Promotionsprojekte

Prof. Dr. Alexandra Przyrembel

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Das Dissertationsprojekt befasst sich mit dem Konzept der nationalsozialistischen Moral und seiner Bedeutung für die Täter der Shoah. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Rekonstruktion von Tatabläufen. Vielmehr werden die kulturell geprägten moralischen Vorstellungen der Täter, die einen Querschnitt der deutschen Gesellschaft bildeten, entschlüsselt. In der vorliegenden Untersuchung wird nicht, wie in der bisherigen Forschung meist üblich, ein einzelner Tatkomplex untersucht. Stattdessen ist die Studie komparativ angelegt, um der Komplexität und Dynamik der Shoah gerecht zu werden: Die verwendeten Fallbeispiele (Einsatzgruppe A im Baltikum, das Vernichtungslager Treblinka sowie das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz) erlauben einen Zugriff auf unterschiedliche Taten, Tatorte und Tätertypen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die von der Forschung bisher unberücksichtigte Frage, wie die moralischen Überzeugungen mit Vorstellungen von Männlichkeit verwoben und emotional codiert waren: Ehre, Anstand, Sittlichkeit, Kameradschaft, Gehorsam und Opferbereitschaft waren konstitutive Elemente einer moralischen Haltung, in der völkische Moralvorstellungen mit einer soldatisch geprägten Männlichkeit verflochten waren. Diese Moral prägte die Handlungsmuster der Täter maßgeblich. Um ihren zugleich handlungsleitenden wie performativen Charakter aufzuzeigen, ist es notwendig, die situativen Kontexte an den Orten der Vernichtungspraxis in die Analyse miteinzubeziehen und anhand von Fallstudien zu vertiefen.

Prof. Dr. Wolfgang Kruse

28.04.2020