Wer schon einmal ein Quiz in einer Lernplattform erstellt, eine Folie gestaltet oder Rückmeldungen in einem digitalen Lernmodul eingebaut hat, kennt das Problem: Farbe ist schnell eingesetzt und wirkt auf den ersten Blick sehr klar. Rot signalisiert Fehler, Grün steht für richtig, Blau markiert Links. All das ist vertraut, bequem und visuell ansprechend.
Aber genau diese scheinbar einfache Lösung kann zur Hürde werden. Denn nicht alle Menschen nehmen Farben gleich wahr. Wenn eine Information nur über Farbe vermittelt wird, ist sie für manche Nutzer*innen schwer oder gar nicht erfassbar. In der digitalen Lehre ist das besonders relevant, weil dort Inhalte häufig in sehr knapper, visuell verdichteter Form präsentiert werden.
Warum Rot und Grün besonders kritisch sind
Rot-Grün-Sehschwächen gehören zu den häufigsten Formen der Farbfehlsichtigkeit. Für betroffene Personen können sich beide Farben stark ähneln. Das wird vor allem dann zum Problem, wenn die Farben eine klare Bedeutung tragen sollen, z.B.: grün = richtig und rot = falsch.
In vielen digitalen Lernformaten ist diese Farblogik weit verbreitet. Sie wirkt intuitiv, ist aber nicht barrierefrei, wenn die Farbe der einzige Hinweis bleibt. Gerade in Quizzen oder Feedbacksystemen kann das dazu führen, dass die eigentliche Information nicht mehr sicher wahrgenommen wird.
Ein Beispiel aus der digitalen Lehre

Stellen wir uns ein Online-Quiz vor: Eine Antwort wird grün markiert, wenn sie richtig ist, und rot, wenn sie falsch ist. Wer die Farben klar unterscheiden kann, erkennt das sofort. Wer aber eine Rot-Grün-Sehschwäche hat, sieht möglicherweise zwei sehr ähnliche Markierungen und damit keine verlässliche Rückmeldung.
Sicherer wird es erst dann, wenn zusätzlich ein Haken für die richtige Antwort und ein Kreuz für die falsche Antwort angezeigt werden. Dann bleibt die Information verständlich, auch ohne Farbwahrnehmung.
Farbe immer mitdenken — aber nie allein einsetzen
Für die Gestaltung digitaler Lehrmaterialien gilt deshalb ein einfacher Grundsatz: Farbe darf unterstützen, aber nie allein informieren. Das lässt sich gut umsetzen, wenn wichtige Hinweise zusätzlich über andere Merkmale sichtbar gemacht werden, zum Beispiel durch Symbole, Formen oder Text.
Auch bei Links ist das wichtig: Ein Link sollte nicht nur farblich hervorgehoben sein, sondern zusätzlich etwa durch eine Unterstreichung im Fließtext erkennbar werden. Eine Unterstreichung nur beim Mouseover reicht nicht aus, weil sie nicht in jeder Nutzungssituation sichtbar ist.
Ein einfacher Praxischeck für Lehrmaterialien
Gerade in der digitalen Lehre hilft ein sehr einfacher Test: Funktioniert das Material auch in Schwarzweiß?
Wenn Folien, PDFs oder Lernmodule ohne Farbe noch verständlich sind, ist das meist ein gutes Zeichen. Wenn nicht, sollten wir nachbessern. Dieser Perspektivwechsel ist oft erstaunlich aufschlussreich und verbessert die Verständlichkeit für alle.
Weiterführende interne Seite
Barrierefreies Web der FernUni: Abschnitt „Ohne Farben nutzbar“
Weiterführende externe Beiträge
Blogbeitrag der Landesfachstelle Barrierefreiheit zum thema „Ohne Farbe nutzbar“
Prüfschritt 9.1.4.1 Ohne Farben nutzbar | BIK BITV-Test Ergebnisse und Methodik | BIK BITV-Test
