LEBENSSPEICHER: ZEUG*INNENSCHAFT UND ZEITLICHKEIT IM ZEITALTER DES SMARTPHONES
Vortrag | 14:30 | Senatssaal
Felix Ackermann (FernUniversität in Hagen)
Moderation: Isabelle Sarther (FernUniversität in Hagen)
Abstract
Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts laufen immer mehr Lebensfäden auf Mobiltelefonen zusammen. Mithilfe ihrer Benutzeroberflächen kommunizieren wir digital, navigieren im WWW, halten unser Leben fotografisch fest, speichern unsere Unterlagen und nehmen am gesellschaftlichen Diskurs teil. Auf Mobiltelefonen entstanden längst neue Dokumentations- und Erzähltechniken, mit denen wir unser Leben sortieren und in eine chronologische Ordnung bringen. Auf den digitalen Plattformen schaffen wir durch die Auswahl, Anordnung und das Weglassen oder Löschen eine Erzählung unseres Lebens. Diese ist auch über unsere Lebensspanne auf dem Server kommerzieller Anbieter gespeichert. Da sie sich dort in der Regel nicht erforschen lassen, sind Mobiltelefone schon jetzt wichtige Speicher, um biographische Forschung im digitalen Zeitalter durchzuführen. Die lokalen Kopien der auf Servern hinterlegten Daten ermöglichen ein neues Nachdenken über Zeugenschaft und Zeitlichkeit im 21. Jahrhundert. Ein Archiv von Mobiltelefonen und die digitalen Methoden zu ihrer Erschließung könnte biographisches Forschen neu denken.
Bio
Felix Ackermann ist seit Ende 2022 Professor für Public History an der FernUniversität in Hagen. In seinen Forschungen untersucht er das Nachwirken von Gewalt in Belarus, Litauen, Polen, der Ukraine und Deutschland. Seit 2023 leitet er die Hans Böckler Nachwuchsforschungsgruppe NFG026 zur Geschichte digitaler Kriegsöffentlichkeiten in Russland, der Ukraine und Belarus. Er war 2016–2022 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Warschau, wo er eine Geschichte des Strafvollzugs im 19. Jahrhunderts schrieb. 2011–2016 lehrte er als DAAD Visiting Associate Professor for Applied Humanities an der belarussischen Exiluniversität EHU in Vilnius. 2001–2011 baute er das Institut für angewandte Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) auf.