eLecture Series 2022
Subjekt, Mensch & Digitalität

 eLectures 2022 Abbildung: AdobeStock

Die eLecture Series des Forschungs­schwer­punktes digitale_kultur ist ein fortlaufendes Veranstaltungs­format, das dem öffentlichen Austausch über aktuelle digitalitäts­theoretische Themen dient. Es setzt sich zusammen aus einem Vortrag von Wissenschaftler*innen aus dem FSP oder externen Gästen und einer anschließenden, moderierten Diskussion.

Selbst- und Fremdverständisse formen sich in immer stärkerem Maße innerhalb digitaler Kulturen. Soziale Medien, Self-Tracking-Tools, inversive Interfaces oder künstliche Intelligenzen wirken nicht nur als Subjektivierungstechnologien auf die Individuen, sondern sie befeuern auch neue Menschenbilder und (pseudo-)Philosophien.


eLectures

    • mit Univ.-Prof. Dr. Timo Skrandies

    Abstract

    Walter Benjamin hatte in den 1930er Jahren erstmals die Bedeutsamkeit technischer Bilder (Fotografie, Film) für die Kunst gewürdigt. Im Zuge der Computerisierung nutzen Kunst und andere visuelle Kulturen seit den 1960er Jahren die Digitalisierung als Gegenstand, Bildform und Experimentierfeld.

    Der kunsthistorische Vortrag stellt demgemäß einige Beispiele aus den vergangenen Jahrzehnten vor und schlägt vor, sie in einen größeren Kontext einzubetten, in dem jene technischen Bildakte der Kunst als Auseinandersetzung mit dem Anthropozän verstanden werden können.

    Timo Skrandies ist Professor am Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Kunst und Kunsttheorie, Historische Bildwissenschaft, Tanz und Performance, Kunst im Anthropozän, Politische Kunst, Bildakt und Rassismus.

    • mit Thorsten Thiel

    Abstract

    Die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) und die Folgen ihrer gesellschaftlichen Ausbreitung hat in den vergangenen Jahren zunehmend auch die Wirkungen von KI auf Demokratie in den Blick genommen. Der Vortrag rekonstruiert zentrale Argumente dieser Diskussion und macht einen Vorschlag für eine alternative republikanische Perspektive, welche die veränderten Bedingungen politischen Handelns in den Blickpunkt rückt und Vorschläge macht, Entwicklung und Einsatz von KI anders demokratisch einzubetten.

    Thorsten Thiel ist Leiter der Forschungsgruppe "Demokratie und Digitalisierung" am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft und Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB).

    • Mit Dr.'in Sabrina Schenk (Goethe Universität Frankfurt a. M.)

    Abstract

    Mit den gegenwärtig zu beobachtenden Transformationen von Gesellschaft durch digitale Technologien verändern sich sowohl die Anforderungen an Institutionen als auch der durch diese gespannte Rahmen, in dem Individuen nicht nur ihren Platz finden, sondern auch ihre Möglichkeiten zu dessen kreativer Deutung ausloten. Dabei kommen verschiedene Entwicklungen auf unterschiedlichen Ebenen zusammen und überlagern sich, deren wechselseitigen Effekten die Lecture nachgeht. So scheint die im erziehungs­wissen­schaft­lichen Diskurs unter dem Stichwort „Ökonomisierung“ schon längere Zeit kritisch diskutierte kennzahlenbasierte Steuerung z.B. von Bildungsinstitutionen nicht zufällig in einer auffälligen Passung zu stehen zu den als Modellen künftiger Bildung vorgestellten Technologien der „Learning Analytics“, die inzwischen bereits vermehrt in Bildungsinstitutionen, Universitäten wie Schulen, eingesetzt werden. Flankiert wird der Einsatz solcher Technologien aber auch durch den privaten Gebrauch, wo bspw. Tracking-Apps für unterschiedliche Zwecke verwendet werden, in deren Licht sich die Individuen neu bestimmen lernen. Damit wird nicht zuletzt aber auch die Frage berührt, was Bildung unter diesen Bedingungen sowohl für die Ebene der Institutionen als auch für die der Individuen heißen kann.

    Dr.'in phil. Sabrina Schenk ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Geschichte und Theorien der Erziehung und Bildung an der Goethe-Universität Frankfurt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Bildungsprozesse und Subjektformationen in der Überschneidung von Kulturalität, Digitalität und Gesellschaft, Grundlagen und Grundbegriffe der historisch-systematischen Erziehungswissenschaft und der Erziehungs- und Bildungsphilosophie, Konstitutionsfragen von Pädagogischem und Politischem. Zuletzt erschien ihr Beitrag „Fake News als Herausforderung für die politische Bildung“ in: Wahl/Schell-Kiehl/Damberger (Hg.): „Pädagogik, Soziale Arbeit und Digitalität“.

    • Mit Jens Schanze

    • Veranstalter: Dr. Almut Leh / Dr. Dennis Möbus

    Abstract

    Mit besonderer Beteiligung des Instituts für Geschichte und Biographieforschung der FernUniversität wurde der Film „Plug & Pray“ in Gegenwart des Regisseurs Jens Schanze gezeigt.

    Der Dokumentarfilm befasst sich mit den wissenschaftlichen Standpunkten von Robotik, Biologie, Neurowissenschaft und Entwicklungspsychologie zu künstlicher Intelligenz. Im Zentrum steht dabei die zumeist dystopische Bewertung des K.I.-Pioniers Prof. Joseph Weizenbaum.

    Hintergrundinformationen zum Film finden Sie hier.

    Einen Trailer gibt es hier zu sehen.

    Nach einer ungekürzten Vorführung des 2006 bis 2009 entstandenen Films wurde mit dem Filmemacher über seine Begegnungen mit den K.I.-Pionier*innen gesprochen. Wie stark etwa war der Einfluss von biographischen und lebensweltlichen Hintergründen der Protagonist*innen auf ihrem Weg in die K.I.-Forschung? Wie treffend ist Weizenbaums gleichermaßen scharfsinnige wie fundamentale Kritik an der Künstlichen Intelligenz heute, gut ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung von Plug & Pray?

    Jens Schanze ist Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Er ist Absolvent der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Für seine Filmarbeiten erhielt er den Bayerischen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis.

    • Mit Prof. Dr. Cornelius Borck (Universität zu Lübeck)

    • Organisation: Orsolya Friedrich / Johanna Seifert

    Abstract

    Die Digitalisierung ist in der Medizin angekommen. Längst werden Untersuchungsbefunde in digitaler Form ausgetauscht und Patientenakten elektronisch geführt; viele diagnostische Verfahren beruhen auf digitalen Analysemethoden. Die Grundlage dafür sind elektronische Signale, deren Geschichte wiederum weit zurückreicht bis in die Anfänge der Röntgentechnik und Elektrokardiographie, wo deshalb bereits vor über hundert Jahren über „Telemedizin“ diskutiert wurde. In jüngerer Zeit wäre die Durchsetzung der Evidenz-basierten Medizin ohne die gleichzeitige digitale Computerrevolution nicht möglich gewesen. Heutzutage sollen Big Data und KI aus der Grundlagenforschung heraus eine individualisierte Präzisionsmedizin möglich machen. Gleichzeitig drängen die großen IT-Konzerne in den Gesundheitsmarkt. Damit stellt sich die Frage, wie grundlegend digitale Medizin die ärztliche Praxis verändern wird.

    Cornelius Borck ist Professor für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin und Naturwissenschaften sowie Direktor des Instituts für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte an der Universität zu Lübeck. Nach dem Studium der Medizin, Philosophie, Religionswissenschaften und Medizingeschichte folgten Stationen u.a. an der Universität Bielefeld, am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, an der Bauhaus Universität Weimar und der McGill University (Montreal). Zu Cornelius Borcks Forschungsschwerpunkten gehören: Zeitgeschichte der Medizin; Hirnforschung zwischen Medientechnik und Neurophilosophie; Medizinische Visualisierungsstrategien sowie Epistemologie des Unscheinbaren in Wissenschaft und Kunst.

FSP digitale_kultur | 28.05.2026