Lisa Gmeiner
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FernUniversität
Abschlüsse:
2026 Master of Arts, Geschichte Europas an der FernUniversität Hagen, Masterarbeit: „Bomben gegen Minderheiten“. (Nicht-)Erinnern an rechten Terror im postnationalsozialistischen Österreich
2022 Bachelor of Arts, Kulturwissenschaftlern mit Fachschwerpunkt Geschichte FernUniversität in Hagen. Bachelorarbeit: Eine erinnerungskulturelle Verortung der „Lebensbornkinder“ in Norwegen.
Stipendien:
2024 Deutschlandstipendium
2025 Deutschlandstipendium
Publikationen:
Aufsätze:
„Verliebt und verachtet. ‚Deutschenmädchen‘ und ‚Lebensbornkinder‘ im kollektiven Gedächtnis Norwegens“, in: BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen 35 (2024), H. 2.
„Bevölkerungspolitik im Nationalsozialismus: der Verein ‚Lebensborn‘“, in: Sozial.Geschichte Online: Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts (2024).
Forschungsschwerpunkte:
NS-Bevölkerungspolitik, -Täter:innenforschung und -Erinnerungskultur
Globalgeschichte des 20. Jahrhunderts
Historische Rechtsextremismusforschung
Beschreibung des Dissertationsprojektes:
Transnationale „Vergangenheitsbewältigung“? – Versuchte und erfolgte Auslieferung von NS-Täter:innen von den USA in die Bundesrepublik Deutschland 1970–2008.
In meinem Forschungsprojekt untersuche ich die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit bei der Verfolgung von NS-Täter:innen, die nach 1945 in die USA eingewandert waren. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass diese Kooperation häufig als langjährige Erfolgsgeschichte gedeutet wird, in der historisch gewachsene moralische Verpflichtungen selbst dann handlungsleitend blieben, wenn die politische Partnerschaft im Übrigen unter Druck geriet. Ich frage deshalb, welchen Einfluss das juristische Vorgehen der USA und der BRD gegen NS-Täter:innen auf den bundesdeutschen Umgang mit NS-Verbrechen hatte. Dabei interessiert mich, wie sich die Zusammenarbeit seit den 1970er Jahren entwickelte, wer sie vorantrieb und wie die praktische Rechtshilfe zwischen den Behörden beider Länder funktionierte. Ein besonderes Augenmerk gilt der Doppelrolle der USA als ehemalige Besatzungsmacht und zugleich NATO-Verbündete. Dabei prüfe ich, ob sich die Deutung des Verhältnisses, in dem die USA der Bundesrepublik moralische und rechtliche Maßstäbe vermittelten, empirisch bestätigen lässt oder ob sich die Zusammenarbeit eher als Aushandlung gleichrangiger Deutungen von Schuld, Verantwortung und Gerechtigkeit darstellt.
Den historischen Rahmen bilden die Einwanderung mehrerer tausend NS-Täter:innen in die USA nach 1945, der Fall Hermine Braunsteiner Ryan als erste Auslieferung einer NS-Täterin in die Bundesrepublik sowie die Gründung des Office of Special Investigations (OSI) im Jahr 1979. Auf deutscher Seite war die Zentrale Stelle in Ludwigsburg für Rechtshilfeersuchen und Vorermittlungen zuständig. Meine Untersuchung stützt sich auf die umfangreichen Akten zum Rechtshilfeverkehr zwischen 1970 und 2008. Theoretisch verorte ich die Arbeit in der Transitional-Justice-Forschung, die ich um zwei Dimensionen erweitere: die zeitliche Entkopplung der Verfolgung vom eigentlichen Systemwechsel und ihre transnationale Verlagerung in einen Drittstaat, der selbst nicht Tatort der Verbrechen war. Methodisch folge ich einem verflechtungsgeschichtlichen Ansatz im Sinne der histoire croisée. Er begreift die beteiligten Behörden nicht als fixe nationale Einheiten, sondern als Akteure, die sich erst im wechselseitigen Austausch konturieren. Wie wirkt Gewalt in Rechtsordnungen, Behörden und Beziehungen zwischen Staaten fort, und in welchen Formen wird sie nachträglich bearbeitet?