wahl

Vorbereitung

Konzept erstellen, Aufgabenstellungen, Moodle-Umgebung inkl. Medieninhalte

Anzahl Studierende

Teams 3-4 Personen, max. 6 Teams pro Lehrperson

Beratung

Austausch mit Unternehmen und anderen Unis, die bereits agile Arbeitsweisen implementiert haben

Diversität

heterogene Studierendenschaft durch Flexibilisierung und Beratungsangebote

Beschreibung

Im Modul „Berufliches Lernen als Anwendungsfeld digitaler Medien“ des M. A. „Bildung und Medien: eEducation“ werden Studierende mit agilen Lern- und Arbeitsweisen vertraut gemacht, die bereits in vielen Branchen umgesetzt werden. Unter dem Stichwort Agilität nutzen Unternehmen unterschiedliche methodische Ansätze, um auf die sich immer schneller ändernden Anforderungen des Marktes reagieren zu können, die zudem wenig planbar oder vorhersehbar sind. Agilität ist dabei eng verknüpft mit einem Mindset (Haltung) und erfordert eine entsprechende Unternehmenskultur. Neben einer schnellen Produktentwicklung verlagern sich Entscheidungsfindung und Umsetzung auf Teams, die oft interdizplinär / crossfunktional besetzt sind, um alle Perspektiven einzubeziehen.

So verlangt eine stetig wachsende Digitalisierung entsprechende Methoden und Kompetenzen, damit auch die Studierenden sowohl im wissenschaftlichen Umfeld als auch der Gesellschaft und Wirtschaft diesen Anforderungen gewachsen sind. Lebenslanges Lernen setzt agile Entwicklungssysteme voraus, so auch um die akademische Lehre erfolgreich an zukünftige Bedingungen und Herausforderungen anzupassen. Dabei erhalten Future Skills in Form von digitalen Interaktionen, transformative Fähigkeiten und Problemlösungsfähigkeit einen besonderen Stellenwert.

Im angesprochenen Modul wählen die Studierenden ein Dachthema (z. B. Mobiles Lernen in der beruflichen Bildung) für ein Projekt aus. In den jeweiligen Teams sollen sie die gewählte Thematik so aufbereiten, dass ihre Kommilit*innen einen guten Überblick bekommen. Inhalt(liche Tiefe) und die vermittelnde Form (das Medienformat) sind freigestellt, gehören aber begründet. Auch kann eine konkrete Eingrenzung über eine Forschungsfrage erfolgen. Für die methodische Umsetzung wird eine iterative Herangehensweise des agilen Arbeitens auf die Lehrveranstaltung übertragen. Dazu sollen die Studierenden zum einen unterstützend ein Kanban-ähnliches Board nutzen, dass ihnen in ihrem Entwicklungsprozess eine Struktur bieten soll, zum anderen ihre Reviews in einem kollaborativ genutzten Skript zusammentragen.

Screenshot Kanban-Board mit drei Spalten und diversen Aufgaben
Beispiel für ein Kanban-Board, Screenshot: FernUniversität

Selbstgesteuertes Lernen in agilen Teams benötigt entsprechende Freiräume und die Bereitschaft auf Veränderung. So bekommen die Studierenden als Vorgabe lediglich den Rahmen mitgeteilt. Die Studierenden werden motiviert, den Entwicklungsprozess in Phasen (sogenannte Sprints) einzuteilen. In den aus dem agilen Arbeiten bekannten Retrospektiven und Reviews tauschen die Studierenden ihre in dem Sprint entwickelten Ergebnisse und Erfahrungen aus. Es wird dokumentiert und reflektiert, was und wie gut und weniger gut gelaufen ist. Die Studierenden sind für ihre Ergebnisse selbst verantwortlich. So scheinen die Selbstorganisation und Selbststeuerung einer solchen Vorgehensweise eine Herausforderung zu sein; die Aufgabe ist aber durch das gemeinsame Bewusstsein mit Offenheit, Mut und gegenseitigem Respekt umsetzbar.

Ein mögliches Werkzeug innerhalb einer Retrospektive ist der Starfish (Seestern). Er dient zum Sammeln von Daten in einer Retrospektive, um das Nachdenken über Praktiken und den Wert, den das Team daraus zieht, zu fördern. Es hilft den Teammitgliedern, den wahrgenommenen Wert der anderen für das Projekt zu verstehen. Es geht darum, Verbesserungen für die zukünftige Arbeit zu finden und zu formulieren. Was soll „weiter so“ übernommen werden? Womit sollte man „anfangen“ und mit in die Teamarbeit aufnehmen? Auf was kann/sollte „verzichtet“ werden? Was soll „weniger oder mehr“ Raum bekommen?

Aufgrund der definierten Lehr-/Lernziele erfolgt die Ausrichtung der Lehrinhalte und der Prüfungsmethoden. Die Prüfung im Modul ist von daher eine Portfolioprüfung, die aus mehreren Bestandteilen besteht. Dazu wurde die Prüfungsordnung abgeändert und diese Art der Prüfung aufgenommen. Die Portfolioprüfung besteht zurzeit aus:

  • der Teamarbeit, für die es keine Benotung, sondern ein „Bestanden“ gibt. Die Spezifikation des agilen Lernens und Arbeitens zeichnet sich durch die Möglichkeit einer gute Fehlerkultur aus. So geht es in der Teilleistung nicht um als richtig oder falsch oder gut oder schlecht zu bewertenden Beiträge, sondern um eine Möglichkeit der Reflexion und des Zusammenspiels in Teams durch unterschiedliche agile Methoden in einer handlungsorientierten Praxis.
  • der Themenidee und dem Exposé für das finale Prüfungselement
  • einem ausgewählten dritten Portfolioprüfungselement, dass schriftlich, mündlich oder audio-visuell umgesetzt werden kann und benotet wird.

Bei dieser Art einer agilen Lern- und Arbeitsweise geht es um einen kontinuierlichen Lernprozess der Studierenden gekoppelt an einer Fehlerkultur, d.h. offen mit Problemen und Fehlern umzugehen zu lernen, sich selbst und sein Team zu organisieren, flexibel reagieren zu können und so auf die Anforderungen einer neuen Arbeitswelt vorbereitet zu sein. Eine fachwissenschaftliche Wissensentwicklung und Durchdringung sowie die Förderung erfahrungsbasierter Problemlösungsprozesse einer agilen Lern- und Arbeitsweise wirken zusammen auf eine gezielte Professionalität der Studierenden hin.

Weitere Informationen

Voraussetzungen

  • fundierte Kenntnisse im Themenkomplex „Agilität“
  • Kenntnisse über die eingesetzten Tools und Methoden zur Unterstützung von agilem Lernen bzw. Arbeiten
  • Modul und Inhalte sollten sich für die agile Herangehensweise eignen, d. h. der Einsatz empfiehlt sich eher für fortgeschrittene Semester

Tools

  • Kanban-Software
  • weitere kollaborative Tools für die Zusammenarbeit (z. B. Conceptboard)
  • Tools für die Erstellung der audio-visuellen Produkte

Hinweise

  • Abgleichen mit Prüfungsordnung erforderlich, wenn eine Portfolio-Prüfung durchgeführt werden soll
  • Austausch zu Lehridee wichtig (uni-intern oder uni-übergreifend)

Kontakt

Übersicht

Ziele

  • Praxisorientierung
  • Inhalte des Moduls über agile Arbeitsweisen erschließen
  • Reaktion auf die gesellsch. Veränderungsprozesse → Auswirkungen auf Betriebe und HR
  • Förderung von erfahrungsbasierter Problemlösungsprozesse
  • fachwissenschaftliche Durchdringung
  • Bewusstsein für Chance der Veränderung des Lernens
  • mehr Eigenverantwortung und Flexibilität bei der Selbststeuerung und dem kollaborativen Lernen

Kontext

  • Modul 5 (26105), M.A. Bildung und Medien: eEducation
  • Berufliches Lernen als Anwendungsfeld digitaler Medien

Problem

  • Einfluss gesellschaftlicher Transformationsprozesse (Digitalisierung, Veränderung der Arbeitswelt)
  • geringe Motivation, die semesterbegleitenden Prüfungs(vor)leistungen zu absolvieren; Fokus auf summative Prüfungen, Notwendigkeit zum kompetenzorientierten Prüfen
  • Notwendigkeit, den Schwerpunkt vom Lehren auf das Lernen zu verlagern (Shift from Teaching to Learning)

Lösung

  • Bewusstsein schaffen, was es bedeutet in der heutigen Zeit zu lernen
  • das Bewusstsein und die Chance auf Veränderung des Lernens und Lehrens durch die praktische Umsetzung und das Erleben sowie die Reflexion des Kompetenzentwicklungsprozesses
  • Einsatz von Medien und Tools, die agiles Arbeiten und Dokumentation unterstützen

Vorteile

  • Unterstützung zum Selbstlernen
  • Netzwerklernen
  • Reduktion von Frustration agiles Lernen bietet die Chance eine höhere Lern-/Leistungsmotivation sowie den Lernerfolg zu fördern.
  • Vorbereiten und Widerspiegeln der Arbeitswelt
  • Selbstorganisation, Eigenverantwortung
  • Blick schärfen für die eigene Kompetenzentwicklung, damit eine Verschiebung des Fokus weg von der Prüfung hin zum Prozess des Lernens
  • Neue Prüfungsform: Diese Art einer formativen Prüfung spiegelt zum einen nicht nur den Stand der Kompetenz der Studierenden wider, sondern kann Studierende in ihrem Lernverlauf motivierend unterstützen und diskursive Erörterungen und Reflexion in agilem Sinn fördern.

Nachteile

  • etwas mehr Betreuungsaufwand innerhalb einer kontinuierlichen Lernbegleitung


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