Habilitationsprojekte

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Habilitationsprojekte unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor.

Dr. Mareen Heying

Der „große Durst“ des „kleinen Mannes“. Alkoholkonsum in transnationaler Perspektive, 1851–1929

Das Habilitationsprojekt beschäftigt sich mit dem staatlichen und gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol in einer transnationalen Perspektive. Im Fokus stehen Diskurse und Praktiken, die zunächst in den USA, dann in England, Deutschland und der Schweiz diskutiert wurden und an denen vor allem Abstinenzbewegungen, Mediziner, Psychologen, Theologen und Politiker beteiligt waren. Anhand von regionalen Tiefenbohrungen werden der Umgang mit „Trunkenbolden“ (z. B. Entmündigung, Zwangs-„Heilung“) und der Alltag von „Trinkern“ analysiert. Die Arbeit verbindet eine transnationale Makrogeschichte im Sinne einer „Historie Croisée“ mit einer quellenbasierten „Microstoria“.

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Die Arbeit zeigt auf, wie welche Bilder über den proletarischen „Trinker“ erzeugt wurden. Sie analysiert, wie Alkoholkonsum als Distinktionsmechanismus zur Sozialdisziplinierung der Arbeiterklasse genutzt und zugleich das bürgerliche Trinken ausgeblendet wurde.

Alkoholismus wurde im 19. Jahrhundert als Sünde deklariert. Um 1900 wurde noch diskutiert, ob Alkohol ein Laster oder eine Krankheit sei, schließlich wurde die „Alkoholfrage“ durch Diskurse um die Gesundheit des „Volkskörpers“ bestimmt. Diesen Wandel zeichnet die Arbeit nach und stellt heraus, welch massive Bedeutung dem Alkoholkonsum im Untersuchungszeitraum gesellschaftlich und politisch zugeschrieben wurde. Dazu gehört gleichzeitig die Handlungsmacht der als „Trinker“ stigmatisierten Personen. Die Arbeit thematisiert die geschlechtliche Dimension des Alkohols, die Kneipe als zentralen Raum des Konsums und Praktiken der „Heilung“ von „Trinkern“ vor dem Hintergrund des wachsenden medizinischen Wissens und unter Berücksichtigung von eugenischen Debatten. Zudem wird nach der Alltagsrealität und dem „Eigen-Sinn“ des „Trinkers“ gefragt.

Dr. Sibylle Marti

„Unsichtbar und unsicher. Geschichte informeller Arbeit im langen 20. Jahrhundert“

Das Habilitationsprojekt ist im Bereich der neuen, kultur- und globalhistorisch orientierten Arbeitsgeschichte angesiedelt. Trotz virulenter gesellschaftlicher Debatten über die zunehmende Informalisierung und Prekarisierung von Arbeit stellt die Geschichte informeller Arbeit einen bislang vernachlässigten Gegenstand dar. Dies ist dadurch bedingt, dass lange Zeit die Herausbildung und Entwicklung der kodifizierten Lohnarbeit im Vordergrund historischer Studien stand. Mein Habilitationsprojekt leistet somit einen Beitrag zu einem weitgehend unerforschten Thema.

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Es untersucht die Grenzziehungen zwischen formalisierter und nicht formalisierter Arbeit und nimmt jene Akteure, Diskurse und Praktiken in den Blick, die informelle Arbeit seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert problematisierten, politisierten und skandalisierten und Wissen über solche Arbeitsformen hervorbrachten. Mit Fallbeispielen zu Deutschland bzw. der BRD in transnationaler Perspektive verbindet das Forschungsprojekt die Analyse eines lokalen Beispiels, das Auseinandersetzungen und Anwendungen im nationalstaatlichen Rahmen in den Blick nimmt, mit der Untersuchung von Debatten und Standardisierungen auf internationaler Ebene.

Dr. Arndt Neumann

Karl Ernst Osthaus. Zwischen klassischer Moderne und Deutschem Kaiserreich

Ausgehend von dem Gründer des Folkwang-Museums, Karl Ernst Osthaus (1874-1921), wendet sich das Habilitationsprojekt dem historischen Kontext zu, in dem die moderne Kunst und Architektur ihren Anfang nahm.

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In dem Leben und Wirken des Hagener Mäzens Karl Ernst Osthaus überlagerten sich zwei Stränge. Zum einen gehörte er zu den wichtigsten Förderern der entstehenden modernen Kunst und Architektur. Nur wenige andere Sammler, Galeristen und Museumsdirektoren verfügten im frühen 20. Jahrhundert über ein ähnlich dichtes Netz an Beziehungen. Unter anderem stand Osthaus mit Paul Cézanne, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Peter Behrens, Bruno Taut, Walter Gropius und Le Corbusier in Kontakt. Zum anderen verdichteten sich in seiner Biographie die zentralen gesellschaftlichen Umbrüche des Deutschen Kaiserreichs. Die rasante Industrialisierung und Verstädterung, der sich radikalisierende Nationalismus und Antisemitismus, die wachsenden kolonialen Ansprüche und Fantasien sowie das zunehmend lebensreformerisch geprägte Verhältnis zu Körperlichkeit und Sexualität schlugen sich allesamt in seinem Lebensweg nieder. Bislang hat sich die Forschung vor allem mit der Bedeutung von Karl Ernst Osthaus für die moderne Kunst und Architektur auseinandersetzt. Sein über den Bereich der Hochkultur hinausgehendes gesellschaftspolitisches Wirken wurde, wenn überhaupt, nur am Rande untersucht. An diesem Punkt setzt das Habilitationsprojekt an. Es strebt an die beiden verschiedenen lebensgeschichtlichen Stränge zusammenzubringen. Ausgehend von einem biographischen Zugang wirft es die Frage auf, in welchem kulturellem, politischem, sozialem und wirtschaftlichem Kontext der Aufstieg der modernen Kunst und Architektur begann.

Wahlbrinck | 14.07.2020