Veranstaltungen und Termine

Das Veranstaltungsprogramm des FSP digitale_kultur bietet verschiedene Formate für den interdisziplinären Austausch zu aktuellen digitalitätstheoretischen Themen. Die Veranstaltungen der Lecture Series werden durch ein übergeordnetes Thema verbunden das jährlich wechselt. Sie besteht Vorträgen von Wissenschaftler*innen des FSPs oder externen Gästen und einer anschließenden, moderierten Diskussion. Die Lecture Series findet ausschließlich online statt und ist grundsätzlich für alle Interessierten geöffnet. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Über diese Reihe hinaus richtet der FSP regelmäßig Kooperationsveranstaltungen mit assoziierten Forschungsnetzwerken, Kolloquiuen für Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen und Workshops mit engerem Themenfokus aus. Weiterreichende Informationen zu den einzelnen Formaten sind auf dieser Seite zusammengestellt. Der FSP informiert über das Veranstaltungsprogramm zudem via Newsletter und Social Media.


Hermeneutik trifft auf Aufmerksamkeitsökonomie: Oral-History.Digital und die Plattformisierung qualitativer Forschung

Platzhalter Lecture SeriesFoto: FernUniversität
  • 18. Dezember 2025 I 16:00 Uhr - 17:30 Uhr
  • mit Dr. Almut Leh (FernUniversität in Hagen)/Dr. Cord Pagenstecher (Freie Universität Berlin)
  • Ort: Zoom
  • Lecture Series - Thema „Plattform“
  • Moderation: Dr. Dennis Möbus (FernUniversität in Hagen)

weiterlesen

Abstract

„Ich interessiere mich für Biografien“ – so beschreiben manche Menschen ihre Beweggründe, wenn sie Zugang zum Archiv „Deutsches Gedächtnis“ online beantragen. Solange dieses Archiv nur persönlich zugänglich war, kam nur eine begrenzte Anzahl von Forscher:innen zu Besuch; seit das Archiv jedoch online ging, haben Oral-History-Interviews auch außerhalb der Forschungsgemeinschaft Interesse geweckt. Eines ist sicher: Der Online-Zugang verändert die Nutzung von Oral-History-Interviews. Aber wie genau? Wer nutzt Interviews online, wofür und wie? Und wie gehen wir als Betreiber einer Infrastruktur für Oral-History-Sammlungen und eines Online-Archivs mit neuen Nutzergruppen und verändertem Nutzerverhalten um?

Oral-History.Digital (oh.d) ist seit September 2023 online. oh.d ist ein Interviewportal, eine Kurationsplattform und eine Forschungsumgebung, die es Interviewprojekten ermöglicht, Audio- und Videointerviews gemäß den FAIR-Prinzipien online verfügbar zu machen. Ein differenziertes Zugriffsmanagementsystem schützt die Persönlichkeitsrechte der Interviewten. Diese Infrastruktur wird von der Freien Universität Berlin betrieben, die mit ihrem Beitrag zum Visual History Archive, zum Zwangsarbeit Archiv (ZWAR) und zu anderen digitalen Interviewsammlungen eine Vorreiterrolle im Bereich der Online-Archive in Deutschland eingenommen hat. Zunächst haben die Freie Universität Berlin, das Archiv „Deutsches Gedächtnis“ und die Werkstatt der Erinnerung ihre umfangreichen Sammlungen in die Plattform eingebracht. Sechs Monate nach der Inbetriebnahme der Infrastruktur nutzten bereits 34 Institutionen aus Forschung, Museen und Gedenkstätten Oral-History.Digital, um ihre Sammlungen zugänglich zu machen. Die Anzahl online verfügbarer Interviews wächst seitdem kontinuierlich (derzeit über 4.000), ebenso wie die Zahl von Nutzern. Allerdings kommt es nicht selten vor, dass wir als Sammlungsinhaber:innen Registrierungsanfragen ablehnen müssen. In den allermeisten Fällen erlaubt die Einwilligung der Interviewten die Nutzung nur für Forschungs- und Lehrzwecke. Ein allgemeines Interesse an Biografien ist davon nicht abgedeckt.

Aber auch das akademische Interesse hat sich erweitert. Neben Historiker:innen interessieren sich auch qualitative Sozialforscher:innen, Linguist:innen, Bildungswissenschaftler:innen und Informatiker:innen für biografisch-narrative Interviews. Nicht jedes Projekt dürfte im Interesse der Interviewten liegen. Wie können wir als Archivare und Infrastrukturbetreiber mit diesen neuen Nutzergruppen umgehen? Welche Bedürfnisse haben sie und wie möchten sie mit Interviews arbeiten? Wie forschen diese Wissenschaftler:innen? Finden sie, was sie suchen? Wie lange bleiben sie bei einem Interview? Laden sie Inhalte herunter? Nutzen sie die Möglichkeit, sich Interviews in voller Länge anzuhören, oder klicken sie sich hauptsächlich durch die Suchtreffer?

Um diese und andere Fragen zu beantworten, ist die quantitative und qualitative Auswertung des Nutzerverhaltens ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Phase des Projekts Oral-History.Digital. Ziel dieser Evaluation ist es, die Infrastruktur im Interesse der Nutzer zu optimieren (FAIR-Prinzipien) und gleichzeitig die ethischen und rechtlichen Interessen der Interviewten zu wahren (CARE-Prinzipien). Darüber hinaus erwarten wir Erkenntnisse darüber, wie die digitale Rezeption die Forschung verändert.

Nach einer kurzen Vorstellung der Infrastruktur von Oral-History.Digital werden wir die Ergebnisse der Evaluation präsentieren und diese Ergebnisse im Hinblick auf digitale Infrastrukturen und deren Auswirkungen auf die interviewbasierte Forschung diskutieren.

Biografien

Dr. Almut Leh ist Historikerin, Leiterin des Instituts für Geschichte und Biografie und des Archiv „Deutsches Gedächtnis“, Mitherausgeberin von BIOS – Zeitschrift für Biographische Forschung, Oral History und Lebensverlaufsanalyse, seit 2002 Mitglied des Rates der International Oral History Association und Sprecherin der Forschungsgruppe Digital Humanities an der FernUniversität in Hagen. Sie hat zur deutschen Geschichte seit 1945, zur Methodik und Archivierung von Oral-History-Interviews und zu Sprachtechnologien im Bereich Oral History publiziert.

Dr. Cord Pagenstecher ist Historiker, arbeitet im Arbeitsbereich Digitale Interviewsammlungen der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, wo er das Projekt Oral-History.Digital (2020-2026) und die Beteiligung der FU Berlin am NFDI4Memory-Konsortium der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur koordiniert. Er hat an interviewbasierten Forschungs- und Lernplattformen zu den Themen Zwangsarbeit im Nationalsozialismus, Colonia Dignidad und Kirchenasylbewegung gearbeitet und zu den Themen Nationalsozialismus, Tourismusgeschichte, Migrationsforschung, Oral History, Visual History und Digital Humanities publiziert.


Workshop Grundbegriffe digitaler Kultur V / Grundbegriffe der „Broligarchy“

Audience at business technology summitFoto: Adobe Stock
  • 5. - 6. Februar 2026
  • Ort: Immersive Collaboration Hub, Campus FernUni, Hagen
  • Gemeinsamer Workshop des FSP digitale_kultur und der GfM AG „Daten&Netzwerke“
  • Organisation: Thorben Mämecke (FernUniversität in Hagen)

weiterlesen

Spätestens seit der symbolisch zelebrierten Amalgamierung von Big Tech und Neurechten Regierung im Rahmen der Inauguration des aktuellen US-Präsidenten und den sich seither überschlagenden Ereignissen, entfaltet sich ein lebendiger öffentlicher Diskurs, der insbesondere den Neuheiten und Spezifika dieser kulturellen und politischen Wende Ausdruck verleihen will. In diesem Zuge entfaltet sich auch ein immer schwerer zu durchschauendes Geflecht aus Begriffen wie:

Rechts-Libertarismus, Techno-Libertarianismus, Ultra-Libertarianismus, Radikaler Libertarianismus, Cyberliberatismus, Nationaler Protektionismus, Neo-Kensianismus, Rechtspopulismus, Libertärer Autoritarismus, Autokratie, Extrastatecraft, Postdemokratie, Demokratischer Faschismus, Endzeit-Faschismus, Californian Ideology, Silicon Ideology, Digitaler Faschismus, Alt-Tech, Tech-Faschismus, Techno-Faschismus, Plattform-Neofaschismus, Digital Dictatorship, Crypto-Fascism, Crypto Bros, Paläokonservatismus, Transhumanism, Extropianism, Singularitarianism, Cosmism, Rationalist Ideology, Effective Altruism, Longtermism (TESCREAL), Surveillance Capitalism, Algocracy, Technocracy, Neo-Imperialismus, Effective Accelerationism, Dark Enlightenment, Manosphere, misogynes Inceltum, Gamer Gate, Fratriarchy, Broism, Neo-Reaktionismus, Absolutismus, Neo-Monarchismus, Neo-Feudalismus, Tech-Feudalismus, Techno-Feudalismus, Tech-Bros, Tech-Oligarchy und Broligarchy...

Mit diesem Workshop möchten wir die Begriffsarbeit aufnehmen und zusammenführen, die im Rahmen der Workshop-Reihe „Grundbegriffe digitaler Kultur“ des FSP und des Panels „Silicon Washington“ der Jahrestagung 2025 der Gesellschaft für Medienwissenschaften begonnen wurde. Dazu werden wir ausgewählte Begriffe über zwei halbe Tage hinweg diskutieren. Neben der Frage nach der Historizität und der analytischen und empirischen Tragfähigkeit der Begriffe und dem Verhältnis in dem sie zu grundlegenderen und bereits lang etablierten Begriffen wie Kapitalismus, Faschismus oder Patriarchat stehen, soll geklärt werden, welche Begriffe sich für progressive Gegenentwürfe eignen.

Dabei steht die (selbst)kritische Frage im Vordergrund, wie über diese Themen geforscht werden kann, ohne Buzzwords der Neurechten zu reproduzieren und dadurch die mit ihnen einhergehende Diskursmacht unabsichtlich zu stärken. Dies unter anderem mit Blick auf die neurechten Versuche der theoretischen Inbesitznahme poststrukturalistischer und postmoderner Autoren wie Deleuze oder Lyotard. Hierzu haben wir im letzten Teil des Workshops Gelegenheit für eine gemeinsame moderierte Textanalyse.

Programm

Donnerstag, 5. Februar 2026

13:30 - 13:45 Uhr

Thorben Mämecke (Hagen): Begrüßung & Einführung
What about… „Tech-Bros“?

13:45 - 14:30 Uhr Laura Hille (Siegen):
„Broligarchy“
14:45 - 15:30 Uhr

Armin Beverungen (Lüneburg):
„Extrastatecraft“

15:45 - 16:30 Uhr

Thomas Nyckel (Regensburg):
„Singularitarianism“

16:30 - 17:00 Uhr Kaffepause
17:00 - 17:45 Uhr

Laura Niebling (Regensburg):
„Alt Tech“

18:00 - 18:45 Uhr

Felix Raczkowski (Bayreuth):
„Manosphere“

Freitag, 6. Februar 2026

09:00 - 09:10 Uhr

Stacy Gillis & Gareth Longstaff (Newcastle):
Digital Greetings from „The Broligarchy Project“

9:15 - 10:00 Uhr Gerko Egert (Bochum):
„Silicon Ideology“
10:15 - 11:00 Uhr Jens Schröter (Bonn):
„Surveillance Capitalism“
11:15 - 12:00 Uhr Felix Hüttemann (Bonn):
„Machinic Desire“
12:00 - 13:00 Uhr

Kritische Textdiskussion:

Dietmar Dath & Philipp Theisohn (2023):
Korrespondenzessay zu Nick Lands „Okkultes Denken“,
in: Nick Land, Dietmar Dath & Philipp Theisohn (Hrsg.):
„Okkultes Denken“, Berlin: Matthes & Seitz, S.334ff.

Moderation: Marcus Burckhardt (Paderborn)


FSP digitale_kultur | 18.12.2025