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Vortrag: Warschau 1905 – Geschichte machen und die Moderne anführen

[28.05.2026]

04. Juni 2026, 18:00 Uhr, Pilecki-Institut Berlin


2026-05-28-ClaraFrysztacka Foto: privat

Impuls: Dr. Clara M. Frysztacka (Berlin), Kommentar: Dr. Johannes Bent (Frankfurt (Oder))

Fortschritt und Revolution gelten als zentrale Kategorien des Zeitgefühls der Monderne. Der Fortschrittsbegriff transportiert das moderne Verständnis von Geschichte als einer übermächtigen Entwicklungskraft. Die Revolution hingegen eröffnet die ebenso moderne Vorstellung, dass Menschen die historische Entwicklung aktiv gestalten können. Der Vortrag analysiert, wie diese zwei miteinander verflochtenen Aspekte der Geschichte – ihre Übermacht und ihre Machbarkeit – die Wahrnehmung der Gegenwart während der Revolution des Jahres 1905 in Warschau entscheidend prägten. Die Warschauer Massenpresse deutete die Demonstrationen, Streiks und Repressionen, die die polnische Hauptstadt unter zaristischer Herrschaft das ganze Jahr über erschütterten, im Spannungsfeld zwischen diesen zwei Polen. Damit versuchte sie, den Platz Warschaus in der westlichen Moderne zu definieren.

Dr. Clara M. Frysztacka ist Historikerin. Zu ihrer Forschungsschwerpunkten zählen insbesondere die Geschichte der Geschichtstheorie und Modernevorstellungen, post- und dekoloniale Geschichte Osteuropas, gesellschaftlicher und politischer Wandel in den langen 1970er Jahren und Europaideen und Europäisierungsprozesse des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für europäische Zeitgeschichte der Universität Siegen (2012−2015) und der Europa-Universität Viadrina. Seit Juli 2023 arbeitet sie als Referentin für Zeitgeschichte bei der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie ist zugleich Mitherausgeberin des Portals Copernico für Geschichte und Kulturerbe im östlichen Europa.

Mehrzahl Moderne: Das Lehrgebiet Public History der FernUniversität in Hagen fragt gemeinsam mit dem Pilecki-Institut Berlin, wie die neueren Geschichten Polens, der Ukraine und von Belarus als Teil der Geschichte Europas erzählt werden können. Wie lassen sich die historischen Erfahrungen dieser Gesellschaften erzählen, ohne historische Vorstellungen von Asymmetrie, Rückständigkeit und Überlegenheit fortzuschreiben? Eine Antwort auf diese Frage ist, die Moderne als Mehrzahl unterschiedlicher, miteinander verwobener Prozesse zu verstehen. Die Sensibilität für die Vielstimmigkeit, Komplexität und Verflechtung der Region ermöglicht den Blick auf die vermeintliche Peripherie zu schärfen. Indem wir ihre Vergangenheit ins Zentrum rücken, erinnern wir daran, dass heute über die Zukunft Europas in der Ukraine entschieden wird. Die Veranstaltungen werden aufgezeichnet und im Herbst 2026 im Modul M1 des MA Geschichte Europas zur Verfügung gestellt.

Übersicht aller Termine: https://www.fernuni-hagen.de/geschichte/lg4/aktuelles/news_0042.shtml
Adresse: Pilecki-Institut Berlin, Pariser Platz 4a, 10117 Berlin
Anmeldung für die Teilnahme vor Ort: Zum Anmeldeformular
Anmeldedaten für die Zoom-Übertragung: per E-Mail an public-sekretariat
2026-05-28-Zeitungsboten-MehrzahlModerne Foto: Polona.pl, syg. F.43464.
Streik der Zeitungsboten des Kurier Warszawski im November 1905, Strajk roznosicieli Kuriera Warszawskiego listopad 1905