Über digitale_kultur

Campus FernUniversität in Hagen Foto: ©Dirk Matull Fotografie
 

Profil des Forschungsschwerpunktes digitale_kultur


Selbstverständnis

Digitale Kulturen und gesellschaftliche Verantwortung

Der Forschungsschwerpunkt digitale_kultur widmet sich Fragen gesellschaftlicher Verantwortung in digitalen Kulturen. Damit schließt er an die Geschichte der FernUniversität als Medienuniversität, ihr damit zusammenhängendes Selbstverständnis als Universität der digitalen Transformation und ihren Auftrag an, einen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit zu leisten. Vor diesem Hintergrund erforscht und reflektiert der FSP die kulturellen, sozialen und epistemischen Dimensionen digitaler Kultur, ohne sie auf ihre technologischen und infrastrukturellen Bedingungen zu verkürzen. Dynamiken in ihren jeweiligen gesellschaftlichen Kontexten bedürfen der Beschreibung, Analyse und Einordnung durch die Wissenschaften, die gefordert sind, den digitalen Wandel zu beobachten und kritisch zu begleiten. Damit leistet der Forschungsschwerpunkt seinen Beitrag zur Reflexions- und Handlungsfähigkeit in digitalen Kulturen als Voraussetzung dafür, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen zu können.

Unter „digitaler Kultur“ wird dabei jene Kultur verstanden, in der die Unterscheidung zwischen digital und analog nicht mehr trennscharf zu ziehen ist. An dieser Bestimmung orientiert sich auch der Hagener Ansatz, der in interdisziplinärer Zusammenarbeit Kulturreflexionen und digitalen Methoden im Kontext der Digital Humanities miteinander verzahnt. Der FSP digitale_kultur bündelt und vernetzt Projekte mit Fokus auf digitale Kulturen und Methoden in Forschung und Lehre und initiiert Formate für den gesellschaftlichen Transfer.

 

Profilthemen

Digitale Hermeneutiken

Mit digitalen Technologien und Infrastrukturen wandeln sich Sinnerzeugungs- und Verstehenspraktiken sowie -prozesse grundlegend, indem analoge und digitale Praktiken miteinander verschränkt werden. Dabei wandelt sich die Aufgabe der Hermeneutik. Sie muss sich mit den Verschiebungen in Deutungsprozessen als auch dem Unverständlichen in algorithmischen Begegnungen konfrontieren (black boxes). Angesichts dessen, dass digitale Systeme wie Large Language Models längst selbst Texte erzeugen, verschiebt sich sowohl der Ort und auch der Begriff der Verantwortung, die Autor*innen für Sinnerzeugungen übernehmen müssen. So verstanden widmen sich digitale Hermeneutiken den Orten gesellschaftlicher Verantwortung, insofern Grundbegriffe der verstehenden Orientierung unserer Welt (wie „Wahrheit“ oder „Wirklichkeit“) nicht nur digital vermittelt, sondern auch politisch unter Druck geraten. Diese Transformation erfordert nicht zuletzt eine Reflexion und Problematisierung der digitalen Bedingungen des Verstehens in Forschung und Lehre zugunsten einer verantwortungsvollen universitären Praxis.

Digitale Norm(alis)ierung

Fragen der digitalen Normalisierung adressieren die Ausrichtung von Nutzenden und Technologien an spezifischen Normen sowie auch die Herstellung statistischer Normen und Durchschnittswerte. Soziotechnische Praktiken und Prozesse des Messens, Klassifizierens, Vergleichens und Relationierens haben das Verhältnis zwischen Normen und Normalität immer wieder neu justiert. In digitalen Kulturen vervielfacht sich auch die Bedeutung dieser Techniken in teils macht- oder gar gewaltvollen Normierungs- und Normalisierungsprozessen. Medientechnische wie -ästhetische Regulierungen, die Standardisierung von Daten in der Datenanalyse und auch die Archivierung in Datenbanksystemen sind nur einige der hier relevanten Schauplätze, die sich in den datafizierten Alltagsverhältnissen digitaler Kulturen zudem zusätzlich miteinander verweben und verstärken. Im Kontext gesellschaftlicher Verantwortung rufen die Prozesse und Praktiken digitaler Normalisierung entsprechend Fragen nach soziotechnischer Kontrolle und Verfügungsmacht, algorithmischen Voreingenommenheiten und Verzerrungen sowie auch nach Verfahren der Datenmodellierung auf.

Digitale Souveränität

Angesichts umfassender Diffundierungen und Unklarheiten mit Blick auf die Verfügungsmacht über persönliche wie forschungsrelevante Daten stellt sich die Frage nach Souveränität als ein zentrales Problem digitaler Kulturen. Die Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Daten verlangt die Reflexion technologischer, ökonomischer, sozialer und politischer Bedingungen der Datenerzeugung, -speicherung, -modellierung und -auswertung sowie ihrer Auswirkungen auf Gesellschaft und Wissenschaft. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Intransparenz entsprechender algorithmischer Systeme drängen sich Fragen nach Selbstbestimmung, Autonomie, Kritik- und Handlungsfähigkeit ebenso auf wie die Notwendigkeit der Stärkung von Digital bzw. Media Literacy, die für ein verantwortliches Handeln in digitalen Kulturen unabdingbar ist.

 

Räume, Formate und Praktiken der Zusammenarbeit

Bild Profilpapier Foto: FSP digitale_kultur

Der Forschungsschwerpunkt digitale_kultur arbeitet in unterschiedlichen Räumen, Formaten und mithilfe unterschiedlicher Praktiken miteinander. Im Zentrum der inter- bzw. transdisziplinären Zusammenarbeit steht das „Digital Cultures HUB, das Formate für den fächer- und statusübergreifenden Austausch, die Entwicklung neuer Forschungs- und Transferprojekte und das experimentelle Arbeiten, beispielsweise in Form von problemzentrierten Workshops und Early Career Kolloquien ermöglicht. Zudem schaffen eine zweijährige interdisziplinäre Tagung sowie eine jährliche Lecture Series Raum für die Präsentation und Diskussion von Forschungsergebnissen mit Wissenschaftler*innen und Studierenden und dienen zudem der Vernetzung von Forschungsaktivitäten, dem Ausbau von Kooperationen sowie auch der Weiterentwicklung von Lehrformaten. Mit dem Videoformat Theorie|Apparate leistet der FSP zudem einen nachhaltigen Beitrag zum gesellschaftlichen Transfer von Forschungsprojekten und -ergebnissen zugunsten der Stärkung einer verantwortungsbewussten Gesellschaft.

 

Kontakt

Dr. Thorben Mämecke

Wissenschaftliche Geschäftsführung

E-Mail: thorben.maemecke

Eva Engelhardt

Sekretariat

E-Mail: d-k

Telefon: +49 2331 987-4010

FSP digitale_kultur | 18.03.2026