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Colloquium: Leben mit den Toten. Verstreute Tatorte des Holocaust lesen

[13.02.2026]

17. März 2026, 19.00 Uhr, Topographie des Terrors, Berlin


Prof. Felix Ackermann gestaltet gemeinsam Prof. Dr. Magdalena Saryusz-Wolska das Jubiläums des Klaus Zernack Colloquiums in der Berliner Topographie des Terrors. Unter dem Titel "Leben mit den Toten. Verstreute Tatorte des Holocaust lesen“ diskutieren sie, wie die Folgen der deutschen Besatzung bis heute Mittel- und Osteuropas prägen. Der Holocaust, die Verfolgung von Sinti und Roma sowie anderer Einwohner der Region hinterließen Tausende Massengräber. Auch die sterblichen Überreste der meisten Jüdinnen und Juden, die jenseits von Auschwitz, Sobibor und den anderen Vernichtungslagern in der Nähe ihrer Wohnorte erschossen wurden, sind nicht verschwunden. Die Beweise dieses „verstreuten Holocausts“ befinden sich nach wie vor im Boden und stellen ein schwieriges Erbe dar, dem sich die Gesellschaften in der Region stellen müssen. Die Auseinandersetzung mit den physischen Spuren des deutschen Vernichtungskriegs erfordert nicht nur historische, sondern auch archäologische, kartografische oder sogar dendrologische Forschungen. Die Gebeine der Opfer stellen bis heute auch eine Herausforderung für die lokale Zivilgesellschaft dar. In ihrem alltäglichen Umgang mit den Orten der Zerstörung jüdischen Lebens geben sie eine Antwort darauf, wie im 21. Jahrhundert an den Holocaust jenseits der Vernichtungslager erinnert werden kann.

Prof. Dr. Magdalena Saryusz-Wolska: Kulturwissenschaftlerin und Soziologin, Direktorin des Deutschen Historischen Instituts (DHI) in Warschau, Professorin am Institut für Zeitgenössische Kultur der Universität Lodz (beurlaubt). Sie beschäftigt sich mit Forschung zu kollektiver und kultureller Erinnerung, visueller Geschichte und Mediengeschichte. Autorin u. a. von „Microhistories of Memory. Remediating the Holocaust by Bullets in Postwar West Germany”, Berghahn 2024 sowie wissenschaftlicher Artikel in Memory Studies, The Public Historian und German Studies Review.

Prof. Dr. Felix Ackermann, seit 2022 Professor für Public History an der FernUniversität in Hagen. Er erforscht das Nachwirken von Gewalt im östlichen Europa und der Bundesrepublik. Gemeinsam mit Studierenden erarbeitete er einen Stadtführer über die jüdische Stadt Grodno in Belarus sowie einen Audioguide durch das litauische Jonava, in dessen Ortsteil Rukla die Bundeswehr rotierend präsent ist. Über den Wald von Rūdninkai, in dem die Litauen-Brigade stationiert sein wird, erschien zuletzt ein Essay in LeMonde Diplomatique.

Prof. Dr. Igor Kąkolewski (Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, CBH PAN)

Das Ziel der Jubiläumsausgabe des vom Zentrum für zeithistorische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften ins Leben gerufenen Klaus Zernack Colloquiums besteht darin, auf der Grundlage der interdisziplinären Erfahrungen die neuesten Forschungsergebnisse aus den Bereichen Geschichte und Sozialwissenschaften im weiteren Sinne vorzustellen. Die Referent:innen und Moderator:innen der diesjährigen Veranstaltungsreihe sind aktuelle und ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter:innen des CBH PAN sowie von ihnen eingeladene Gäste aus Deutschland und Polen. In ihren Forschungen verbinden sie Geschichte mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen. Der erste Abend der Reihe findet in Kooperation mit der Stiftung Topographie des Terrors statt.

Wann? 17. März 2026, 19.00 Uhr
Wo? Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Wer? Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Magdalena Saryusz-Wolska, Warschau und Prof. Dr. Felix Ackermann, Hagen
Moderation: Prof. Dr. Igor Kąkolewski, Berlin

Eine Veranstaltung des CBH PAN Berlin in Kooperation mit der Topographie des Terrors Berlin. Die Veranstaltung ist zugleich Eröffnungsveranstaltung des Klaus Zernack Colloquiums 2026 „Geschichte Plus – Interdisziplinarität am Zentrum für Historische Forschung Berlin“.

2026-02-13-TopografieBerlin Foto: Lietuvos ypatingasis archyvas
Lageskizze der Erschießungsstelle in der litauischen Stadt Jonava, in deren Stadtteil Rukla heute ein Teil der Brigade 45 der Bundeswehr stationiert ist.