DIGITAL SITUIERT: DIGITALE W/ENDEN DES (LEIB-)KÖRPERS

Vortrag | 12:00 | Senatssaal

Thomas Bedorf (FernUniversität in Hagen)
Moderation: Robert Schulz (FernUniversität in Hagen)

Abstract

Unsere Körper enden nicht an den Grenzen unserer Haut. Für die kulturell habitualisierten und geformten Körper haben schon immer Werkzeuge und andere Artefakte den Kontakt zur und die Bewegung in der Welt vermittelt, ohne dass sich deren Gebrauch nur instrumentell den Absichten des Subjekts zurechnen ließ. Durch ihren Eigensinn haben die Dinge mehr als nur Objektcharakter, sie haben – wie man seit kurzem sagt – ‚agency‘. Das gilt nicht nur für zuhandene Dinge zur Welterschließung wie der unter Philosophen berühmte Blindenstock (von Ernst Mach bis Maurice Merleau-Ponty), sondern auch und insbesondere für digital devices, mit denen wir so verwoben sind, dass die Enden des Körpers gar nicht mehr ohne Weiteres auszumachen sind (St. Rieger).

Da wir jedoch nicht nur Körper haben, sondern auch Leib sind, gilt es Erfahrungen als situierte zu beschreiben. Denn in jeder Erfahrung sind wir je schon korporal situiert und nehmen so und von dort aus die Welt wahr – wir handeln und sprechen in und zu ihr. In Reflexion auf die jeweilige Situiertheit können auch die Strukturen sichtbar gemacht werden, die unsere Erfahrungen ermöglichen.

Der Vortrag will den Begriff der Situiertheit in seiner Herkunft auch aus der Geschichte der KI nachzeichnen und diskutieren, inwieweit Situiertheit im technisch und digital Vermittelten gedacht wurde bzw. gedacht werden kann.

Bio

Thomas Bedorf ist Professor für Praktische Philosophie an der FernUniversität in Hagen. 2015-2017 Präsident der Deutschen Gesellschaft für phänomenologische Forschung. 2019-2024 Sprecher des Forschungsschwerpunkts digitale_kultur der FernUniversität in Hagen. 2019/20 Fellow am IMéRA – Institut d’Études Avancées der Universität Aix-Marseille. Seit 2022 Gründung und Leitung von Hagen University Press.

Letzte Publikationen: Bodenlos situiert. Eine politische Phänomenologie (Berlin: Suhrkamp 2025); Political Phenomenology. Experience, Ontology, Episteme, (hrsg. mit Steffen Herrmann, London, New York: Routledge 2019); Digitale Hermeneutik. Maschinen, Verfahren, Sinn (hrsg. mit Peter Risthaus, Hagen: Hagen UP 2024); Digitale Grundbegriffe (hrsg. mit Daniel Schubbe-Åkerlund u. Anna Tuschling, Hagen: Hagen UP 2025).

FSP digitale_kultur | 13.11.2025