Gender Kompetenz und Gender Mainstreaming

Foto: FernUniversität Hagen
  • Die Identitätsbildung von Menschen und die Geschlechterrollen sind nicht nur biologisch begründet, sondern sind auch Ergebnis von Sozialisierung und Kultur. Im Deutschen gibt es keinen Begriff, um diese soziokulturelle Dimension zu beschreiben, weswegen man dem Englischen den Begriff „Gender“ entnommen hat, der eine Bedeutungsdifferenzierung zwischen Geschlecht im biologischen Sinne und Geschlecht im gesellschaftlichen Sinne ermöglicht.

    Diese Differenzierung ist nötig, um auf die Einflüsse von Sozialisation und äußeren Rollenzuschreibungen auf die Identitätsbildung des Menschen eingehen zu können. Bei der Konstruktion und Erfahrung sozialer Wirklichkeit kommt dem Geschlechterverhältnis eine wichtige Rolle zu. Daher ist es wichtig, auch im Deutschen zwischen Geschlecht im biologischen und Gender im gesellschaftlichen Sinne zu unterscheiden.

  • Mit Genderkompetenz lassen sich die Wechselwirkungen zwischen der sozialen Kategorie Geschlecht (Gender) und den gesellschaftlichen Verhältnissen erkennen und verstehen, denn politisches und organisatorisches Handeln ist niemals geschlechterneutral und kann sowohl für Frauen als auch für Männer benachteiligend wirken.
    Mit Genderkompetenz sollen diese Defizite aufgedeckt und verändert werden, so dass allen Geschlechtern neue und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet werden.

    Genderkompetenz für Lehrende

    Gender ist ein sozialer Faktor (ähnlich wie Alter, Erfahrungshintergrund, Nationalität), der die Heterogenität der Studierendenschaft ausmacht. Lehrkräfte, die über Genderkompetenz verfügen, können die unterschiedlichen Lehr- und Lernstile zwischen den Geschlechtern erkennen, die unterschiedliche Anforderungen an die Wissensvermittlung haben und so den Studienerfolg der Studierenden fördern.
    Außerdem soll dieses Wissen dazu veranlassen, die eigene Geschlechterprägung zu reflektieren, eigene geschlechterstereotype Denk- und Interaktionsweisen zu identifizieren und abzubauen ebenso wie geschlechtsspezifische Benachteiligungen zu erkennen.

  • Gender Mainstreaming (GM) wurde 1998 vom Europarat folgendermaßen definiert: „Gender Mainstreaming besteht in der (Re-)Organisation, Verbesserung, Evaluierung der Entscheidungsprozesse, mit dem Ziel, dass die an politischer Gestaltung beteiligten Akteure und Akteurinnen den Blickwinkel zwischen Frauen und Männern in allen Bereichen und auf allen Ebenen einnehmen“ (Kaschuba, 2005, S. 67). GM zielt auf die geschlechtergerechte Veränderung von Organisationskultur und -struktur ab (vgl. Gindl & Hefler, 2007). Das Konzept des GM grenzt sich von reiner Frauenförderung ab, indem es Geschlecht als Analyse- und Strukturkategorie betrachtet und das Ziel verfolgt, Benachteiligungsstrukturen für alle Geschlechter abzubauen.

    Dieser Gedanke geht davon aus, dass die Kategorie Geschlecht auf allen Organisationsebenen umfassend relevant ist und dass es keine geschlechtsneutrale Perspektive gibt. Auf Grund dieser Perspektive wird der Anspruch verfolgt, geschlechtsbezogene Strukturen und Prozesse zu verdeutlichen, und zu berücksichtigen, dass diese Strukturen und Prozesse, Ungleichheiten und Benachteiligungen nach sich ziehen können (vgl. Gindl & Hefler, 2007).


Formale Verankerung von Genderaspekten in der Lehre

Hochschulentwicklungsplan 2015

Im Hochschulentwicklungsplan ist die „Unterstützung der Fakultäten bei der Aufgabe, genderspezifische Aspekte in Forschung und Lehre sowie bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in fachlich angemessener Weise zu berücksichtigen“ (HEP 2015, S. 15) festgeschrieben.

Gleichstellungskonzept 2014-2017

Im Gleichstellungskonzept wird die Unterstützung der Fakultäten konkretisiert: demnach sollen Expertise und unterstützende Strukturen für die Fakultäten und Lehrenden auf Basis externer Beratung bereitgestellt werden. Außerdem soll ein Anreizsystem für Lehrende für eine Selbstevaluation von Studienmaterial hinsichtlich dessen Geschlechtergerechtigkeit geschaffen sowie eine Handreichung für Lehrpersonen erstellt werden.

Deutsche Forschungsgemeinschaft

In den forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der DFG, denen die FernUniversität Hagen zugestimmt hat, erklärte sie die Berücksichtigung von relevanten Gender-Aspekten als ein wesentliches Element qualitativ hochwertiger Forschung. Damit stellen sie eine Leitlinie für die Forschung an der FernUniversität dar.

Ziel- und Leistungsvereinbarungen

Auch in den Ziel- und Leistungsvereinbarungen V (2014 – 2015) zwischen der FernUniversität und dem Landesministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung ist die „Berücksichtigung von genderspezifischen Aspekten in Forschung und Lehre als ein besonderer Schwerpunkt der Gleichstellungsarbeit in den nächsten Jahren“ in Anlehnung an den Hochschulentwicklungsplan 2015 verankert.

Gleichstellungsstelle | 16.07.2018