Dr. Nils Jablonski

Nils Jablonski Foto: Mirna Zeman

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Lebenslauf

Studium der Fächer Germanistik und Kunst sowie der Angewandten Literatur- und Kulturwissenschaft in Dortmund und Zürich. Seit 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medienästhetik von Prof. Dr. Michael Niehaus an der FernUniversität in Hagen. Davor wissenschaftlicher Mitarbeiter und Studienkoordinator (i.V.) an der Technischen Universität Dortmund. Mitglied des Kasseler Komik-Kolloquiums sowie des DFG-Netzwerks "Politiken der Idylle".


Lg Medienaesthetik Mitarbeiterpan20Bild: gemeinfrei (Pixabay/Creative Commons CC0)/Nils Jablonsk

Forschungsschwerpunkte

Fachliche Ausrichtung

  • Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaft
  • Semiotik, Rhetorik und materiale Topik
  • (post-)strukturalistische Literaturtheorie
  • Bildwissenschaft und Kunstgeschichte

Gegenstände und Arbeitsbereiche

  • Neuere und Neueste deutsche Literatur (18. bis 21. Jh.)
  • Idylle und Idyllik
  • Kitsch und Trivialliteratur
  • Film, Fernsehen und neue Medien
  • Komik und Humor
  • populäre und visuelle Kultur
  • Interkulturalität und Gender
  • (experimentelle) Lyrik
  • Tourismus, Reiseliteratur und ambulantes Aufzeichnen

Publikationen

  • im Erscheinen

    in Vorbereitung
    • Himmlischer Humor. Engeldarstellungen in der Kitsch-Art und ihre Vor-Bilder in religiösem Kitsch und populärer Kultur [Manuskript; Veröffentlichung in Vorbereitung].

  • im Erscheinen
    • „Verdichtete Dichtung. Kitsch als Komik ohne Humor“, in: Block, Friedrich W. / Wirth, Uwe (Hgg.): Grenzen des Komischen, Bielefeld: Aisthesis (= Kulturen des Komischen 6) [im Erscheinen].

    • „‚So ist die ganze Insel wie eine Idylle und wirkt wie ein Gedicht‘. Eine medienästhetische Betrachtung zu Idyllik und Lebensform am Beispiel der griechischen Ferieninsel Korfu im touristischen, literarischen und medialen Kitsch“, in: Riedel, Christian / Gerstner, Jan / Schmitt, Christian (Hgg.): Literatur in Wissenschaft und Unterricht. Themenheft ‚Idylle‘ [im Erscheinen].

    • „Interkulturelle Identität und enantiomorphe Existenz. Asymmetrische Spiegelungen in Kutluğ Atamans Lola und Bilidikid (1999)“, in: Bayrak, Deniz / Ekinci, Yüksel / Reininghaus, Sarah (Hgg.): Filme der Gegenwart von deutsch-türkischen Filmemachern in (hoch)schulischen Kontexten – sprach- und kulturwissenschaftliche Perspektiven, Wien: Praesens [im Erscheinen].


    in Vorbereitung
    • „Flashback-Cues. Markierung und Motivierung filmischer Erinnerungsbilder“, in: Gradinari, Irina / Niehaus, Michael (Hgg.): Film/Erinnerung [in Vorbereitung].

    • „‚Ich hab’ hier nur für zwei gekocht‘. Parasitäre Komik in Helge Schneiders Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993)“, in: Block, Friedrich W. / Wirth, Uwe (Hgg.): Komik und Kulinarik, Bielefeld: Aisthesis (= Kulturen des Komischen 7) [in Vorbereitung].

    • "'God Hates Fangs'. (Subverting) Racial and Gender Stereotypes in the Vampire-Genre", in: Gradinari, Irinia / Ritzer, Ivo (Hg.): Medienwissenschaft und Critical Race Theory [in Vorbereitung].


    erschienen
    • „Kopfkino. Mediale Transgression und visuelle Synchronisation: Das Konformieren des Imaginären im Film", in: Güsken, Jessica / Lück, Christian / Peeters, Wim / Risthaus, Peter: Konformieren, Heidelberg: Synchron 2019, S. 245-271.

    • „Von Das Traumschiff bis True Blood. Idylle als Programm im Unterhaltungsfernsehen“, in: Gerstner, Jan / Riedel, Christian (Hgg.): Idyllen in Gegenwartsliteratur und -medien, Bielefeld: Aisthesis 2018, S. 163-181.

    • „Vorausschauende Rückblicke und erinnernde Ankündigungen. Adelbert von Chamissos epistolarisches und notierendes Aufzeichnen auf der Weltreise 1815-1818“, in: Drews, Julian / Ette, Ottmar / Kraft, Tobias / Schneider-Kempf, Barbara / Weber, Jutta (Hgg.): Forster – Humboldt – Chamisso. Weltreisende im Spannungsfeld der Kulturen, Göttingen: V&R unipress 2017, S. 171-182.

    • „Zeitungs- und Zeitschriftenkolumnen, Witzseiten“, in: Komik – Ein interdisziplinäres Handbuch, hrsg. v. Uwe Wirth, Stuttgart / Weimar: J.B. Metzler 2017, S. 329-330.

    • „Humor- und Satirezeitschriften“, in: Komik – Ein interdisziplinäres Handbuch, hrsg. v. Uwe Wirth, Stuttgart / Weimar: J.B. Metzler 2017, S. 330-338.

    • „Die Komik der digitalen Medien“, zusammen mit Friedrich W. Block, in: Komik – Ein interdisziplinäres Handbuch, hrsg. v. Uwe Wirth, Stuttgart / Weimar: J.B. Metzler 2017, S. 396-400.

    • „‚irgendwo zwischen augengenuß und semantik‘. Das Visuelle in Christian Steinbachers (frühen) Texten“, in: Die Rampe. Hefte für Literatur 3/2016, S. 128-135.

    • „Interkulturelle Inkongruenzen. Zur medialen Inszenierung missverständlicher Verständigung“, in: Schenk, Klaus / Cornejo, Renata / Szabó, László V. (Hgg.): Zwischen Kulturen und Medien. Zur medialen Inszenierung von Interkulturalität, Wien: Praesens 2016, S. 258-272.

    • „‚Wer bist du wer du denkst?!‘ Interkulturelle Komik des Stereotyps“, in: Schaffers, Uta / Diekmannshenke, Hajo / Neuhaus, Stefan (Hgg.): Das Komische in der Kultur, Marburg: Tectum 2015, S. 449-463 (= Koblenzer Studien zur Germanistik 1).

    • „Deconstructing Dracula: The Vampire as Semiotic Body in Stephenie Meyer’s Twilight“, in: Lötscher, Christine / Schrackmann, Petra / Tomkowiak, Ingrid / Holzen, Aleta-Amirée von (Eds.): Transitions and Dissolving Boundaries in the Fantastic, Münster: Lit-Verlag 2014, S. 167-178.

    • „Auswahlbibliographie ‚Komik- und Humorforschung‘“, in: Block, Friedrich W. / Lohse, Rolf (Hgg.): Wandel und Institution des Komischen, Bielefeld: Aisthesis 2013, S. 379-394 (= Kulturen des Komischen 5).

    • „Lyrik, intermedial. Rezension zu Martina Pfeilers Poetry Goes Intermedia (2010)“, in: Sprachkunst. Beiträge zur Literaturwissenschaft, Jg. 41, 2. Halbband 2010, S. 347-350.

    • „‚Im grauen Anzug haarscharf an der Realität vorbei.‘ Ein Gespräch mit dem deutschen Kinder- und Jugendbuchautor Joachim Friedrich“

    • Harald Ries: „Zwischen Kitsch und Katastrophe“ [Interview], Westfalenpost (23.07.2018)

    • FernUni-Podcast ‚Vorgestellt‘ (Mai 2018), Interview: „Der Reiz der Vorhersehbaren

    • Terzwerk, Eldoradio (Dezember 2016), Interview: „Kitsch“

    • Kulturgrube, Online-Feature von Pflichtlektüre (Juni 2015), Interview: „Tarantino, Traumschiff und Kitsch“

    • Ida Haltaufderheide: „Zwischen Erotik und Ekel“ [Interview], in: Pflichtlektüre (Dezember 2012)


Wissenschaftliche Tätigkeiten

  • Ankündigung

    • "Idyllische Überlagerungen. Jean-Jacques Rousseaus epistolarische (Selbst-)Inszenierung als Gessner-Leser und ihre rezeptiven Konsequenzen in der Idyllentheorie bei Schiller und Jean Paul", GSA 43rd Annual Conference, Panel: Vexierbilder: Autorinszenierungen und Autorbilder von 1800 bis zur Gegenwart, Portland, Oregon (USA), 3. bis 6. Oktober 2019

    • "Die parasitäre Komik gegenwärtiger Mediensatire: Neo Magazin Royale", Interdisziplinäre Tagung: Grenzen des Sag- und Zeigbaren - Humor im Bild von 1900 bis heute, Universität Duisburg-Esseb, 27. bis 29. Juni 2019

    Archiv

    • „Die idyllische Ambivalenz des Strandes. Danny Boyles The Beach (2000) als filmisches Ausstiegs-Narrativ“, Fluchten aus dem Alltag. Räume der Sehnsucht zwischen Idylle und Tourismus, 9./10. November 2018, Johannes Gutenberg Universität Mainz

    • „‚Ich hab' hier nur für zwei gekocht‘ - Komik und Kulinarik in den Filmen Helge Schneiders“, Kasseler Komik-Kolloquium „Komik und Kulinarik“, 01. – 03. März 2018, Kassel

    • „Titanic – Kitschige Katastrophe oder katastrophaler Kitsch?“, Vortragsreihe Wissenschaftsgespräche, 21. Februar 2018, FernUniversität in Hagen

    • „Idylle und Kitsch in Tourismus, Literatur und Film. Über die Stimmungsbilder der ‚Industrien des Begehrens‘“, Ringvorlesung „Sprechen über Literatur“, WiSe 16/17, TU Dortmund

    • „[inzwischen kurz einblick nehmen]. Christian Steinbachers visuelle Poesie“, Präsentation des Rampe-Sonderbandes zu Christian Steinbacher, 22. November 2016, Stifter Haus, Linz/Österreich

    • „Eine Medienästhetische Betrachtung zu Idylle und Lebensform am Beispiel der griechischen Ferieninsel Korfu im touristischen, literarischen und telemedialen Kitsch“, Scientific Retreat „Idyllik und Lebensform – Die Idylle als Medium gesellschaftlichen Wandels“, 15. – 16. September 2016, Hanse Wissenschaftskolleg, Delmenhorst

    • „Vorausschauende Rückblicke und erinnernde Ankündigungen. Adelbert von Chamissos epistolarisches und notierendes Aufzeichnen auf der Weltreise 1815 – 1818“, 3. Internationale Chamisso-Konferenz, 25. – 27. Februar 2016, Staatsbibliothek zu Berlin

    • „Zwischen Fremdscham und Peinlichkeit. Kitsch als komisches Grenzphänomen“, Kasseler Komik-Kolloquium „Grenzen des Komischen“, 18. – 20. Februar 2016, Kassel

    • „Rhetorik und Charisma in Literatur und Film. Von Schillers Die Jungfrau von Orleans zu Monty Pythons Das Leben des Brian“, Ringvorlesung „Sprechen über Literatur“, WiSe 15/16, TU Dortmund

    • „Von Das Traumschiff bis True Blood. Idylle als Programm im Unterhaltungsfernsehen“, Fachtagung „Idyllen in Gegenwartsliteratur und -medien“, 22. – 23. September 2015, Universität Bremen

    • „Mediengeschichte der satirischen Publizistik“, Ringvorlesung „Sprechen über Literatur“, SoSe 2015, TU Dortmund

    • „Idyllischer Inselzauber. Über ‚verkitschte‘ Landschaft am Beispiel der Insel Korfu und ihrer ästhetischen (De-) Konstruktion“, Fachtagung „Nachwuchsworkshop der Mittelmeerstudien“, 26. – 27. Februar 2015, Ruhr-Universität Bochum

    • „Kitsch Ahoi! Die TV-Serie Das Traumschiff zwischen Idylle und Schizophrenie“, Ringvorlesung „Sprechen über Literatur“, WiSe 2014/15, TU Dortmund

    • „Literatur mit Biss! Die Figur des Vampirs von Dracula bis Edward“, 25. Oktober 2014, TU Dortmund

    • „Kitsch Ahoi! Die TV-Serie Das Traumschiff zwischen Idylle und Schizophrenie“, Ringvorlesung „Sprechen über Literatur“, SoSe 2014, TU Dortmund

    • „TINO:SatzZeichnungen“, Symposium, Januar 2014, Kunsttempel, Kassel

    • „Süßsaure Seligkeit. Über die (komische) Ästhetisierung von Religion am Beispiel des Engel-Motivs“, Kasseler Komik-Kolloquium „Komik und Religion“, 28. Februar – 3. März 2013, Kassel

    • „Verliebt, verlobt verheiratet. Über Schematismus und Variation am Beispiel der Struktur (literarischen) Kitsches“, Ringvorlesung „Sprechen über Literatur“, WiSe 2013/14, TU Dortmund

    • „Deconstructing Dracula. The Vampire as Semiotic Body in Stephenie Meyer’s Twilight“, 3. Jahrestagung der Gesellschaft für Fantastikforschung (GfF), 13. – 16. September 2012, Universität Zürich/Schweiz

    • „‚als ob es nie sich selbst bedeute‘ – Inszeniertes Sprechen als ‚ästhetische Strategie‘ literarischer Sprachkritik in Hugo von Hofmannsthals Der Tor und der Tod“, Fachtagung des Clusters of Excellence Languages of Emotion „Gefühle Spreche. Emotionen an den Anfängen und Grenzen der Sprache“, 13. – 15. Oktober 2011, FU Berlin

    • „TINO:SatzZeichnungen“, Ausstellung und Symposium, Januar 2014, Kunsttempel (Kassel)

    • „Satz Trifft Kunst“, Ausstellung und Performances, 16. April bis 19. Mai 2013, Dortmunder U (Dortmund)

    • „3durch3.reihe sprachkunst“, dOCUMENTA(13), September 2012, Kunsttempel (Kassel)

    • Kasseler Komik-Kolloquium: „Komik und Kunst“, Februar 2011, (Kassel)

    • „Melodramen, Gedichte, Chansosn“, Lesung mit Performance von Gerhard Rühm, 22. Oktober 2010, dew21 (Dortmund)

    • „Gerhard-Rühm-Symposion: Zur Poesie und Poetologie Gerhard Rühms“, wissenschaftliche Fachtagung und Lesung mit Performance von Gerhard Rühm, 21. – 22. November 2009, dew21 (Dortmund)

    • Kasseler Komik-Kolloquium „Komik und Institution“, Februar 2009, (Kassel)

  • Sommersemester 2019
    • Webinar: Literatur und Medien III, zusammen mit Jessica Güsken und Fynn-Adrian Richter (FernUniversität in Hagen); zur Anmeldung
    • ‚Great Expectations‘: Kulturtechniken des Datings – literarisch, medial, zusammen mit Dr. Mirna Zeman (FernUniversität in Hagen); zur Anmeldung
    Sommersemester 2018
    • Vampire in Literatur und Film (FernUniversität in Hagen, Studienwoche)
    Wintersemester 2017/18
    • Webinar: Literatur und Medien II, zusammen mit Jessica Güsken und Fynn-Adrian Richter (FernUniversität in Hagen)
    Sommersemester 2017
    • Visuelle Poesie (FernUniversität in Hagen)
    • Filmische Medienreflexion: Schreiben (FernUniversität in Hagen)
    Wintersemester 2016/17
    • Idylle – Ein materialer Topos in medialer Variation (FernUniversität in Hagen)
    • Webinar: Literatur + Medien I, zusammen mit Jessica Güsken und Davina Stiller (FernUniversität in Hagen)
    Sommersemester 2016
    • Theorie(n) der Avantgarde – Avantgarde(n) der Theorie? (TU Dortmund)
    Wintersemester 2015/16
    • Einführung in die Literaturwissenschaft (TU Dortmund)
    Sommersemester 2015
    • Werther! (TU Dortmund)
    Wintersemester 2014/15
    • Einführung in die Literaturwissenschaft (TU Dortmund)
    Sommersemester 2014
    • „Ganz war mein Herz an Deiner Seite“: Liebeslyrik (TU Dortmund)
    Wintersemester 2013/14
    • Einführung in die Literaturwissenschaft (TU Dortmund)
    Sommersemester 2013
    • Idylle – Ein literarischer Motivkomplex und seine medialen Variationen (TU Dortmund)
    • Poetikum: Zur Theorie poetischer Kalküle von der Antike bis ins 21. Jahrhundert (TU Dortmund)
    • Öffentlicher Literatur- und Kunstbetrieb in der Praxis. Begleitseminar zur Ausstellung „Satz trifft Kunst“ im Dortmunder U (TU Dortmund)
    Wintersemester 2012/13
    • „Und einen Donnerkeil führ ich im Munde“. Rhetorik und Charisma in Literatur und Film (TU Dortmund)
    • Poetik des Machens am Beispiel des Kriminalromans (TU Dortmund)
    • Einführung in die Literaturwissenschaft (TU Dortmund)
    Sommersemester 2012
    • Schnulz und Schund: Über den Umgang mit peinlicher Literatur (TU Dortmund)
    Wintersemester 2011/12
    • Poetik des Machens am Beispiel des Kriminalromans (TU Dortmund)
    Wintersemester 2010/11
    • Poetik des Machens am Beispiel des Kriminalromans (TU Dortmund, mit Prof. Dr. Renate Kühn)
    Sommersemester 2008
    • Kinder- und Jugendliteratur: Ein Seminar über und mit Joachim Friedrich (TU Dortmund, mit Prof. Dr. Renate Kühn)

Arbeitsbereich: Idylle und materiale Topik

Bild: gemeinfrei (Pixabay/Creative Commons CC0)/Nils Jablonski

Modelliert man die Idylle im Anschluss an die von Ernst Robert Curtius begründete historische Komparatistik im Sinne der sophistischen Topik, die – anders als die geschichtlich jüngere aristotelische – unter Topoi keine Suchkategorien für rhetorische Argumente versteht, sondern Gemeinplätze des Diskurses, wird es möglich, die idyllische poiesis aus einer medienästhetischen Perspektive in Literatur, Film und Fernsehen zu untersuchen. Eine dergestalt strukturelle Analyse gründet einerseits auf der gattungstheoretischen Bestimmung der Idylle, suspendiert deren enge Gefasstheit andererseits jedoch, weil sich der materiale Topos als ein Komplex von Motiv- und Strukturelementen in verschiedensten medialen Formationen konkretisieren kann.

In einer solchen Perspektive lässt sich die Idylle erstens in Bezug auf ihre Poetizität, Medialität und Serialität, zweitens in Bezug auf ihre für die medialen Diffusionen des materialen Topos wirkmächtigen theoretischen Fassungen um 1800 sowie drittens in Bezug auf eine Systematisierung der vielgestaltigen Konkretionen der Idylle in literarischen, filmischen und televisiven Texten erfassen. Diese analytische Verkopplung von Dimensionen, Theorien und Paradigmen der Idylle macht letztlich den Zusammenhang zwischen der spezifischen Gemachtheit und den kulturkonstitutiven Funktionen idyllischer poiesis evident.

jablonski_idylle_schaubild1Abbildung: Nils Jablonski

Die Dimensionen erfassen die Spezifik idyllischer poiesis in Bezug auf die genuine Artifizialität des materialen Topos: Dessen Poetizität zeichnet sich durch die Konvergenz idyllischer Kunsthaftigkeit und Künstlichkeit aus, denn die Idylle kaschiert ihre eigene ‚Gemachtheit‘ stets durch einen besonderen Aufwand an po(i)etischem Tun.

Die Dimension der Medialität betrifft die konstitutive Artifizialität des materialen Topos insofern, als die idyllische poiesis eine auf sich selbst zurückverweisende Tätigkeit ist. Das ‚Idylle-Machen‘ erscheint deshalb überhaupt erst und überhaupt nur durch diejenigen Medien möglich, deren Erfindung die idyllischen Texte zu ihrem Gegenstand machen.

Die Serialität ist ein Merkmal idyllischer poiesis, das schon die antiken Idyllen-Texte kennzeichnet. Im 21. Jahrhundert macht ihre genuine Serialität die Idylle aber vor allem ‚fernsehtauglich‘, weil sie dort in gemeinhin als ‚trivial‘ oder ‚kitschig‘ bezeichneten Serien (wie etwa Das Traumschiff) televisiv narrativiert wird und ihrerseits buchstäblich zum TV-Programm avanciert.

Das von Jean-Jacques Rousseau entwickelte Konzept des sog. ‚Naturzustands‘ bildet die Folie für die idyllentheoretischen Überlegungen von Friedrich Schiller sowie von Jean Paul um 1800. Während sich Rousseaus Lektüre der Idyllen Salomon Gessners nachweislich auf die idyllisch zu nennende Rezeption seiner eigenen philosophischen und autobiographischen Schriften auswirkt, erscheint Schiller als indirekter ‚Rousseauist‘: Mit seinem gattungs- und dichtungstypologisch ausgerichteten Ansatz entwickelt er eine nachgerade sentimentalisch erscheinende Theorie der sentimentalischen Idylle. Deren vermeintliche Aporien avancieren zum ‚Verhängnis‘ der Idyllenforschung des 20. Jahrhunderts, weil diese daraus das Konzept des Idyllischen ableitet, ohne es jedoch kritisch auf Schillers Reflexion über die von ihm implizit geleistete poetologische Verschiebung von der mimetischen Nachahmung zur genialischen Schöpfung zu beziehen. Im Anschluss an Schiller lässt sich deshalb die Kategorie der Beschränkung, die Jean Paul im Idylle-Paragraphen seiner Vorschule der Ästhetik als Bedingung für das von und in der Idylle dargestellte ‚Vollglück (in) der Beschränkung‘ einführt, als Verfahren zur Reduzierung der idyllischen Tiefenschärfe begreifen, die ihrerseits eine Generalisierung der Idylle und ihre Diffusion in andere mediale Formationen bewirkt.

jablonski_idylle_schaubild2Abbildung: Nils Jablonski

Die Idylle erweist sich – funktional betrachtet – als mediale Vergegenständlichung des Spannungsverhältnisses von Natur und Kultur. Der kulturellen Logik, wonach Natur überhaupt erst durch die Kategorie des Natürlichen Bedeutung erhält und zwar als Opposition zu allem vom Menschen Gemachten, setzt die Idylle ihre eigene Logik entgegen: Sie etabliert einen anderen Zusammenhang, der darin besteht, dass die (idyllische) Natur als etwas Ursprüngliches erscheint, was der entsprechend aus der Natur hervorgegangenen Kultur ihrerseits fehlt.

jablonski_idylle_schaubild3Abbildung: Nils Jablonski

Eine derartig kulturkonstitutive Chrono-Logik ist auch den unterschiedlichen Konkretionen des materialen Topos der Idylle in literarischen, filmischen und televisiven Texten als spezifischer Zeit-Bezug eines idyllisch erscheinenden Ortes eingeschrieben. Insofern eignet sich die Opposition von Natur und Kultur neben der von der Polarität ‚Katastrophe vs Kitsch‘ gebildeten idyllischen Ambivalenz als Parameter für eine Systematisierung der Idylle in Form von drei Paradigmen: dem arkadischen, dem heterotopischen und dem elysischen.

jablonski_idylle_schaubild4Abbildung: Nils Jablonski

Weitere Forschungsbeiträge zur Idylle

    • „‚So ist die ganze Insel wie eine Idylle und wirkt wie ein Gedicht‘. Eine medienästhetische Betrachtung zu Idyllik und Lebensform am Beispiel der griechischen Ferieninsel Korfu im touristischen, literarischen und medialen Kitsch“, in: Riedel, Christian / Gerstner, Jan / Schmitt, Christian (Hgg.): Literatur in Wissenschaft und Unterricht. Themenheft ‚Idylle‘ [im Erscheinen].

    • „Von Das Traumschiff bis True Blood. Idylle als Programm im Unterhaltungsfernsehen“, in: Gerstner, Jan / Riedel, Christian (Hgg.): Idyllen in Gegenwartsliteratur und -medien, Bielefeld: Aisthesis 2018, S. 163-181.

    • Das Traumschiff. Televisive Idyllen aus medienästhetischer Perspektive“, 22. Januar 2019, Johannes Gutenberg Universität Mainz

    • „Die idyllische Ambivalenz des Strandes. Danny Boyles The Beach (2000) als filmisches Ausstiegs-Narrativ“, Fluchten aus dem Alltag. Räume der Sehnsucht zwischen Idylle und Tourismus, 9./10. November 2018, Johannes Gutenberg Universität Mainz

    • „Idylle und Kitsch in Tourismus, Literatur und Film. Über die Stimmungsbilder der ‚Industrien des Begehrens‘“, Ringvorlesung „Sprechen über Literatur“, WiSe 16/17, TU Dortmund

    • „Eine Medienästhetische Betrachtung zu Idylle und Lebensform am Beispiel der griechischen Ferieninsel Korfu im touristischen, literarischen und telemedialen Kitsch“, Scientific Retreat „Idyllik und Lebensform – Die Idylle als Medium gesellschaftlichen Wandels“, 15. – 16. September 2016, Hanse Wissenschaftskolleg, Delmenhorst

    • „Von Das Traumschiff bis True Blood. Idylle als Programm im Unterhaltungsfernsehen“, Fachtagung „Idyllen in Gegenwartsliteratur und -medien“, 22. – 23. September 2015, Universität Bremen

    • „Idyllischer Inselzauber. Über ‚verkitschte‘ Landschaft am Beispiel der Insel Korfu und ihrer ästhetischen (De-) Konstruktion“, Fachtagung „Nachwuchsworkshop der Mittelmeerstudien“, 26. – 27. Februar 2015, Ruhr-Universität Bochum

    • „Kitsch Ahoi! Die TV-Serie Das Traumschiff zwischen Idylle und Schizophrenie“, Ringvorlesung „Sprechen über Literatur“, WiSe 2014/15, TU Dortmund

  • Mitglied im DFG-Netzwerk: "Politiken der Idylle" (gefördert seit 2018)

  • in Vorbereitung

Dr. Nils Jablonski | 21.06.2019