Forschungsgruppe

digital humanities – Forschen im digitalen Raum

Foto: gemeinfrei / Grafik: Florian Windhager
  • Die nahezu alle Lebensbereiche umfassende Digitalisierung macht auch vor den Geisteswissenschaften nicht halt, löst in diesem Feld aber vielfach eher Skepsis denn Begeisterung aus. Die Digital Humanities signalisieren demgegenüber den Aufbruch geisteswissenschaftlicher Forschung in die digitale Welt. An der Schnittstelle zwischen Informatik und Gei­stes­wis­sen­schaften angesiedelt, beschäftigen sich die Digital Humanities damit, neue Entwicklungen in der Informatik auf ihre Verwendbarkeit in den Geisteswissenschaften zu prüfen oder eigenständig neue Verfahren zu entwickeln. Interessant wird die Nutzung neuer Informationstechnologie vor allem dort, wo mit computergestützten Verfahren die Grenzen traditioneller Methoden überschritten werden und neues Forschungsterrain betreten wird. Sei es, dass in Untersuchungen viel größere Datenmengen eingebracht werden können und dadurch sogleich neue und andere Fragestellungen bearbeitbar werden; sei es, dass ganz neue Gegenstandsbereiche erschlossen werden, z.B. durch die Möglichkeit, nicht bewusste Sprach­eigen­tümlich­keiten zu beschreiben und in großen Textkorpora nachzuweisen. Die Digital Humanities verstehen sich als Agenten digitaler Methoden, indem sie innerhalb der geisteswissenschaftlichen Fachcommunity für deren Nutzung werben. Gleichzeitig reklamieren sie für sich den Anspruch, den Prozess der daten- und informationstechnologisch getriebenen geisteswissenschaftlichen Forschung selbstreflexiv und kritisch zu begleiten.

    In enger Zusammenarbeit von Informatikern und Geisteswissenschaftlern will die Forschungsgruppe „digital humanities. Forschen im digitalen Raum“ Kompetenzen bündeln, weiterentwickeln und innovative Forschungsvorhaben angehen. Ein Schwerpunkt sind die Herausforderungen digitaler Forschungs- und Informationsinfrastrukturen. Computergestützte Verfahren der Text- und Audioanalyse spielen hier ebenso eine Rolle wie Fragen des Datenmanagements, -retrievals und die Bereitstellung von Daten und Analysewerkzeugen zum kollaborativen Arbeiten im digitalen Raum. Ein Ziel der Forschungsgruppe ist der Aufbau eines Kompetenznetzwerkes im Bereich digitaler Forschungs- und Informationsinfrastrukturen. Methodisch will die Forschungsgruppe die Anwendung computergestützter Verfahren des Natural Language Processing und Text Mining/Audio Mining voranbringen, in Projekten erproben und deren wissenschaftlichen Ertrag reflektieren.

  • Oral-History.Digital

    Das DFG-Projekt Oral-History.Digital konzipiert und implementiert eine digitale Informationsinfrastruktur für wissenschaftliche Sammlungen von audiovisuell aufgezeichneten narrativen Interviews, v.a. für die zeitgeschichtliche Forschung. Die Arbeitsumgebung unterstützt sammelnde Institutionen und Forschungsprojekte bei der Archivierung, Erschließung und Bereitstellung sowie der sammlungsübergreifenden Recherche, Annotation und Auswertung.

    Interviewprojekte können Audio- und Video-Interviews mit zugehörigen Transkripten, Biographien, Bildern etc. einstellen, bearbeiten und mittels einer differenzierten Nutzerverwaltung den wissenschaftlichen Communities zugänglich machen. Das konfigurierbare Set von teils bewährten, teils neu entwickelten Werkzeugen unterstützt die mit den Interviews arbeitenden Forscher/innen bei der sammlungsübergreifenden Suche über Metadaten und timecodierte Volltexte und bei der Annotation von Suchergebnissen.

    Das an der FernUniversität beheimatete Archiv "Deutsches Gedächtnis" ist im Besitz der ältesten Oral History-Sammlung in Deutschland und wird mit seiner langjährigen Expertise auf dem Gebiet der Digitalisierung von audiovisuellen Quellen eine tragende Rolle im Projekt Oral-History.Digital spielen.

    Aufbau einer Archivverwaltungsinfrastruktur mit Langzeitarchivierung

    In enger Zusammenarbeit mit dem Lehrgebiet für Multimedia- und Internetanwendungen entsteht eine datenbankbasierte Verwaltungsinfrastrukur für das Archiv "Deutsches Gedächtnis". Besonderes Augemerk liegt hierbei auf der Langzeitarchivierung digitalisierter historischer Quellen und der aktiven Nachwuchsförderung. Bislang sind am LGMMIA eine Bachelor- und eine Masterarbeit im Zusammenhang mit dem Aufbau der Infrastruktur entstanden.

    Anwendung, Adaption und Reflexion von Methoden aus dem Bereich Natural Language Processing bzw. Text Mining

    Die Forschungsgruppe baut an der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften in Kooperation mit der Fakultät Mathematik und Informatik Kompetenzen im Bereich des Natural Language Processing bzw. Text Mining auf, indem sie deren Methoden anwendet und an Fragestellungen der beteiligen Lehrgebiete bzw. Institute adaptiert. Dabei ist die Entwicklung und Erprobung von Methoden eng verknüpft mit deren kritischer Reflexion. Wir gehen davon aus, dass die Digital Humanities die klassischen Methoden und Fragestellungen der Geisteswissenschaften konstruktiv und fruchtbringend erweitern können. Gleichzeitig ergeben sich aus den praktizierten Verfahren Fragen nach dem epistemologischen Wandel im Zuge der Digitalisierung. Was bedeutet es, wenn die Beziehungen der sprachlichen Zeichen untereinander statistisch modelliert werden? Was heißt das für die Struktur des sprachlichen Zeichens und für die Struktur der Repräsentation?

    KA3 - Kölner Zenrum Analyse und Archivierung von AV-Daten. Teilprojekt: Pilotprojekt Oral History [abgeschlossen]

    Das Projekt dient dem Aufbau und der Weiterentwicklung eines fach‐ und standortübergreifenden Kölner Zentrums für Analyse und Archivierung audiovisueller Daten (KA3) mit den drei Komponenten Analyse, Archivierung/Publikation und Schulung/Beratung. Besondere Aufmerksamkeit gilt den mit einander zusammenhängenden Problemen der interaktionsbezogenen Strukturierung und der effizienten Bereitstellung und Archivierung von audiovisuellen Daten, die sowohl geisteswissenschaftlich wie informationstechnologisch erforscht werden sollen und die von grundlegen‐ der Bedeutung für die wissenschaftliche Arbeit mit AV‐Daten sind.

    Foto: Veit Mette

    Das Archiv "Deutsches Gedächtnis" stellt seine umfängliche Datensammlung zur Verfügung, die im Rahmen des Projekts unter Anwendung der von den Technologiepartnern zur Verfügung gestellten Werkzeuge und Dienste hinsichtlich einer eng begrenzten Fragestellung untersucht werden. Übergeordnetes und langfristiges Ziel des KA3 ist es, durch den Einsatz moderner Informationstechnologien den Umgang mit AV‐Daten effizienter zu gestalten, und zwar durch die Reduktion des Ressourceneinsatzes für die die Analyse vorbereitenden Schritte und die Durchführung von Analysen mit direktem Zugriff auf das Signal, also ohne die einer Transkription inhärenten Reduktionen.

  • Dr. Almut Leh (Leitung)

    E-Mail: almut.leh

    Institut für Geschichte und Biographie, Fakultät KSW, FernUniversität in Hagen
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    Dennis Möbus (Koordination)

    E-Mail: dennis.moebus

    Institut für Geschichte und Biographie, Fakultät KSW, FernUniversität in Hagen
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    Prof. Dr.-Ing. Matthias Hemmje

    E-Mail: matthias.hemmje

    Lehrgebiet für Multimedia und Internetanwendungen, Fakultät M+I, FernUniversität in Hagen
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    Dr.-Ing. Felix Caspar Engel

    E-Mail: felix.engel

    Lehrgebiet für Multimedia und Internetanwendungen, Fakultät M+I, FernUniversität in Hagen
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    Dr.-Ing. Munir Salman

    E-Mail: salman.munir

    Helmut Hofbauer, M.A.

    E-Mail: helmut.hofbauer

    Lehrgebiet Neuere deutsche Literatur-wissenschaft und Medienästhetik, Fakultät KSW, FernUniversität in Hagen
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    Dr. Cord Pagenstecher (externer Partner)

    E-Mail: cord.pagenstecher

    Center für Digitale Systeme (CeDiS)/Universitätsbibliothek, Freie Universität Berlin
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