eLecture Series 2026
Antidemokratische Angriffe gegen das Wissen. Universitäten zwischen Verletzbarkeit und Souveränisierung
- Organisator*innen: Julia Fischer, Jennifer Eickelmann und Thomas Bedorf
Abbildung: A. C. via Unsplash
Angesichts antidemokratischer, wissenschaftsfeindlicher Angriffe gegen Wissenschaftler*innen und die Wissenschaftsfreiheit steht die Wissensproduktion an Universitäten zunehmend unter Druck. Dies gilt nicht für alle Wissensbestände und -praktiken gleichermaßen, sondern insbesondere für Forschungen in den Bereichen Gender, Postkolonialität und Klimakrise. Und dennoch geht es uns alle an: Die politische Instrumentalisierung von Forschung und damit auch die offene Missachtung grundlegender Prinzipien der demokratischen Wissensorganisation und Wissenschaftsfreiheit wie wir sie aktuell erleben, betrifft die Universitäten und ihr Selbstverständnis als Ganze.
Gleichwohl die Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit ihre eigenen Voraussetzungen kritisch zu reflektieren hat und folglich notwendigerweise auf eine kritische Beschäftigung mit den Bedingtheiten der Wissenschaft(sfreiheit) bestehen muss, scheint der Einsatz für die Wissenschaftsfreiheit dringlich. Dies insbesondere vor dem Hintergrund der digitalen Transformation und ihrer Effekte für universitäre Forschung, Lehre und Wissenschaftskommunikation. Hieraus ergeben sich weiterführende Fragen sowohl nach sich wandelnden (politischen, ökonomisch und technologischen) Verletzbarkeiten der Institution Universität als auch nach Initiativen, die auf eine Souveränisierung der Universitäten als Antwort auf antidemokratische Angriffe zielen.
Die eLecture Series nimmt auf dieser Grundlage das Spannungsfeld zwischen Verletzbarkeit und Souveränität der Universitäten vor dem Hintergrund antidemokratischer Angriffe in den Blick. Dabei sollen aktuelle Problemlagen und die Funktionsweisen antidemokratischer Delegitimierungen und Angriffe, antizipierte Angriffsszenarien sowie konkrete Möglichkeiten und Initiativen zur Stärkung universitärer Resilienz vorgestellt, reflektiert und diskutiert werden.
Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt des Forschungsschwerpunktes digitale_kultur mit dem Forschungsprojekt „Wissen. Freiheit. Demokratie. Institutionen schützen, Angriffen entgegentreten“ an der FernUniversität in Hagen.
Registrierung und Veranstaltungshinweise
Neben dem Input der Referent*innen aus Wissenschaft und Praxis besteht die Möglichkeit für einen offenen Dialog und eine Diskussion zwischen allen Beteiligten.
Bitte melden Sie sich zu jeder Veranstaltung separat an. Die Links zur Anmeldung finden Sie weiter unten unter der jeweiligen eLecture. Nach erfolgreicher Anmeldung wird Ihnen der passende Zoom-Link rechtzeitig bereitgestellt.
Bitte beachten Sie im Rahmen unserer Veranstaltungen folgende Hinweise:
Geben Sie bei der Anmeldung in Zoom bitte Ihren Vor- und Nachnamen an.
Im Rahmen unserer eLecture-Reihe werden Teilnehmende mit unterschiedlichen fachlichen und persönlichen Hintergründen, Erfahrungen und Ansichten zusammenkommen. Daraus ergibt sich ein vielfältiges Programm mit diversen Perspektiven. Um für alle Teilnehmenden einen möglichst diskriminierungsarmen Ort zu gestalten, wird ein rücksichtsvoller und respektvoller Umgang vorausgesetzt. Diskriminierendes Verhalten wird nicht toleriert.
eLectures
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- mit Dr. Christoph Haker/ PD Dr. habil. Lukas Otterspeer (Europa-Universität Flensburg)
- Ort: Zoom
- Moderation: tba.
Abstract
„Der Vortrag gibt zunächst Einblick in den Forschungsstand zu Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Hochschulen. Im Mittelpunkt stehen anschließend Perspektiven von Betroffenen: Herausgearbeitet wird, wie Hochschulangehörige, die auf dem Campus Rechtspopulismus und Rechtsextremismus erleben, an ihrer Hochschule institutionalisierte Sprachlosigkeit und organisierte Vereinzelung erfahren. Der Vortrag schließt mit Überlegungen, welche Umgangsweisen für diese Herausforderungen geeignet sind.“
Lukas Otterspeer ist Erziehungswissenschaftler an der Europa-Universität Flensburg. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der qualitativen Sozialforschung, der Forschung zu sozialen Grenzen und Sozialtheorien sowie in der Forschung zu Rechtspopulismus/-extremismus in Bildung, Kultur und Wissenschaft.
Christoph Haker ist Soziologe und Lehrer. Er hat mehrere Jahre an Stadtteilschulen in Hamburg gearbeitet und ist aktuell Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaften und am Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung der Europa-Universität Flensburg. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der sozialwissenschaftlichen Theorie und der qualitativen Sozialforschung, Wissenschaftsforschung und Rechtspopulismus/-extremismus in Bildung, Kultur und Wissenschaft.
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- mit Vertr.-Prof.'in Dr. Sophie Einwächter (Philipps-Universität Marburg)
- Ort: Zoom
- Moderation: tba.
Abstract
„Der Beitrag kartiert Formen der Wissenschaftsfeindlichkeit aus medienwissenschaftlicher und medienethnografischer Perspektive und zeigt, wie digitale Sichtbarkeit für Wissenschaftler*innen zugleich Angriffsfläche bedeutet – verstärkt durch eine Aufmerksamkeitslogik algorithmischer Medienumgebungen, die wissenschaftsfeindliche Narrative strukturell begünstigt. KI-Anwendungen verschärfen diese Gemengelage, indem sie offen verfügbare Forschungsdaten kommerziell aneignen, Ungleichheiten reproduzieren und Inhalte entstellen. Der Beitrag plädiert daher für eine ‚wehrhafte Openness‘: strategische Schließungsmechanismen dort, wo Offenheit einseitig zur Verletzlichkeit wird – um den wissenschaftlichen Austausch zu schützen, ohne seine Grundprinzipien aufzugeben.“
Sophie G. Einwächter, Philipps-Universität Marburg, Vertretung der W2-Professur «Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Geschichte und Pragmatik visueller Medien» von Prof. Dr. Yvonne Zimmermann (zu 75%, 2025-2028), zuvor Leiterin des DFG-Projekts «Medienwissenschaftliche Formate und Praktiken im Kontext sozialer und digitaler Vernetzung» (Fördernummer 441413969) und Vertretung der W2-Professur «Mediensysteme im internationalen Vergleich» am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum (2020-2021). Ko-Herausgeberin der Fachzeitschriften «Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit» (Wochenschau Verlag) und «Fandom I Cultures I Research» (Diamond Open Access, UB Marburg).
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- mit Friedrich Zillessen (St Peter’s College, Oxford)
- Ort: Zoom
Abstract
„Lassen sich Prozesse demokratischer Erosion analysieren, bevor sie passieren? International zeigen sich wiederkehrende Strategiemuster, mit denen autoritär-populistische Akteure demokratische Institutionen wie Gerichte, Universitäten und Medien schwächen, kontrollieren und zur Stabilisierung eigener Machtpositionen instrumentalisieren. Neben graduellem, kumulativem Vorgehen ist dabei insbesondere die Präferenz für rechtsförmige Strategien kennzeichnend. Aufbauend auf Arbeiten im Thüringen-Projekt und Justiz-Projekt stellt dieser Vortrag einen szenariobasierten Analyseansatz vor, mit dem sich potenzielle Angriffspfade ausleuchten lassen, um institutionelle Verwundbarkeiten und Resilienzressourcen antizipativ zu erfassen.“
Friedrich Zillessen studierte Rechts- und Politikwissenschaft an der Universität Leipzig und war anschließend Redakteur beim Verfassungsblog. Dort co-initiierte er das Thüringen-Projekt und leitete das daran anschließende Justiz-Projekt, das sich mit der Verwundbarkeit rechtsstaatlicher Institutionen befasst. Seit Oktober ist er Doktorand am Centre for Democratic Resilience der University of Oxford. In seiner Promotion untersucht er die strategische Nutzung rechtlicher Instrumente zur Schwächung wissenschaftlicher Institutionen.
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- mit Prof.'in Dr. Saphira Shure (Universität Bielefeld)
- Ort: Zoom
- Moderation: tba.
Abstract
„(Rassismuskritische) Forschung und die Orte der Wissensproduktion sind in die gesellschaftlichen Verhältnissen eingebunden, die bspw. durch Rassismus strukturiert werden. Forschungsprozesse sind entsprechend selbst durch diese strukturiert. Was dies für Forschung bzw. für Forscher:innen, für forschungsethische und forschungsreflexive Fragen, bedeutet, ist im deutschsprachigen Raum noch wenig diskutiert. Wer etwa forscht unter welchen Bedingungen zu was? Wie könnten oder müssten Sorgeverantwortungen und Sorgepraktiken im Kontext rassismuskritischer Forschung thematisiert und berücksichtigt werden, etwa von Seiten der Universitäten? Und welche Rolle spielen aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen in diesem Zusammenhang? Der Beitrag beschäftigt sich mit diesen und weiteren Fragen entlang von Erfahrungen in zwei rassismuskritischen Forschungsprojekten.“
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- mit Prof.'in Dr. Heike Radvan/Susanne Dyhr (Eberhard Karls Universität Tübingen/Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg)
- Ort: Zoom
- Moderation: tba.
Abstract
„Hochschulen sind Bestandteil von Stadtgesellschaften und zugleich zentrale Orte freier Forschung und Lehre. Die Veranstaltung geht der Frage nach, wie Universitäten in Zeiten zunehmender rassistischer, antidemokratischer und wissenschaftsfeindlicher Mobilisierungen die Freiheit von Wissenschaft und Lehre gewährleisten können. Eine Antwort darauf bietet das Handlungskonzept gegen (extrem) rechte Einflussnahme der BTU Cottbus-Senftenberg, welches 2023 in Kraft trat und heute mit einer Personalstelle im Bereich Monitoring umgesetzt wird. Prof*in Dr.*in Heike Radvan und Susanne Dyhr, die Verfasserinnen des Konzepts berichten über die Erfahrungen in der Erarbeitung des Konzeptes und in der Umsetzung.“