Forschungsprojekt

BMBF-Verbundprojekt InDigiTrain

Projektleitung:
Prof. Dr. Claudia de Witt
Mitarbeitende:
Jessica Felgentreu
Dr. Christina Gloerfeld
Vanessa Meiners
Status:
abgeschlossen
Laufzeit:
01. Juni 2016 bis 31. Mai 2019, verlängert bis 31. September 2019
fördernde Einrichtungen:
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Europäische Sozialfonds

Projektseite

„InDigiTrain“ – Forschungsprojekt zu digitalen Medien in der beruflichen Bildung

In dem vom BMBF und ESF geförderten Forschungsprojekt ging es um die nachhaltige Flexibilisierung und Modernisierung der beruflichen Bildung durch die Integration digitaler Medien. Dazu wurden traditionelle Strukturen in der Aus- und Weiterbildung über eine stärkere Digitalisierung des Lehrens und Lernens aufgebrochen, erweitert und verändert.

Ziel des Projektes

Das BMBF-Verbundprojekt InDigiTrain in der Zusammenarbeit mit den Partnern BiG, AWO und M.I.T e-Solutions zielte darauf, den Einsatz digitaler Medien über mobile Lernplattformen, exemplarisch für die zwei Berufsgruppen der Logopäden*innen und Hygienefachkräfte, nachhaltig in Lehr- und Lernprozesse von Bildungsinstitutionen zu integrieren. In einem Zeitraum von drei Jahren wurden digitale Szenarien für zwei Berufsgruppen aus der Gesundheitsbranche entwickelt und fest implementiert. Die Lernenden sollten in die Lage versetzt werden, Lernprozesse mitzugestalten und sich neue Lernstrategien anzueignen.

Mediendidaktisches Konzept, Evaluation und Erprobung in der Praxis

Der wissenschaftliche Fokus und die Entwicklung, Erprobung und Evaluation der mediendidaktischen und bildungstechnologischen Konzepte erfolgte in den jeweils zwei Teilprojekten: für die dreijährige berufliche Ausbildung von Logopäden*innen sowie für die zweijährige berufliche Fachweiterbildung von Pflegepersonal zu Hygienefachkräften.

Digitalisierte Lehr-/Lerninhalte und auch digitale Werkzeuge wurden im Rahmen des Inverted Classroom eingesetzt. Digitale Medien wurden methodisch-didaktisch über das problemorientierte Lernen im Unterricht und die selbstständige thematische Aneignung über Lernfilme vor dem Unterricht eingebunden. Dadurch wurde ein nahtloses, autonomes, aber auch vernetztes, kooperatives Lernen über die entwickelten mobilen Lernplattformen umgesetzt. Die mediendidaktische, konzeptionelle Eignung und die Vorteile digitaler Medien und Werkzeuge auf den mobilen Lernplattformen wurden für die Anwendungskontexte der Gesundheitsbereiche erarbeitet und ausgeschöpft, um die Aus- und Weiterbildung in der Gesundheitsbranche inhaltlich, organisatorisch und technologisch stärker zu digitalisieren sowie flexibler und praxisorientierter zu gestalten. Der Fokus lag auf einer Auflösung von eher starren Unterrichtsstrukturen und Lehr-/Lernorganisationen sowie einer methodisch-didaktischen Neuordnung, um unabhängiges und selbstständiges, aber ebenso kooperatives Lernen zu forcieren. Die Verbindung von Lern- und Arbeitsort wurde über ebenso über die mobilen Lernplattformen beider Praxispartner hergestellt. Die Verfügbarkeit von digitalisierten Lehr- Lerninhalten, Lernfilmen oder Trainings als digitale Ressourcen war gleichzeitig integraler Bestandteil im Anwendungs- und Lernkontext. Lernenden wie Lehrenden wurde eine Lern- bzw. Lehrstrategie für die zielgerichtete didaktische Planung, Umsetzung und den sinnvollen Einsatz digitaler Medien an die Hand gegeben; ebenso wurde ein bedürfnisorientiertes Qualifizierungskonzept umgesetzt, das individuelle, personelle und organisatorische Aspekte berücksichtigte, um den Einbezug weiterer Lehrkräfte zu untermauern. Ferner standen Lernende im umgesetzten Inverted Classroom stärker im Mittelpunkt und sie erhielten die Möglichkeit, ihren Lernprozess unabhängiger und selbstständiger zu gestalten. Dies wurde insbesondere bei den in der Logopädieausbildung nebenberufstätigen Schüler*innen sowie den eher dezentral organisierten Hygienefachkräften anwendungsnah erwirkt.

Die Verknüpfung von Lernen und Arbeiten war somit das Ziel, das auf der Basis des Inverted Classrooms sowie des problembasierten Lernens umgesetzt wurde. Im Inverted Classroom eigneten sich die Lernenden die digital zur Verfügung gestellten Inhalte eigenständig an, in der Regel Zuhause. Die Präsenzzeit wurde dazu genutzt, das Erarbeitete gemeinsam zu vertiefen. Häufig besteht eine Diskrepanz zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung beziehungsweise praktischer Tätigkeit und theoretischer Reflexion. Beim problemorientierten Lernen läuft der Wissenserwerb über einen authentischen Fall, den die Lernenden aus verschiedenen Perspektiven heraus lösen sollten. Mit der Neugestaltung der Aus- und Weiterbildungsanteile wurden strukturelle Veränderungen durch das Aufbrechen der Trennung von Arbeits- und Lernort herbeigeführt. Das Potenzial digitaler Medien konnte durch das Zusammenspiel neuer bildungstechnologischer Lösungen und adäquater (medien-)didaktischer Konzepte zunehmend besser ausgeschöpft werden.

Gesamtkonzept InDigiTrainAbbildung: FernUniversität
Gesamtkonzept "InDigiTrain"

Auf den mobilen Lernplattformen wurden thematisch strukturierte (Lern-) Module zur Verfügung gestellt, die Kernthemen, Kerntätigkeiten und Schlüsselkompetenzen aus den Bereichen der Logopädie und Hygiene beinhalteten. Sowohl über 100 produzierte Lehrvideosequenzen als auch Diagnostiktrainings, Lernprogramme, Flussdiagrammeditoren, E- Testings - als digitale Ressourcen - standen auf den jeweils für die Logopädie und für die Hygienefachkräfte entwickelten mobilen Lernplattformen zur Anwendung und für den Einsatz im Inverted Classroom bereit. Foren zum Austausch auf beiden Lernplattformen und ein Blog für die Hygienefachkräfte dienten der übergreifenden Lern- und Arbeitskooperation, der Lehr- und Lernorganisation sowie einer gemeinsamen Vernetzung und nachhaltigen Verwendung. Das unabhängige und nahtlose Lernen konnte über die entwickelten und zur Verfügung stehenden Apps umgesetzt werden, somit war der mobile, zeit- und ortsunabhängige Zugriff für die Lernenden und Lehrenden möglich. Mit digitalen Medien, wie z. B. E-Testings, trainierten die Schüler*innen in der Logopädieausbildung, indem sie Ihren Wissensstand anhand von thematischen Multiple-Choice-Aufgaben abfragten. Die Lautsprache wurde spielerisch, anhand eines digitalen Memorys erarbeitet. Diagnostische Tätigkeiten und Vorgehensweisen wurden eigenständig und fallbasiert mit dem Diagnostischen Trainer geübt und, auf diesen Trainings aufbauend, ebenso in der Unterrichtspraxis kooperativ erarbeitet. In der Weiterbildung zur Hygienefachkraft war der Praxisblog ein spezifisch digitales Werkzeug, denn dieser diente im Rahmen der zu leistenden Praktika als digitaler Ort des aktiven Praxisaustausches (Community of practice). Gleichfalls wurde der Blog in die Unterrichtszeit einbezogen, indem Lehrkräfte Anreize setzen, einerseits für die Vernetzung, andererseits um selbsterstellte Artefakte bzw. User Generated Content (UGC) dort einzustellen. Die nachhaltige Nutzung für den Lernprozess und in der alltäglichen Berufspraxis stand im Mittelpunkt, da die Hygienefachkräfte selbst lehrend tätig sind und Schulungen durchführen. Beruflich relevante Handlungs- oder Arbeitsprozesse wie Hygiene-Maßnahmenpläne wurden zum einen über einen digitalen interaktiven Flussdiagrammeditor eingeübt oder eigenständig als auch gemeinsam interaktive Flussdiagramme erstellt. Diese waren gleichzeitig als fertiges Produkt direkt in der Berufs- und Schulungspraxis einsetzbar. Für die Lehrkräfte standen auf der mobilen Lernplattform digitale Handreichungen und Metaplanungen für den digitalen und invertierten Unterrichtsprozess bereit, so dass die inhaltlich, methodisch-didaktischen, organisatorischen und digitalen Komponenten für die jeweiligen (Fach-) Unterrichte nicht nur strukturiert und transparent zur Verfügung standen, sondern genutzt und strategisch erweitert werden konnten. Anhand des partizipativen und iterativen Evaluationsprozesses im Sinne des Design Based Research konnten zeitnah Rückmeldungen, konkrete Wünsche und Verbesserungsvorschläge für die bildungstechnologische und mediendidaktischen Konzepte aufgenommen und in den Entwicklungsprozess als auch die konkrete Umsetzung eingebracht werden.

Ergebnis und Ausblick

Im Ergebnis wurde die (medien-)didaktische Qualität der Aus- und Weiterbildung zukunftsorientiert angepasst und mediengestützte Unterrichtsprozesse lernendenzentriert ausgestaltet. Ein wichtiger Faktor für die nachhaltige Nutzung und Integration in den Regelbetrieb war u. a. das partizipativ gestaltete Evaluationskonzept und ferner die Zusammenarbeit unter der konkreten Mitgestaltung durch die Praxispartner, Experten*innen der AWO und des BiG. Dadurch konnte ein sehr praxisorientiertes und binnendifferenziertes digitales Lernangebot erreicht und eine zielgerichtete, handlungsorientierte Verzahnung von Theorie und Praxis realisiert werden. Der direkte Einbezug von Lehrkräften, Patient*innen und Krankenhäusern als auch von Auszubildenden und Teilnehmenden der Weiterbildung in die digitale Lehr- Lernmittelkonzeption, Filmproduktion sowie die digitalen Lernmedien verhalf dazu, anwendungsbezogene und authentische digitale Artefakte anbieten zu können, die in weiteren Kontexten einsetzbar bzw. skalierbar sind. Zudem wurde damit eine gute Ausgangslage zur nachhaltigen Einbindung in den Regelbetrieb geschaffen. Die mediendidaktische Konzeption und die produzierten digitalen Medien stehen als Open Educational Ressource und modulares Lernangebot auf Open Moodle weiteren Nutzer*innen zu Verfügung. Beide Praxispartner streben die dauerhafte Integration der digitalisierten Aus- und Weitebildungskonzepte an und setzen diese in ihrem Regelbetrieb ein. Die mediengestützte Lehr- und Lernpraxis ist realisiert. Eine Ausweitung auf weitere Institutionen oder Fachgebiete ist in beiden beruflichen Aus- und Weiterbildungen durchführbar.

Projektpartner und Zusammenarbeit

Die Konsortialführung des Projektes oblag der FernUniversität in Hagen, die damit zum einen die Koordination des Projektes leitete und zum anderen in der wissenschaftlichen Begleitung die (medien-)didaktische Konzeption und Evaluation verantwortete. Die Praxispartner AWO und BiG brachten die fachliche Expertise für den Bereich Logopädie und Hygienefachkräfte ein und lieferten mit ihren Qualifizierungsangeboten die Zielgruppen (Lehrende und Lernende) sowie die unterrichtlichen Einsatzszenarien. Die technische Umsetzung oblag M.I.T e-Solutions GmbH als technischer Partner. Sie entwickelte die mobilen Lernplattformen, Lernmodule und spezifischen Lernwerkzeuge nach Bedarf und sicherte die technischen Zugriffsmöglichkeiten. Als Vertragspartner beteiligte sich die Firma Tricast an dem Projekt mit der Produktion der Lehrvideos für die Lernplatt- formen und mit Schulungen im Bereich der Produktion audiovisueller Medien für Lehrende und Lernende.

Überblick Zusammenarbeit Projektpartner InDigiTrainAbbildung: FernUniversität
Überblick über die Zusammenarbeit der Projektpartner

Weitere Informationen

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08.09.2020