
In der Reihe „Innovative Lehrprojekte“ stellen wir die Projekte vor, die im Rahmen der Zertifikatsprogramme HD-NRW und E-Teaching-Zertifikat entstanden sind. Diesmal mit Isabelle Sarther aus dem Lehrgebiet Digitale Transformation in Kultur und Gesellschaft, die in Absprache mit der Modulverantwortlichen ein Portfolioprüfungsformat für ein Modul konzipiert hat.
Wie bist du auf die Idee zu deinem Projekt gekommen?
Ich bin seit 2023 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrgebiet für Digitale Transformation in Kultur und Gesellschaft bei Jun.-Prof. Dr. Jennifer Eickelmann beschäftigt. Eine unserer zentralen Aufgaben in der Anfangsphase des Lehrgebiets war die Entwicklung eines interdisziplinären Wahlmoduls zum Thema digitale Kultur im B.A. Kulturwissenschaften. Dabei war schnell klar, dass wir im Sinne des Modulthemas ein Prüfungsformat entwickeln wollten, das Theorie, Praxis sowie kritische Reflexion eng miteinander verzahnt. Unsere Entscheidung fiel daher auf eine Portfolioprüfung, deren konkrete Konzeption und Entwicklung zunächst hauptverantwortlich in meine Hände gelegt wurde. Da ich in dieser Zeit auch das E-Teaching-Zertifikatsprogramm absolvierte und dort spannende Anregungen für die Umsetzung der Portfolioprüfung sammeln konnte, entstand die Idee, die Entwicklung der Prüfung als mein E-Teaching-Projekt auszuwählen.
Welche Überlegungen lagen der Umsetzung des Projekts zugrunde?
Da eine Portfolioprüfung unterschiedliche Prüfungsformate miteinander verbindet, war eine zentrale Überlegung, nicht nur Wissensstände im klassischen Sinne zu überprüfen, sondern zugleich gezielt Medien-, Analyse- und Gestaltungskompetenzen bei den Studierenden zu fördern. Die Formate sollten damit auch abbilden, was das Modul den Studierenden lehrt: die Verknüpfung unterschiedlichster Medienformate, -praktiken, -diskurse, aber auch eine Annäherung an interdisziplinäre Formen der Wissensproduktion sowie -rezeption. So ist es kein Zufall, dass wir in der Prüfung ‚neue‘, ungewohnte und z.T. auch herausfordernde Formate, wie das wissenschaftliche Essay oder die audiovisuelle Präsentation, integrierten. Diese Kombination soll den Studierenden nicht zuletzt Raum für eine individuelle Schwerpunktsetzung eröffnen. So ist es etwa im dritten Prüfungselement möglich, sich mit einem Phänomen digitaler Kulturen zu beschäftigen, welches die Studierenden persönlich fasziniert bzw. interessiert.
Welche Herausforderungen sind dir während der Planung und der Durchführung begegnet?
Ich würde es nicht unbedingt Herausforderungen nennen, aber was im Entwicklungsprozess der Portfolioprüfung sehr deutlich wurde, ist, wie konstitutiv die enge Abstimmung mit verschiedenen Akteur*innen der FernUniversität für die Entwicklung und letztlich auch die Umsetzung der Prüfung war. Eben diese Abstimmung erfordert auch einige zeitliche Ressourcen, die bei einer Prüfungsentwicklung mitbedacht werden müssen – zumal die Prüfung zum Beginn des Wintersemesters 2025 / 2026 fertiggestellt werden musste. Zudem erwies sich die Ausgestaltung des zweiten Prüfungselements, der audiovisuellen Präsentation, als sehr zeitintensiv, da wir den heterogenen Vorkenntnissen der Studierenden der FernUniversität im Bereich Präsentationen und Medieneinsatz gerecht werden wollten und so etwa ein Videotutorial mit praxisanleitenden Hinweisen zur Gestaltung und Umsetzung der audiovisuellen Präsentation erstellten. Was sich außerdem als zentral erwiesen hat, ist die klare Kommunikation von Prüfungsanforderungen an die Studierenden, insbesondere in Form eines Prüfungsleitfadens, sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Prüfung auf Grundlage des Feedbacks der Studierenden.
Wie war die Reaktion der Studierenden?
Wir haben im Rahmen der Starter-Evaluation sehr positive Rückmeldungen zur Portfolioprüfung seitens der Studierenden erhalten. Sogar so positiv, dass das Modul von einigen Studierenden für den Lehrpreis der FernUniversität nominiert wurde. Toitoitoi! Viele Studierende haben rückgemeldet, dass sie die Portfolioprüfung als sehr abwechslungsreich und vielfältig erleben. Gleichzeitig wird hervorgehoben, dass insbesondere die Einführung alternativer Prüfungsformate, wie des wissenschaftlichen Essays oder der audiovisuellen Präsentation, zwar als herausfordernd, zugleich aber auch als spannend und bereichernd erlebt wird und Möglichkeiten eröffnet, das methodische Repertoire über klassische Prüfungsformen hinaus, wie z.B. eine Hausarbeit, zu erweitern. Was uns besonders gefreut hat, war, dass die Studierenden die wertschätzende und unterstützende Kommunikation der Dozierenden als besonders positiv herausstellten.
Was planst du noch für die Zukunft im Zusammenhang mit dem Projekt?
Mir und Jun.-Prof. Jennifer Eickelmann ist es ein zentrales Anliegen, unser Modul auf Grundlage der Rückmeldungen der Studierenden stetig weiterzuentwickeln. Da das Modul erst seit dem letzten Wintersemester angeboten wird, möchten wir gezielt unsere Erfahrungen in der studentischen Betreuung sowie das Feedback der Studierenden in den Modulevaluationen nutzen, um zu schauen, an welchen Stellen möglicherweise noch mehr Orientierung notwendig ist oder inwiefern die einzelnen Prüfungselemente noch weiter geschärft werden können.
Im Rahmen des E-Teaching-Zertifikatsprogramms habe ich außerdem einen Workshop zur Gestaltung eines Edu-Escape-Rooms besucht. Für die Zukunft hoffe ich, die Anregungen aus dem Workshop in die Praxis umzusetzen und einzelne Modulinhalte durch die Umsetzung eines solchen Escape Rooms spielerischer und interaktiver aufbereiten zu können.
Um nochmal Werbung in eigener Sache zu machen: Interessierte Studierende könnten sich natürlich jederzeit im Studienportal über die Inhalte des Moduls ‚Digital Cultures‘ informieren.
Wie hat sich die Teilnahme an den Workshops des Zertifikatsprogramms auf dein Projekt ausgewirkt?
Ich kann abschließend sagen, dass die Umsetzung der Portfolioprüfung eine ideale Möglichkeit bot, um meine erlernten Kenntnisse und Kompetenzen im E-Teaching-Zertifikatsprogramms in vielfältiger Art und Weise zur Anwendung zu bringen. Meine Kenntnisse trugen dabei nicht nur dazu bei, die Prüfung mit mediendidaktischen Grundlagen, wie etwa der Formulierung von Lehrzielen, zu unterfüttern, sondern auch die technische Umsetzung, wie z.B. die Umsetzung des Moodle-Tests, zu erleichtern. Zudem hat mir das Programm aufgezeigt, wie förderlich sich eine mediendidaktische Weiterbildung für die (digitale) Lehre im Allgemeinen erweist. Ich habe für meine eigene Lehre – sei das im Kontext des Moduls oder auch von Seminaren – unglaublich viel mitnehmen und bereits in die Praxis umsetzen können und kann die Teilnahme am ETZ-Programm daher nur wärmstens empfehlen.
Der Projektbericht kann in unserer Reihe „Innovative Lehrprojekte an der FernUniversität in Hagen“ eingesehen werden.
